Einzelbild herunterladen
 

»"^

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. na

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Zeile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 pfg? Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährten»««

Herchlder Kreisblatt

1 Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 83. Dienstag, den 16. Juli ~ 1912.

Amtlicher teil

HerSfeld, den 10. Juli 1912.

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher, welche meine Verfügung vom 25. Mai d. JS. I. Nr. 1291 Kreisblatt Nr. 63 betr. Rückreichung der Gemeindesteuerlisten, noch nicht erledigt haben, werden wiederholt hieran erinnert mit Frist bis zum 20. d. MtS. bei Meldung einer Zwangs- strase von 5 Mk.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Deranlagungs-Kommission:

J.-Nr. 1910. von GruneliuS.

Der Taatenstand Anfang Juli 1912. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

BegutachtungSziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 mittet, 4 gering, 5 = sehr gering.

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft 2c. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B C 9476 M. s. L. I d 3646 M. d. I.)

Fruchtarten usw.

Winterweizen .

Sommerweizen .

Winterspelz (Dinkel)

Winterroggen .

Sommerroggen .

Sommergerste .

Ackerbohnen

Wicken

Kartoffeln .

Zuckerrüben

WinterrapS u. -Rübsen Flachs (Lein) .

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung

Andere Wiesen . Futterrüben

Durchschnitts­noten für den

Staat

2,4

2,3

2,1

2,5

2,7

2,3

2,5

2,4

2,4

2,5

2,7

2,6

2,9

2,6

3,3

2,8

2,3

2,6

2,6

Reg.-Bez. Cassel

2,1

2,5

2,1

2,5

2,3

2,8

2,6

2,5

2,6

2,6

2,5

3,0

2,4

3,6

2,7

2,1

2,4

2,5

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

co

4

1

5

1

1

1

1

4 2

3

4

5

2

1

1

3

2

1

1

1

2

1

2

1

1

2

1

3

i

1

4

4

3

1

M

1

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evert, Präsident.

nichtamtlicher teil.

Notwendigkeit einer starken Flotte.

Deutschland ohne starke Flotte ist heute undenkbar. Und dennoch liegt die Zeit, in der wir ohnmächtig zur See waren,

noch nicht weit zurück. Erst Kaiser Wilhelm der Zweite erkannte eS mit klarem Blick, wie bitter Not dem deutschen Volk eine starke Flotte sei. Er wieS den Ausbau der Marine in seste Bahnen, und seinen rastlosen Bestrebungen ist eS zu verdanken, daß unsere Seemacht sich in kürzester Zeit von unbedeutenden Anfängen zur zweitstärksten aus der Welt entwickelt hat.

Warum braucht Deutschland eine starke Flotte? Diese Frage wird in dem in der SchriftenvertriebSanstalt zu Berlin SW 68 erschienenenFlottentaschenbuch" von PersiuS, Kapitän zur See a. D. (Preis 50 Pfg.) dahin beantwortet: Zum Schutze feinet 1270 km langen Küste und zum Schutz seiner Kolonien. Ferner zum Schutz seiner Handelsflotte und dem der Ausländsdeutschen, und endlich zur Wahrung seiner Interessen überall da, wo eS mit feiner Landmacht nicht hin- reicht. Sollen unsere blühenden Seestädte und stark ouSge- bauten KriegShäsen mit ihren Milliarden an Wert darstellenden Werften und Anlagen einem seemächtigen Feind preiSgegeben werden ? Sollen unsere Kolonien, die einen Flächeninhalt von der fünffachen Größe des Deutschen Reiches (2 658 400 Quadratkilometer gegen 540 700 Quadratkilometer) haben, ge­opfert, unser Seehandel zerstört, unsere gewaltige Handelsflotte die zweite aus der Welt vom Gegner fortgenommen werden? Sollen wir uns durch eine Blockade aushungern lassen? Soll unserer Industrie jede Lebensader abgeschnitten werden? Sollen weite Kreise unseres Volke-, vor allem die Arbeiter dem Hunger und der gänzlichen Verarmung prcis- gegeben werden? Sollen unsere Söhne im Ausland, soweit eS nur zur See zu erreichen ist, der Willkür fremder Mächte, ja der halbzivilisierten Raubstaaten Versalien? Sollen endlich alle unsere nach vielen Milliarden zählenden Interessen Übersee dem guten Willen der über eine stärkere Flotte Gebietenden anheimfallen ja, dann allerdings brauchen wir iÄne Flotte, könnten auf jede Seegeltung verzichten. Solange wir aber stolz, tapfer und arbeitsam genannt werden wollen, solange wir in der Welt etwas bedeuten und mitsprechen wollen, so lange können wir eine starke Flotte ebenso wenig wie ein starkes Landheer entbehren.

Unser Handel und unsere Industrie breiten sich sehr zum Verdruß Englands immer weiter über die ganze Welt aus. Der deutsche Ucberseehandel und die Schiffbauindustrie stehen jetzt an zweiter Stelle, nur die englischen find ihm überlegen. Der Wert unseres Außenhandels in Ein- und AuSsuhr betrug im vergangenen Jahre 18 Milliarden. Er hat sich in den letzten sechs Jahren um 50 Prozent gesteigert.

Wenn wir auch daraus auSgehen, uns England gegenüber eine achtunggebietende Lage zu schaffen, so liegt unS nichts ferner, als die Secherrschast zu erstreben. Kein Land konnte von jeher sür längere Zeit die uneingeschränkte Oberherrschaft zu Lande und zu Wasser auSüben. Wir würden zudem die hiermit verbundenen Lasten nicht aus unS nehmen können. Aber eS genügt für unsere Verhältnisse eine Flotte, die anzu- greifen sich jeder Gegner hüten muß. Man bedenke, daß schon die Kriegserklärung aller Voraussicht nach in England die ver-

hängnisvollsten Zustände zeitigen würde. Handel und Wandel würden auch dort still stehen. Die Sorge um die NahrungS- mittelzusuhr würde ihren unheilvollen Einfluß auSüben. England kann sich auS eigenem Boden nur für knapp zwei Monate verproviantieren. Die Möglichkeit deS AbsalleS der Kolonien ist nicht abzustreiten. Ein einziger Erfolg eines deutschen Kreuzers gegen englische Handelsschiffe würde die Preise der Seeversicherungen inS Ungemessene treiben. AuS allen diesen Gründen wird sich unser vornehmlichster Gegner hüten, solange die deutsche Flotte Achtung gebietend ist, unS anzugreifen. Somit bildet eine starke Seemacht für unS den wertvollsten FriedenShort. Sie hierzu auSgestattet zu haben, ist der Einsicht unseres Kaisers, dessen Name für alle Zeit unlöslich mit der Flotte verknüpft ist, zu danken. Er sprach 1898 daS prohetische Wort:Deutschlands Zukunst liegt auf dem Wasser," daS tausendfachen Wiederhall in allen deutschen Gauen fand, und besten Wahrheit immer mehr Ge­meingut deS deutschen Volkes werden möchte.

Aus In- und Ausland.

Berlin, den 14. Juli.

Aus Molde, 13. Juli, wird gemeldet: S. M. S. Hohenzollern ging heute morgen 6 Uhr nach Molde in See und traf um 10 Uhr abends nach guter Fahrt dort ein. Unterwegs Gewitter. Nachmittags fand bei Seiner Majestät dem Kaiser kriegSgeschichtlicher Vortrag statt.

DaS zur ErgänzungSsteuer herangezogene Vermögen belies sich in Preußen im Jahre 1911 aus 104,02 Mil­liarden Mark gegen 91,65 Milliarden im Jahre 1908 und 64,02 im Johre 1896 ES hat sich also Ht 1908 um 13,5 Prozent oder jährlich um 3,3 Prozent vermehrt. Da ein' Verpflichtung zur VermögenSanzeige nicht besteht, darf daS tatsächlich vorhandene Privatvermögen noch beträchtlich höher geschätzt werden. Um einen Uebcrblick darüber zu gewinnen, wie sich daS Vermögen im einzelnen zusammensetzt, hat die amtliche Statistische Korrespondenz berechnet, wie viel Zenfiten aus jede einzelne Milliarde entfallen. Die pyramidenförmige Ausstellung der Vermögensverteilung von der Spitze der Reichsten herunter bis zur breiten Grundlage zahlreicher kleiner Vermögen gibt ein zutreffendes Bild davon, wie sich einerseits die großen Vermögen vermehrt haben, anderseits ein sehr er­heblicher Zuwachs an kleinen Vermögen von 6000 bis 20 000 Mk. stattgefunden hat. An der ersten Milliarde Vermögen sind nur sechs Personen beteiligt, während im Jahre 1896 26 Personen zur ersten Milliarde beitrugen. Milliardäre gibt eS also in Preußen nicht, daS größte in einer Hand vereinigte Vermögen betrug vielmehr nach bet. letzten Veranlagung nur (I) rund 282 Millionen Mark. Schon bei der zweiten Milliarde vergrößerte sich der TcilnchmcrkreiS aus 20 Personen, so daß aus jede durchschnittlich 50 Millionen Mark entfallen; im Jahre 1896 hatten erst 75 Personen zusammen die zweite

Quer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Heute abend?" fragte Marthchen.

Ja, wie ist eS denn? Müssen wir doch wohin gehen? Willst du tanzen;-

Wollen wir damit nicht noch ein Vierteljahr wenigstens warten? Wegen deiner Mutter."

Ernst wurde rot.Na ja, wir können ja zusehen. Den ganzen Abend können wir doch nicht im Freien bleiben, sonst erkältest du dich. Ich habe übrigen- heute nur bis um zehn Uhr Urlaub."

Ich auch. Da brauchst du ja auch nicht länger." Ein Gedanke blitzte in ihr auf.Wollen wir nach dendrei Linden" gehen?"

Woher kennst du di: denn?" sorschte er.

Ich habe davon gehört. Warst du schon mal dort? Kann man da hingehen?"

Ach, bis um zehn geht'- da ganz anständig zu. Gut, gehen wir noch den Linden. Um drei Viertel acht Uhr bin ich hier an der Brücke."

Sie nahmen schnell Abschied in der Gewißheit baldigen Wiedersehens.

Im Hause graute Marthchen nur vor den zwe, Fragen: Wo waren Sie? Wie gedenken Sie den Abend zuzu- bringen?" DaS konnte doch der gnädigen Frau eigentlich gleichgültig sein.

Emma empfing sie brummend.Sie sollen für sich essen. Die Herrschaften find noch da!"

Gott sei Dank! Hunger gab'S überhaupt nicht, aber Vorbereitungen aller Art bis zur festgesetzten Stunde.

Aufrecht wie ein Einjähriger, die Brust von stolzer Freude erfüllt, erwartete Ernst Hagedorn die Geliebte. Was würden seine Kameraden für Augen machen! Daß er heute über die Urlaub-zeit streichen würde, war ihm ausge­machte Sache.

Mit gespannter Aufmerksamkeit beobachtete er die Passanten der Parkbrücke, und schon einige Male hatten ihn Frauen- gestalten getäuscht. So oft er ein junges Mädchen schnell- süßig unter der Lichtkugel huschen sah, schoß ihm daS Blut zum Herzen, und unwillkürlich zuckten seine Füße der Er­hofften entgegen. Einmal schon war er hart daran ge­wesen, aus ein junges Mädchen von ähnlicher Gestalt zu- zueilen.

Sie blieb lange auSl

Jetzt, das konnte sie gewesen fein I Doch nein, ohne Kopsbedeckung? Die Gestalt bog in den Parkweg ein. Ein leichter, schwebender, eiliger Gang. Ein wundervoller Ebenmaß der Gestalt. Ernst musterte verstohlen die Hcran- schreitende.

Da schrak er zusammen. DaS junge Mädchen war bis auf etwa fünf Schritte an ihn herangekommen, alS eS plötzlich mit kurzen, beschwingten Schrittchen auf ihn geradezu ge­laufen kam, und auf einmal fühlte er seinen Nacken um- schlungen und schaute überrascht in die fragend-lachenden Augen seiner Geliebten.

Das heißt. . ."

Nicht war, ich habe dich überrascht?" Sie drückte sich zärtlich an ihn und ließ sich küssen. Nun überschaute er ihre Gestalt. Aus den schwarzbrauncn Locken saß ein keckeS weiße- Pelzbarettchen, die rechte Hand umhüllte ein zierliches Müff- chen aus gleichem Fell. Dieses Müffchen hielt sie dem Ulanen jetzt unter die Augen. Er schob eS beiseite und überschaute nur immer den Mädchcnkops: den flischroten, lächelnd halb geöffneten Mund, die sreudeblitzcnden dunklen Augen, die glühenden Wangen, die auf der Stirn scharf gezogenen Augenbrauen, daS weiße Barett im bauschigen Haar!

Noch einmal hielt sie ihm den kleinen Muff hin, strich ihm damit die Backe und fragte leise:Kennst du das?"

Er sah sie fragend an.

Vater hat mir'S Weihnachten machen lasten von deinen Kaninchen I"

Da zuckte eS wie Rührung über deS Burschen Gesicht, und seine große, harte Hand griff in daS weiche Fell.

Dann legte er die Linke in den Nacken des Mädchen-, hob mit der Rechten daS Kinn und küßte den Mund der Geliebten ganz weich und leise.

Nahende Stimmen scheuchten daS Pärchen auS seiner LiebeSseligkeit.

Ja, wollen wir nach den »drei Linden'?" fragte Marth- chen nebenherschreitend.

Ich denke."

Ach, aber weißt du, lange bleiben wir nicht dort." Er verstand ihren zärtlichen Blick.

Ein großer Saal, Streichmusik, ein hinreißender Walzer von Waldteufel. Ein fürchterliches Gedränge. Kreischende Mädchen, gröhlende Ulanen; eine erstickende, warme, qualmige Lust.

Unter diesen Eindrücken führte Ernst seine Geliebte in daS Tanzlokal der Garnison. Zu beiden Seiten des SaalS befanden sich aus erhöhten Estraden runde Tischchen. Aller besetzt. Ernst schritt voran, Martha mit auffallend ernstem Gesicht dicht hinter ihm. DaS Getöse verwirrte sie, sie be­reute, den Vorschlag gemacht zu haben, diesen Ort auszusuchen, wo eS schon zu Ansang so herging, wie daheim höchstens nach Mitternacht.

Viele sahen den beiden nach, doch vergaßen ErnstS Be­kannte, ihn in gewohnter übermütiger Weise zu begrüßen. Manchem blieb ein Zuruf zwischen den Zähnen stecken, sobald sein Blick aus die auffallende Erscheinung der Begleiterin fiel.

Endlich hatte Ernst noch ein Tischchen ausfindig gemacht. Marthchen hätte bis dahin nur feinen breiten Rücken gesehen. Um sich schauend, gewahrte sie nun, wie von allen Seiten zudringliche Neugier und neidischer Hohn auf sie blickten, und die Wahrnehmung erhöhte nur noch daS Gefühl der Unbehaglichkeit. Auch Ernst schien etwaS beklommen, er räusperte sich öfters und fuhr sich mit dem Finger um den Hals, als fitze die Halsbinde zu eng.

Ach, du . . . geht das hier immer so zu?' flüsterte Marthchen.