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Hersfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 4«.

Donnerstag, den 18. April

1912.

Amtlicher teil.

Jagdverordnung

Für den Umfang deS Regierungsbezirks Cassel wird auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 die Eröffnung der Jagd auf Rehböcke auf Dienstag, den 7. Mai 1912 sestgesetzt.

Cassel, den 29. März 1912.

Der BezirkSauSschuß zu Cassel. gez. Graf v. Bernstorsf.

*

HerSseld, den 13. April 1912.

Wird veröffentlicht.

I. 4434. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

LandespoNzeiNche Anordnung, betr. die Maul- und Klauenseuche im Kreise Hersfeld.

Mit Rücksicht auf die noch bestehende Gefahr der Weiter- Verbreitung der Maul- und Klauenseuche verlängere ich hierdurch die Gültigkeitsdauer meiner landeS- polizeilichen Anordnung vom 9. Oktober 1911 A. UL Nr. 4843, Amtsblatt Nr. 41, Seite 354/5, Verbot d e S Hausierhandels mit Klauenvieh im Kreise HerSseld um weitere 2 Monate bis einschl. 5. I u n i d. JS. (A. III. Nr. 2258.)

Cassel, den 7. April 1912.

Der RegierungS-Präsident. gez.: v. B e r n st o r s s.

HerSseld, den 13. April 1912.

Die Schulvorstände deS Kreises werden aus die in Nr. 4 deS Amtlichen SchulblatteS 1912, Seite 52 unter Nr. 33 abgedruckte Bekanntmachung, nach welcher die Zahlung der gesetzlichen StaatSbeiträge und der laufenden ErgänzungS- zuschüffe zu den Lehrerbesoldungen durch die hiesige Königliche KreiSkasse schon am letzten Werktage vor dem Viertel­jahr-beginn erfolgen kann, zur künftigen Beachtung besonders hingewiesen.

I. Nr. 3556. Der Landrat.

I. A.:

W es sei, KreiSsekretär.

HerSseld, den 16. April 1912.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in HerSseld er­loschen ist, scheidet in Herkfeld die Eichhofstraße und daS JohanneStor aus dem Sperrbezirk auS.

Der Stadtbezirk HerSseld, ausgenommen jedoch die Friedloser Straße und HofWehncberg, die Gemeindebezirke KalkobeS, Arbach, Unterhaun, Kohlhausen, Peter-berg mit Kühnbach, sowie die Gut-bezirke Meisebach.

Quer erkauft!

Roman von HanS B l e y m ü l l e r.

(Fortsetzung.)

Er winkte ihr freundlich. Sie folgte langsam und kam in die Küche. Bei ihrem Eintreten erhob sich die Tochter des HauseS, Marthchen im ganzen Dorf genannt, die Freundin Hedwig HartmannS. Sie wollte augenscheinlich die Küche verlassen, @ber Mutter Hagedorn bat:Ach Sie können immer da bleiben. Die Mutter ist wohl nicht daheim?" Sie fragte da-, da sie Herrn Wedemann gerade weniger kannte und bei ihrem Vorhaben gern ein weiche- Frauenherz zum Trost und Beistand dabei gewußt hätte.

Meine Mutter ist nach der Stadt heute", sagte Marth. chen.Kommen Sie, trinken Sir eine Tasse mit!"

O wie diese Freundlichkeit in dem gemiedenen Hause der alten Frau Wohltat, zumal in dieser Stunde! Sie setzte sich aber mit ihrem Stuhl etwas vom Tisch ab, strich mehrmals über ihre Schürze und begann endlich:Sie dürsen mit'i nicht übelnehmen. Mich alte Frau treibt die bitterste Sorge hierher!"

Vater Wedemann zog die Augenbrauen zusammen.Ja, liebe Frau, Sorgen hat heutzutage jeder. Geld gibt'- wohl, aber wer'- Hot, der hat'-I"

Mutter Hagedorn sah ihn verwundert an. Sie begriff erst allmählich sein Mißverständnis. Mit fester werdender Stimme begann sie dann:Verstehen mich Herrn Wedemann nicht falsch. Nicht bei Gelder wegen bin ich gekommen. Und doch sollen sie einer armen Frau einen Gesallen tun, wenn Sie SWitleib haben."

Marthchen sah erstaunt auf. Herr Wedemann sah das Weiblein von der Seite an.

e3a, einen großen Gefallen!" wiederholte jene. Dann be­sann sie sich ein Weilchen. Die Worte wollten in der Auf­regung nicht recht stand halten. Endlich setzte sie an:Sie wissen, mein Mann ..." Da war'S mit bet Kraft auch schon wieder au-, und Tränen erstickten die Stimme. Wede­

Eichhos, BingarteS, WilhelmShof und Oberrode scheiden aus dem BeobächtungSgebiet aus.

I. I. Nr. 4679. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSseld, den 10. April 1912.

Ich mache daraus aufmerksam, daß Rechtsmittel gegen die StaatS-, Gewerbe- und BetriebSsteuer-Veranlagungen aus dem Büro der Kgl. Einkommensteuer-VeranlagungS-Kommission hier kostenlos entgegengenommen werden, und daß an dieser Stelle Auskunft in allen einschlägigen steuerlichen Angelegen­heiten kostenlos erteilt wird.

DaS Büro Stift Nr. 9 ist werktäglich von 9 bis 12 Uhr Vormittags für das Publikum geöffnet.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Deranlagungs-Kommiffion:

I. Nr. 941. von GruneliuS.

nichtamtlicher teil. ,

Abgeordnetenhaus.

DaS Abgeordnetenhaus nahm gestern seine Arbeit mit der Beratung deS Eisenbahnetats wieder auf. Doch scheint mancher der Herren Volksvertreter seine Ferien noch etwas verlängert zu haben. Eo schauen denn die uniformierten Eisenbahner, die von der Tribüne in den Saal hinabsehen, säst leere Bänke. Einer weiteren Ausdehnung der Eisenbahngemeinschast steht die Mehrheit des HauseS nach den nicht gerade glänzenden Er- sahrungcn mit dem hessischen BundeSbruder ablehnend gegen­über. Mit Genugtuung wird festgestellt, daß die Betriebs­sicherheit unserer Staat-bahnen die aller anderer Länder über- trifft. Auch die Beamtenschaft bekommt Worte der An­erkennung. Besondere Billigung findet bei der Rechten der Erlaß deS Minister-, der eS den Eisenbahnern zur Pflicht macht, sich von fozialdemokratischen Bestrebungen fernzuhalten. Nebenher laufen auch manche Klagen. Da ist eS vor allem der Wagenmangel, unter dem unsere Industriezentren oft zu leiden haben. AuS der Antwort deS Eisenbahnministers fei hervorgehoben, daß die Einnahmen eine wesentliche Steigerung erfahren haben, die sich im EtatSjahr 1911 aus 164 Millio­nen gegenüber dem Voranschlag belauft; man glaubt deshalb, den AuSgleichSsondS mit 160 Millionen Mark auffüllen zu können.

In Krieg Mischen Italien und Der Arkei.

Konstantinopel, 16. April. Der gemeinsame Schritt der Mächte zur Feststellung der Bedingungen, unter denen die Türkei zum Friedensschluß bereit sei. hat heute Vormittag

mann brummte ärgerlich, stand aus und schritt auf und ab. Marthchen aber legte beruhigend ihre Hand auf den Arm bei alten WeibleinS. Wie gut daS tat I ES schien wirklich zu beruhigen. Hastig kamen jetzt in stehendstem Tone die Worte: In tausend GotteS Namen, Herr Wedemann, helfen Sie mir, retten Sie mir meinen Jungen!" Jetzt war aber der Wirt jäh stehen geblieben. Die Alte mußte offenbar nicht richtig im Kopfe fein.WaS denn? Ihr Sohn? Dem Ernst? WaS ist dem? Retten soll ich ihn? Ja, von waS denn?"

Ist denn waS ihm geschehen? Ich habe ihn doch erst heute morgen eben vorm Hause stehen sehen?" fragte auch Marthchen.

Mutter Hagedorn antwortete nicht auf diese stürmischen Fragen. Noch einmal raffte sie ihre ganze Kraft zusammen: Herr Wedemann, wenn eS möglich wäre, geben Sie ihm nicht soviel Bier zu trinken!"

Jetzt lachte aber der Wirt ärgerlich auf.Na, nun seien Sie so gut . . . Da hört sich doch aber alle? auf. Ich kann ihm doch nicht weniger geben, als er bezahlen will. Ich muß ihm doch geben, wenn er zahlen kann."

Marthchen sühlte, wie der harte Ton deS VaterS dem armen Mütterchen weh tun müsse. Sie neigte sich zu ihm hin und sagte freundlich:Aber zu unS kommt er gar nicht so oft!"

Ach, natürlich!" sagte der Wirt verächtlich.Er trinkt ja überhaupt gar nicht viel. Er ist doch gestern abend be­trunken angekommen! Na, ich habe ihm hier noch nicht- angemerkt, daS ist allemal, wenn die KerlS an die Luft kommen, davon kriegen sie den Torkel. Na, und ein junger Bursche, wenn der auch mal einen Rausch heimbringt. Er ist doch auch kein kleiner Junge mehr, muß man bedenken."

Ich wollte, er wär'S noch, du lieber Gott!" seufzte Mutter Hagedorn, gänzlich niedergeschlagen; dem Marthchen traten ordentlich die Tränen in die Augen.Herr Wede­mann, nehmen Sie mir'S doch nicht für ungut, aber ich habe so eine Angst in mir, daß der Junge mal wie sein Vater werden könnte!"

stattgefunden. Die Note, die die Botschafter dem Minister des Aeußern überreichten, hat folgenden Wortlaut:

Nachdem die Mächte haben fest stellen können, daß unter gewissen Bedingungen Italien bereit sein würde, eine freund­liche Intervention der Mächte zuzulasien, um dadurch zu einer Beendigung der Feindseligkeiten zu gelangen, wenden sie sich in demselben freundschaftlichen Geiste an die hohe Pforte, um diese zu bitten, ihnen die Bedingungen mitzuteilen, unter denen sie ihre Vermittelung annehmen würde, um dadurch zu einer Beendigung der Feindseligkeiten zu gelangen.

Die türkische Antwort ist schon festgelegt. Sie besagt, daß die Türkei erst nach Widerruf deS AnnexionSdekretS in Ver­handlungen eintreten könne.

DieAgenzia Stefani meldet auS Darna vom 15. April: Die Verluste der Türken im letzten Kampfe find auf über fünfhundert lote festgestellt worden. Die in der Umgegend von Bomba und Merfasufa wohnenden Stämme verlassen daS türkische Lager, um in ihr Gebiet zurückzukehren. Auch in Darna läuft daS Gerücht, daß Boten vom Groß-Senuffi angekommen feien, mit dem Befehl an die Häuptlinge deS CaoujaS, in ihr Land zurückzukehren.

Rom, 16. April. DieAgenzia Stefani" veröffentlicht einen eingehenden Bericht über die Vorgänge bei Mocabez. Der Bericht hebt die Schwierigkeiten hervor, die bei Annähe­rung der Schiffe an die Küste ohne genaue hydrographische Ratten zu überwinden waren, und die die erste Ausschiffung während der Nacht mit sich brächte. Der Besetzung bei Fort- Buhamez war eine AuSkundschaftung bei KanalS zwischen der Halbinsel und der Küste vorangegangen.

Zusammenstoß des englischen RiesendampsersTitanic" mit einem Eisberg.

Eine Katastrophe, die seit vielen Jahren nicht vorgekommen ist, hat sich an der Küste Nordamerikas im Atlantischen Ozean ereignet. Der DampferTitanic" der White Star Line, daS größte Schiff der Welt, ist auf feiner ersten Fahrt mit einem Eisberg zusammengestoßen. ES wird gemeldet:

Cape Race ^Neufundland), 15. April. Der Dampfer Titanic" der White Etar-Line ist am Sonntag abend mit einem Eisberg zufammengestoßen und hat um Hilfe gebeten. Eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß begann bai Schiff zu sinken. Die weiblichen Passagiere konnten in den Rettungsbooten ausgenommen werden. Die Dampfer Olympic" undBirginian" antworteten auf die drahtlosen Hilferufe beiTitanic", daß sie schleunigst Beistand leisten würden. Auf demTitanic" befanden sich viele hervorragende Persönlichkeiten, darunter Colonel I. I. Astor, Präsident der Grand Trunk Eisenbahn, JSmay, Präsident der White Star- Line, Gräfin Rothes, Schriftsteller Stead, die Bankiers Guggen»

I, wer wird denn gleich bai Schlimmste annchmen Ihr Mann war doch eben ein Säufer!"

Jetzt fuhr aber daS Mütterchen leichenblaß auf.Herr Wedemann, da- sagen Sie?" rief sie gekränkt.Wer hat ihn denn zum Säufer gemacht?! In feinen jungen Jahren ist er keiner gewesen, und zu Hause hat er keinen Tropfen getrunken. WaS für einen schönen Lohn ein Forstläufer kriegt, habe ich erst nachher vom Förster gehört. Wo mein Mann seinen Lohn und meine Ersparnisse hingetragen hat, daS wissen Sie vielleicht besser als ich!"

Marthchen war erschrocken aufgesprungen, sie fürchtete, ihr Vater würde jetzt wild werden. Zu ihrer Befremdung aber zuckte der sonst so leicht Reizbare nur die Achseln und sagte leichthin, wenn auch undeutlich:Geschäft ist Ge­schäft!" Darauf ging er hinaus und schlug die Türe derb hinter sich zu.

Da drängte eS Marthchen, die alte Frau in den Stuhl zurückzudrängen und den Arm um sie zu legen:Ach, Frau Hagedorn, ist eS denn wirklich so schlimm mit Ihrem Ernst? Mir ist er doch noch gar nicht ausgefallen.

Noch ist eS vielleicht nicht zu spät, wenn Gott hilft", sagte Mutter Hagedorn ruhiger.Ich glaube ja nicht, daß er viel trinkt. Wenigstens nicht von seinem Gelde. Dazu ist er zu ordentlich. Aber ich fürchte nur, er kann nicht- vertragen. Und da- war bei seinem Vater auch so, sehm Sie!"

Marthchen quälte sich um einen Trost. Aber waS war da zu tun ? Vater hatte ja in seiner Art auch recht, ali Wirt konnte er doch bai Bestellte nicht verweigern. Vielleicht sah Frau Hagedorn doch zu schwarz. Freilich wenn man einmal schon solche Ersahrung gemacht hat! Aber die anderen Burschen tranken doch alle Bier, der Herr Lehrer ja auch. Sie fand nicht-, wie sie dem Wunsche deS Mütterchen- hätte entgegenkommen können. Und ou- diesem Grunde war'S ihr geradezu eine Erleichterung bei allem aufrichtigen Mitgefühl, al- Frau Hagedorn sich erhob, wenngleich ihr deren Worte in» Herz schnitten:Wenn er niemand findet, der ihm hilst, geht er auch zu Grunde ohne aufzusehen, schwankte die Alte mit einem gehauchten:Na, da ade!" hinaus. Marthchen