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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 48.

Dienstag, den 23. April

1912.

Amtlicher Ceil.

HerSseld, den 16. April 1912.

Die Maul- und Klauenseuche unter den Viehbeständen deS Fritz Holzhauer in Oberthalhausen und des Heinrich Köthe, Chr. Albert und JustuS Braun in Licherode, Kreis Roten- burg, ist erloschen.

3. Nr. I. 4641. Der Landrat.

3. 8.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher Ceil.

I. Aimiits über SiegensuAt und Haltung.

1 Bedeutung der Ziegenzucht.

Die Ziege gehört zu denjenigen Hau-tieren, welche der Mensch schon seit einer Reihe von Jahrtausenden gehalten hat. Wie in anderen Ländern, so waren auch in den meisten Gegenden Deutschlands die ursprünglichen Landrassen durch Inzucht und unzweckmäßige Haltung in ihrer Leistungsfähig­keit und WiderstandSjähigkeit zurückgegangen. Dagegen sind in den letzten Jahrzehnten an vielen Orten unseres Vaterlandes erfolgreiche Maßnahmen zur Hebung der Ziegenzucht und Haltung ergriffen worden, so daß vielfach erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen sind. Die Ziege hat infolge der Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine größere Bedeutung für bie Ernährung und verbesserte Le^Ihaltung weiter VolkSkreise gewonnen alS dies früher der Fall war. Zunächst denkt man hierbei an die vielen Arbeiter, Handwerker und Angestellte, welche auf dem Lande wohnen, denen eine oder einige selbst gehaltene Ziegen für ihren Haushalt die nötige Milch liefern. Nur durch die Ziegenhaltung wird eS den genannten Be- völkerung-jchichten ermöglicht, sich genügend gute Milch als ausgezeichnetes Nahrung-mittel billig zu beschaffen und beson­ders die Ernährung der Kinder in den ersten Lebensjahren aus die Milch begründen zu können. Die Ziegenmilch wird, im Gegensatz zur Kuhmilch, zum größten Teil im eigenen Haushalt verbraucht. AlS Säuglings-, Kinder- und Kranken­milch findet sie in erster Linie Verwendung. Ihre Zusammen­setzung und sonstige Beschaffenheit machen sie für diesen Zweck besonders geeignet. Die Ziegenmilch ist fettreicher als Kuh­milch und fast ausnahmslos tuberkelfrei und frei von sonstigen Krankheitserregern. Während man Kuhmilch zur Vermeidung der Tuberkuloseübertragung aus den Menschen vor dem Genuß abkochen muß, erscheint eS unbedenklich, die frisch gemolkene Ziegenmilch roh undziegenwarm" zu genießen. Nach Pro­fessor Fleischmann hat die Ziegenmilch folgende durchschnittliche

Zusammensetzung: Wasser

86,50 %

teuer erkauft!

Roman von HanS Bley Müller.

(Fortsetzung.)

Hinter ihnen her schrie Ernst noch immer:Jawohl, Schufte I Wer gegen Hüttichen waS sagt, der krieg'tS mit mir zu tun!*

Sei doch piß!* raunte ihm im Vorbeigehen der letzte Bursche begütigend zu.

Martha hatte mit Schrecken den AuSbruch des Zornes vernommen. Sie stand noch immer am Ausschanktisch, und ihre Finger schloffen sich sest um den Henkel von Hage­dorn» GlaS.

Da hatte sie gleich den Beweis. Diese gröliche Stimme! Er war betrunken, ohne Zweifel. Aber wovon nur? Zwei GlaS Bier hatte er in reichlich drei Stunden getrunken, daS konnte doch einen Burschen von zwanzig Jahren nicht um« werfen? Sie hatte schon erleichtert ausgeatmet, alS die Stühle polterten und die Burschen gingen, um dem Streite zu entgehen: sie war schon sroh gewesen, daß sie ihm das dritte GlaS nicht zu bringen brauchte; denn allein würde er doch schwerlich iu dieser Stimmung sitzen bleiben.

Aber da fuhr sie erschrocken zusammen. ES hatte einen lauten Krach getan. AlS sie herumsuhr, hüpften noch einige Gläser aneinander klirrend auf dem runden Tische. Die langen Beine mit den großen Stiefeln weit von sich gestreckt, die Faust auf dem Tische geballt, saß oder vielmehr lehnte Hagedorn dort und schrie wütend:Na, waS wird'S denn? Krieg ich Bier, oder nicht?"

Der Wirt war gerade aus der Stube gegangen. Martha zitterte, die sonst gerade nicht furchtsam war. Sie zitterte mehr auS Aufregung, die hervorgerusen wurde durch den Gedanken an ein mögliches Verweigern deS BiereS. Während Pe noch in Hast erwog, mit welchen Worten sie ihm fein Begehren wohl abschlagen könne, betrat ihr Vater wieder die Stube, und ohne eS eigentlich zu wissen, reichte sie diesem daS leere Gla», da» er auch sogleich boßaufen ließ.

Fett 4,80 %

EiweiS und Käsefioff 4,00 % Milchzucker 4,50 %

Aschenbestandteile 0.70 % Die durchschnittliche Zusammensetzung der Kuhmilch ist dagegen folgende:

Wasser 87,75 %

Fett 3,40 %

EiweiS und Käsestoff 3,60 %

Milchzucker 4,50 %

Aschenbestandteile 0,75 %

Die Ziegenmilch hebt die Lebenshaltung der minderbemittelten BevölkerungSklassen und eS ist oft deren Verwendung zuzu- schreiben, wenn auS diesen Kreisen stammende Kinder eine strotzende Gesundheit zeigen. Die Bedeutung der Ziegenhal­tung ist daher in volkswirtschaftlicher Beziehung nicht hoch genug einzuschätzen.

Die Wartung der Ziege erfordert feine besonderen baren Auswendungen. Frauen und Mädchen, besonders aber auch die heranwachsende Jugend übernehmen die Pflege, Wartung und Fütterung der Ziege. Die Kinder werden angehalten, GraS und auSgejäte Unkräuter, die sich zur Ernährung der Ziegen eignen, heranzuschaffen.

Die Ziegenzucht ermöglicht eine erhebliche Verbesserung der ländlichen Ärbciterverhältnisse und übt somit einen direkten günstigen Einfluß auf die landwirtschaftlichen Betriebe auS. Die Landarbeitersrage, welche für die Landwirtschaft jetzt wohl die brennendste ist, kann leichter gelöst werden, wenn den ländlichen Arbeitern seitens deS Arbeitgebers die Gelegenheit geboten wird, einige Ziegen zu halten.

Die Bedeutung der Ziegenhaltung liegt aber auch noch aus einem anderen Gebiete. Früher wurde in den bäuerlichen Wirtschaften die Milch selbst verbuttert und Käse bereitet; heute ist meistens auch dem kleineren Landwirt ermöglicht, die gewonnene Kuhmilch an eine Genossenschaft-molkerei oder an den Milchhändler zu liefern; häufig wird die Abgabe der Milch so erleichtert, daß letztere auS dem Hause abgeholt wird. DaS wöchentlich oder monatlich für die verkaufte Kuhmilch eingehende bare Geld veranlaßt die Produzenten, möglichst sämtliche erzeugte Milch abzugeben, und so beginnt dann die Milch überall im Hau-Halt zu fehlen. Die so sehr nahrhaften Milchgerichte kommen nicht mehr oder selten aus den Tisch. Auch bei der Kälber- und Ferkelaufzucht schien die Milch und Milchrückstände. In der besonderen Geeignetheit der Ziegen­milch die auf die geschilderte Weise entstandene Lücke auS- zufüllen, liegt die große Bedeutung der Ziegenhaltung. ES wäre deshalb sehr wünschenswert, wenn besonders kleinere und mittlere landwirtschaftliche Betriebe immer die Ziegenhaltung einfübrtn würden, um so für den eigenen Bedarf und für die Kälber- und Ferkelaufzucht sich billige Milch zu verschaffen. Gerade die Ziegenhaltung ist geeignet, die Rindvieh- und Schweinezucht einet Gegend zu heben. Wieviel Unnannchm- lichkeiten und wie große Verluste hat die mit der Ferkel-

Unterdessen hatte Martha ihren Entschluß kühn gesaßt. Ihr Vater verließ daS Gastzimmer wieder. AlS sie daS GlaS vor Ernst Hagedorn hingestellt hatte, blieb sie neben ihm stehen.

Er hatte ihr daS GlaS sörmlich auS der Hand gerissen und eS bis zur Hälfte entleert. Sie beobachtete, wie dabei feine Hand zitterte und ihm die Augen stier auS dem Kopfe traten.

Da legte sie ihre Hand auf seine Schulter. DaS Herz schlug ihr mächtig. Sie rang nach Worten. Er sah aus, mit einem seltsam scheuen, flackernden Blick. Sie sah aber gar nicht, wie häßlich er in diesem Augenblicke war. Mit bebender Stimme sagte sie so recht eindringlich: Ernst!"

Er schüttelte ihre Hand ab.WaS denn? Schufte sind sie alle miteinander!"

Ernst", raffte sie sich zusammen,trink doch lieber heute nicht mehr!"

WaS willst du?" fuhr er grimmig-erstaunt aus und maß sie mit verschwommenen Blicken.

Ich glaube, du hast genug. Geh lieber heim!" stotterte sie, verwirrt durch seinen Blick.

Er schlug wieder mit der Faust auf den Tisch und lachte höhnisch. Dann sank er müde zurück, setzte einige Male an, etwa- zu erwidern und tappte nach dem Glase. Blitzschnell fuhr Martha, die wie gebannt stehen geblieben war, zu und zog eS ihm vom Munde weg. Ein Teil deS Inhalts floß ihm über die Knie. Jetzt riß er ihr aber voller Wut daS GlaS aus der Hand und schleuderte eS mit furchtbarer Wucht zwischen die leeren Seidel aus den Tisch:Verrücktes Frauen­zimmer, wie kommst du denn dazu . . .?!" Martha war kreidebleich vor dem WulauSbruche zurückgesahren. Da stand aber auch schon ihr Vater neben ihr, hatte Hagedorn stumm am Kragen gefaßt und den Torkelnden, nur schwach sich gegen die überlegene Kraft Sträubenden zur Türe hinaus und die Stcinstusen hinuntergebracht.

Ausschluchzend, am ganzen Leibe bebend, fiel Martha aus einen Stuhl. Aber wie sie auch die Hände vor daS Gesicht schlug und auch daS Taschentuch an die Augen preßte, immer

ein fuhr auS anderen Gegenden eingeschlcppte Maul- und Klauenseuche gerade auch den Landwirten unserer Gegend im Lause deS letzten JahreS bereitet. Die Gesahr der Seuchen- einschlkppung wird aber desto geringer, jemehr die in einer Gegend zur Mästung gelangenden Schweine auch in dieser Gegend gezüchtet werden. ES läge daher im Interesse unserer Landwirte und diese müßten mit Freuden begrüßen, wenn auch in unserem Kreise Maßnahmen zur Hebung der Ziegen­zucht ergriffen würden, die ihrerseits wieder eine vermehrte Schweinezüchtung zur Folge hätte.

Auch daS Fleisch der Ziege ist keinc-wegS zu verachten. Sein Geschmack ist dem deS SchatfleischeS ähnlich und Ziegen- lammbraten wird in manchen Gegenden für eine große Delikateste gehalten. Bei dem zur Zeit vorhandenen großen Bedarf an Fleisch, bei den bestehenden hohen Fleischpreisen hat daS billigere Fleisch der Ziegen eine verhältnismäßige große Bedeutung erlangt. Außer dem Fleisch haben auch die Felle der Ziegen, welche hauptsächlich zur Handschuhfabrikation Verwendung finden, einen guten Kaufpreis. Der bei der Ziegenhaltung gewonnene Dünger ist je noch der Ernährung und dem verwendeten Streumaterial von besserer oder geringerer Qualität; in seiner Wirkung ist er dem Schasdünger ähnlich und findet am meisten wohl in den Gärten Verwendung. Aus Wiesen und Weiden sollte man den Ziegendünger nicht bringen, weil er sehr hitzig ist und cventl. daS Grasland ver­brennen kann.

Die Viehzählungen ergeben für den Bestand an Ziegen in Deutschland nachstehende Zahlen:

im Jahre Stück

1873 2 320 000 1^ 2 641000

1892 3 091 500 1900 3 267 000

1907 3 534 000

Hieraus ist ersichtlich, daß ein ständiges Wachstum deS Be­standes stattgefunden hat. Auch in Zukunft werden sich stei­gende Zahlen ergeben, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Volke- erfordern nun einmal eine Vermehrung der Ziegenhaltung.

(Fortsetzung folgt.)

Reichstag.

Im Reichstage begründete am Sonnabend der Abg. Dr. Arendt den schleunigen Antrag der Reich-partei, betreffend Maßnahmen zur Sicherheit von Passagieren und Mannschaften der Schiffe. Er führte auS, der Präsident habe bereit- dem Schmerze deS HauseS über daS Unglück derTitanic" Aus­druck gegeben, aber die allgemeine Beunruhigung, die die Katastrophe hervorgerusen habe, laste doch eine schleunige Fest­stellung der Ursachen angebracht erscheinen, und der Frage, ob sich dabei Ersahrungen ergeben haben, die neue Maßnahmen zur Sicherheit der Menschen an Bord möglich und notwendig

sah sie daS fratzenhaft verzogene, wütendtrunkene Gesicht bei Burschen vor sich.

Jetzt trat auch ihr Vater schon wieder ein und fragte scheltend:WaS hattest du denn mit dem Lümmel?" Sie antwortete nicht.

WaS läßt du dich denn aber auch mit so einem Kerl ein ?" schalt der Vater weiter, und eS klang, als wollte er sagen:Ist dir schon recht, war hast du auch mit dem Burschen zu schaffen?"

Da stieg ihr dunkle Röte in» Gesicht. Den Vorwurf mußte sie aus sich sitzen lassen. In der Tat, waS ging sie der ekelhaste Bursche an? Sie begriff jetzt in ihrer Be­schämung selber nicht, wie sie sich mit ihm hatte einlaffen können. Wenn der etwa in seiner Trunkenheit davon anderen Leuten erzähte, waS mußten diese von ihr denken? Und wenn er nüchtern geworden war, und sich deS Borfalls noch entsinnen konnte, wa» mußte er nur von ihr hatten? Und wenn er jemals wieder hierherkam, wie sollte sie ihm be­gegnen ? Ach, er wird nicht wiederkommen! Vater hat ihn ja hinau-gcwoisen! Aber im Dorf ist ja auch noch eine Schankwirtschaft. So suchte sie sich an ihren eigenen Wünschen, auS der schlimmen Verlegenheit, in die sie sich, ihr immer wieder unbegreiflich, gestürzt hatte, hcraut- zuziehen. Wenn man sich auch in andrer Leute Verhältnisse mengt I

DaS war aber auch ein Unglückstag heute. Erst lamen­tiert die Alte, bann sind die Burschen so flegelhaft, und schließlich noch daS!

Jemand rief zur Tür herein:Marthchen, bist du da?" Martha erkannte die Stimme ihrer Mutter, steckte schnell daS Taschentuch ein und befestigte da- bei dem Hin- und Her- zerren gelöste Echürzenlätzchen. Mit den Händen leicht über die Haarwellen streichend, ging sie bet Mutter in dir Küche nach.

Mutter Wedemann, eine kugelrunde Person, war ganz aufgelöst, wie da- so ist, wenn man auS der Stadt kommt und einen weiten Weg hinter sich hat und einen schweren Handkorb getragen und obendrein viel gesprochen hat. Der Herr Lehrer hatte sie auf dem Heimwege begleitet,und der