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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 45.

Amtlicher Ceil.

Hersfeld, den 10. April 1912.

Am Sonnabend, den 27. April d. Js., Vormittags 10 Uhr, findet im Sitzungssaal des hiesigen Landrats­amtsgebäudes eine Kreistagsfitzung statt. Tagesord­nung ist hierunter abgedruckt.

1. Prüfung der Verhandlungen über die Ersatzwahl für das verstorbene Kreistagsmitglied Maschinen- fabrikant Benno Schilde hier und Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahl. (§ 71 der Kr. O. und § 2 der Gesch. O.)

2. Anstellung eines Kreisbaubeamten und eines weiteren Kreisausschuß-Sekretärs sowie Genehmigung einer Gehaltsordnung für diese Beamten.

3. Feststellung des Kreishaushaltsetats für das Rech­nungsjahr 1912. (§ 34 der Kr. O.)

4. Genehmigung einer Gehaltsordnung für das an- zuftellende Betriebspersonal für die Kleinbahn HersfeldHeimboldshausen.

5. Regelung der Ziegenbockhaltung im Kreise.

6. Beschlußfassung über Verwendung von Wander- lagersteuer, die im Rechnungsjahre 1911 von den Gemeinden Heimboldshausen und Friedlos verein­nahmt worden sind.

7. Wahl zweier Kreisausschußmitglieder an Stelle der am 1. Juli 1912 ausscheidenden Herren Mitglieder a. Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unterweisenborn, b. Bürgermeister Döring in Sieglos

für die Zeit bis zum 1. Juli 1918. (§ 91 der Kr. O.)

8. Wahl einer Kommission für die Prüfung der Kreis- kommunalkafsenrechnung für das Rechnungsjahr 1911. (§ 87 des Kreisordnung.)

9. Wahl von je 7 Vertrauensmänner für den Aus­schuß bei den Amtsgerichten zur Mitwirkung bei der in 1912 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1913.

(§ 40 des Ger. Vers. Gesetzes vom 27. Januar 1877 und § 35 des Ausf. Gesetzes vom 24. April 1878.)

10. Wahl eines Schiedsmanns für den Schiedsmanns- bezirk Heringen mit fisk. Obersörsterei Heringen. (§ 3 Absatz 2 und § 11 der Schiedsmännsord- nung.)

11. Wahl eines Taxators und eines Stellvertreters für die im Falle einer Mobilmachung zusammen­tretende Pferdeaushebungskommission. (§ 15 der Pferdeaushebungsvorschrift vom 1. Mai 1902.)

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. 2161. von Grunelius.

Quer erkauft!

Roman von HanS Bley Müller.

(Fortsetzung.)

Und doch war er auch ihre nagende Sorge. Er hatte ein so jäheS Blut. Er geriet zu leicht in Zorn, selbst über fremde Angelegenheiten. Sogar wenn er die Zeitung laS, hieb er manchmal mit einem Fluch auf den Tisch, daß eS nur so krachte und der ahnungslosen Mutter die Scheere auS der Hand glitt und zu Boden klirrte. Und sein verzerrtes Gesicht dabei! Die Augen hatten einen ganz sremden, kalten Blick und schillerten ordentlich grün, die sonst doch so schön hell leuchteten.

Wie oft hattte sie ihn schon zu beruhigen versucht, ge­beten, ermähnt, gescholten! Manchmal halft, in der neueren Zeit aber immer weniger, und wenn er mit den Burschen zusammen gewesen war, überhaupt nicht. Ach daS war ein Kreuz! Wer da helfen könnte! Der liebe Gott. Wer sonst?

Da warS wieder eines Sonntags, als daS alte Mütterchen von der Kirche kommend ihrer Hütte zustieg. Ihre Behau­sung war dürftig genug. Links der HauStür, etwa in Höhe deS oberen Pfosten«, befand sich ein kleines, längliche-, auf beiden Augen vollständig erblindete- Fenster, das nach vorn in die Höhe gestemmt war zum Zwecke der AuSlüstung. AuS dieser Oeffnung ertönte Ziegenmeckern; den unterschied- lichen Tönen nach mußten er zwei Stück sein, die da drin hausten alS Milchfpender. In der Ecke deS ZiegenstalleS war noch, den Raum verengend, ein Verschlag angebracht, in dem eine Anzahl Kaninchen durcheinander hüpften, manche auch fraßen mit wackelnder Nase an einem Krautstrunke. DaS waren Ernst- Lieblinge, doch waren sie mehr als bloßer Zeitvertreib. Mutter Hagedorn verstand auch Kaninchen schmackhaft zuzubereiten. ES war doch Fleisch; mochte Rind­fleisch kräftiger schmecken, dasür war der zahme Hase billiger, ohne den Pelz zu rechnen. Ja der Pelz! Die Kürschner kaufen ihn gern, namentlich den rein weißen oder den rein

Dienstag, den 16» April

HerSfeld, den 10. April 1912.

Den OrtSvorständen gehen von den nächsten Tagen ab die StaatSsteuerrollen zu.

Bei dieser Gelegenheit ersuche ich die Herren Bürgermeister, die OrtSerheber auf meine Verfügung vom 21. Juli 1911, I. Nr. 2166 KreiSblatt Nr. 86 betreffend die Ge­heimhaltung der Steuersätze, hinzuweisen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Deranlagungs-Kommiffion:

I. Nr. 942. von GruneliuS.

HerSfeld, den 10. April 1912.

Ich mache daraus aufmerksam, daß Rechtsmittel gegen die StaatS-, Gewerbe- und BetriebSsteuer-Veranlagungen aus dem Büro der Kgl. Einkommensteuer-VeranlagungS-Kommission hier kostenlos entgegengenommen werden, und daß an dieser Stelle Auskunft in allen einschlägigen steuerlichen Angelegen­heiten kostenlos erteilt wird.

Das Büro Stift Nr. 9 ist werktäglich von 9 bis 12 Uhr Vormittags für daS Publikum geöffnet.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommiffion:

I. Nr. 941. von Grunelius.

Die Zimmerlehrlinge der Kreise HerSfeld und Hünfeld, welche ihre Gesellenprüfung abzulegen haben, werden ausge- fordert. sich unter Einsendung der erforderlichen Papiere bei dem Unterzeichneten zu melden. Die Prüfung findet am 25. April, Vormittag- 8 Uhr statt.

HerSfeld, den 11. April 1912.

Der Vorsitzende der Prüfungsausschusses. Georg Lämmerzahl, Zimmermeister.

HerSfeld, den 13. April 1912. Wird veröffentlicht.

I. 4450. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 2. April 1912.

Im deutschen Reiche sind z. Zt. folgende Regierungsbe­zirke und BundeSstaaten, welche nicht in Regierungsbezirke eingeteilt sind, mit Maul- und Klauenseuche verseucht:

Königsberg, Gumbinnen, Allenstein, Donzig, Marienwerder, Berlin, PotSdam, Franksurt, Stettin,-lin, Stralsund, Posen, Bromherg, BreSlau, Liegnitz, Oppeln, Magdeburg, Meiseburg, Ersurt, SchleSwig, Hannover, Hilde-heim, Lüneburg, Etade, Osnabrück, Aurich, Münster, Minden, ArnSberg, Kassel, WieSbaden, Koblenz, Düsseldorf, Köln, Trier, Aachen, Sigma­ringen, Oberbayern, Niederbayern, Psolz, Oberpfalz, Öber- franken, Mittelfranken, Untersranken, Schwaben, Bautzen, DreSden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Neckarkreis, Schwarz.

schwarzen. Ernst war aber auch selber ein halber Kürschner. Er hatte sich schon mehrmals warme Winterkappen gearbeitet. Einen Winter hatte er auch seiner Mutter, da sie gar zu sehr jammerte über Reißen zwischen den Schultern, einen präch­tigen Echulterkragen zusammengeflückelt. DaS war ein Weih­nachtsgeschenk I AuS lauter sammetweichen, schwarzglänzenden Fellen! Eaß er auch nicht wie angegossen, Mutter Hage­dorn meinte, ihrem krummen Buckel dürfte schwerlich einer paffen so wärmte er doch, und die Beglückte hatte lange geschwankt, ob sie diesen Staat über oder unter dem Kirchen- mantel tragen sollte, trug ihn dann aber unterhalb, weil eS ihr anderenfalls als Hoffart erschienen wäre, gleich den reichsten Bauernfrauen in einem Pelzkragen vor dem lieben Gott zu erscheinen.

Gegenüber der Etalltür befand sich die Etubentür. DaS nicht große Gemach war Küche und Wohnzimmer, für Mutter Hagedorn zugleich Schlafzimmer. In der Ecke am Ofen stand ihr schlicht gezimmerte- Bett, deffen widerspenstige» Stroh unter daS grobe Linnen zusammengepreßt war. Zwischen den Fenstern befand sich ein schmaler Spiegel, darunter ein Kästchen mit einem Hornkamm. In der Ecke gegenüber dem Bette stand der alte, aber feste Tisch, dabei ein paar auS» gebesserte rohe Holzstühle, denen zum Griff je ein Herz in die Rücklehne ausgeschnitten war. Ein bunteS Bild mit den Köpfen der gesamten' Kaiserfamilie, sowie einige biblische Bilder an den Wänden, kunstlos angebracht, eine große Lade, die zugleich als Eitzbank benutzt werden konnte, und endlich eine wurmstichige Kommode, daS war wohl so die ganze Wohnungseinrichtung; denn eine Anzahl die allernot- wendigsten nur Küchengeräte stak im Flur in einem Wand­brett, drei oder vier Zöpfe stürzten auf dem Zaune zu dem kleinen, wenig gepflegten Gärtchen, in dem, sich fortzeugend, ein ungeheurer Busch rotgelben Löwenmaul» leuchtete aus schmalen Krautbeetchen.

In der Woche sah'» ja bei Mutter Hagedorn meist nicht gerade lieblich auS. Du meine Zeit, wie da» so ist bei Tagelöhnern! Wenn man die Zirgnmilch aufs Feuer setzen wollte, nun so muß man aus dem Stall in die Wohnstube gehen. Da tritt man dort allerhand an und hier manche»

1913»

waldkreis, JogstkreiS, DonaukreiS, Konstanz, Freiburg, Karl»" ruhe, Mannheim, Etarkenburg, Oberheffen, Rheinheffen' Mecklenburg-Schwerin, Sachsen-Weimar, Mecklenburg-Strelitz' Oldenburg, Lübeck, Birkenseld, Braunschweig, Sachsen- Meiningen, Sachsen-Altenburg, Koburg, Gotha, Anhalt, Echwarzburg-Sonder-Haufen, Schwarzburg-Rudolstadt, Reuß älterer Linie, Reuß jüngerer Linie, Schaumburg-Lippe, Lippe, Lübeck, Bremen, Hamburg, Unter-Elsaß, Ober-Elsaß, Lothringen. I. 4062. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

Landespolizeiliche Anordnung, betr. die Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSseld.

Meine landespolizeiliche Anordnungen vom 2. März, 6. April d. 38., A. III. Nr. 1365/2216 betreffend die Be­kämpfung der im Kreise HerSseld ausgetretenen Maul- und Klauenseuche, Amtsblatt Nr. 9 a/14 a E. 104/183, wird hierdurch wie folgt abgeändert:

I. AuS dem Sperrgebiete im § 1 scheiden auS die Ge­meinden: GerSdorf und Frielingen.

n. AuS dem BeobachtungSgebiet im § 10 scheiden aus die Gemeinden: HedderSdorf mit SchmidSberg, Kirchheim, Rotterterode mit BeierSgraben, GoßmannSrode und WillingShain.

III. DaS Verbot deS ViehverladenS auf der Etation Frielingen wird ausgehoben. (A. III. Nr. 2306 II)

Caffcl, den 11. April 1912.

Der RegiernngS-Präsident. gez.: v. B e r n st o r s s.

HerSseld, den 11. April 1912.

Die Mauk- und Klauenseuche in Tiefenort (Sachsen- Weimar) ist erloschen.

I. 4309. Der Landrat.

3. 8.:

Wessel, KreiSsekretär.

Bekanntmachung.

Einstellung von Drei- und Vierjährig-Freiwilligen für das III. Seebataillon (Marine Infanterie) in Tfingtau (China.)

Einstellung: Oktober 1912, AuSreise nach Tfingtau Januar oder Frühjahr 1913, Heimreise: Frühjahr 1915 bzw. 1916. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, krästig, gesunde Zähne, vor dem 1. Oktober 1893 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung.)

DaS III. Seebataillon besteht auS: 5 Kompagnien Marine- Jnsanterie (davon ist die sünste Kompagnie beritten), 2 Ma- jchinengcwehrzügen, 1 Marine-Feldbatterie (reitende Batterie), 1 Marine-Pionierkompagnie in Tfingtau und dem Ostafia- tischen Marine-Detachement in Peking und Tientfin.

Die Vierjährig-Freiwilligen sind in erster Linie sür die 5. (berittene) Kompagnie bestimmt.

davon ab, ohne daß man'S merkt. Man hat den alten Kop^ voll. Sonnabends aber werden die Stiefel geputzt, und wenn der Sonntag kommt mit seinem Glockenläuten, da find auch die Gerätschaften und der Fußboden und die Fenster blank. Wollte Gott, man könnte da auch an seinem inwendigen Menschen so alle» abscheuern, was sich im Laufe der Woche angesetzt hat und von anderen Schmutzige» hineingetragen worden ist.

Dieser Gedanke war der Mutter Hagedorn gekommen, als sie heute von der Kirche kommend auswärts stieg. Und da seuszte sie, nicht bloß, weil ihr der Atem knapp wurde.

Als sie in da- Stübchen eintrat, stand Ernst gerade vor dem Spiegel und kämmte sich eine Locke seines semmelblonden Haare» in die Stirn. Da er keinen Rock anhatte, trat da« Eckige seiner hageren, lang aufgeschossenen Gestalt recht deut­lich hervor. Ohne sich umzudrehen, fragte er ärgerlich: Na, der Pfarrer konnte heute doch wieder mal da» Ende nicht finden!"

Du lieber Gott!" jammerte erschrocken seine Mutter, sowie man in sein eigene- Haus tritt, begrüßt einen gleich da- liebe Elend. Wie kannst du denn nur solche Reden führen, Ernst? Von mir hörst du doch so waS nicht! Ge­rade wie dein Vater! Gerade wie dein Barer! Denk doch nuran sein Ende, Junge!"

Ernst hatte unterdessen feinen Rock hastig angezogen, war mit finsterem Gesicht anS Fenster getreten und trommelte auf­geregt mit den Fingern an die Scheiben. Seine Augen zuckten unstet hin und her, Röte und Bläffe wechselten auf den langen, tief eingefallenen Backen.

Während seine Mutter daS abgegriffene Gesangbuch sorg­fältig im Kommodenkasten verbarg, klagte sie weiter:Wenn man denkt, man hat sich von der Wochenarbeit und den Sorgen im Gotteshaus ein bißchen erholt e» ist gerade, al» wenn du e» einem ansähest allemal mußt du einem da» bißchen Gotte-sreude verderben. AlS könntest du so etwa« nicht mehr ansehen! . . . WaS für ein Geist in dich gesahren ist? Kein guter! . . . Kein guter! Und du warst doch sonst ander». Wie du kaum au» der Schule warst, bist du immer in die Kirche gegangen. Der Herr Psaner hat dich wohl