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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ns

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Seile 10Pfg.,im amtlichen Teile 20 pfg.' Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsna^na

Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 74.

Dienstag, den 25. Juni

1912.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 20. Juni 1912.

An die Ortspolizeibehörden deS Kreises.

Die Uebersicht über die Kennzeichen der Kraftfahrzeuge im Deutschen Reich ist neu ausgestellt und durch Aufnahme sämtlicher mit der Ausgabe von Kennzeichen betrauten Behörden unter Angabe der einer jeden zugewiesenen ErkennungSnummern vervollständigt worden. In ihrer jetzigen Gestalt gewährt die Uebersicht die Möglichkeit, den Besitzer oder Führer eines jeden Kraftfahrzeugs durch unmittelbare Anfrage bei der Ausgabe­stelle der ErkennungSnummer ohne weiteres zu ermitteln.

Der Preis beträgt: für daS einzelne Stück 0,25 Mk., für 10 Stück 2,20 Mk., für 25 Stück 4,50 Mk., für 50 Stück 7,50 Mk., für 100 Stück 12,50 Mk.

Bei gleichzeitigen größeren Bestellungen ermäßigt sich der Preis je nach besonderer Vereinbarung. Hiernach wird es zweckmäßig fein, daß die Bestellungen einzelner Polizeibehörden nicht unmittelbar bei der Firma, sondern gesammelt von hier auS erfolgen.

Ich empfehle die Anschaffung der Uebersicht und nehme Bestellungen daraus bis zum 10. Juli d. JS. entgegen.

I. 7163. Der Landrat.

I. «.:

Kessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 20. Juni 1912.

Diejenigen Herren Bürgermeister deS Kreises, welche meine Verfügung vom 2. Mai d. JS. I. A. 2725 Kreisblatt Nr. 55 betreffend: Einreichung der Beschlüsse über Fest­stellung der Gemeinderechnung noch nicht erledigt haben, werden mit Frist biS spätestens zum 1. Juli 1912 hieran erinnert.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes: I. A. Nr. 2725. n. von GruneliuS.

HerSfeld, den 5. Juni 1912.

DaS Ober-Ersatz Geschäft im Kreise HerSfeld findet am

Mittwoch, den 10. 3uli und

Donnerstag, den 11. Juli d Is, jedesmal von morgens ^28 Uhr ab in der neuen Turnhalle (August-Gottliebstratze) hierselbst statt.

Die Herren OrtSvorstände des KreiseS haben die ihnen demnächst zuzehenden Vorladungen den betreffenden Militär­pflichtigen alsbald auSzuhändigen. Den Militärpflichtigen ist dabei zu eröffnen, daß sie zu den bestimmten Terminen pünktlich erscheinen müssen, und daß diejenigen, welche bei Aufruf ihrer Namen im MusterungSraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrase biS zu 30 Mark oder Haft biS zu

Quer erkauft!

Roman von H a n S B l e y m ü l l e r.

(Fortsetzung.)

Man mied sie, aber sie bemerkte, wie auch die Eltern sich gegegenseitig aus dem Wege gingen. Niemand, außer etwa Lieschen, fragte sie etwas. Aber selbst das Kind begann, zumal im Beisein von Vater und Mutter, sich scheu von ihr fernzuhalten.

Fragte sie, so erhielt sie keine Antwort, keinen Blick.

Dieser Zustand war auf die Dauer unerträglich und zwang sie, ihren ZukunstSplan bestimmter zu gestalten.

Wenn sie schon von Hause fortging, so konnte ihr nicht zweifelhaft fein, wohin sie ihre Schritte lenken sollte. Wo anders hin als in die Nähe Ernst'S? Wie Gott alle» so wunderbar führt! Vielleicht bedeutete alles, wie eS gekommen war in diesen Tagen, ein Drängen zum Ziele. Was konnte sie ihm von hier aus fein?

Um ein Unterkommen war ihr nicht bange. Sie wollte irgend eine Stellung annehmen, als Verkäuserin, als Haus­mädchen, als Stütze, wenn nicht anders auch als gewöhn­liches Dienstmädchen.

Nur fort! Nur hin!

Der Entschluß, selbst den Stein inS Rollen zu bringen, hatte die meiste «rast und Qual gefordert.

So oft sie sich auch wiederholte:ES ist am besten so, ei ist dir einfachste Lösung für unS alle, auch für Hüttich, wenn ich fortgehe", so oft auch bangte ihr wie vor einem Frevel, den Eltern mitzuteilen, waS diese gewiß überraschen würde. Möglich, daß sie denselben Gedanken erwogen, keines aber ihn auSsprach, um nicht den Schein aus sich zu lenken, all wolle man da» Kind auS dem Hause weisen. Möglich war freilich auch, daß sie in MarthaS Absicht eine neue Kränkung erblickten.

Doch, koste e», waS eS wolle. Dieser Umeinanderherum- gehen war schrecklicher alS Trennung. Sie wollte nicht im Bösen gehen; wem wollte sie böse sein? Und wenn sie den

3 Tagen die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Nachteile sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung alS unsichere HeereSpflichtige zu gewärtigen haben.

Die Herren OrtSvorstände haben zu den Terminen persön­lich zu erscheinen und solange im MusterungSlokale anwesend zu sein, biS sämtliche Militärpflichtige ihrer Gemeinde gemustert sind. In BehinderungSfällen ist stets für die Anwesenheit eines Stellvertreters zu sorgen.

Beim Oberersatzgeschäst werden sämtliche in Betracht kom­menden Reklamationen der Oberersatzkommission zur Entscheidung vorgelegt. Alle familienmitglieder, auf deren Arbeits- oder pticbtarbeitsfäbigkeit es bei der Beurteilung der Reklamationen ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamierten) haben deshalb im Cermin mitzuerfeheinen, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht ftattfinden kann.

Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat den Nachweis hierfür durch drei glaubhafte, persönlich anwesende Zeugen zu führen, oder ein Zeugnis eines beamteten ArzteS beizubringen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise ge­führt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden An­gaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen An­fälle beziehen, ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Zeugnisse sich vorzugsweise über neuere fälle aussprechen. Im übrigen find Krank­heiten, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit feststeiler, lassen (z. B. geistige Beschränktheit, Blut­husten, Berzleiden usw.) durch Vorlage von ärztlichen Attesten nachzuweisen.

Befinden sich Reklamanten, welche ihre Ange­hörigen durch Geldsendungen unterstützt haben, ausserhalb, so ist der Nachweis über die erfolgte Unterstützung durch die Vorlage der diesbezüglichen postscheine zu führen.

Die Herren OrtSvorstände haben daS Vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntnis der betreffenden Militärpflichtigen und deren Ange­hörigen bringen zu lasten. Die Militärpflichtigen sind noch besonders anzuweijen, dass sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben. Die Eosungssebeine sind mit zur Stelle zu bringen, da andernsalls der Betrag von 50 Pfg. für Ausstellung eines DuplikatscheineS gezahlt werden muß.

I. M. Nr. 1307. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 19. Juni 1912.

Die Herren OrtSvorstände der an der Eisenbahn gelegenen Gemeinden haben in ihnen geeignet erscheinender Weise darauf hinzuwirken, daß die Lagerung von Heu und die Aufstellung von Getreidegarben in der Nähe deS Bahnkörpers möglichst

Eltern in aller Ruhe und Verständigkeit darlegte, waS sie beabsichtige, müßten sie nicht froh sein, eine Lösung auS der unerquicklichen Lage gefunden zu haben? Sie wollte eS wagen.

Mit Aufbietung aller seelischen Kraft betrat sie am Morgen eines Tages am Ende der WeihnachtSwoche die Gaststube, um mit ihrem Vater zu sprechen.

Vater Wedemann wusch Gläser auf, den Rücken ihr zu- gewandt. Ihr Herz schlug schnell und stark, sie suchte nach einem Halt und stützte zwei Finger aus den EimS bei BüsettschrankcS.

Vater!" tief sie leise.

Die Gläser klirrten, daS Wasser plätscherte. Er mußte nicht gehört haben.

Sie schwankte ein paar Schritte nach vorn, so daß er sie sehen mußte, und wiederholte mit fast erstickender Stimme: Vater!" ,

Ohne sie anzusehen oder in seiner Beschäftigung stören zu lassen, deutete Vater Wedemann unwillig mit dem Kopse nach der Tür.

Was hieß das?Geh hinaus ich mag nichts mehr von dir wissen?" Oder wie schon manchmal:Mach deine Sache mit der Mutter auS?"

DaS erste wollte sie nicht gelten lassen, obschon sie über die Abweisung erschrocken war. Sie wußte von ihren Kinderzeiten her, daß Mutter schwerer zu besänf­tigen war.

Sie suchte die Mutter auf und fand sie im Stalle.

Mit weicher Stimme redete sie die Beschäftigte an. Aber die Mutter schwenkte die Hand:'S ist gut, 'S ist gut!"

Nein, Mutter, so kann'» nicht weiter gehen!" rief Marth- chen nun schmerzlich.

Wer ist denn schuld?" schrie Frau Wedemann zornrot mit bösem Blick.

Ich weiß, daß ich schuld bin, und darum ist ei auch an mir, zu büßen", sagte Marthchen einfach und mit steigen­der Fassung.Ich will fort!"

Ja natürlich I" brauste die Mutter auf.Das Unheil

eingeschränkt und nicht länger ausgedehnt wird, alS zum Trocknen unbedingt nötig ist, damit der Gefahr einer Ent­zündung durch FunkenauSwurf der Lokomotiven oder Fahr- lästigkeit der Reifenden vorgebeugt wird.

I. 6154. II. Der Landrat.

I. A.:

W es sei, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 20. Juni 1912.

Die Firma F. L. Steinweg in Hersfeld beabsichtigt in ihrem Hause (HauS Nr. 123) in Philippsthal Grund- buchartikel Nr. 305, Parzelle Nr. 123/73, Kartenblatt 7, eine

Kchlachthausanlage einzurichten.

Ich bringe das geplante Unternehmen zur öffentlichen Kenntnis. Einwendungen können binnen 14 Tagen bei mir schriftlich in zweifacher Ausfertigung oder zu Protokoll an­gebracht werden. Nach Ablauf dieser Frist können Sintern« düngen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden im mündlichen Verhandlungstermin am

Mittwoch den 10. Juli d. 3s.

vormittags 11 Uhr

in meinem Geschäftszimmer hier auch im Falle deS Aus­bleibens deS Unternehmers oder der Widersprechenden erörtert werden.

Zeichnungen und Beschreibungen liegen in meinem Ge- schMzimmer während b-r Dienststunden zu Jedermann» Einsicht auS. 1 '

I. 7207. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, am 17. Juni 1912.

Die diesjährige Wanderversammlung deS ObstbauvereinS für den Regierungsbezirk Castel findet am Sonnabend, den 13. IuIi d. I S. in HofgeiSmar, von Vor­mittags 10Va Uhr im »Hessischen H o f" mit nachstehendem Programm statt.

Tagesordnung:

Vormittags 10Va Uhr Versammlung imHessischen Hof".

1. Vorbericht.

2. Ueber den Stand de» Obstbaues im Kreise HofgeiSmar. Berichterstatter: Herr Winterschuldirektor Dr. Würz-Hos- geiSmar.

3. Wodurch sind die häufigen Mißerfolge bei den Obst- pflanzungen begründet und wie kann diesen vorgebeugt werden? Berichterstatter: Der Geschäftsführer.

4. Anträge und Wünsche auS der Versammlung. Mittags 1 Uhr Gemeinschaftliches Essen im Hessischen Hof.

angerichtet, unS vorm ganzen Dorse blamiert und nachher sich dünne gemacht! Und die Schande läßt du unS da!"

Schande? Aber Mutter!" wagte Marthchen vorwursS- voll einzuwenden.

Na für dich gibt'S überhaupt keine Schande mehr! Für ein Mädchen, daS fowaS fertig gebracht hat, nicht! . . . Fort willst du? Wo denn hin? . . . Aus den Einfall bist du doch nicht erst gestern und heute gekommen?"

Doch, Mutter!"

Doch!", äffte die Wütende nach.

Ich kann diese Art deS Zusammenlebens nicht mehr ertragen!"

Wir auch nicht!"

Nun ja, Mutter, da ist eS doch am einfachsten, ich gehe. ES spricht ja so niemand mehr mit mir. Ich bin euch nur im Wege I"

Jetzt merkte Mutter Wedemann, daß eS der Tochter mit dem Fortgehen doch ernster zu fein scheine, und wurde unsicherer.

Fort! daS ist leicht gesagt. Wo willst du denn hin?" Ach, ich werde schon wo Unterkommen!"

Na, stelle dir das nur nicht so leicht vor!"

DaS tue ich nicht, ich bin ja schon fort gewesen. Aber schlimmer, ali ei jetzt hier ist, kann» für mich nirgend» sein."

So also! So redest du von deinem Elternhause. Da lauf hin, wenn du'S nicht anders haben willst. Immer lauf hin! WaS fragst du denn überhaupt erst noch? Konntest dich ja gleich fortscheren!"

Mutter!" bat Marthchen leise.Du machst mir immer deutlicher, daß ich nicht bleiben kann. Aber ich möchte nicht im Bösen von meinen Eltern gehen." Sie schluchzte.Wenn wir nicht beieinander sind, kommen wie am ehesten über bat weg, mal geschehen mußte und doch nicht mehr zu ändern ist."

Du? daS glaube ich. Aber wir? ES wird bald ge­nug im Dorfe herum sein, waS hier passiert ist. Nein, so etwaS! Wir denken doch, wir find unserer Sache ganz sicher! Wie kann denn nur ein Mädchen solch eine Partie von der