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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 84.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 12. Juli 1912,

Nachdem die Postanstalten Ende Juni d. JS. den Ver­kauf der alten Beitragsmarken zur Invalidenversicherung ein­gestellt haben, werden diese Marken von der Versicherungsanstalt selbst auSgegeben werden. Die Anträge aus Ueberlaffung von Marken sind unter Einsendung deS Nennwertes an die Provinzial-Hauptkaffe für Hessen-Nassau in Cassel zu stellen.

Die Uebersendung ersolgt bei Beträgen unter 10 Mk. mittels einfachen unfrankierten Brieses, bei Beträgen darüber hinaus in eingeschriebenen unfrankierten Briefen.

Die Ort-polizeibehörden deS Kreises ersuche ich Vorstehen­des aus ortsübliche Weise wiederholt bekannt zu geben.

V. 1061. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Krei-sekretär.

HerSseld, den 11. Juli 1912.

An die Ort-polizeibehörden deS Kreises.

Am 1. Mai d. JS. ist in Verbindung mit dem neuen ReichSviehseuchen-Gesetze und den AussührungS-Borschriften hierzu auch eine neue Viehseuchen-EntschädigungSsatzung für den BezirkSverband deS Regierungsbezirks in Kraft getrften. Mit dem gleichen Zeitpunkte sind die alten Vorschriften vom Jahre 1882 und 1905 (Amtsblatt Seite 59 bezw. 256) außer Kraft gesetzt worden.

Die neuen Vorschriften haben einige Aenderungen gebracht. Nach § 1 ist die EntschädigungSpflicht wesentlich ausgedehnt worden. Im § 10 und 11 ist daS Verfahren bei der Ab­schätzung der Schadensfälle und das der Ortspolizeibehörden bei Behandlung der Entschädigungsansprüche neu geregelt worden.

Die neuen Vorschriften sind in einem Eonderabdruck zum RegierungS-AmtSblatt Nr. 21 1912 abgedruckt.

Ich ersuche sich mit diesen Vorschriften vertraut zu machen und vorkommendenfallS nach diesen zu verfahren.

I. 6429. Der Landrat

von GruneliuS.

Der in der Gemarkung LengerS gelegene

Weg Nr. 1541114

soll zum Teil (3 Ar 22 qm groß) eingezogen werden.

Nach Vorschrift deS § 57 deS ZuständigkeitSgesetzeS vom 1. August 1883 wird dieses mit der Aufforderung bekannt gegeben, daß Einspruch hiergegen binnen 4 Wochen bei Meidung deS AuSschluffeS bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.

Lengers, den 10. Juli 1912.

Die Wegepolizeibehörde.

Nagel.

Quer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

In ihrer Angst war sie eben im Begriff, auszustehrn, zu ihm hinzugehen und mit ihm den Saal zu verlassen, alS sie ihn auf sich zukommen sah.

Sie nahm ihre Kraft zusammen und blickte ihn freundlich an. Ohne seine Augen aufzuschlagen, ließ er sich schwer auf seinen Stuhl fallen.

Wieviel Uhr ist eS denn eigentlich? fragte sie ablenkend. Dreiviertel neun Uhr!" sagte er, ohne aufzublicken, indem er sich umständlich mit seiner Uhr zu schaffen machte.

Um neun gehen wir ja?"

Mir ist'- recht!" sagte er und schaute sie flüchtig an. Er wußte im Augenblick nicht, wie er die Frage auffassen sollte. Er wußte, daß sie absichtlich vermied, daS inzwischen Vorgesallene zu berühren. Wollte sie fort von hier, um allein mit ihm zu sein bei der Aussprache, oder sollte sie wirklich noch so harmlos sein wie vorher im Parke? Würde daS nach dem Vorgefallenen möglich sein?Mir ist'- recht," hatte er geantwortet; aber jetzt bereute er diese Zustimmung, Ihm graute vor dem Alleinsein jetzt.Wir können ja noch ein halber Stündchen dableiben", meinte er jetzt. Sie ant­wortete nicht.

Sie sahen dem Tanze zu.

Er suchte vergeblich ihren Fuß.

Die Polka war zu Ende. Ein Rheinländer begann.

Da versuchte Ernst ein anderes.Wollen auch mal sehen, ob wirr noch können miteinander!" sagte er und stand vor Marthchen. Diese hatte ihn überrascht angesehen, konnte aber nun nicht mehr abschlagen. Sie nestelte daS Barett ab und solgte ihm, um gleich darauf in seinen starken Armen dahinzufliegen.

Er sah, wie sie beobachtet wurden von allen Seiten, und zog während der Tanzen- die Geliebte zärtlich an sich.

Donnerstag, den 18. Juli

nichtamtlicher Ceil.

Ein drohender Konflikt zwischen England und Nordamerika.

England hat bekanntlich in Washington einen Protest gegen daS geplante amerikanische Panamakanalgesetz, welches den amerikanischen Schiffen gebührenfreien Verkehr in dem Panamakonale zusichern soll, eingelegt. Er ist aber den Amerikanern nicht eingefallen, diesen Protest zu berücksichtigen und die Panamakanalvorlage bis zur Erlangung einer neuen Verständigung mit England zu vertagen. Die ganze Streit­srage dreht sich nun offenbar darum, ob sich die übrigen Seemächte eine Bevorzugung der amerikanischen Schiffe in Bezug auf den Verkehr im Panamakanal ohne weiteres gefallen lassen müssen. England erblickt in der von Amerika erstrebten Bevorzugung seiner Schiffe im Panamakanalverkehre offenbar eine große Schädigung der englischen Schiffahrt in ihrem Ver­kehre mit der Westküste Amerikas und in ihren Fahrten über den großen Ozean. Die Amerikaner stehen dagegen auf dem Standpunkte, daß der Panamakanal mit amerikanischem Gelde und auf amerikanischem Gebiete gebaut worden sei, und daß deshalb Amerika auch berechtigt sei, seinen Schiffen besondere Vorteile zu gewähren. Diese Aussührungcn klingen ganz ver­nünftig, und da Deutschland auch einen sehr großen Schiff- sahrtSkanal, den Kaiser Wilhelm-Kanal, besitzt, in welchem eS den deutschen Schiffen besondere Vorteile eingeräumt hat, so dürste der Protest Englands gegen das amerikanische Panama- kanalgesetz wohl nur ein Schlag inS Wasser sein. Indessen sind die Engländer nicht so oumm, um einen von vorn herein aussichtslosen Protest so ohne weiteres gegen die Handlung einer Großmacht zu richten, und hat die ganze Angelegenheit offenbar noch einen tieferen Hintergrund. Derselbe kann zu­nächst darin bestehen, daß England auf Grund eines geheimen Vertrages, den es schon vor längerer Zeit mit Nordamerika über den Schutz gemeinsamer Interessen abgeschlossen hat, seinen Protest erhoben hat. Dann wäre die Angelegenheit ein rein englisch-amerikanischer Konflikt, und die Herrschaften in London und Washington mögen sehen, wie sie mit der Streitigkeit fertig werden. Da aber der ganze Panamakanal eine große internationale Bedeutung hat, und die Schiffe aller fremden Nationen wohl Anspruch daraus machen müssen, in ihrem Verkehre auf dem Panamakanale eine gleiche Behandlung sei­tens der amerkanischen Behörden zu erfahren, so hat dieser Konflikt Englands mit Nordamerika auch noch eine internationale Begründung. Auch Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Italien, Rußland und Japan könnten sich der Beschwerde Englands in Bezug aus das amerikanische Panamakanalgesktz anschließen und dann bekommt die ganze Angelegenheit ein ganz anderes Gesicht. Offenbar wird jetzt in allen Botschaf­ten der Großmächte in Washington darüber beraten, ob eS

Dem Marthchen aber drohten die Sinne zu schwinden bei der wiegenden Lust.

Hochklopsenden Herzens stand sie, an Ernst gelehnt.

Nein, wahrhaftig, lahm ist sie nicht!" hörte sie den Hintermann zu Ernst sagen. Sie schaute verstohlen in ErnstS Gesicht. Er schaute träumerisch inS Gewühl, während er leise ihre Hand an sich zog.

Und wieder flogen sie dahin.

Schweigend führte er sie an den Platz. Sie setzte daS Barett aus und flüsterte:Komm, wir wollen nun gehen !"

Er war einverstanden.

Nun schritten sie dahin im Park. Er hatte einen Arm leicht um ihre Schulter gelegt. Ihm bangte vor dem ersten Worte. Endlich begann Marthchen:Weißt du, eigentlich wor'S ja nicht recht, daß wir getanzt haben; aber wenn uns dein gutes Mütterchen jetzt vom Himmel herunter so sieht, wird sie nicht böse sein!" Er war stehen geblieben. In ihren Augen schimmerten Tränen, Tränen wehmütigen GlückeS.Wir beide so ganz allein in der Fremde!" fügte sie ganz leise hinzu und legte daS Haupt an seine Brust. Er zog sie fest an sich. Er wankte ein wenig. Sie bemerkte eS wohl und wurde schmerzlich erinnert an die wüsten, eben erlebten Austritte.

Sie schritten langsam dahin.

Wollen wir heute in vierzehn Tagen, wenn schönes Wetter ist, nicht lieber einen Ausflug machen? Ich möchte einmal wieder Wald sehen", sagte sie leise.

Ich bin dabei, wo du hin willst, Schatz!" gab er zurück.

Schatz!" lachte sie kindlich-glücklich.Wie daS klingt!" Du dist'S doch?" fragte er.

DaS mußt du doch selbst am besten wissen!"

Unter solchem Kosen und Plaudern kamen sie zur Park­brücke.

Halb zehn erst!" sagte er.

Nun gehen wir heim und von zehn bis elf denken wir beide aneinander, ja?"

1912.

am Platze ist, ein gemeinsame Forderung aller Großmächte in Bezug auf die Behandlung der Schiffahrt im Panama­kanale an die amerikanische Regurung zu richten. England dürfte in diesem Punkte die Führung übernommen haben und je nachdem wie daS Erg^nis dieser Beratungen und Unter­redungen auSsallen wird verben auch die Großmächte sich dem Proteste Englands anich ießen oder vielleicht auch eine ge­meinsame Note an die amerikanische Regierung richten. Vielleicht dreht sich der ganze Streit auch nur um die Höhe der SchiffahrtSabgaben im Panamakanale, und wenn diese Abgaben für den fremden SchiffahrtSverkehr verhältnismäßig niedrig ausfallen sollten, so wird auch der ganze Streitfall wohl bald verschwinden.

Ae Htftlw in IntsWi».

Seit dem 1. Januar 1907 finden regelmäßige Zahlungen sämtlicher Kraftfahrzeuge im Deutschen Reiche statt. Mit dem ZählergebniS vom 1. Januar 1912 liegt also ein statistisch zuverlässiger Uebelblick über die Entwicklung deS Kraftwagens und die Art seiner Verbreitung und Verwendung während der letzten fünf Jahre vor. Die angeführten Zahlen zeigen deutlich, daß die Heeresverwaltung in der Lage ist, in wachsendem Maße die Ansprüche deS Nachrichten- und Ver- bindungSdiensteS sowie des HeereSnachschubes auS den im Lande vorhandenen Krastwagenbeständen zu decken. Die Zahlen sprechen weiter für die Richtigkeit der Förderung, welche die Heeresverwaltung dem Krastsahrwesen in den letzten Jahren hat zuteil werden lassen. In der tabellarischen Ueber­sicht sind die Jahre 1908 und 1910 fortgelassen worden, um den Ueberblick zu erleichtern. In den fünf Jahren beträgt die Vermehrung sämtlicher ft.^,.magen 159 Proz. Die Per­sonenkraftwagen haben einen Zuwachs von 144 Proz., die Lastkraftwagen von 465 Proz. erfahren. Allein im letzten Jahre haben sich die Kraftwagen in Deutschland um mehr alS 20 Proz. vermehrt. Die Wagen für Personenbesörderung haben sich fast um 10000, die für Lastenbejörderung um 2500 vermehrt. DaS Wesentlichste ist die erheblich gesteigerte Vermehrung der Lastkraftwagen im Verhältnis zu den Per- sonenkrastwagen, die aus die durch daS EubventionSversahren gegebene Anregung zu setzen ist. Die Zahl der kriegSbrauch- baren Lastkraftwagen beträgt jetzt etwa daS 22fache wie vor 5 Jahren, sodaß der HeereSnachschub mit erheblich günstigeren Vorbedingungen rechnen kann.

Bei den Krastsahrzeugen, die vornehmlich der Personen­beförderung dienen, ist der langsame Rückgang der Krafträder im Fortschreiten begriffen. Die Gründe hierfür sind die stete Gesahr deS Gleitens und Rutschens auf schlechten Wegen, die geringe Tragfähigkeit deS RadeS und die ungünstige, Ver­schmutzungen auSgesetzte Lagerung deS Motors. ES steht zu erwarten, daß durch daS PreiSauSschreiben der Deutschen Motorsahrer-Vereinigung eine sicherlich günstigere ZukunftS- entwicklung der Krasträder angcbahnt wird, so daß einem für

Wollen wir nicht noch wo anders hin? Oder noch hier bleiben?"

Ach, nein. Wir haben uns nun und sehen uns öfter und für dich ist eS auch besser, du schlässt gut auS, nicht, Schatz?"

Da widersprach er nicht, und sie nahmen lange Abschied.

Der Frühling meldete sich an. Die Küsse wurden immer heißer, und immer häufiger ward die Klage:Ach, wenn nur deine Militärzcit erst um wäre!"

Ernst, der sonst unter feinen Kameradentonangebend" gewesen war, hatte den SpitznamenErnst der Fromme" erhalten wegen seinerBekehrung". Mit Verdruß hatte man bemerkt, wie er zurückhaltend geworden war, seit man ihn mit demPelzmützchen" gesehen hatte. Man legte e- ihm als Stolz aus, daß er niemals mehr in denDrei Linden" sich sehen ließ, und man schalt ihn, daß er fein ganzes Geld an seinFrauenzimmer" hinge, da er nicht mehr zu bewegen war, in früher gewohnter Weise andere Kehlen anzu- feuchten. Er kannte daS Kasernenleben genug, um zu wissen, daß dieser Unmut der Kameraden ihm unter Umständen un­angenehm, ja gefährlich werden konnte im Dienste. Sie sürchteten sich vor seiner Kraft, aber er bemerfte doch, wie sie ihm mit List einen Reinsall zu bereiten suchten. Er mußte alle Kraft und Aufmerksamkeit zusammennehmen, um nicht dienstlich Unannehmlichkeiten durch die kleinen Niederträchtig­keiten seiner Stuben- und Etallkameraden zu haben. Oben­drein ertappte er sich selbst oftmals über unglaublichen Ver- geßlichkeiten. Auch blickte er jetzt den Waffenrock mit minderer Begeisterung an. Er war im besten Zuge gewesen, Gefallen am Soldatenleben zu finden, nun aber sehnte er sich schon nach der Stunde, da er daS Lied mitsingen würde:Reserve hat Ruh."

Frau Baronin Lukajin ward mehr und mehr zu ihrem größten Leidwesen irre an ihrem Fräulein. WaS war daS junge Mädchen ansangS doch so ernsthaft und gesetzt, so zuverlässig, gründlich und pünktlich gewesen! Jetzt war eS nun schon vorgekommen, daß Marthchen launenhaft, ver«