Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. DerSezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Seile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg.' Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewäf)rt.rosaroio
Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 88.
Sonnabend, den 27. Juli 1912.
Erstes Blatt.
Amtlicher Ceil.
HerSseld, den 19. Juli 1912.
Die diesjährigen Herbstübungen der 22. Division finden zum Teil im Kreise HerSfeld statt. Wegen der bevorstehenden Einquartierung erhalten die Herren Bürgermeister und GutS- vorsteher demnächst weitere Verfügung.
Zur Verhütung von UnglückSsällen und Krankheiten sind folgende Anordnungen aus das Strengste zu brachten. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher find dasür verantwortlich, daß die erforderlichen Maßnahmen und Anordnungen alSbald und ausreichend getroffen werden.
Die Ränder von Steinbrüchen, Kalk- und Lehmgruben, sowie von Sümpfen und Steilabsällen sind abzuzäunen, oder durch schwarze Flaggen oder Tafeln kenntlich zu machen. Brückendecken und Geländer an öffentlichen Wegen sind in einen guten Zustand zu bringen.
Brunnen und Tränken, welche gesundheitSgesährlicheS Wasser enthalten, sind zu verschließen oder mit einer entsprechenden auffälligen Bezeichnung zu versehen. Ueber daS etwaige Austreten ansteckender Krankheiten—auch Viehkrankheiten — im Manövergebiet ist mir umgehend Bericht zu erstatten.
Während der Manöver sind beim Durchmarsch von Truppen durch Ortschaften längs der Dorsstraße möglichst viele große Gefäße mit Trinkwasser auszustellen.
Zur Vermeidung von Flurschäden ist darauf hinzuwirken, daß daS reise Getreide nach Möglichkeit rechtzeitig abgeerntet und eingesahren wird. Vorzugsweise zu schonende Ländereien (Forstkulturen, Zuckerrüben, Saatklee usw.) — nicht aber auch alle gut bestandenen sonstigen Feldflächen — sind durch Tafeln oder durch Strohwische aus Stangen kenntlich zu machen. AuS Auswendungen und Arbeiten, deren dem- nächstige Zerstörung durch Truppenübungen den Interessenten von vornherein bekannt sein müßte, kann ein Anspruch auf SchadloShaltung nicht hergeleitet werden. Ebensowenig wird derjenige Schaden auS ReichSmitteln ersetzt, welchen die Zuschauer erfahrungsgemäß verursachen.
I. I. Nr. 8413. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
DaS in der BerichtSwoche gegen die Asselner Dynamithelden vom Dortmunder Schwurgericht gefällte Urteil ruft die Erinnerung an die Verhandlung deS Ab-
Des Wilderers Hache.
Erzählung aus dem bayrischen Hochland von Otto LandSmann.
(Fortsetzung.)
Kommandant Hilpert, Renatas Pate, war ein schon ziemlich bejahrter Mann, der im deutsch-französischen Krieg alS Soldat tapfer gegen den Feind gekämpft hatte. Er war ein Regimentskamerad deS alten Gebhard, LebrechtS Schwiegervater, gewesen, und der Förster hatte alle Wünsche deS alten Gendarmen damit gekrönt, daß er ihn bat, der Taufpate Renatas zu werden. Hilpert hatte seinen Täufling von Herzen lieb und suchte ihm Freude zu bereiten, wie er nur konnte.
Ehe der Kommandant eintrat, streifte er an der steinernen Stufe vor der Tür den Schnee von den Stieseln, und nachdem er sein Gewehr in eine Ecke gelehnt hatte, ging er aus den Förster zu und reichte ihm die Hand.
„Nun, wie eS scheint, haben eS jetzt die Wilderer auf dich abgesehen," sagte er lachend. „Wie ich gehört habe, hat der rote Peter heute früh auf dich geschossen wie auf einen Rehbock. Hättest du doch bester gezielt I Dann wäre dem Kerl daS Davonlaufen schon vergangen. Gib acht, daß du das nächste Mal nicht wieder fehlst; der Halunke ist geschwinder als du; übrigens hast du daS Recht, ihn ohne weiteres nieder- zuschießen, wenn du ihn antriffst. Tust du daS nicht, kann eS dir noch schlimm ergehen."
„Sei unbesorgt, mein lieber Kommandant, morgen schon ziehe ich wieder gegen ihn inS Feld, und wehe ihm, wenn er sich blicken läßt!"
„Weißt du denn auch, wo er sich aufhält?"
„Genau nicht, aber mit ein wenig Geduld und mit Hilfe der Nase meine» HundeS werde ich ihm schon auf die Spur kommen."
„Ein Unglück wäre eS wahrhaftig nicht, wenn eS dir ge- gelänge, ihm eine Kugel auf den Pelz zu brennen, dem schlauen Fuchs. Er ist derselbe Lump wie sein Vater, bei zur Genüge bewies, was ihm ein Menschenleben galt, und wie ihm, so ist auch dem Sohn an einem solchen nichts gelegen,
geordnetenhauseS über die Interpellationen wegen deS Bcrg- arbeiterstreikS im Ruhrkohlenrevier wach. Der Minister des Innern erwähnte damals u. a. ein Attentat, das an den Wohnungen Arbeitswilliger in der Gemeinde Asseln durch die Explosion von Sprengpatronen verübt worden war; als der Minister bemerkte, die Täter seien noch nicht ermittelt, leistete sich der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Liebknecht den Zwischenrus: „Das werden vielleicht Polizeibeamte gewesen sein", und vertrat auch noch in der späteren Sitzung die Möglichkeit, daß eS sich um Spitzelmache gehandelt habe. Auch sprach „Genosse" Liebknecht mit einem großen Auswand von Entrüstung von den „unglaublichen Polizeibombenmärchen", die der Minister vorgetragen habe. Jetzt hat daS Schwurgericht in Dortmund schwere Strafen über die Dynamithelden verhängt: der Hauptschuldige wurde zu sechs, drei andere Angeklagte zu je drei Jahren Zuchthaus, die übrigen vier, die weniger belastet waren, zu Gefängnisstrafen verurteilt. ES wird nützlich fein, sich an diese Gerichtsverhandlungen zu erinnern, wenn Herr Liebknecht und seine Freunde wieder einmal in sittlicher Entrüstung über „Polizeibombenmärchen" sich ergehen sollten. Und wenn die Sozialdemokratie auch zehnmal betont, daß sie Taten, wie die jetzt abgeurteilten, entschieden mißbillige, eS ist und bleibt letzten Endes doch die von ihr selbst inszenierte Verhetzung der Arbeiter, die hier so traurige Früchte hat reifen lassen.
Jm türkisch-italienischen Kr2 g hat die italienische Flotte in der BerichtSwoche zum zweitenmal den Versuch gemacht, in die D a r d a n e l l e n einzudringen. Daß die italienischen Torpedoboote einen Durchbruch versucht haben sollten, um die türkische Flotte anzugreisen, war von vornherein unwahrscheinlich, und die Schüsse an den Dardanellen, die daS sommermüde Europa in b:.^ • fielen Tagep aufgeschreckt haben, sind denn auch von den Italienern als das Ergebnis einer harmlosen RekognoSzierungSfahrt hingestellt worden, die, wie von offiziöser italienischer Seite versichert wird, ganz unblutig verlausen ist. Man wird sich den Versicherungen der italienischerseitS gegebenen Ausklärung nicht verschließen dürfen, obgleich man anderseits der Pforte nicht verdenken kann, wenn sie diese RekognoSzierungSfahrt auf alle Fälle mit ernsthaften Maßregeln beantworten sollte. Wenn nicht alles täuscht, haben die Italiener ihren tückischen Gegnern mit diesem Schreckschüsse eher einen Gefallen getan; denn sie müssen, wenn irgend etwas dazu imstande ist, den Geist der Zwietracht aus der türkischen Armee bannen, der Feind vor den Toren muß die Besonnenheit zurückrufen, die von Spaltungen und Parteiungen in den Hintergrund gedrängt worden ist.
So hat denn auch die türkische Regierungskrise vorläufig ihre Lösung gefunden. Nach vielem Suchen ist eS dem Sultan endlich gelungen, einen Großwefir zu finden. Wozu sich der junge Tewfik Pascha und Machmed Mukthar Pascha nicht ohne weitgehende Zugeständnisse bereit gefunden haben, das hat der greife Gazi Achmed Mukthar, der Vater MachmedS, auf sich genommen. Er hat das
wenn eS gilt, feinen Zweck zu erreichen. Ich wünsche dir Glück für morgen," fügte der Kommandant hinzu und ging wieder seines Weges, denn er war auf einer Patrouille begriffen, die ihn am Forsthause vorbcigesührt hatte.
IV.
Andern TagS wirbelte der Schnee in dichten Flocken zur Erde hernieder. Es waS sechs Uhr morgens, als der rote Peter erwachte. Er hatte sich, nachdem er der Kugel des Försters glücklich entronnen war, in sein gewöhnliches Versteck geflüchtet, welches außer ihm niemand kannte. Dieses Ver- steck war eine ziemlich geräumige Felsenhöhle, deren Zugang, ein rundes Loch — kaum so groß, daß ein erwachsener Mensch hineinschlüpfen konnte — durch eine dünne, ober schwere Steinplatte verdeckt war. Auf der Stelle unter der Ocffnung, die nach oben hinauSführte, lag ein größerer Steinblock, der eS möglich machte, von oben her beim Einsteigen den Fußboden zu erreichen. Von hier aus erstreckte sich die Felsenhöhle noch einige Meter in den dunklen Schoß der Erde, wo sie sich buchtartig erweiterte und eine Art Keller bildete, der sich auf der einen Seite abrundete, von wo auS dann nur eine schmale Ocffnung wieder weiterführte. Diese Ocffnung diente offenbar alS Kamin, denn hart-an derselben prasselte ein lebhaftes Feuer, daS von Reisig und Fichtenästen, deren ein größerer Haufen in einem Winkel lag, genährt wurde. Auf der andern Seite war ein provisorisches Lager angebracht, daS auS dürrem Laub und Streu bestand, über welches ein paar wollene Decken sowie Kleidungsstücke ausgebreitet waren.
Die Höhle war somit ganz danach beschaffen, einem Wilderer vom Schlage deS roten Peter ein allen Ausprüchen genügendes und, waS die Hauptsache war, sicheres Quartier ab* zugeben. Hier konnte er einen ganzen Winter überdauern, ohne irgend welcher Unbill deS Wetters auSgefetzt zu fein, wenn eS ihm nur nicht an Nahrung-mitteln gebrach. Heute jedoch fehlte eS ihm an solchen, denn den am vorherigen Morgen erlegten Hasen sowie den Rehbock hatte ihm der Förster weggenommen, und eine weitere Beute war ihm nicht in die Hände gefallen. Da auch tagS vorher Schmalhans fein Küchenmeister gewesen war, so empfand er einen ganz ge
Großwesirat übernommen und ein neues Kabinett gebildet, daS von großem Segen für die Türkei fein kann. Jedenfalls wird es kaum möglich sein, in der Türkei ein Ministerium zu bilden, in dem so viele hervorragende Männer vereinigt find wie in diesem. Freilich soll nach einer bisher unbestätigten Nachricht Mukthar bereits wieder zurückgetreten sein, um im Großwesirat einem andern Platz zu machen. DaS jungtürkische Komitee hat den Gedanken an Widerstand aufgegeben und dürfte seine für daS OSmanenreich unheilvolle Rolle auSgespielt haben. Man kann nur wünschen, daß jetzt auch die Offiziere sich davon überzeugen, daß der wahre Vorteil deS ReichS Einigkeit fordert, und daß sie sich mit der Lösung zufrieden geben. Eine weitere Schwächung der StaatSautorität kann für die Türkei furchtbare Folgen haben. Alle Nachrichten stimmen darin überein, baß die Zucht im Heer aufs höchste gefährdet ist, und daß ihre Wiederherstellung daS dringende Gebot deS Augenblicks ist. Dazu das Beispiel zu geben, sind die Offiziere an erster Stelle berufen.
Die Ereignisse in Portugal zeigen, daß die Republik zwar nicht stark genug ist, um ein haltbares Regime zu führen, daß aber ihre militärischen Kräfte gerade noch hinreichen, den immer wieder erneuerten Ansturm der Monarchisten zurück- zuweisen. Neuerdings scheint die Gegenrevolution auch in der Armee an Boden zu gewinnen, und wenn sich daS bestätigen sollte, könnte die unrühmliche Geschichte dieser traurigen Republik ihren Abschluß finden.
Str 8nig zwischen Wien M der Arlei.
Ueber die Dardanellenfahrt der italienischen Torpedoboote hat der Korrespondent deS „Coniere della Terra" auf Astropalian von einem italienischen M^ '. osstzier Einzelheiten erfahren die in der Hauptsache schon bekam.r find. Zum Schluffe heißt eS.
Unter heftigem Feuer erreichten die Schiffe um IV2 Uhr früh ohne Schaden den Ausgang der Dardanellen. An Bord war niemand verletzt. Man erwartete auf offener See vergeblich die türkische Flotte. Der Zweck der Fahrt war, den VerteidigungSzustand der türkischen Flotte festzustellen und sie gegebenenfalls anzugreisen; wenigstens sollte sie zur Verfolgung herausgefordert werden.
Mit anderen Worten: der Vorstoß der italienischen Torpedoboote hat seinen Zweck verfehlt. Denn die Boote konnten bekanntlich weder etwas feststellen noch haben sie die türkische Flotte angegriffen. Ihr einziger Trost bleibt dann, daß sie vergebens wie ein verschmähter Liebhaber vor den Dardanellen auf die Flotte gewartet haben. Aus die Streitfrage, ob die Boote durch türkisches Feuer beschädigt worden sind oder nicht, wirft folgende Meldung etwas Licht:
Die Besatzung und die Passagiere eines in Smyrna ein» getroffenen Dampfers erzählen, sie hätten im Hafen von LeroS ein italienisches Torpedoboot gesehen, welchem die Schlote und Masten fehlten und dessen Brücke zerstört gewesen fei. ES wird angenommen, daß eS sich um eines jener Torpedo-
waltigen Hunger, und den konnte er nicht länger ertragen. Er entschloß sich daher, sich irgend ein Wildbret zu holen.
Während er dieS tut, kehren wir in daS ForsthauS zurück.
Förster Lebrecht war frühzeitig aufgestanden. ES dürstete ihn danach, demjenigen nachzustcllen, der fein Leben bedroht hatte, und die Hoffnung auf eine baldige Vergeltung ließ ihn die Gefahr vergessen, welcher er sich dadurch auSfetzte, daß er einen Menschen versolgte, der fähig war, ihn von einer gedeckten Stelle aus ungesehen niederzuschieben.
Eo leise alS möglich traf er diesen Morgen seine Vorbereitungen, um seine Frau und seine Tochter nicht zu wecken, die nicht unversucht gelassen hätten, ihn von seinem Vorhaben abwendig zu machen. In einem Augenblick hatte er seine Stiefel an; dann lud er mit der größten Sorgfalt sein Gewehr, pfiff seinem Hunde, der ihm von größtem Nutzen sein konnte, öffnete geräuschlos die Tür und ging mit großen Schritten der Gegend zu, wo er tagS zuvor den roten Peter angetroffen hatte.
Er war eben auS dem Dickicht der Waldung herauSgetreten und schaute von der Höhe, auf welcher er stand, zu den niederen Hügeln der Umgebung hinab. Ihm gegenüber lag ein dicht bestandener Hochwald, dessen Fläche nach unten von Wiesen, seitlich von Saatfeldern begrenzt wurde. Schon war er im Begriff, in den Talgrund hinabzusteigen, da hob sein Hund lebhaft den Kops und blieb regungSloS stehen. Dem Förster kam eS vor, als wenn eS sich drüben im Hochwald bewege. Schnell hatte er fein Fernrohr zur Hand, und nun bemerkte er klar und deutlich, daß am Saum deS jenseitigen Hochwaldes, wo dieser an die Flurmarkung stieß, der rote Peter stand. Vorsichtig trat er einige Schritte gegen die Waldung, die er soeben verlassen hatte, zurück, nahm seine Büchse von der Schulter und legte sie an die Wange. Seine erste Regung war, seinen Feind ohne Anrufen aus- Korn zu nehmen und ihm ohne weiteres eine Kugel in die Brust zu jagen. Doch diese Art Mord widerstrebte seinen Gefühlen, und obwohl er sich in seinem Rechte sah, wenn er diesen Menschen auf ungesetzliche Weise tötete, so beschloß er dennoch, ihm seine LebenSrettung zu ermöglichen.
„Ergib dich, oder du bist bei Tode«!" rief er ihm mit