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Bet wird die Zeche

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-anschlutz Nr. 8

Nr. 83

Sonnabend, den 13. Juli

1913

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Bekanntmachung.

Ich weise daraus hin, daß alle Anträge auf Gestaltung von Haussammlungen für das Jahr 1913 mit dem vorge­schriebenen KollektenorganisationSplan spätestens bis zum 1. August d. I?. unmittelbar an den Herrn Ober­präsidenten hier einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk hinaus auch auf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge einzureichen.

Anträge, die nach dem 1. August d. I?. eingehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten zur Be­seitigung eines Notstände? dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingereicht werden konnten. (A. II. 5379.)

Cassel, den 21. Juni 1912.

Der RegicrungS-Präsident. In Vertretung, gez. v. W u s s o w.

*

Her-feld, den 8. Juli 1912. Wird veröffentlicht.

I. 7934. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher eil.

Politischer Wochenbericht.

In der inneren Politik ist die BerichtSwoche tatsächlich eine Woche wirklicherSommerruhe gewesen. Die Ferienzeit hat begonnen. Unsere Minister und Staatssekre­täre find aus Reisen, auch unser Kaiser hat seine gewohnte NordlandSreise von Ewinemünde auS angetreten. Umsomehr wurde daS Fazit der K a i s e r b e g e g n u n g in Baltischport erörtert, die einen besonder? herzlichen Charakter trug und einen neuen Beweis bildete für die FreundschaftSbeziehungen, welche die beiden Herrscher seit langen Jahren verbinden, und es darf als feststehend angenommen worden sein, daß ein weiterer Schritt zur Herstellung guter und vertrauensvoller Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland getan worden ist. Ein amtliche- Telegramm aus Baltischport betonte ausdrücklich, die politischen Aussprachen hätten sich auf sämtliche Tage?» fragen erstreckt und beiderseits die Ueberzeugung befestigt, daß eS für die Interessen der beiden Nachbarreiche und deS all-

Des Wilderers Rache.

Erzählung aus dem bayrischen Hochland von Otto LandSmann.

I.

ES hatte die ganze Nacht geschneit, und eine dicke weiße Decke lag aukgebreitet über Berg und Tal, und obwohl eS schon fast sechs Uhr morgen? war, wollte es doch noch immer nicht Tag werden. Rauh schnaubte ein starker Wind von Norden her und rüttelte in den Baumkronen der mächtigen Tannen, die wie ein schützender Baldachin daS einsam gelegene Forsthau? umschlossen, so daß sie unter der Last deS gefro­renen Schnee» ächzten und krachten und ihre Musik wie Geister- schauer erklang.

Schon ward eS im Forsthause lebendig. Aus der Bank vor dem Kachelofen sitzend, in welchem bereit- ein lustige» Feuer prasselte, war Förster Lebrecht eben im Begriff, in seine hohen Jagdstiefel zu schlüpfen, dabei auS einer kurzen Pfeife deren Kopf infolge deS langen Gebrauchs von unten bis oben kastanienbraunangeraucht" war, mächtige Rauchwolken ziehend, während die Försterin eine Taste dampfenden Kaffees, den sie inzwischen bereitet hatte, auf den Tisch stellte.

Dat Zimmer war äußerst einfach eingerichtet. Einige Bilder, darunter ein MuttergotteS- und ein Christusbild, schmückten die weißgetünchten Wände. Seitwärts vom Ofen hingen an einer Hakenleiste zwei doppelläufige Jagdgewehre, unter deren Hähnen dir toten Zündhütchen hervorlugten und bezeugten, daß die beiden Waffen schußbereit waren, darüber der Hirschfänger, die Jagdtasche und der grüne Filzhut mit mit seinem unvermeidlichen GemSbart. Vier Stühle, wovon der eine ein breiter Lehnstuhl mit hohem Polster, in welchem der Förster von der Tage» Last und Mühen auSzuruhen pflegte, ein Sichenholztisch mit schief au-gespreizten Füßen und blankgescheuerter quadratförmiger Platte und ein dem Ofen gegenüber befindlicher Küchenschrank bildeten daS ganze Mobiliar. DaS olle» war einfach, aber sauber gehalten und bewies, daß eine tüchtige Hausfrau hier schaltete und waltete.

Al» der Förster seine Stiefel angezogen hatte, stand er aus,

gemeinen Frieden? dauernd von der höchsten Bedeutung bleibe, die wechselseitige auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Fühlungnahme aufrecht zu erhalten. Auch dieNordd. Allg. Ztg." bestätigt die Bedeutsamkeit dieser Stelle, wenn sie schreibt:Der Wert der Aussprache liegt darin, daß sie aus beiden Seiten den Willen befestigt hat, dauernde Fühlung zwischen Deutschland und Rußland in den großen Tage?- fragen zur Wahrung deS europäischen FriedenS zu unter­halten." Das berechtigt zu guten Hoffnungen für die Zu­kunft.

Im AuSlande herrschte in der BerichtSwoche nichts weniger als Ruhe. Da istzunächstdie monarchistischeBewegung in P o r t u g a l, die immer ernster zu werden scheint. Während die portugiesische Regierung alle Mühe hat, die sozialistischen Elemente unter der Jndustriearbeiterschast und bei den öffent­lichen Verkehrsunternehmungen mit Waffengewalt nieder­zuhalten, haben im Norden Portugal? die Monarchisten neuerdings zu den Waffen gegriffen. Der Norden war von jeher die Hauptstütze der Monarchie in Portugal, die auch nicht durch die Proklamierung der Republik erschüttert werden konnte. Gegenwärtig liegen nun Alarmnachrichten auS Portugal vor, die erkennen lasten, daß sich ernste Ereignisse vorbereiten. Nicht nur in der Umgebung deS Städtchens $af6 haben sich die Bauern erhoben, sondern auch in den Städten Braganza und ChaveS ist eS zu Unruhen gekommen, allein eS fehlen bisher sichere Nachrichten, weil einerseits die telegraphische Zensur seitens der portugiesischen Behörden wieder einmal mit aller Strenge gehandhabt wird, und anderseits die Auf­ständischen die Telegraphenleitungen, die von Braganza und ChaveS nach Spanien führen, abgeschnitten haben. Für den Ernst der Kämpfe, welche die portugiesische Republik gegen die Monarchisten zu führen hat, spricht der Umstand, daß die Kammern die Regierung einstimmig ermächtigt haben, erforder­lichenfalls den KriegSzustand zu erklären und die VerfassungS» rechte auszuheben.

Auch die gegenwärtige in erster Linie vom Militär aus- gegangene Ausstandsbewegung in Albanien hat einen sehr ernsten Charakter angenommen. Die Bewegung ist übrigens nicht mehr auf Albanien allein beschränkt, sondern umfaßt bereits auch einen großen Teil Mazedoniens, und eS steht zu befürchten, daß sich bald auch in Konstantinopel selbst bedrohliche Zeichen militärischer Unbotmäßigkeit bemerkbar machen werden. Immer größere Dimensionen nimmt in der Türkei die Opposition gegen daS Regiment deS jungtürkischen Komitees an, und die Gefahr eines Bürgerkrieg? ist nicht ausgeschlossen. Die Opposition in Albanien hat bereits den ersten Sieg erfochten: der verdienstvolle Kriegsminister Mahmud Schefket Pascha ist von seinem Amte zurückgetreten, und er wird voraussichtlich nicht das einzige Opfer sein, daS auf der Strecke bleibt. Gerade Albanien wandte er in rich­tiger Erkenntnis der Sachlage stet? seine größte Aufmerksam­keit zu und versuchte zu resormieren, was zu reformieren ging. Der jetzige Ausstand mag ihm die Unzulänglichkeit

nahm eins der Gewehre von der Wand und hängte eS über die Schulter; dann ging er auf den Tisch zu, griff nach der Tasse Kaffee und leerte sie in einem Zuge. Dann wandte er sich zum Gehen. Ein leiser Pfiff, und augenblicklich kam ein prächtiger schwarzer Wachtelhund aus seinen Herrn zugesprungen, diesem mit lautem Gebell feine Freude bekundend. Im gleichen Augenblick kam ein etwa zehnjähriges blondes Mädchen die Treppe herabgetrippelt und warf sich in die Arme deS Förster?.

So früh gehst du heute schon wieder fort, Vater?" rief die Kleine, an seinem Halse hängend.ES ist ja kaum Tag, und eS hat die ganze Nacht geschneit."

ES geht nicht anders, mein Kind," antwortete Lebrecht, die Liebkosungen seines TöchterchenS erwidernd,ich muß fort, um den Wilddieben nachzuspüren, da? ist mein Handwerk."

Aber heute ist doch Sonntag."

Mein Beruf kennt keinen Sonntag, Renate, ich muß täglich aus meinem Posten sein."

Und nach einem Kuß auf den bärtigen Mund deS VaterS huschte das Mädchen flink wie ein Reh wieder die Treppe hinaus.

Voller Zärtlichkeit und Stolz blickte der Förster seinem Töchterchen nach. Er hatte aber auch allen Grund, stolz aus sie zu sein. Stark und schön gewachsen für ihre zehn Jahre, berechtigte Renate zu den schönsten Hoffnungen. DaS edle Oval ihres Gesicht- und die großen schwarzen Augen darin, über denen sich prächtige Brauen und eine intelligente Stirn wölbten, sowie die allerliebsten Grübchen, die sich in ihren Wangen gebildet hatten, machten sie zu einer entzückenden Erscheinung. Mit ihren äußeren Vorzügen verband sie einen äußerst liebenswürdigen Charakter. Jederzeit voller Lust und Lachen, war sie der aufheitcrnde Engel der kleinen Häuslichkeit. War der Vater in übler Laune, wa- bei ihm stets die Folge der Unannehmlichkeiten feine? Beruf? zu sein pflegte, dann legte Renate schmeichelnd, ihre Hand um feinen Hals und sagte:Väterchen, du darfst nicht traurig sein, ich will dir dein Liebchen singen." Und sie sang dann allemal da- schöne Lied:

seiner Bemühungen gezeigt haben, und dieser Umstand mag dazu in der Hauptsache beigetragen haben, daß er 14 ver- antwortungSreiche Amt eine? Krieg?minister? niederlegte. Da? alles ist sehr traurig, kann aber im schließlichen Effekt dahin führen, daß der Friedensschluß zwischen der Türkei und Italien früher zustande kommt, als noch vor kurzen Zeit wahrscheinlich war. Sowie die Dinge liegen, muß eS.', $en: je früher je besser, am vorteilhaftesten aber wäre eS s' die Türkei, sich direkt mit Italien zu verständigen, ohne träfet« mittlung abzuwarten, die den Charakter einet kaum tben en Nötigung annehmen könnte. .,^u>

In Marokko ist die Lage der Franzosen zwar n3fttia<ie kritische, aber voller Gefahren. General Lyautey hat un*. «^tfte Verstärkungen gebeten, Marrakesch ist ernstlich geschärt, daS Su? bedroht, die Etappenlinien sind überall unsicher. ES wird sehr große Anstrengungen kosten, um daS Land in den Zustand verhältnismäßiger Ruhe zurückzusühren, der vor dem folgenreichen Marsch der Franzosen nach Fez vor- herrschte.

Der Kamps um die Präsidentschaft der Ver­ein i g t e n S t a a t e n ist nun auch innerhalb derdemokratischen Partei zu Ende, und der Ausgang des Kongresses der Demo­kraten in Baltimore hat wohl endgültig Herrn Tast alS Kan­didaten für die nächste Präsidentschaft beseitigt. Die meisten Ausfichten, der kommende Leiter der Geschicke der Union zu werden, hat gegenwärtig wohl Woodrow Wilson, obwohl man bei der Eigenart der amerikanischen Wahlkämpse stet» auf Ueberrajchungen gefaßt sein kann.

In Stieg Mischen Wien Bei »er Arkei.

Rom, 10. Juli. Die Agencia Stesani meldet au» Mesurata vom 9. Juli: Bei dem Kampfe vor Mesurata ver­fügte der Feind über mehr alS 5000 Gewehre. Die Flucht deS Feinde? erfolgte infolge einer ausgebrochenen Panik während der Nacht nach allen Richtungen. Ein Teil der Flüchtlinge konnte sich in der Richtung aus Gheran, südlich von Erlitten, vereinigen. Eine genau Angabe der Verluste deS Feinde? ist wegen der Ausdehnung deS SchlachtseldeS und der langen Dauer deS KampfeS schwierig. Die Italiener beerdigten bislang allein vor Mesurata 300 gefallene Feinde, außerdem wurden zu Beginn deS Kampfer zahlreiche Leichen vom Feinde selbst fortgetragen. Viele weitere Leichen sind noch nicht begraben. Einige Notabeln sind nach Mesurata zurückgekehrt. An die Bevölkerung ist ein Manifest erlassen worden. Das Leben in Mesurata, daS ein wichtiger handels­politischer Stützpunkt ist, kehrt wieder. Der Gesundheits­zustand der Truppen ist sehr gut.

Der Wald ist wohl mein Leben, mein liebster Aufenthalt, DeS HerzenS bange Sorgen verscheucht der junge Morgen Im frischen grünen Wald.

Und wenn die Bergesgipfel die Sonne golden malt, Befreit von jedem Leide ruf' ich in Heller Freude: O trauter grüner Wald!

Mein Lieben und mein Leben ist nur der grüne Wald. DaS möge Gott gewähren, daß nichts ihn kann verfehren, Den frischen, grünen Wald.

Und darüber vergaß der Vater stets seinen Kummer Mein Weg führt mich heute aus die Beurerwand (Benediktrn- wand), wo jetzt der ,rote Peter' fein Unwesen treibt," sagte der Förster, als er sich von seiner Gattin verabschiedete.Der Kerl bläst in acht Tagen mehr Rehböckcn daS Lebenslicht au? als zwanzig Jäger in einem Monat. Ich muß ihn endlich einmal auf der Tat ertappen, eS ist schon viel zu lange, daß er ungestraft dem Wilde nachstellt."

Nimm dich in acht vor dem Roten, ich bitte dich! WaS würde mit mir und Renate werden, wenn dir ein Unglück zustießc!"

Beruhige dich," erwiderte der Förster,du hast immer solche finsteren Gedanken im Kops. Heutzutage schießt so ein Lump nicht mehr so leicht aus ein Forstorgan. Die in der jüngsten Zeit über solch verwegene Halunken verhängte schwere Strafe ist nicht ohne abschreckende Wirkung geblieben. Und habe ich übrigens nicht auch eine vortreffliche Waffe, die ihre? Zieles sicher ist?"

Und er betastete selbstbewußt lächelnd den Laus seine? Gewehrs.Nun Gott besohlen!" fügte er frohgelaunt hinzu, umarmt« und küßte seine Frau und trat dann, begleitet von seinem treuen Hunde, in die schneebedeckte Landschaft hinaus.

II.

Förster Lebrecht zählte damal? 40 Jahre. Er war seit 15 Jahren mit Helene Gebhardt, der Tochter seiner Vorgänger? verheiratet. Sein Leben war eine ganze Geschichte: Helene- Vater, der Förster Gebhardt, kehrte einer TageS von der Jagd zurück, al» er hinter einem äußerst dichten Gebüsch, an welchem