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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ns

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10pfg.,im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.«^««

herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 77.

Dienstag, de« 2. Juli

ISIS.

Zu dem am 1. Juli 1912 neu beginnenden Viertel­jahr ladet das

Ijersfelder Kreisblatt

zu recht zahlreichen Bestellungen ein.

Von dem reichhaltigen Inhalte des Hersfelder Kreis­blattes sei folgendes hervorgehoben-

Der amtliche Teil

enthält die Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie zahlreicher anderer Zivil- und Militärbehörden. Für alle Handels- und Gewerbetreibende sind die amtlichen Bekannt­machungen von besonderer Wichtigkeit.

Der politische Teil

enthält allgemein verständlich geschriebene Leit­artikel sowie das interessanteste auf dem Gebiete der Politik des In- und Auslandes.

Die Nachrichten aus Provinz

und Nachbargebiet enthalten alle wichtigen Er- eignisfe aus der Stadt und dem Kreis Hers­feld, sowie diejenigen aus den benachbarten Bezirken.

Der vermischte Teil

bringt Nachrichten aus allen Gegenden der Welt.

Die Letzten Nachrichten

bringen die neusten Ereignisse politischen und nichtpolitischen Inhalts.

Die Nomane,

Novellen, Humoresken etc. erscheinen in jeder Nummer fortsetzungsweise.

Die Gratisbeilagen

bestehen in einem Htägigen Illuktn. Sonntags­blatt und einer 14tägigen JUustr. Landwirt­schaftlichen Beilage, außerdem am 1. Mai und 1. Oktober in einem Auszug aus dem Gifen: bahnfahrplan der in Betracht kommenden Strecken, sowie am 1. Januar in einem Msnä- kalender und einem Märkteverzeichnis.

Der Hbonnementspreis beträgt vierteljährlich 1,40 Mark.

teuer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Marthchen hörte zu und nickte, hing aber dabei ihren eigenen herzbewegenden Gedanken nach.

Also doch kein Spuk diese Nacht. Kein Traum! Wieder jagte eine fliegende, helle Röte über ihr Gesicht. WaS bringt der Zufall nicht alles fertig?

Doch nein.

Jawohl, Herr Leutnant!"

Sie suchte im Geiste nach dem Klänge dieser Worte: Jawohl, Herr Leutnant!" Doch nicht! Ernst konnte eS nicht gewesen sein. Die Worte waren in fremden Tonfalle gesprochen worden, auch hatte ErnstS Stimme immer einen heiseren Klang gehabt, dessen erinnerte sie sich genau.

ES wäre ja auch zuviel aus einmal gewesen.

Genug, daß ihre Erinnerung stete Anregung fand, wenn die Gedanken nun schon einmal eine Verbindung gesunden hatten, dann . . .

Doch nun kommen Sie, lieber Kind, ich will Ihnen das Feld Ihrer Tätigkeit zeigen." Mit diesen Worten leitete Frau Baronin Lukajin einen Rundgang durch sämtliche Räume der Stockwerk- ein.

Ueberall Vornehmheit und doch Behaglichkeit, Reichtum und doch Geschmack.

Marthchen war voll Bewunderung und Entzückens, am Ende war ihr ganz wirbelig zu Sinn, uud eS kam ihr der naive Gedanke, war eS in solchen eleganten Räumen eigent­lich zu tun geben möge?

Nun, Frau Baronin hals ihr durch präzise Anordnungen für die nächsten Stunden über diese Schwierigkeit.

Kochen will ich mal vorläufig selber. Arbeiten Sie sich nur erst in die übrigen Beschäftigungen ein."

Frau Baronin ging nach der Küche, Marthchen begab sich mit hüpfendem Herzen und freudig erleichtertem Sinn an ihre Arbeit.

Die Zerstörung -erSchwaben".

Düsseldorf, 29. Juni. Die Unfallstätte der Schwaben" ist durch einen Polizei- und Militärkordon im weitesten Umkreise abgesperrt worden. Diese Maßnahme hat sich als durchaus notwendig erwiesen, da zahlreiche Zuschauer fast unmittelbar nach der Katastrophe sich aus die noch glühen­den und rauchenden Trümmer stürzten und einAndenken" zu erhäschen suchten. Seit den frühen Morgenstunden haben sich auch heute wiederum Tausende von Neugierigen cinge- funden, die doch kaum etwas zu sehen bekommen. Die Untersuchung der Ueberreste deS Luftschiffes durch den Führer und die aus Friedrichshafen eingetroffenen Ingenieure hat er­geben, daß von derSchwaben" kaum etwas zu retten fein dürste. DaS Kielgerüst und die Spanten aus Aluminium sind bei der enormen Hitze zum Teil zerschmolzen, zum Teil völlig deformiert. Das ganze Gerüst ist in sich selbst zu- sammengefunken und hat dabei die Gondeln und die wert- vollen Motoren beschädigt. Soweit sich bis jetzt sicher sest- stellcn läßt, dürsten zwei der sechSzylindrigen Maybachmotoren vernichtet sein. Am heutigen Vormittag traf auS Frank­furt a. M. eine VersicherungSkommission ein, die die Höhe deS Schadens feststellen soll. ES dürfte sich etwa um einen Schaden von 600,000 bis 650,000 Mk. handeln, wenn man auch damit rechnen kann, daß sich daS Aluminium für einen Neubau wieder verwenden läßt.

Düsseldorf, 29. Juni. Der hier weilende Direktor der D. L. A. G. ColSmann teilt zu der Katastrophe deS LuftschiffesSchwaben" noch solgendeS mit: Die Untersuchung hat bestätigt, daß die Entzündung durch Reibung deS Gummi- stoffeS entstanden ist, die entweder durch AuSströmen des GaseS oder durch Einknickung einiger Aluminiumträger er­folgte. ES muß auch bei diesem Unfall wieder darauf hin­gewiesen werden, daß zur Sicherheit der Zeppelinluftschiffe unbedingt Hallen erforderlich sind, in die Schiffe bei jedem Winde hinein können. Denn während der Fahrt und in der Halle sind die Luftschiffe gegen solche Unfälle gesichert. Aus dem Düsseldorfer Platze sind die meteorologischen Ver­hältnisse besonders ungünstig, da dort erfahrungsgemäß die Winde plötzlich umspringen, ohne daß sich im allgemeinen die Wetterlage geändert hat. Ohne eingehendes Studium der lokalen Verhältnisse läßt sich diese eigentümliche Erscheinung nicht erklären. Der Führer des Luftschiffes Diplomingenieur Dörr, welcher durch das Herabdrücken deS Laufsteges augen­scheinlich betäubt war, konnte sich selbst nicht auS der Gondel befreien und wurde von seinem Kollegen Heinen, der bereits die Gondel verlassen hatte, mit eigener Lebensgefahr auS feiner verzweifelten Lage befreit. Die Brandwunden, die er erlitt, find schmerzhaft, doch ungesährlich. Herr Dörr wird bereits in einigen Tagen seinen Dienst wieder ausnehmen können, um sich aus die Uebernahme deS LuftschiffesHansa" vorzubereiten, welches etwa Ende Juli in Dienst gestellt werden kann. Von dem übrigen Personal ist der LuftschiffS-

Die Zeit verstrich im Fluge.

Gegen Mittag war der Herr Lentnant zurückgekehrt. Martha hatte ihn an seiner befehlShaberischen Stimme erkannt, gesehen hatte sie ihn nicht.

Sie war eben im Begriff, Frau Baronin zu melden, daß ausgetragen sei, als diese am Arm eines stattlichen Ulanenoffiziers das Eßzimmer betrat.

Unser Fräulein, Botho!" sagte Frau Baronin, beiläufig vorstellend. Der junge Offizier, auf dessen Antlitz sich deut­lich Uebcrraschung auSprägte, gab den Arm seiner Mutter frei und verbeugte sich vor dem jungen Mädchen leicht, und doch aufmerksamer, alS eS der Stellung deS Mädchens zukam.

Baron Botho verneigte sich vor der auffallenden Schön­heit deS Mädchens.

Mamachen war in der Herzenssreude so unvorsichtig ge­wesen, dem Sohn einige Andeutungen zu machen über die Atmosphäre, auS der daS junge Mädchen komme, derenRet­tung" sie sich als heimliches Verdienst anrechnete.

DaSsittlich gesährdet" gewesene junge Mädchen hatte für den Lebemann einen eigentümlich pikanten Reiz von vorn­herein gehabt. Er hatte sie sich hübsch vorgestellt; häßliche Mädchen laufen so leicht nicht Gefahr.

Mit gewohnter Gewandtheit führte er eine anregende und lustige Unterhaltung, wozu ihm der heutige RegimentSalarm mit anschließender GesechtSübung reichen Stoff bot, aus dem er drollige Momentbilder wählte.

Er wandte sich viel an Martha. Dabei hatte er Ge­legenheit, sich aus nächster Nähe von der Reinheit ihrer Züge, von der Zurückhaltung ihres Wesens, aber auch von dem unbestechlichen Ernste zu überzeugen, mit dem sie feinen Berichten zuhörte.

Eine geriebene kleine Schauspielerin!" faßte erden ersten Eindruck zusammen, alS er daS Zimmer betrat.

Aber diekleine Schauspielerin" hatte so vorzüglich ge­spielt, daß er sich eines NichtbehagenS, einer Enttäuschung, Ernüchterung nicht erwehren konnte.

Frau Baronin dagegen hatte ihre geheime Freude an dem würdigen sittsamen Betragen ihres Schützlings gehabt, wenn

feßner schwer verletzt, doch sind auch seine Brandwunden durchaus unbedenklich. Nur der Monteur Kiefer, der sich in der hinteren Gondel befand, hat augenscheinlich durch den Sturz eine Gehirnerschütterung und innere Verletzungen er­litten; er befindet sich jedoch außer Lebensgefahr. Die D. L. A. G. hofft, daß sie ihr Unternehmen, dessen Wert für die Entwicklung der Luftschiffahrt allgemein anerkannt ist, mit zwei Luftschiffen aufrechterhalten und daß sie dadurch weitere Erfahrungen sammeln kann, um die Entwicklung der Luftschiffahrt weiter zu fördern, damit der große Vorsprung, Den sie vor dem Auslande besitzt, ihr erhalten bleibt. Sie hofft dabei aus die Unterstützung des Reiches und des ganzen Volkes, die ihr bisher in so reichlichem Maße zuteil wurde.

Str Krieg zwischen Wien und her Mei.

Rom, 29. Juni. Die Agenzia Stesani erhält auS Ferua unter dem 28. Juni solgenden Bericht: Um sogleich den durch den gestrigen Kampf erreichten Erfolg auSzunutzen, griffen heute früh alle Etreitkräste bet Division die Höhe von Eidi Said und die benachbarten Stellungen an, in deren tiefe und noch verstärkte Verschanzungen sich größere Abteilungen von Arabern und Türken zurückgezogen hatten. Sie hatten sich am Abend durch andere MahallaS bedeutend verstärkt. Die Operation begann kurz nach Sonnenaufgang mit einem heftigen Bombardement aller verfügbaren Geschütze, die schnell in neu­eroberten Stellungen aufgesahren waren und von den Kriegs­schiffenCarlo Alberto",Jride" undArdea" im Feuer unterstützt wurden. Zum Angriff wurden zwei starke Kolonnen gebildet. Die erste, unter dem Oberbefehl des Generals Lequio, wurde aus Grenadic.., BerjaglicriS und einem Bataillon ASkariS zusammengesetzt und rückte an der Halbinsel entlang vor; die vom Oberst Cavaciocchi befehligt wurde, bestand auS Infanterie, BerfaglieriS und ASkariS. Den beiden Kolonnen folgten Artillerie-Abteilungen. Nachdem die Kolonne Cavaciocchi sich in einen heftigen Kamps mit starken feindlichen Abteilungen eingelassen und sie im Süden verdrängt hatte, gelang eS, sobald die Höhen von Eidi Said besetzt waren, sie zu fassen und durch einen heftigen Bajonettangriff zurückzuwersen. Die Kolonne Lequio wurde von General Garioni in der Richtung nach dem Marabout von Sidi Said entsandt. Die Kolonne Lequio durchquerte eine Düne, die gänzlich freilag, erklomm die Abhänge der gegenüberliegenden Höhen und bemächtigte sich der feindlichen Stellungen. Gegen 9 Uhr wurde die italienische Flagge dort gehißt, die Höhen alsbald von der italienischen Artillerie besetzt. Der Feind wurde durch daS italienische Feuer und ein Bataillon ASkariS verfolgt. Auf dem Echlachtfelde ließ er etwa 200 Tote und einige Ver­wundete zurück. Eine große Menge von Waffen und Munition wurde erbeutet. Garioni ließ bte eroberten Höhen befestigen, und auch daS Feld, daS Buchamez und die gestern besetzten Höhen trennt, in VerteidigungSzustand bringen. Die Verluste der Italiener betragen zehn Tote und 78 Verwundete, darunter

auch Frau Baronin war eine kluge Frau vielleicht ein wenig die dem weiblichen Geschlecht angeborene Verstellung-- kunst mitgespielt haben mochte.

Denn daß Botho, ihr Botho, auf ein junges Mädchen keinen Eindruck gemacht haben sollte, war dem stolzen Mütter­chen wieder nicht glaubhaft.

Der solgende Tag war ein Sonnabend, der Reinmache- tag also.

Beim Frühkaffee sagte Frau Baronin scherzend:Heute spielen wir VersteckenS. Ich muß mich in meinen alten Tagen vor der Zugluft hüten und werde Ihnen darum möglichst auS dem Wege gehen. Sorgen Sie aber dafür, daß die Emma mehr arbeitet als schwätzt, sie ist eine Plauder­tasche."

Wie recht Frau Baronin mit dieser Bemerkung hatte, erfuhr Marthchen bald. Die alte Dame hatte sich in daS Zimmer deS in Dienst befindlichen SohneS zurückgezogen, daS durch daS gemeinschaftliche Eßzimmer getrennt war von ihrem Damenzimmer.

Kaum hatte in diesem letzteren daS Reinemachen begonnen, so hielt Emma, daS Dienstmädchen, inne, horchte nach dem Eßzimmer, vergewisserte sich durch einen Blick durch die Tür­spalte, daß drüben die Tür geschlossen sei, alles, bevor Marth- chen sie noch an die Arbeit rufen konnte, und begann zu plaudern.

Die Gnädigste ist eine gute Frau!"

DaS weiß ich selbst!" versuchte ihr Marthchen den Faden abzuschneiden.

Ach nein, daS können Sie noch gar nicht so missen*, beharrte jene, da sie offenbar daS eben erst in Gang gesetzte Mundwerk nicht sofort zum Stehen bringen konnte. Nun schwieg sie aber doch.

Sie stand am Fenster und putzte die Scheiben. Marth­chen wischte Staub. Der trockene Lappen quietschte an dem Glase.

Eben war sie im Begriff, an der zum Korridor führenden Tür vorüber nach dem traulichen Divanplätzchen zu schreiten, als sie zu Tode erschrocken zurückprallte.

Eine Sekunde lang war, etwa einen Kopf über ihr, ein-