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herzfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 35»
Donnerstag, den 21. März
1912*
Amtlicher teil.
HerSseld, den 15. März 1912.
Jnsolge der in den letzten Jahren sich immer mehr häusen- den Verluste und Beschädigungen von trigonometrischen Steinen bringe ich die nachstehende Bekanntmachung der Königlichen Landesaufnahme erneut zur öffentlichen Kenntnis.
Ich ersuche die Herren OrtSvorstände, die in Betracht kommenden Grundstücksbesitzer hieraus mit dem Bemerken aufmerksam zu machen, daß die bei den von jetzt an regelmäßig vorzunehmenden Revisionen gefundenen Beackerungen der Schutzflächen oder Beschädigung von Steinen unnachsicht- lich werden verfolgt werden.
I. I. Nr. 3326. Der Landrat
von GruneliuS.
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Die seit einigen Jahren von der Abteilung ausgeführte Prüfung von trigonometrischen Punkten hat ergeben, daß die Marksteine zum Teil ganz verschwunden, zum Teil auS dem Acker herausgenommen und am Wall oder im Graben niedergelegt, zum Teil an Ort und Stelle liegend vergraben sind. Die Besitzer sind fast ausnahmslos im Unklaren über den Zweck und Wert der trigonometrischen Marksteine. Sie beackern die Marksteinschutzflächen in dem Glauben, daß ihnen zwar der Boden nicht gehöre, ihnen aber die Nutznießung überlassen sei. Diese Annahme ist natürlich irrig. Die Marksteinschutzfläche, d. i. die kreisförmige Bodenfläche von 2 qm um den Markstein, darf nicht vom Pfluge berührt werden. Bergl. § 2 der Anweisung vom 20. Juli 1878 betreffend die Errichtung und Erhaltung der trigonometrischen Marksteine. Zuwiderhandlungen werden nach § 370.1 des Reichsstras- gesetzbucheS mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. bestraft.
Durch das Umpflügen und Eggen der Marksteinschutzflächen entstehen die vielen Berrückungen und Beschädigungen der Marksteine, mit der geringsten Verschiebung ist aber der Punkt zerstört und kann nur unter Auswendung von erheblichen Kosten von Technikern der Landesausnahme wieder hergestellt werden. Die Zerstörung von trigonometrischen Punkten der Preußischen Landestriangulation fällt unter § 304 des ReichSstrafgejetzbucheS (Gegenstand der Wissenschaft) und wird mit Geldstrafe bis zu 900 Mk. oder mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft.
Wiederholt ist eS vorgekommen, daß Beschädigungen von Marksteinen von Kindern verübt worden sind. Dies könnte verhütet werden, wenn die Lehrer die Kinder auf die Bedeutung solcher Steine aufmerksam machten.
Berlin, NW. 40, am 15. März 1906.
Trigonometrische Abteilung der Königl. Landesaufnahme, gez.: von Bertrab.
Unter Bezugnahme auf die Verordnung deS Herrn Ober- Präsidenten der Provinz Hesscn-Nafsau vom 13. Mai 1905,
kine berühmte frau.
Novelle von E. Riedcl.
(Fortsetzung.)
Eine merkwürdige Stille herrschte, alS die Gäste gegangen waren. Kurt fand sich in seinem eigenen Heim nicht mehr zurecht und kam sich dieser verlegen dreinschauenden Frau gegenüber vor wie ein geduldeter Fremdling. Die Luft im Zimmer war ihm drückend, und er vermochte sich nicht zu er- klären: war eS der Blumendust oder der Geruch nach teurem Haarwasser und Parfüm, den die Gäste zurückgelassen hatten?
„Sieh, Kurt, die Blumen sind mir heute zugeschickt worden," versuchte Betty zu plaudern, denn auch sie fühlte sich von dem langen Schweigen bedrückt.
Er stutzte. „Kurt" nannte sie ihn? So sehr eS ihn beglückt hatte, alS sie ihn zum ersten Mal schüchtern und errötend bei seinem Namen genannt hatte, so sremd und hart berührte der Klang heute sein Ohr, denn schon seit lange hatte sie immer ein Kosewort für ihn, und nun mit einem Male? ES gab ihm einen Stich, und er machte unwillkürlich eine abwehrende Handbewegung, denn in ihm arbeitete eine mächtige Erregung. Endlich fragte er:
„Kennst du schon den Vertrag, den mir Reinhardt vor- gelegt hat?"
„Ja", antwortete sie beklommen.
„Und waS gedenkst du zu tun?"
„Ich denke", begann sie etwas unsicher, „eS wird gut fein, wenn ich die Vorschläge annehme."
Kurt erbleichte und warf sich stöhnend auf einen Stuhl. Endlich ging er auf sie zu und zog sie neben sich auf da» Sosa. ., r u '
„Kind, Liebling I" begann er eindringlich, »hast du drr daS reiflich überlegt ? Du willst auf Monate fort aus deinem Heim, und ich werde dir nicht schützend zur Seite stehen können? Ich gestehe, der Gedanke erschreckt mich, ja er kommt mir geradezu ungeheuer vor."
„Ach, da» ist nur, weil eS dir etwas überrascht kommt.
betreffend Verbot der Ausfuhr von Reben auS reblauSver- feuchten Gemarkungen (veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 21 von 1905) wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß zur Zeit die Gemarkungen Wellmich, Nochern, St. Goarshaujen, Bornich, Caub, Lorch, Geisenheim, Biebrich, Wiesbaden, Hochheim und Winkel, und zwar von letzterer nur derjenige Teil, welcher im Eigentum deS Fürsten von Metternich-Winne- burg steht, sowie die in der Gemarkung JohanniSberg belegenen Weinberge deS Fürsten von Metternich-Winneburg, welche mit den vorgenannten Weinbergen der Gemarkung Winkel einen abgerundeten GrundstückSkomplex bilden, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden, als reblauSverfeucht zu gelten haben. (A. III. 1195.)
Gaffel, am 29. Februar 1912.
Der Regierungspräsident. I. V. gez.: v. W u s f o w.
Wird veröffentlicht. HerSseld, den 11. März 1912.
2786. II. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 15. März 1912. An die Schulverbände deS Kreises.
Die Schulverbände deS Kreises mache ich auf den als Beilage zum RegierungS-AmtSblatt Nr. 9 vom 28. Februar 1912 veröffentlichten „VerteilungSplandeSBedarss der AlterSzulageksssepp. für 1 91 2" aufmerksam.
Die nach Aufstellung deS VerteilungSplaneS eingetretenen Veränderungen infolge Errichtung neuer Schulstellen, Auflösung oder Umwandelung bestehender Schulstellen, welche im Plan nicht berücksichtigt werden konnten, werden im Rechnungsjahre 1912 durch besondere Verfügungen der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, in Cassel geregelt werden.
I. 3260. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 15. März 1912.
Mit Rücksicht aus den AuSbruch der Maul- und Klauenseuche in Jbro, Kreis Ziegenhain, ist mit der landeSpolizei- lichen Anordnung vom 1. d. Mts. A. III. 1366 die Gemeinde Kemmerode, KreiS HerSfeld, auch in das BeobachtungS- gebiet mit einbezogen worden.
I. 2926. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 8. März 1912.
In Tiefenort (Sachsen-Weimar) ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 3028. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Du hast ja so oft gesagt, daß du wünscht, ich könnte die schöne Welt sehen I Jetzt habe ich die beste Gelegenheit und werde noch obendrein Geld dabei verdienen. Du hast doch hoffentlich Vertrauen zu mir?"
„MauS, daS brauche ich dir nicht erst zu versichern! Aber gestehe mir einS: Warum hast du wir noch kein Wort von dem Vertrag gesagt? Sei offen, Liebling! Ich sühle, von dieser Stunde hängt für uns beide viel, vielleicht alles ab. Laß alle Mißhelligkeiten der letzten Tage hinter dir und sieh wieder in mir den Mann, dem du alles bist und dem dein Glück höher steht, als sein eigenes."
„Ich fürchtete, du würdest mir deine Einwilligung ver- sagen! Aber — fei mir nicht böse! — ich sehne mich einmal in andere Luft."
„Du weißt, Liebling, ich achte immer Beinen freien Willen, denn etwas Erzwungenes hat keinen Wert und würde auch niemals als Glück empfunden werden. Trotzdem weiß ich nicht, ob ich dich in diesem Falle allein entscheiden lassen darf!"
„Aber ich bin ja in den denkbar besten Händen! Frau Reinhardt fährt mit. Sie begleitet ihren Mann auf allen Konzertreisen. Und außer mir fahren noch zwei andere Schülerinnen mit. Reinhardt sagt, eS ist die Hauptsache, daß ich nun überall bekannt werde."
„Ich sehe, du bist schon entschlossen, und meine Ein- willigung ist lediglich eine Form, eine Deckung für Reinhardt", antwortete Kurt in gereizterem Ton, als er ihn sonst seiner Frau gegenüber anschlug.
Betty empsand dieS schmerzlich, war aber entschlossen, ihren Willen durchzusetzen, weil sie von dieser Konzertreise so viel für ihre Zukunft erhoffte. Sie empfand feit jenem Konzertabend ihres ManneS Gegenwart alS eine Fessel. Sie liebte ihn. Sicher. Aber er war in vieler Hinsicht so weit- fremd und stellte sich der Welt, in die einzutreten Betty im Begriff stand, nach ihrer Meinung schroff und feindselig ent- gegen. DaS hemmte ihre Schaffenskraft. Sie wollte und mußte sich frei bewegen können. Kein unruhiger Gedanke durfte ihre Seele durchzittern, wenn sie fang; dann würde sie noch ganz anderes leisten können als bisher. Losgelöst —
Bekanntmachung.
Die Zustellung der KriegSbeorderungen und Paßnotizen erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 25. 3. 1912 ab in den Ortschaften, welche nicht zum Landbestellbezirk HerSseld gehören, durch die Post, in den zum Landbestellbezirk gehörigen Ortschaften durch die OrtSbehörden, in der Stadt HerSfeld durch Ordonnanzen.
Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Woh- nungS-Veränderungen (Aenderungen der Hausnummern) find sofort zu melden.
Die Mannschaften deS BeurlaubtenstandeS haben den Anweisungen auf der den KriegSbeorderungen Beigefügten Postkarte strengstens Folge zu leisten. Vor allem ist die Postkarte, welche als Quittung dient, am 1. April abzufenden. Bei Absenkung der Postkarte nach Unterschrift ist die alte KriegS- beorderung oder Paßnotiz sofort zu vernichten.
HerSfeld, den 7. März 1912.
Königliches Bezirkskommando.
Bekanntmachung.
DaS Kurhessische Pionier-Bataillon Nr. 11 in Hann. Münden teilt mit, daß bis Ende August 1912 Zweijährig- Freiwillige für Oktober 1912 angenommen werden. Junge Leute, die bereit und im Besitze eines Meldescheines zum zweijährig-freiwilligen Dienst sind, wollen denselben an daS Bataillon unter Angabe der genauen Adresse einsenden. Handwerker, insbesondere Schneider, Schuhmacher, Schmiede, Zimmerleute, Schiffer, Bergleute, Schlosier, Klempner, Stellmacher, Tischler, Techniker aller Art usw. haben den Vorzug.
nichtamtlicher CeiL
Aus der Seit SesNMsmHersmIMtz ihr Mt Nreikmnhen im UrBtt.
Der Staatsminister v. Dallwitz hat am 18. d. M. im Abgeordnetenhause, nachdem er die Notwendigkeit der Heranziehung von Militär zur Unterdrückung der im Ruhrkohlen- revier vorgekommenen Streikunruhen nachgewiesen hatte, noch einige Ausführungen allgemeiner Art über die Ausschreitungen und das Verhältnis der verschiedenen Arbeiterverbände im Ruhrrevier zueinander angeschloffen. Hierbei führte er Folgendes aus:
„. . . . WaS nun die gegenteilige Auffassung betrifft, so gestatte ich mir zunächst einen im „Vorwärts" veröffentlichten Ausruf auszugsweise vorzulesen, der dazu dienen soll, gegen die regierungsseitig getroffenen Maßnahmen Stimmung zu machen:
„Die preußische Regierung, gestützt durch daS Reich-amt deS Innern, hat den den Bergarbeitern im Ruhrgebiet auf« gezwungenen Streik zum willkommenen Anlaß genommen, den
ach nur für einige Monate wenigstens — von all den kleinlichen HauShaltungSforgen und diesen engen, kleinen Räumen entrückt, in denen sie nie richtig zu singen vermochte, wollte sie streb, n und leben. Aber diese Beweggründe ihrem Manne sagen? Nein, niemals!
„Darf ich mit?" fragte sie noch einmal halb schüchtern. „Ich fürchte, eS ist zwecklos, dir meine Einwilligung zu versagen. Ich werde mir den Vertrag morgen noch einmal durchlesen und ev. unterschreiben."
Die junge Frau fiel ihrem Mann weinend um den Hals. „Gib acht, Schatz, gibt acht, waS ich noch für eine berühmte Frau werde! Du sollst noch ganz stolz auf mich sein."
Er drückte einen Kuß aus ihr blondeS Haar und ging wehmütig lächelnd in sein Arbeitszimmer.
Von diesem Tage an war Betty mehr denn je außer dem Hause beschäftigt. Sie hatte an verschiedenen Vortragsabenden zu singxn, und Kurt ließ es sich nicht nehmen, seine Frau regelmäßig zu begleiten. Er gewann eS auch mit der Zeit über sich, ab und zu ein paar höfliche Worte mit den Herren zu reden, die seine Frau beständig umschwärmten. Doch blieb der Verkehr bei alledem frostig. Kurt mußte zwar zu- geben, daß man seiner Frau mit auserlesener Ritterlichkeit entgegenkam, und auch an BettyS Benehmen den Herren gegenüber hätte selbst ein eifersüchtiger Gatte keinen Anstoß nehmen können, aber — woher kam die immer mehr zunehmende Entfremdung zwischen ihnen? Er fühlte, wie ihm fein Glück immer mehr entfloh, ohne daß er imstande gewesen wäre, eS irgendwo zu fassen. Er hörte die Glückwünsche, die ihm fast täglich gebracht wurden, wie im Traume an und trauerte dabei um daS entschwundene stille Glück der vergangenen Tage, wo daS Lächeln seiner Frau ihm allein gegolten hatte. Jetzt gehörte sie dem Publikum, daS ihr zu- jauchzte und ihn beneidete, ihn, der an diesem scheinbaren Glück still verblutete. Er wurde immer stiller, immer ernster und arbeitete fieberhast, um feine Gedanken zu meistern.
Betty bemerkte wohl die Veränderung, die mit ihrem Manne vor sich gegangen war, und eS kränkte sie bitter, da er — er! der einzige war, der ihre Freude nicht teilte.