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hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 51.

Dienstag, den 30. April

1012.

Amtlicher Teil

Landespolizeiliche Anordnung, betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und

Klauenseuche.

Mit Rücksicht auf die Verbreitung der Maul- und Klauen­seuche im Großherzogtum Oldenburg und die besondere Ge­fahr ihrer Einschleppung von dort wird meine landeSpolizei« liche Anordnung vom 26. März d. I. A. III. 1473 (Amtsblatt 6. 167) aus Grund der §§ 18 und 20 deS ReichSgesetzeS, betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894, mit Ge­nehmigung deS Herrn Minister? für Landwirtschaft, Domänen und Forsten biS auf weiteres folgendermaßen erweitert:

§ 1. Mit allem aus dem Großherzogtum Oldenburg in den Bezirk Caffel eingeführten Klauenvieh ist gemäß den im § 1 meiner landespolizeilichen Anordnung vom 26. März d. J. für Klauenvieh aus verseuchten Bezirken getroffenen Bestimmungen zu verfahren.

§ 2. DaS aus dem Großherzogtum Oldenburg einge- sührle Klauenvieh ist am Bestimmungsorte in abgesonderten Stallräumen unterzubringen und für die Dauer von 8 Tagen der polizeilichen Beobachtung zu unterwerfen. Ist eine Unterbringung deS Viehs in gesonderten Stallräumen nicht möglich, fo ist die polizeiliche Beobachtung auf daS gesamte in den Ställen untergebrachte Klauenvieh auSzudehnen.

§ 3. Die Bestimmungen des § 4 meiner landeSpolizei» lichen Anordnung vom 26.>z d. I. finden Anwendung.

§ 4. Nach Ablauf der achttägigen Frist ist daS der Beobachtung unterliegende Vieh amtStierärztlich zu untersuchen. Wenn die Untersuchung die Unverdächrigkeit der Tiere ergibt, ist die Beobachtung auszuheben.

§ 5. Für daS auS Oldenburg zum Zwecke sofortiger Abschlachtung in öffentliche Schlachthäuser eingeführte oder aus Schlachtviehmärkte ausgetriebene Klauenvieh greifen die Vor­schriften über die abgesonderte Ausstellung und die polizeiliche Beobachtung nicht Platz. Das aus Echlachtviehmärkte aus- getriebene Vieh darf jedoch von den Schlachtviehmärkten nur zur Schlachtung oder zum Austrieb auf andere Schlachtvieh- märkte abgetrieben werden.

§ 6. Für die Behandlung deS aus BeobachtungSgebieten deS GroßherzogtumS Oldenburg eingeführten Klauenvieh? gelten die Bestimmungen im § 3 meiner landespolizeilichen Anord­nung vom 26. März d. I.

§ 7. Bezüglich der Kosten der amtStierärztlichen Unter- fuchungen gilt § 6 meiner landespolizeilichen Anordnung vom 26. März d. I.

§ 8. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden nach § 328 deS R.-St.-G.-B. und nach den §§ 66 und 67 deS ReichSviehjeuchengefetzeS vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894 bestraft.

§ 9. Diese Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver­

Quer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Zu dieser Auffassung ihrer Lage hatte sie sich, freilich nicht mühelo?, hindurchgerungen und war ziemlich dabei be­ruhigt. Beobachten, erproben!

Sie beobachtete ihn jeden Abend, wenn er heimging. Einmal hatte er nach der Schenke herübergesehen, sie am Fenster erkannt und feine Mütze gelüstet. Sonst hatte sie nicht? Erwähnen?werte? an dem müde Aussteigenden bemerkt.

Auch heute wollte sie beobachten. Gegen drei Uhr sollte er* einfahren. Doch war sie nicht im geringsten unruhig, zu ihrer eigenen Verwunderung. Uebrigen? ließ ihr die muntere Launen RuschelköpschenS auch keine Zeit zu ernsthaften Ge­danken und Entwürfen.

Eine Reihe war wieder gewendet. Die Mädchen standen in der Nähe der Mühle, Marthchen auf den Rechen gestützt und tief atmend. ,

Geh hinein, hol dir einen Rechen! Hilf ein bißchen! sagte Marthchen, selber lachend über die Zumutung.

Du bist wohl . . .", schmollte Ruschelköpfchen.Denke nicht dran. Lieber wälze ich mich im Heu."

Grummet I"

Danke für Belehrung. Ist mir egal. Ueberhaupt ich finde, bei den Bauern ..."

Danke schönI"

Na ja doch, auf dem Lande also tut man am besten, man drückt sich allgemein au». Statt Roggen oder Weizen sagt man Getreide, fertig ist man."

DaS müßtest du doch alS Müller?tochter unterscheiden können!"

Na weißt du, ich bezweifele stark, ob du alle Biersorten kennst!" ... r

Martha lachte über die Schlagfertigkeit. vcdwig aber fuhr In drolligem Lehrtone fort:Also statt Roggen ober

kündigung in Straft. Ihre Aushebung wird erfolgen, sobald die Seuchengcfahr beseitigt ist. (A. III. 2112.)

Caffel, am 6. April 1912.

Der Regierungspräsident. Gras v. B e r n st o r f s.

HcrSseld, den 18. April 1912.

Wird veröffentlicht.

I. 4392. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSseld, den 23. April 1912.

Diejenigen Schulvorstände deS Kreise?, welche mein Au?- schreiben vom 4. vorigen Monats I. 2753 abgedruckt im KreiSblatt Nr. 30 1912 betreffend daS Abonnement auf die Wetterkarte der Wetterdienststelle Frankfurt a. Main für die Schule, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 1. kommendenMonatS erinnert.

I. 2753. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

Bekanntmachung.

Bestehender Vorschrift gemäß wird hierdurch folgende? bekannt gemacht:

1. Die Dienststunden der hiesigen KreiS- und Forstkasse für den persönlichen Verkehr sind Vormittag? von 8 biS 1 Uhr mit Ausschluß der Sonn- und Feiertage.

2. Zum Zwecke der Bücherabschlüsse und der Kassen- revisionen ist da? Kassenlokal an solgenden Tagen geschlossen:

a, am letzten Werktage eine? jeden MonatS bis 11 Uhr Vormittags; fällt der 1. auf einen Sonntag, dann am vorletzten Werktage bis 11 Uhr,

b. am vorletzten Werktage der 3 ersten Vierteljahre,

c. an den zwei vorletzten Werktagen im Monat April. HerSseld, den 25. April 1912.

Königliche Kreis- und Forstkasse. Schultheiß.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Im Reichstage gelangte am Freitag die Interpellation der Nationalliberalen wegen des bekannten JesuitenerlasseS der bayerischen Regierung aufs Taprt. Abg. Dr. Junck, der Vertreter der Stadt Leipzig, begründete die Interpellation seiner Fraktion in längeren juristischen Ausführungen, be­tonend, eS handele sich in der Angelegenheit um die Verletzung eines bestehenden ReichSgesetzeS seitens eines BundeSstaateS, welcher die ReichSregierung entgegentreten müsse. In seiner Beantwortung der Interpellation ging der Reichskanzler von

Weizen werde ich nun immer nur Getreide sagen; statt Heu oder Grummet einfach Gras; 'S ist ja doch aller bloß GraS!" sagte sie verächtlich und warf mit dem Fuß Xnen Hausen in die Höhe.DaS ist mit den Bäumen im Walde dieselbe alberne Geschichte. Ich sage überhaupt nur noch Bäume; denn sage ich Tannen, steckt Vetter Heini seine infame Lache an und belehrt mich: Fichten! Und sage ich ein andermal Fichte, dann grinst der Mensch wieder und sagt: Tanne. DaS letzte Mal fetzte er auch noch frech hinzu:Mancher lernt'S nie!"

Wann war daS!"

Gestern erst ist er durchgeritten, hast du ihn nicht ge­sehen ? Ach, schneidig, sage ich dir! Er läßt jetzt im Revier auf unserer Seite einen Weg auSbessern. Zu schade! Er sagte, ich solle doch mal hinkommen und ihn in seiner Arbeit sehen."

Nun, waS ist denn da schade dran?"

Daß ich nicht allein hinkann und Vater und Mutter nicht mitkönnen, die brauchen auch nicht bei allem dabei sein", fügte sie naseweis bei.

Plötzlich stellte sich ihr Gesicht aus:Weißt du waS, du könntest doch mal mitkommen!"

Zeit, mein Fräulein I" sagte Marthchen wichtig.

Nu Zeit! Sagst, wir wollten Erdbeeren suchen."

Da könnten wir allerdings ein Jahr lang suchen, denn für dieser Jahr sind die vorbei. Du hättest jetzt deinen Grundsatz anwenden sollen und einfach Beeren sagen sollen."

Hedwig fchnickte sich unwillig zur Seite.Meinetwegen also Beeren und Wurzeln, wie in allen Geschichten steht." Sie kaute an einem langen Holme.In einem Forsthause denke ich mir'S zu idyllisch."

Martha schien daS überhört zu haben, sie lauschte nach dem Dorfe hin. In schnellem Tempo suhr ein Leiterwagen aus die Wiese. Bei der schaffen Kurve kreischte die weibliche Person, die an der Leiter deS Wagen? sich ängstlich ange- klammert hatte, während der Wagenlenker, Ernst, einen über­mütigen Juchzer auSstieß.

Kaum stand der Wagen, so spru:-., Ernst ab, schlang die

Bethmann Hollweg um diesen Kern der Sache herum und verschanzte sich hinter dem BundeSra> Der Kanzler erklärte, Bayern habe selber beim BundeSrate den Antrag gestellt, den Begriff der OrdenStätigkeit zu definieren, bis zum Ergehen eines hierauf bezüglichen BundesratSbeschlusseS werde § 1 deS Jesuitengesetzes im gesamten Deutschen Reiche auf Grund der bestehenden Uebung zur gleichmäßigen Anwendung ge­langen, alSdann aber werde der zu erwartende BundeSratS- beschluß die einheitliche Grundlage bilden. Nach dieser Erklärung deS Kanzlers ergriff der bayerische Ge­sandte Graf Lerchenseld daS Wort, um den vom Abge­ordneten Dr. Junck der bayerischen Regierung gemachten Vorwürfe, sie habe durch ihren Jesuitenerlaß eine Verletzung eines bestehenden ReichSgesetzeS begangen, alS unbegründet zurückzuweisen und die Stellungnahme der bayerischen Re­gierung in dieser Affäre zu verteidigen. In der fich alSdann anschließenden Debatte sprachen die Abgeordneten Blos (soz.), Spähn (Zentr.), Graf Westarp (kons.), Dove (VolkSp.), Martin (ReichSp.), Ortmann (nat. lib.), v. MorawSki (Pole), Gröber (Zentr.), Mumm (Wirtfch. Vereinig.), und als Echlußredner nochmals Dr. Junck; die Diskussion war nicht sonderlich bemerkenswert. Dann nahm der Reichstag die neulich abgebrochene Beratung deS Etat? der ReichSeifen- bahnen wieder auf, doch trat nach kurzen Ausführungen der Abgeordneten Licsching (VolkSp.) und Dr. Weill (soz.) Schluß der Sitzung ein.

Aus ]« und Ausland.

Berlin, 28. April.

Der Kaiser hörte, wie r<uS Korsu gemeldet wird, heute vormittag die Vorträge deS Chefs deS ZivilkabincttS, Wirkl. Geh. RatS von Valentin!, deS Chefs deS MilitärkabinettS, Generals der Infanterie Frhrn. v. Lyncker, deS Chefs deS Marinekabinetts, Admirals v. Mueller, und deS Vertreter? deS Auswärtigen AmteS, Frhrn. v. Jenifch.

Ueber di e Wehrvorlage schreibt dir N. A. Z. folgende?: Die viertägige Besprechung der Wehrvorlagen im Reichstage hat von neuem den Beweis erbracht, daß mit der Sozialdemokratie eine Verständigung über Fragen unserer Wehrmacht unmöglich ist. In einem erhebenden Gegensatz dazu steht die grundsätzliche Bereitwilligkeit, mit welcher die bürgerlichen Parteien vorbehaltlich der Einzelprüfungen in den Kommissionen für die Wehrvorlagen eintreten wollen. Dafür können die verbündeten Regierungen und die ganze Nation dem Reichstage Tank wissen. ES ist zu hoffen, daß in einer Frage, die den Lebensnerv unserer Nationalinteressen berührt, auch die Frage der Deckung nicht zum Zankapfel werde. Bei den hier bestehenden Meinungsverschiedenheiten spielt letzten Endes die Frage eine wichtige Rolle, ob die Regierung die zukünftige Finanzentwicklung um 20 oder 30 Millionen zu günstig geschätzt hat oder nicht. Der Streit darüber darf die

Leine um daS Querholz und strängte die Pferde ab. Jda war hinten vom Wagen gerutscht, wobei ihr ein Pantoffel entglitten war, den sie umständlich mit dem Fuße suchte.

Ernst begrüßte die beiden Mädchen kurz. Marthchen fragte höflich, ob eS die Zeit erlaubt habe, für sie einzu- fahren.

Ach, eS wird schon möglich gemacht", sagte Ernst, setzte aber sogleich mit dem Ton und der Haltung eine» GurS.n- fpeklor? hinzu:Jda, wir zwei nehmen die erste Reihe, die Fräulein können die nächste nehmen."

Jawohl, mir ist gerade so!" knurrte Hedwig Hartmann beleidigt.Wie der tut!" fügte sie leise bei. Ernst bemerkte jetzt, daß sie kein Gerät und keine Lust holte. Na mal loS einstweilen, Marthchen, wir kommen schon nach."

DaS kam alleS mit einer solchen Sicherheit und Selbst­verständlichkeit, man sah, hier stand der Bursche auf seinem rechten Flecke.

Jda war unterdessen gleich vom Wagen auS mit kurzem Gruß an die Arbeit gegangen. Sie war sonst nicht träge, heute aber legte sie sich doppelt in? Zeug.

Ernst hatte sich einigemole gebückt und daS Grummet angesaßt.ES taugt!" sagte er und fing nun seinerseits mit langen Strichen die Grasraupe zu bilden an. An feiner Grenze harkte Marthchen nach der entgegengesetzten Seite.

Jda war weit voraus. Solche Arbeit war ja Spielerei für sie. Dabei beobachtete sie aber aufmerksam, waS hinter ihrem Rücken vorging. Gesprochen wurde eine Weile gar nicht, biS auf Hedwig arbeiteten alle. Mit Befriedigung be­merkte Jdo, daß der Abstand zwischen ihr und Ernst immer geringer wurde, während Martha zurückblieb. Ueber ihr an sich regelmäßigjchöncS Gesicht flog ein hämisch-triumphierliider Zug, der eS'recht entstellte.^Die wollte Herrin werden ? Sollte Hüttich so dumm sein'? Nun, sie wollte ihm schon die Augen öffnen. Die arbeitete doch auch hier nur zum Schein mit. Natürlich, wenn'» an der Straße waS zu tun