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Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 29. Donnerstag, denMärz 1912.
Amtlicher teil.
Enteignung von Grundeigentum.
Zur Feststellung der Entschädigung für das zum Bau und Betriebe einer Kleinbahn von Hersfeld nach Heimboldshansen zu enteignende, in der Gemarkung Hersfeld belegene, nachstehend bezeichnete Grundeigentum habe ich Termin auf
Mittwoch den 13. März 1912, vormittags 8'1- Uhr an der Sexauerschen Gießerei in Hersfeld
anberaumt.
Alle Beteiligten werden gemäß § 25 des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigentum vom 11. Juni 1874 (G. S. S. 221) aufgefordert, ihre Rechte im Termin wahrzunehmen.
Beim Ausbleiben wird ohne ihr Zutun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung der Entschädigung verfügt werden.
Katastermäßige Bezeichnung des
Gru
Gemarkung
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Kar- ten- blatt
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Parzelle
Eigentümer
Hersfeld
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II
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II
II
II
II
II
II
E
II
II
II
II
II
II
II
II
II
II
W
736
324
325
732
281
282
280
279 278' 277*
647
276
646
275
642
274
730
271
728
268a
Sexauer, Wilhelm, Mafchinenfabrikant, und Ehefrau Margot, geb. Weber in Hersfeld.
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Das Grundstück ist verzeichnet! im Grundbuch
Wirtschaftsart und Lage
Größe der zu enteignenden Grundfläche
von
Band
Blatt
ha
a
qm
Hersfeld
X
161
Wiese, jetzt Lagerplätze
9
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II
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Gießereige-
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bäude und
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Lagerplätze
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51
Der Enteignungslommissar.
von Guenther, Regierungs-Assessor.
HerSseld, den 6. März 1912.
Der tollwutkranke Hund deS Kaufmann- Ernst Rehn hier ist in der hiesigen Gemarkung frei umhergelausen.
Mit Rücksicht aus die große Gefahr der Verbreitung der Tollwut wird zur Verhütung der Verschleppung der Seuche aus Grund der §§ 18, 38 deS Reichs-ViehseuchengesetzeS vom 1. Mai 1894, ReichSgesetzblatt 6. 409, deS § 20 der BundeSratSinstruktion zu dem zuerst erwähnten Gesetze, vom 27. Juni 1895 sowie deS Erlasse- deS Landwirtschaft-minister- vom 28. Juni 1909 — I. A. m. 9329/08 Amtsblatt Seite 244) solgendeS angeordnet.
1. Sämtliche Hunde in HerSseld, Eichhof, Eichmühle, ASbach, Kohlhausen, BingarteS, Unterhaun, Kühnbach, Vollmer-burg, Rotensee, PeterSberg, Sorga, Wilhelm-- Hof, Oberrode, Sölzerhöse, Friedlos, Wehneberg, Kalkobe-, Heene-, Allmershausen und Meisebach müssen aus die Dauer von drei Monaten fcstgelegt werden. Der Festlegung gleich zu achten, ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorbe versehenen Hunde an der Leine.
2. Ziehhunde müssen beim Gebrauch fest angeschirrt und mit einem sicheren Maulkorbe versehen sein. Während der übrigen Zeit find fic gleichfalls sestzulegen.
3. Ohne polizeiliche Erlaubnis dürfen Hunde aus den gesperrten Ortschaften nicht auSgeführt werden.
4. Uebertretungen dieser Anordnungen werden aus Grund deS § 66 Ziffer 4 der ReichSviehseuchen-GesetzeS vom 1. Mai 1894 mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit entsprechender Hast bestraft.
I. 2906. Der Landrat.
I. A.:
Wess el, KreiSsekretSr.
HerSseld, den 4. März 1912.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher ersuche ich, die Zu- und Abgangslisten für daS n. Halbjahr 1911 bestimmt bis zu m 15. d. MtS. einzureichen. (Art. 88 der AuSf. Anw. z. Einkst. Gejetz).
Die Begründungen der Zu- und Abgänge sind genau nach ihrem Wortlaut in den KontrollauSzügen einzutragen.
Die AuSzüge über die Abgänge infolge EinspruchSent- scheidungen find den Listen beizufügen.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:
I. Nr. 576. von GruneliuS.
HerSseld, den 4. März 1912.
Unter den Rindvichbefländen deS Fleischbeschau«- Schmerer und deS Johannes Hölscher in Frielingen ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen.
I. 2769. Der Lanbrat.
3. «.:
Wessel, KreiSsekretär.
Um ein millionenmäM
Amerikanische Novelle von Walther Kabel.
(Fortsetzung.)
Eine Stunde später verließ der Torpedoboot-zerstörer seinen Ankerplatz und dampfte mit halber Fahrt dem Goldenen Tor zu. Die untergehende Sonne flammte in feuriger Lohe über den kalifornischen Bergen, und ihr rötlicher Widerschein lag in zuckenden Lichtblitzen auf den Wassern der Bai, die der scharfe Bug deS schlanken Kriegsschiffe- durchschnitt. Aus der Kommandobrücke stand neben Oberleutnant Riley Harry Sanders, der sich die Geliebte zurückerobern wollte.
Kaum hatte der Zerstörer die offene See erreicht, als er sich auch schon in scharsem Bogen nach Norden wandte. Noch ein Klingelzeichen hinab in den Maschinenraum, und die hohe Heckwelle, die wie ein Wasserberg der „Cleveland" folgte, zeigte an, daß die Schrauben mit voller Kraft die Wogen deS großen Ozean- schlugen.
Langsam sank die Dämmerung herab und hüllte daS Festland von Amerika in graue Schleier ein, in denen eS bald ganz verschwand. Und in der seierlichen Stille dieser endlosen Wasserwüste, in der nicht- alS daS dumpse gleichmäßige Stampfen der Maschinen und hin und wieder der Schrei eine- dem Lande zustreichenden Vogels zu hören war, erzählte Riley dem Freunde noch näher, was er vor wenigen Stunden an Bord deS AdmiralschiffeS über den verwegenen Anschlag aus die „Ariadne" erfahren hatte.
„ES handelt sich um ein mit größtem Raffinement vor- bereitete- Verbrechen", begann er. „Und nur der Geschick- lichkeit der Polizei haben wir eS zu danken, daß eS so schnell entdeckt wurde, wenn schließlich auch ein glücklicher Zufall dabei eine Rolle spielt. Aus der Felseninsel Jerba Buena befindet sich nämlich eine Sträfling-kolonie, deren Aufseher alle 14 Tage abgelöst werden. Als nun heute vormittag die zur Ablösung bestimmten drei Wärter sich der Baracke näherten, in der die Sträflinge untergebracht waren, stand daS Tor der Umzäunung weit offen, und die 4 großen Bluthunde
lagen mit zerschmetterten Schädeln auf dem Hose. Die drei Aufseher aber fand man gefesselt und mit Knebeln im Mund in einer kleinen Kammer neben der Küche. Sie konnten nur berichten, daß fie am Abend vorher von den Sträflingen überfallen und nach kurzer Gegenwehr überwältig worden waren. Zunächst erschien eS unerklärlich, wie den Verbrechern dann die weitere Flucht geglückt fein konnte. Schließlich fiel eS einem der Aufseher ein, baß am verflossenen Abend eine alte Negerin, die zu der einzigen auf Jerba Buena gelegenen Form gehört, nach der Baracke gekommen war und sich längere Zeit in der Küche ausgefallen hatte, wo einige Sträflinge mit Kartoffelschälen beschäftigt und dabei längere Zeit ohne Aussicht geblieben waren. Diese sichere Spur nahm die Polizei sofort mit allem Eis« auf. Man verhörte die Negerin und den alten gelähmten Besitzer der Farm, einen Jrländer, beide stellten sich aber völlig harmlos an, und eS bedurfte vieler Mühe, die Schwarze endlich zum Reden zu bringen. Der Kapitän der „Ariadne", nebenbei ein Mann von guter Erziehung, der seinerzeit sogar Maschinenboufach studiert hat, ist nämlich niemand andere- als ein gewisser Thomas Button, dessen Bande vor ungefähr 3 Jahren den Hafen von Ean FranziSko unsicher machte."
„Hätte ich nur Miß HopkinS Rat sofort befolgt und mich über ihn erkundigt!" unterbrach ihn hier Sanders ärgerlich. „Wer weiß, ob dann dieser Schurkenstreich nicht zu verhüten gewesen wäre!"
„Sicherlich wäre alle- anders geworden, wenn du über Harper Erkundigungen eingezogen hättest", meinte Riley. „Doch die Selbstvorwürse helfen jetzt nicht- mehr. Harper oder Button, wie du ihn nennen willst, hat eS ja leider fertig gebracht feine alten Spießgesellen als die neue Besatzung der „Ariadne" an Bord zu bringen. Es ist kein Zweifel, daß er jetzt einen Anschlag gegen den fälligen Golddampser plant, der vorgestern den Hasen von Sittka verlassen hat. Aber wir werden ihm da- Handwerk legen. Kops hoch, mein Junge I Wir werden die Jacht sicherlich finden!"
Mit einem guten Nachtglase bewaffnet verharrte Sander- die ganze Nacht über an Deck und suchte daS Meer nach einem hrllgestrtchrnrn Schiffskörper ab, aus dem sich Alice
inmitten einer Bande verruchter Verbrecher befand. Jede- Schiff da- gesichtet wurde, mußte sich ein strenge- Verhör von dem Krieg-fahrzeug gefallen lassen. Aber immer kam die gleiche Antwort: niemand war der „Ariadne" begegnet. So verging auch der nächste Vormittag. Da tauchte einige Seemeilen seitwärts der „Clevcland" ein Boot auf, da- eifrig Notsignale mit einem Segel herüberwinkte. Eosort wurde der KurS geändert, und eine halbe Stunde später klettnten der Steuermann Wilson und 6 Leute der „Ariadne", die Harper als einzige in Ean FranziSko nicht entlasten hatte, am Fallreep empor an Bord. Was der Steuermann den beiden Freunden erzählte, war geeignet, Sanders wenigstens einiger- maßen feine Seelenruhe wiederzugeben.
„Sehen Sie, Mister Sanders, das war Ihnen eine Uebn- raschung, als mit am Abend so gegen 10 Uhr dieser Schurke plötzlich mit dem Revolver in der Hand in seiner Kajütte auf unserer Jacht bedeutete, daß ich mir von feinen sauberen Genossen hübsch ruhig die Hände zusammenbinben lassen sollte, sonst würde er mir ein Loch durchs Hirn blasen. Ich mußte still halten und wurde dann inS Vorschiff in ein engeS Loch geworsen. Und die 6 Leute von der alten Besatzung, die ich jetzt mitgebracht habe, hatten genug zu staunen gehabt übn die neuen Kameraden, wagten aber nicht- zu sagen. Und heute morgen verlud er uns dann mit den besten Segenswünschen in da- Boot, du wir ihm wahrscheinlich unbequem waren. DaS Maschinenpersonal mußte er freilich behalten. Aber im Maschinenraum stehen ein halb Dutzend von den Spitzbuben mit geladenen Pistolen in der Hand und paffen aus, daß der „Ariadne" nicht der Dampf auSgeht. Bin nur neugierig, wo der Harper unsere Herrin und Miß Hopkin- absetzen wird. Ein Leid zufügen wird er den Damen wohl nicht, Mister SandnS, da können Sie ganz ruhig sein. Werden sogar an Bord mit allem Respekt behandelt. Und als wir mit dem Boot vor ungefähr 7 Stunden von der „Ariadne" lo-mochten, da stand Miß Weather auf dem Promenadendeck und winkte unS zu. Sah recht blaß auS, unsere Herrin, aber sonst ganz gefaßt. — Nun, wir werden unsere „Ariadne" ja wohl bald wiederhaben, schätz' ich!"
Riley drückte dem Freunde stumm die Hand.