Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. DerSezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ya

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespallenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^«««

herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knfchlutz Nr. 8

Nr. 88. Sonnabenden 20. Juli 1912.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Jagdverordnung.

Für den Umfang deS Land- und Stadtkreises Hanau wird sür daS Jahr 1912 auf Grund der §§ 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1907 dieErössnung der Jagd auf Fasanen auf Mittwoch, den 11. September festgesetzt.

Cassel, den 21. Juni 1912.

Der BezirkS-AuSschuß zu Cassel. gez. Gras von Bernstorss.

* *

HerSfeld, den 15. Juli 1912.

Wird veröffentlicht.

I. 8224. Der Landrat.

I. 8.:

Wessel, Kreissekretär.

Zugelaufen.

Ein schottischer Schäserhund. Meldung deS Eigentümers bei dem Ortsvorstand in WölferShausen.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In der BerichtSwoche waren drei Jahre verflossen, seit unser Reichskanzler, Herr von Bethmann Holl- w e g, sein verantwortungSreicheS Amt angetreten hat. In seiner Politik hat der Reichskanzler stets den Grundsatz ver­treten, daß die Regierungüber den Parteien" zu stehen und sich dir volle Freiheit zu wahren habe, mit wechselnden Partei- kombinationen zu arbeiten, und eS kann keinem Zweisel unter­liegen, daß er diesem Grundsätze ansehnliche gesetzgeberische Erfolge zu danken hat. Während noch kurz vorher ein srei- sinniger Abgeordneter der Regierung die freundliche Aussicht auf einen großen Scherbenberg gemacht hatte, ist eS ihr ge­lungen, sowohl im Frühsommer wie im Herbst 1911 eine Reihe großer GesetzgebungSwerke unter Doch und Fach zu bringen, namentlich wichtige sozialpolitische Gesetze und die elsaß-lothrin- gische Verfassung. Nimmt man dazu den letzten Befolg deS Kanzlers, die rasche und glückliche Erledigung der großen Wehrvorlagen und seine erste Tat in diesem Amte, die Unter- zeichnung der größten deutschen Finanzresorm, so wird man nur sagen können, daß diese drei Jahre sruchtbar an positiver gesetzgeberischer Arbeit im Reiche gewesen find, jodaß Herr von

Des Wilderers Rache.

Erzählung auS dem bayrischen Hochland von Otto LandSmann.

(Fortsetzung.)

Diese» Ereignis versetzte die kleine Familie in tiefe Trauer. Lebrecht konnte fich über den Zusammenbruch der schönen Hoffnungen, in denen fein Vaterstolz sich wiegte, gar nicht trösten. Vier Jahre nach dem Tode deS Knaben schenkte Helena einem Mädchen da» Leben. Man gab ihm den Namen Renata.

Die Geburt diese» Kinde» erfüllte daS Herz deS Vaters mit unaussprechlichem Glück. Gewiß, er hatte seinen Sohn geliebt, der ihm einst ein Freund, den er fich selbst herangebildet hätte werden können und eine Stütze in seinen alten Tagen, dennoch aber hatte er sich von jeher nichts so sehnlich gewünscht alS eine Tochter, denn eine Tochter gehört sozusagen mehr ihren Eltern ali ein Sohn, der, wenn er einmal groß genug ist, seinen Weg einschlagen und deshalb das Vaterhaus ver- lassen muß, während eine Tochter meist bis zu ihrer Verhei­ratung unter der direkten elterlichen Obhut verbleibt.

Kein Wunder daher, daß die kleine Renata, deren Ankunft den glühendsten Wunsch deS Vaters erfüllte, seinen Abgott, Stolz, Glück und Seligkeit bildete und er mit ganzer Seele an ihr hing. Nie kehrte er von seinen Streifzügen durch daS Revier nach Hause, ohne ihr im Dorfe irgendwelche» Spielzeug, irgend eine Süßigkeit zu laufen und sie damit bei seiner Heimkehr zu beschenken. Und wenn ihm seine Frau deshalb leisen Vorhalt machte, meinte er lachend: »Ich bin halt zufällig vorübergekommen, hab' die Sachen im AuSlagefenster gesehen und konnte der Versuchung, etwa- zu taufen, nicht wiederstehen. Uebrigens, wa» tut'» wir haben ja nur ein Kind."

Eine der Hauptforgen bei Vaters war die Aussteuer feiner Tochter.

Ich will nicht," sagte er,daß Renata einst ohne einen Pfennig heiratet. Ich werde tun, wa» mir möglich ist, ihr ein Vermögen, wenn auch nur ein kleine», zusammenzusparen."

Bethmann Hollweg mit Genugtuung und Freude aus sie zurückblicken kann.

DaS s r a n z ö s i s ch e N a t i o n a l f e st ist in der Bc- richtSwoche mit der üblichen Truppenschau in LongchampS gefeiert worden, und die meisten Pariser Blätter haben sich ungewöhnlich eingehend mit seinem Verlauf beschäftigt, Viele hoben hervor, daß der 14. Juli vor allem daS Fest der Armee geworden sei; namentlich die nationalistische und konservative Presse betont mit lebhafter Befriedigung, daß die Bevölkerung so massenhaft wie noch nie zur Truppenparade in LongchampS geströmt sei, und daß die außerordentliche Begeisterung, mit der sie die Armee bejubelte, bewiesen habe, daß sie rückhaltSloS der gesamten Heeresleitung zustimmt. Ohne Zweifel hatte daS französische Nationalfest diesmal jenen Zug lärmender Begeisterung für daS Heer, der in Paris seit einiger Zeit heimisch ist, und der zu denken gibt.

Die große norwegische Flotten- und Seebe- sestigungSvorlage ist vom Storthing in der von der Vereinigten Budget- und VerteidigungSkommission beschlossenen Form endgültig angenommen worden. Mit rascher Ent­schlossenheit ist daS HauS an das Werk gegangen, und nur zwei Tage nahm die äußerst interessante Debatte in Anspruch. Diese beschleunigte Verabschiedung der wichtigen Vorlage kurz vor dem Schlüsse der Session hat nicht verfehlt, in weiten Kreisen lebhafte Besriedigung hervorzurusen, und e? hat im norwegischen Volke einen sehr guten Eindruck gemacht, daß die staatserhaltenden Elemente deS Parlaments trotz aller Parteizersplitterungen sich zur Vollbringung dieser großen patriotischen Tat in geschlossener Einigkeit zusammenfinden konnten.

Die Lage insolge deS monarchistischen Auf- standeS in Portugal t-.u>zeichnct nichts so sehr wie die Tatsache, daß in der Nähe der Hauptstadt junge Liffa- boner Monarchisten die Wiederausrichtung der Monarchie ver­kündet haben, und verschiedene Umstände weisen daraus hin, daß die Monarchisten die Zeit sür gekommen halten, zur all­gemeinen Erhebung zu schreiten. Bekannt ist eS jedenfalls, daß namentlich in Lissabon, aber auch in anderen Städten Verschwörungen bestehen, daß Waffen in Massen in Bereit­schaft gehalten werden, und daß die Monarchisten, wie die Bombenexplosion in Lissabon zeigt, nach dem Muster ihrer republikanischen Gegner sich mit Bomben versehen haben. Mit den monarchistischen Plänen hängt jedenfalls auch der Einsall ConceiroS im Norden zusammen, der die Aufgabe haben wird, dadurch zahlreiche republikanische Truppen auS dem Lande, namentlich aus der Hauptstadt, nach dem ent­legenen Norden zu ziehen, damit die etwaige Erhebung in und bei Lissabon bessere Aussicht auf Erfolg hat. Wenn nicht alles trügt, scheinen sich in Portugal solgenschwere Ereignisse vorzubereiten.

Die Regierung der jungen chinesischen Republik befindet sich in einer üblen Lage. Einesteils muß sie unbedingt Geld schaffen, um überhaupt einmal etwas

In München lebte ein ehemaliger Kamerad von ihm. Dieser war, waS man gewöhnlich einen Schwindler nennt, aber Lebrecht wußte eS nicht. Schon öfters hatte ihn der­selbe in Staunen gesetzt, indem er ihm ein glänzendes Bild von dem ungeheuren Gewinn entwarf, welchen er erzielen könnte, wenn Karl ihm seine Ersparnisse anvertrauen wollte. Bislang hatte dieser ein solches Ansinnen klugerweise zurück­gewiesen. Nach der Geburt seiner Tochter erinnerte er sich dieses Kameraden, Konrad Elster mit Namen, und reiste alsbald nach München. Der war eben darüber, einbrillantes Geschäft" zu eröffnen, welches, wie er sagte, all denen zum Glück gereichen würde, die Geld darin unterzubringen hätten. Karl setzte Vertrauen in seinen Freund und gab ihm fünf Tausendmarkscheine. DaS waren seine Ersparnisse von fünf Jahren einschließlich derjenigen Vater GebhardS.

Zwei Monate später erhielt er einen auS Gens datierten Brief, in welchem ihm Elster seinen vollständigen Bankerott mitteilte und bemerkte, daß er, um der Versolgung seiner Gläubiger zu entgehen, gezwungen gewesen wäre, in die Schweiz zu flüchten.

Diese Nachricht war ein Donnerschlag für den Förster: während er Reichtum erhofft hatte, blieb ihm jetzt nicht? mehr alS sein jährlicher Einkommen und seine Familie. Er verlor indes den Mut nicht, sondern beschloß, eS in Zukunft nicht mehr zu schnell weit bringen zu wollen und sich auf die kleinen Ersparnisse, die er nach und nach machen konnte, zu beschränken.

UcbrigenS brauchte er nur seine Tochter anzusehen, um jeden Verdruß und seine Geldsorgen zu vergesien. Die Kleine war die Freude, der Stolz der Familie; gleich der Schwalbe, welche, wie der VolkSmund sagt, Glück dem Hause bringt, in welcher sie ihr Nest baut, brauchte Renata sich nur zu zeigen, und sobald ihr blonder Kops erschien, daS Gezwitscher ihrer kindlichen Stimme im Hause erklang, verschwand die Traurigkeit von der Stirne ihres Vaters, der auf sie zueilte und sie leidenschaftlich in seine Arme schloß.

Renata zählte damals zehn Jahre. Seit drei Jahren be­suchte sie die Schule, und der Lehrer bezeichnete sie alS seine

Ordnung und Ruhe herstellen und ihr Ansehen festigen zu können, anderseits will sie sich aber den Bedingungen der ausländischen Banken nicht fügen; obendrein kommt noch der Widerstand der Provinzen hinzu, deren finanzielles Gebühren in Zukunft mehr von Peking kontrolliert und abhängig ge­macht werden soll, waS den Gouverneuren und manchen Beamten aus bekannten Gründen nicht behagt. War diese mißliche Lage schon der Anlaß zum Rücktritt deS ersten Ministerpräsidenten Tangschaoyi, so hat sie jetzt auch den Rücktritt von vier weiteren Ministern zur Folge gehabt. Welche weiteren Folgen dies nach sich ziehen wird, läßt sich noch nicht sagen, eS ist aber anzunehmen, daß Aucmschikai nun vor allen Dingen die Anleiheverhandlungen zum Abschluß zu bringen suchen wird, da ein weitere- Verschleppen dieser Sache von den unheilvollsten Folgen aus allen Gebieten sein muß, nicht nur im Innern, sondern auch nach außen.

$o§ tot Ses jWtiirkischtll Regiments?

So verwickelt auch die Zustände im nahen Orient find und so schwer eS füllt, für tiefgreifende große Ereignisse eine bestimmte klare Ursache anzugeben, so vollziehen sich die Wand­lungen in der Türkei doch nicht ganz ohne Logik. Bei der letzten großen Umwälzung vor drei Jahren war an die Stelle der Willkürherrschaft eines Despoten der Versuch getreten, den türkischen Etaat nach westeuropäischen Vorbildern zu refor­mieren und zu lenken. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe brauchten die Jungtürken ein alle die verschiedenen Stämme deS ReichS einigendes Ideal. Die Macht des Sultans war gebrochen, das Ansehen deS Kalisen war geblieben, konnte aber daS einigende Mittel nicht bilden, da die neue Richtung mit dem daS BolkSempfinden : herrschenden geistlichen Recht überhaupt schwer zu vereinbaren war. Ein nationale? oS- manischeS Nationalbewußtsein sollte die Verstöße gegen daS geistliche Recht rechtfertigen und den Kitt für daS Gefüge deS Reiches bilden.

Tatsächlich aber ist der nationale Gedanke nicht weit über den Sitz des neuen Regiments hinausgedrungen, vielmehr für weite kleinasiatische VolkSkreise graue Theorie ge­blieben.

Jetzt scheint daS jungtürkische Regiment, nachdem eS schon nicht im Stande war, die Eigenart arabischer Stämme am Hauran und in Jemen zu zähmen, an der Bewegung einer Völkerschaft zugrunde zu gehen, die für sich ein besonderes nationales Eigenleben beansprucht.

Bei den letzten Ausständen der Malifforen und der Mir- diten war es gelungen, die übrigen albanesischen Stämme ruhig zu halten. Diesmal scheint eS, als ob Nord- und Eüdalbanieo, katholische und mohammedanische Arnautcn ge­meinsame Sache machen werden. Noch ist eS nicht klar, wie weit die Bewegung gegen daS jungtürkische Regiment die Garnisonen der europäischen Türkei ergriffen hat. Nach einer Konstantinopeler Nachricht sollen 80 Prozent der Offiziere

fleißigste und beste Schülerin. Kurz, Renata besaß all die Eigenschaften, die für ein Mädchen ihres Standes wünschens­wert sind.

in.

Förster Lebrecht war längst außer Sichtweite, als ihm seine Frau und Renata immer noch nachblickten. Heute waren sie besonders besorgt um ihn, denn wie er sagte, galt sein Streifzug diesen Morgen demroter Peter", dem pfiffigsten und verwegensten Wilderer feinei Revier?. Keiner kannte so gut wie er jeden Weg der Berge, jeden Schlupfwinkel hinter Felsen oder im unwegsamen Tannendickicht. Keiner verstand so wie er die Rehe und Hirsche zubladen", daS heißt in der Jägersprache, durch die Nachahmung deS ^Ge­schrei? der Rehricken oder Hirschkühe die männlichen Tiere herbeizulocken. Seine Kugel fehlte nie, seine Hand kannte kein Zittern, er war ein unübertrefflicher Jäger, der nie da? Schulterblatt bei Wilde? fehlte, dem seit Jahren kein ange­gossener Hirsch entgangen war.

Vergebens bot Lebrecht alle? auf, um bei Wilderer? hab­haft zu werden, beffen Schlauheiten er kannte. Ohne Furcht ging er in den Bergwald, blieb oft Nächte lang darin, aber immer umsonst, der Rote hatte stets Wind davon bekommen und war dann doppelt aus seiner Hut. Heute war der Förster später al? je inS Revier gekommen, aber da? Glück war ihm näher und günstiger, al? er hoffte. Er war eben au? dem Hochwald h«auSgetreten und stand an einem Abhang, der sich in sanfter Abdachung in einen schmalen Talkessel verlor, da traf sein spähender Blick auf eine männliche Gestalt, die unten am Talrand lauernd hinter einem Fichtengebüsch stand. Kein Zweifel, er ist'-! Wart, Kerl, du sollst mir nicht ent­gehen!"

Dieser Gedanke fuhr wie ein Blitz durch seine Seele. Vor­sichtig, damit nicht etwa ein Knistern zertretener Zweige seine Gegenwart verrate, schlich er sich von Gebüsch zu Gebüsch dem Talgrunbe zu und blieb in einer Entsernung von etwa dreißig Schritten wartend stehen. Er lehnte sich hinter eine mächtige Kiefer. Vor den Blicken seine? Gegner- war er sicher. Aber noch war er nicht am Ziel. Der Wilddieb mußte auf frischer