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hersfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 27

Sonnabend, den 2. März

1912.

Erstes Statt

flutll* C*

HerSseld, den 22. Februar 1912.

Zur Abhaltung deS diesjährigen Erfatz-GeschäfteS für den Kreis Herrfeld find folgende Termine bestimmt worden: Mittwoch den 20. März d. 3.

von Morgens V28 Uhr an

««d zwar im Saale des Gastwirts Geheb in Schenklengsfeld

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des AmtSgerichtSbezirks Schenklengsfeld.

Donnerstag den 21. März d. 3.

von Morgens 8 Uhr an und zwar im Saale des Gastwirts Träger in Friedewald Musterung der Militärpflichtigen auS den Landgemeinden pp. deS AmtsaerichtsbezirkS Friedewald.

Freitag den 22. März d. 3.

von Morgens 7 U b r an und zwar in der neuen Turnhalle in Hersfeld (Angust-Gottlieb-Strafte)

Musterung der Militärpflichtigen aus der Stadt HerSfeld.

Sonnabend den 23. März d. 3.

von Morgens 7 Uhr an in demselben Lokale

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. deS AmtSgerichtSbezirks HerSfeld mit Ausnahme derjenigen von Untergeis, Unterhalt«, Wilhelmshof und Wippershain.

Montag den 25. März d. 3. von Morgens 7 Uhr an in demselben Lokale

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden Untergeis, Unterhau«, Wilhelmshof und Wippers­hain, sowie auS sämtlichen Gemeinden pp. des Amtsge- nchtSbezirkS Niederaula.

Dienstag den 26. März d. 3. von Morgens 8 Uhr an in demselben Lokale

Losung, sowie außerdem Zurückstellung derjenigen Mann­schaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der auSgebildeten Landsturmpflichtigen deS zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familienverhältniffe eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888.)

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden deS Kreises werden angewiesen:

1. die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:

a) die in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember 1892 geborenen, soweit sie nicht bereits in daS Militär eingestellt sind oder einen AuSstand erhalten haben,

b) die in den Jahren 1891, 1890 und 1889 oder früher Geborenen, welche bei den Ersatzgeschästen deS vorigen JahreS zurückgestellt, überzählig geblieben oder nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militär- verhältni? noch keine endgültige Entscheidung erholten haben, zu den vorbezeichneten MusterungSterminen vorzuladcn,

2. dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine ZurücktteUung bezw. Befreiung vom Militärdienst beansprucht wird, sich im MusterungS- lermine ebenfalls etnfinbcn,

3. in den Terminen sich persönlich einzufinden, und so lange zur Stelle zu fein, br» sämtliche Militärpflichtige der betreffenden Gemeinde gemustert sind. Im Falle einer Verhinderung ist für Die Anwesenheit eines Stell­vertreters Sorge zu tragen,

4. für rechtzeitige Gestellung der Militärpflichtigen rc. zum Ersatzgeschäft Sorge zu tragen und denselben aus­drücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

Militärpflichtige, welche ohne genügenden EntichuldigungS- grund tm MusterungSlermme nicht erscheinen oder beim Auf- ruf ihrer Namen im MusterungSlokale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe big zu 30 Mk. oder Hast bis zu drei Tagen bestraft, außerdem können ihnen die Vorteile der Losung entzogen werden. Ist die VerfäiimniS in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kann ihre alsbaldige Ein­ziehung zum Militärdienst alS unsichere HecreSpflichtige erfolgen. Atettatnationen Militärpflichtiger um Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militärdienst oder von Mannschaften

der Reserve, Landwehr und Ersotzreserve, sowie deS Land­sturms zweiten Aufgebots um Zurückstellung vom Militär­dienst im Falle einer Mobilmachung deS Heeres sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung deS vorge- schriebenen in L. FunkS Buchdruckerei hier stets vorrätigen Fragebogens sorgt.

Einer Beifügung von ärztlichen Attesten über den Gesund- heitszustand derjenigen Personen, sEltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung rc. vom Militärdienst beansprucht wird, bedarf es nicht, da sie im MuftcrungStcrmin mit zu erscheinen haben. Die erforderlichen Feststellungen werden hier durch den anwesenden Militärarzt bewirkt, dessen AuSspruch allein maßgebend ist.

Sämtliche Reklamationen sind umgehend spätestens bis zum 12. März d. Js. hier einzureichen. Militärpflichtige, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben auf ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihre? Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Anfälle bei dem betreffenden Militärpflichtigen wahrgenommen haben. Diese Protokolle nebst etwaigen ärztlichen Attesten über Fehler und Erkrankungen, welche srch im Temin nur mit Schwierig^ keil scststellcn lassen (,. B. geistige Beschränktheit, Bluthusten, Herzleiden usw.) sind gleichlaUS umgehend einzureichen, bezw. den ReklamattonSverhandlungen beizufügen.

Die Herren OrlSvorständc rc. haben Vorstehende? wieder­holt in ihren Gemeinden, insbesondere den gestellungspflichtigen Mannschasten und deren .Angehörigen bekannt machen zu lassen, und daß dies geschehen, bis zum 16. März d. JS. hierher zu berichten.

Der Livilvorsitzende der Ersatzkommiffion: von GruneliuS,

M. 397. Landrat.

HerSfeld, den 22. Februar 1912.

Der Herr RegierungS-Präsident hat an Stelle deS ver­storbenen StroßenmeisterS a. D. Sperber dortselbst den Schöffen Wilhelm Riebeling zum EtandeSbeamten-Stellvertreter für den Standesamtsbezirk Philippsthal ernannt.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 989. von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In Kürze steht die Wiederholung der W a h l deS R ei ch S- tagSpräfidiumS bevor. Hoffentlich gelingt cS alSdann, das Präsidium mit Vertretern von Parteien zu besetzen, die fähig und gewillt sind, sich zu einer wirklichen ArbeitS- mehrhcit zusammenzuschließen, und die Wahl eineS Sozialdemokraten hintanzuhalten. Daß diese Wahl über­haupt vorkommen konnte, ist und bleibt ein Skandal und ein untilgbarer Flecken auf dem Schilde derjenigen bürgn- lichen Parteien, die dazu mitgebolfen haben. Nach der Ent­larvung deS Schwindelmanövers, das Bebel in der Frage der Erfüllung staatsrechtlicher und höfischer Verpflichtungen durch einen sozialdemokratischen Vizepräsidenten aufgeführt hat, aber wäre eS geradezu unerhört, wollte man nochmals einen Sozialdemokratin wählen. Der nationalliberale Abge­ordnete 8 ch i s s e r hat ja denn auch erklärt, daß man in Zukunft wisse, waS von der Sozialdemokratie zu halten sei, und diese Erklärung ist vielfach als eine Brücke zu den Parteien der Rechten aufgefaßt worden. Wir wünschen von Herzen, daß eine derartige Auffassung sich alS richtig erweisen möge. Denn nur, wenn die Brücke zwischen der Rechten und dem gemäßigten LiberaliSmuS von neuem geschlagen wird, können wir wieder zu gesunden innerpolitifchen Zuständen gelangen, und nur wenn Zentrum, Konservative und Nationalliberale sich zusammenfinden, kann im gegenwärtigen Reichstage eine national zuverlässige und positiv schaffende Mehrheit hergestellt werden.

Der i t a l i e n i s ch - t ü r k i s ch e K r i e g hat mit dem Bombardement von Beirut durch die Italiener eine neue Wendung genommen. Dem Feldzuge um den Besitz von TripoliS sind damit die Merkmale eines reinen Kolonialkrieges genommen worden. Dabei kann eS nicht ausbleiben, daß alsbald auch die Interessen anderer Nationen in Mitleidenschaft gezogen werden. So hat die Beschießung BeirutS besonder? in Frankreich große Erregung hervvr- gerufen, weil man Syrien seit alterSher als französische Ein- flußsphäre betrachtet. Mehrfach wird in der Pariser Treffe hervorgehoben, daS Vorgehen der Italiener könne aus Grund deS Wortlautes der Haager Konvention vielleicht berechtigt erscheinen, sei aber höchst bedauerlich mit Rücksicht auf die großen Interessen, die fast alle Mächte in Beirut haben, und noch mehr wegen der den Christen aller Nationen drohen­den Gefahren, falls der religiöse Fanatismus der Musel­

männer durch derartige Vorkommnisse aufgestachelt würde. Ebenso nimmt man ab. uch in Oesterreich gegen daS Vor­gehen der Jtailiener von Beirut entschieden Stellung. Bei­spielsweise schreibt die WienerNeue Freie Presse":Die italienische Flotte wird an den asiatischen und an den euro­päischen Küsten keinen Punkt finden, wo sie die Türkei der- wunden kann, ohne daß Europa mitblutet, der Handel aller neutralen Staaten leidet und die Nerven der Welt erschüttert werden. ..... Da? Bombardement von Beirut hat mili­tärisch nicht? genützt und war politisch eine Verirrung." Im übrigen hat die Einmütigkeit, mit der daS gesamte italie- nische Parlament einschließlich der Sozialisten und Republikaner die K r e d i t e für den Feldzug um Tripolis bewilligt hat, der Welt ein glänzendes Muster patriotischer Begeisterung und nationaler Opferwilligkeit geliefert. Wenn unsere Bebel und Genossen Überhaupt noch der Scham in vaterländischen Dingen fähig wären, wahrhaftig, sie müßten bis an die Haarwurzeln erröten.

Ueber England hängt immer noch die drohende Wolke des G r u b e n a r b e i t e r st r e i k s. Die außerordent- liche Bedeutung dieses Streiks, der daS gesamte industrielle Leben Englands für längere Zeit zum Stillstände bringen und geradezu eine nationale Katastrophe für da? Jnfelreich bedeuten würde, wird auch im Schoße der britischen Regierung vollauf gewürdigt, und ASquith hat deshalb selber die Ver­mittlerrolle zwischen Arbeitgebern und Arbeitern übernommen. Wie vorauSzusehen war, benutzt der sozialdemokratische Berg­arbeiterverband Deutschlands die Gelegenheit, um auch unter unsern Bergarbeitern erneute Gärung hervorzurufen. Seine Bemühungen, einen Sympathiestreik anzuzetteln, dürften aber an dem Widerstand der christlichen Bergarbeiter, bei denen erfreulib^rreise. während der letzten Zeit der nationale Grunötc^. ü»i«r -.chr zum Durchbrüche gelingt ist, scheitern. Die christlichen Bergarbeiter empfinden die Zumutung, zugunsten einer Nation,1 die uns noch bis in die letzte Zeit durchaus feindlich gesinnt war, dem eigenen Volke die schwersten Opfer aufzuerlegen, alS ungehörig und denken auch zu nüchtern, um sich wegen fremder Leute in Kosten stürzen zu wollen. Hoffentlich wahren die christlichen Berg­arbeiter auch fernerhin gegenüber der sozialdemokratischen Streikhetze ihre besonnene und patriotische Haltung.

In China spielt I u a n s ch i k a i gegenwärtig eine Rolle, die man nach geschichtlicher Analogie alS diejenige eines Lord-ProtektorS bezeichnen könnte. Zur Befestigung seiner Stellung aber ist noch die volle Verständigung mit Dem Süden erforderlich, und inwieweit diese gelingen wird, muß erst dir Zeit lehren.

Reichstag.

Der Reichstag setzte gestern die 2. Beratung deS Etats für daS Reichsamt deS Innern fort. ES find dazu jetzt 11 Resolutionen von den Sozialdemokraten eingegangen, die darin dieselben Forderungen erheben wie in einer Reihe ihrer Initiativanträge. Die Debatte wurde sortgesührt durch den Abgeordneten Baffermann, der zunächst die Frage erörterte, ob daS ReichSamt des Innern nicht zu teilen sei, nnd auf die Notwendigkeit hinneigt, ein ReichsverwaltungSgericht zu schaffen. Dann wandte sich der Redner der sozialen Gesetzgebung zu; er fällt über sie ein günstigere? Urteil alS der Abg. Wurm und nahm sozialpolitische Verdienste für die bürgerlichen Par- teien in Anspruch. ES müsse aus dem eingeschlagenen Wege maßvoll und besonnen weitergegangen werden. Die Hand­habung deS VereinSgesetzeS biete zu vielen Klagen Anlaß, und eS sei unbegreiflich, wenn der Reichskanzler erkläre, er sei einer falschen Auslegung deS GesetzeS gegenüber machtlo?. Redner berührte dann kurz die Frauenbewegung und beschäftigte sich ziemlich eingehend mit Handwerkerfragen, wobei er den Wert der Bildung, auch der politischen, für die Handwerker rühmte. Die Forderungen der Beamten seien zum Teil fichcrlich be­gründet. Viele von ihnen hätte die Not dazu getrieben, Sozialdemokraten zu wählen; das sei eine bedauerliche Tat­sache, die nicht mit dem Hinweis aus den Beamteneid abge­tan werden könne. Mit Gewaltmaßregeln gegen die Eozial- demokratie zu drohen, fei ein frivoles Spiel, das Mißtrauen auch in bürgerlichen Kreisen erwecke. Die Hauptursache deS Anwachsens der Sozialdemokratie sei die Jnduftrialifierung Deutschlands, durch die der LiberaliSmuS auS den großen Städten verdrängt werde. Eine schematisch-arithmetifcheWahl- kreiSeinteilung wollen seine Freunde nicht, aber eine Beseitigung der größten Mißstände aus diesem Gebiete. Die allgemeine Unzufriedenheit könne beseitigt werden durch eine gerechte Steuerpolitik und eine gerechte Verwaltung. Von einer Linksschwenkung der Nationalliberalen sei keine Rede, sie treten ein für Aufrechterhaltung deS Schutzzollsystems. Die Regie­rung müsse stark sein, aber stark genug, um notwendige Reformen durchzusetzen und große Ziele in der äußeren und inneren Politik aufzustecken und zu eneichen.