Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe: Der Sezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Zeile l0pfg.,im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.««««

Herzfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 43.

Sonnabend, den 6. April

1912.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 3. April 1912.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen «reifer ersuche ich um Einreichung der Kreishundesteuerzu- gangSlisten für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1912 oder aber Erstattung von Fehlanzeigen bis spätestens zum 15. d. MtS.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von GruneliuS, Landrat.

HerSfeld, den 30. März 1912.

Nachdem der HerrMegierungSpräsident die landespolizeilichen Vorschriften zur Bekämpfung der Seuche getroffen hat, setze ich meine vorläufigen Anordnungen vom 25. März 1912, I. 3711, KreiSblatt No. 39 wieder außer Kraft.

I. 3950. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 4. April 1912.

Die Herren Bürgermeister haben die LosungSscheine, welche ihnen in den nächsten Tagen zugehen, den Militärpflichtigen alsbald auSzuhändigen. Das beigefügte Verzeichnis ist mir, nach Vollziehung der vorgerichteten Bescheinigung, als­bald zurück zu senden.

I. M. Nr. 836. Der Landrat.

I. A.:

_____________________________________Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 27. März 1912.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestände des Konrad Pfaff in GerSdorf ist erloschen.

I. 3817. Der Landrat.

I A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 1. April 1912.

Unter dem Rindviehbestande deS Maurers Heinrich Hölscher in Frielingen ist die Maul- und Klauenseuche er- loschen.

I. 3919. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 30. März 1912.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Jbra, Kreis Ziegenhain, erloschen ist, wird der Gemeindebezirk Kemmerode auS dem BeobachtungSgebiet auSgeschiedcn.

I. 3996. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 2. April 1912.

Unter dem Viehbestände deS Konrad Becker in WillingS- Hain und deS Landwirts Peter Steinweg hier ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Die Sperrbezuke HerSfeld und WillingShain werden auf­gehoben. Beide Orte sind alS BeobachtungSgebiet erklärt worden.

I. 3971. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 4. April 1912.

In Contra, KreiS Rotenburg, ist die Maul- und Klauen­seuche erloschen.

I. 4162. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher Ceit

filtern.

Leise kommt der Frühling durch die Lande gegangen. ES ist eine wunderbare Zeit, so verheißungsvoll wie der dämmernde Morgen, dieser Morgen deS NaturjahreS mit seinen ersten, schüchternen Blüten und schwellenden Knospen. Kräftiger denn je schlagen die Pulse des Lebens, müde Augen blicken wieder mutiger in die ungewisse Zukunft. Aber wie arm und flüch­tig wäre alle FrühlingSfreude ohne seinen Frühlingsmorgen, da über dem leeren Grab Jesu für alle verzagten und ent­täuschten Menschenkinder eine Sor.ue migen Trostes aufging. Morgenhoffnung im vollen Sinn schenkt nnS Ostern. Vergeb­lich wälzen Unglaube und Zweifel aufs neue den Stein vor das Grab Christi, er ist auferstanden. In der Gewißheit der Auferstehung haben die Apostel eine Welt voll Unglauben nicht gefürchtet, und wenn durch die Mission unser Glaube noch immer unter den Völkern der Sieg wird, der die Welt überwindet, so sehen wir in diesen Ersolgen nur Siege deS Auserstandenen. Nun mag jeder neue Tag zum Abend sich neigen, wir warten getrost aus einen Morgen, der alles wieder- bringt. Laß ruhig hinter jedem Frühling und Sommer den trüben Herbst, den kalten Winter drohen, endlich blüht ein Frühling, der nimmer vergeht. Wir können nicht hindern, daß an unserm Lebensweg die Gräber sich mehren, daß immer schärser und näher in unsern Gesichtskreis am Ende des WegeS jener kleine Hügel rückt, der unS besonders nahe angeht, aber trotzdem sind wir keine Knechte der TodeSsurcht. Der Tod ist ein Echlas worden und der Auserstandene schwingt seine Siegesfahne über den Herzen der Seinen, die er von der Todes- surcht frei macht. Wer zählt alle die, die er neu belebt hat, daß sie einen neuen Wandel führten, stark im Glauben, heilig in der Liebe, fröhlich in der Hoffnung. DaS sind dielebendigen" Christen.

Wären sie zahlreicher unter uns, dann erlebten wir ein deut­sches Ostern, und mehr als heute wäre die Hoffnung berechtigt, eS werdeam deutschen Wesen noch endlich diese Welt genesen." Die Resormation hat die Deutschen zu Wächtern und Licht­trägern deS Evangeliums gemacht; in den Tagen deS Welt­verkehrs weist dieser hohe Beruf weit hinaus über die Grenzen deS Vaterlandes. Christus will eS und bezeugt eS durch seine Kundgebung an die Seinen, daß unter allen Völkern durch die Lebenskräfte deS Evangeliums ein neuer Tag, ein Ostern anbreche. In dieser Aufgabe besteht die Weltmission ' deS Christentums, und dieser Mission zu dienen, ist gottgefällige Osterarbeit, ein christliches FrühlingSwirken. -sch-

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag und der preußische Landtag sind in die Osterferien gegangen. Beide flecken noch tief in der EtatSberatung, und die Regierung muß sich daher wohl oder übel mit Notgesetzen und Notparagraphen über die etati- lose Zeit hinweghelsen. Mit einer grellen Dissonanz hat der Tagungsabschnitt geschlossen. Sozialdemokratin und Zentrum brachten gemeinsam die O st m a r k e n z u l a g e zu Falle, wo­durch nicht nur zahlreiche kleine und mittlere Beamtenfamilien in Kummer und Sorge gestürzt worden sind, sondern auch daS nationale Werk der Ostmarkenpolitik eine schwere Schädi­gung ersahren hat. Die Vorgänge bei der Ostmarkenzulage haben zugleich ein helles Licht auf die wirklichen Majorität-» Verhältnisse im neuen Reichstag fallen lassen. Die angebliche liberale Mehrheit ist eitel Dunst und Schaum. Da- hat sich zur Genüge bei der endgültigen Präsidentenwahl gezeigt, wo der freisinnige Abgeordnete Käwvf nur mit einer ZufallS- mehrheit von einer Stimme gewählt worden ist. Die tatsächlich bestehende Majorität ist vielmehr diejmige auS Sozialdemokratie und Zentrum. Daß eS aber so kam und kommen mußte, ist das traurige Verdienst deS LiberoliSmuS, der durch feine un­sinnige Hetze gegen die rechtsstehenden Parteien und feine offene und geheime Unterstützung der Sozialdemokratie dieser zu ihren 110 Mandaten verhossen hat. Ob nicht doch manchem liberalen Manne angesichts der Vorgänge bei der Ostmarken- zulage die Erkenntnis von der Fehlerhaftigkeit seines bisherigen Verhaltens aufgedämmert und die Schamröte inS Gesicht ge­stiegen ist? Hoffentlich.

In O e st e r r e i ch - U n g a r n hat die ungarische Ministerkrisis ihre Erledigung in der Weise gesunden, daß daS zurückgetretene Ministerium Khuen-Heder- v a r y in der bisherigen Zusammensetzung neu ernannt worden ist. Diese Entwicklung der Dinge ist durch die feste und entschiedene Haltung Kaiser Franz Josephs herbei- geführt worden, der dem Ministerpräsidenten erklärt hatte, lieber die äußersten Folgerungen ziehen zu wollen, alS in eine Echmälerung seiner konstitutionellen Herrscherrechte zu willigen. Die Haltung deS Monarchen hat einen vollständigen Stimmungsumschwung in Ungarn herbeigesührt und die Oppo-

Das verhängnisvolle Osterei.

Humoreske von Adolf Thiele.

Nicht wahr, Papa, morgen suchen wir Ostereier?" fragte daS zwölfjährige Lieschen, daS Nesthäckchen deS RegistratorS Klocke, als die Familie am Vorabend deS Osterfestes beim Abendeffen saß.

Jawohl, mein Kind," erwiderte der Vater,wir bleiben auch diesmal der hübschen Sitte treu. Auch die Großen," fügte der Registrator mit einem lächelnden Seitenblick aus feine Frau hinzu,auch die Großen finden diesmal vielleicht beim Ostereiersuchen etwas UeberraschendeS!"

Frau Klocke lächelte ebenfalls; hatte ihr doch ihr Mann ein neue- Frühjahr-kleid versprochen, und sicher beabsichtigte er, den Betrag al- Osterei zu verstecken.

Frau Klocke hotte recht. AlS der Registrator am nächsten Morgen die zahlreichen Echokoladeneier versteckt hatte, schmun­zelte er und sagte:Für dich, liebe Auguste, ist auch ein Ei dabei."

Da- Frühjahr-kleid?" fragte die Gattin lächelnd und der Herr Registrator nickte.

Nun wurden die Kinder hereingerusen. Nach dem fröhlich vorweghüpfenden Lieschen trat die neunzehnjährige Ernestine herein; sie war zwar Braut, doch hatten ihr die Süßigkeiten dieser mit Recht so beliebten Leben-stufe die Freude an der Schokolade nicht geraubt.

Ihr folgte, scheinbar zögernd, ihr sechzehnjähriger Bruder Karl, der aus der Leiter der kaufmännischen Laufbahn bereits die erste Sprosie betreten hatte und alsMann" derlei Kindereien wie Ostereiersuchen auS tiefster Seele verachtete; er als Mann, der bereit- die ersten verbitterten, doch zuletzt siegreichen Kämpfe um da- äußere Zeichen der ManneSwürde, die Zigarre, hinter sich hatte!

An den weißen Kachelofen gelehnt, sah der Hausvater schmunzelnd dem Ostereiersuchen zu, und ebenso tat seine Gattin, die sich aus ihrem behaglichen Sitze, dem Lehnstuhl vor dem Nähtifchchen,. niedergelassen hatte.

Ernestine suchte ruhig und mit Bedacht, wie ei einer

künftigen Hausfrau ziemt, Karl steckte nur hier und da mit deutlichen Zeichen des Mißvergnügens über diesenUnsinn", seine Hand in einen Versteck, den er für besonders schwierig hielt, und bewies so den überlegenen Geist deS gereiften, nämlich sechzehnjährigen Manne». Lieschen aber sprang lustig hin und her und begrüßte jeder der braunen Eier mit flohen Rufen.

DaS Körbchen auf dem Tische füllte sich mehr und mehr, der Registrator sagte daher:Nun, Auguste, such du auch einmal mit!"

Mit freundlicher Miene kam die HauSsrau dieser Auf­forderung nach.

Der Registrator beobachtete gerade, wie Lieschen aus daS Cosa zueilte und auS jeder von dessen beiden Ecken ein Ei hervorholte; seine Miene drückte dabei etwas wie unruhige Verwunderung auS. Die HauSsrau suchte weiter, fand aber gleich den anderen nichts alS Schokoladeneier ihre Uebcr- raschung ließ aus sich warten.

Nun wollen wir einmal zählen," sagte sie und stellte fest, daß sechsundzwanzig Eier, die versteckt worden waren, im Körbchen lagen; nur noch zwei sehlten.

Hm," brummte der Registrator in sich hinein.War mir'S doch, alS hätte ich'S in die linke Sofaecke gesteckt, aber daS kann doch nicht sein, da hat doch Lieschen eben ein Ei herausgeholt!"

Trotzdem fuhr er mit der Rechten in die Sofaecke, fand aber nichts.

Du meinst wohl die Ueberraschung?" fragte die Gattin gespannt.

Jawohl," erwiderte er etwas beklommen.Ich muß daS Päckchen doch anderswohin gesteckt haben. Wir müssen nun weiter suchen."

Die ganze Familie wandle nun all ihren Scharfsinn an, förderte aber nichts weiter als die beiden noch fehlenden Eier zutage.

Mit verlegener Miene sagte der Registrator:ES waren zwei Zwanzigmarkstücke, die ich dir für daS gewünschte Früh- jahrSkleid schenken wollte; ich hatte sie in Papier gewickelt."

Neues Suchen aber erfolglos I

Kannst du dich denn gar nicht erinnern, wo du eS hin- gesteckt hast?" fragte seine Gattin.

Trübselig schüttelte der Hausvater daS Haupt.ES waren ja zu viele Eier!" sagte er.Ich weiß nicht mehr, wo eS steckt; ich dachte, ich hätte eS in eine Sofaecke getan, aber da hat ja Lieschen Eier herauSgeholt."

Ja aus jeder Ecke ein Ei!" stimmte daS Nesthäkchen mit betrübtem Gesichte zu.

Auch weiteres Suchen hals nichts: daS Päckchen war und blieb verschwunden.

Die Sache ist furchtbar fatal!" seufzte der Registrator. ES war mein letztes Geld I"

Wie, dein letztes Geld?" fragte seine Gattin er- schrocken.

Ja, leider! Mein Gehalt bekomme ich doch erst nach den Feiertagen; eS fällt diesmal so ungünstig. Ich hatte dir zwar daS Geld geben wollen für daS Frühjahrskleid, du hättest aber die WirtschaftSkosten und daS fällige Taschengeld der Kinder einstweilen davon auSlegen müssen!"

Du lieber Himmel!" rief Frau Klocke entsetzt.Und ich habe keinen Pfennig mehr in der WirtschaftSkasie!"

Wir müssen sehen," sagte der HauSvater entschlossen, wieviel wir zusammen bekommen I"

Und nun wurde Generalabrechnung gehalten. Die Spar- kasfenbüchcr deS Ehepaares sowie die der beiden Töchter waren in bester Ordnung Karl besaß kein solches, er legte sein Geld nützlicher in Bier und Zigarren an doch konnte dies nichts helfen, da die Sparkaffe an den Feiertagen ihre Pforten geschloffen hielt.

Wer den Zufall kennt, weiß, daß dieser hämische Gesell im Leben oft noch schlimmere Streiche verübt alS in Oster- geschichten. Und der Zufall fügte eS, daß der Registrator ge- nau 45 Pfennige im Portemonnaie halle.

Die Hausfrau hatte ihre WirtschaftSkasie unterschätzt, eS fanden sich in dieser noch 28 Psennige, Ernestine, die sich ein Paar neue Handschuhe und sonstigen FestlagSschmuck getauft hatte, besaß noch 16 Pfennig«, Lieschen steuerte zehn Pfennige bei, und nur Karl bedauerte, zu dem allgemeinen Osterfest nichts beitragen zu können, da er am Abend vorher seine