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Herrfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage^
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 90» Donnerstag, den 1. August 1912.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 24. Juli 1912.
Er kommt wiederholt vor, daß Bauherrn Bauten beginnen oder aufführen lassen, ohne die vorgeschriebene BauerlaubniS zu haben, oder, daß sie von den baupolizeilich genehmigten Plänen und den Bedingungen der Bauerlaubnis eigenmächtig abweichen.
Ich mache daraus aufmerksam, daß ein solches Borgehen nach dem Gesetze nicht bloß strafbar ist, sondern, daß außerdem auch zu gewärtigen ist, daß nicht vorschriftsmäßige Bauten umgebaut oder sogar niedergeriffen werden müssen.
Die Bauherrn werden daher zur Vermeidung von Weiterungen in ihrem eigenen Interesse ersucht, die gesetzlichen Bestimmungen genau zu beachten, widrigenfalls die Baupolizei- behörden gezwungen sind, dem Gesetze durch Strasen und ZwangSmaßregeln Achtung zu verschaffen.
B. 3661. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 26. Juli 1912.
Der Deutsche Verein für ländliche WohlsahrtS- und Heimat- Pflege in Berlin, Bernburgerstraße 13, hat eine Schrift, betitelt „Jugendpflege aus dem Lande" von Pfarrer Pietryga, herausgegeben.
Die Schrift kostet im einzelnen 40 Pfg., bei Abnahme von 50 Exemplaren das Stück 35 Pfg., von 100 Exemplaren das Stück 30 Pfg., bei 150 Exemplaren und mehr werden 25 Pfg. für daS Stück berechnet.
Die Herren Leiter der Volksbüchereien und der Fortbildungsschulen mache ich aus diese Schrift ausmerksam.
I. 8729. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSfekretär.
DaS Husaren-Regiment Landgras Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. KurhessischeS) Nr. 14 beabsichtigt am 3., 4. und 5. Juli 1913 in Cassel die Feier seines hundertjährigen Bestehens zu begehen.
Alle ehemaligen Angehörigen des Regiments sowie des vormaligen 2. Kurhessischen Husaren-RegimentS, die an der Feier teilnehmen wollen, werden gebeten, baldigst ihre genaue Adresse mit Angabe von Dienstzeit und Eskadron an daS RegimentS-GeschäftSzimmer Gaffel — Husaren-Kaserne Bosestraße — einzusenden.
Weitere Mitteilungen folgen. von Räumer, Major und RegimentS-Kommandeur.
* *
HerSfeld, den 26. Juli 1912.
Unter Veröffentlichung der vorstehenden Bekanntmachung ersuche ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des
teuer erkauft!
Roman von HanS Bley Müller.
(Fortsetzung.)
„Ja, ja, der Wenzel Hüttich war hier", erzählte nun Ernst mit freudig erregter Gesprächigkeit. Hüttich habe erst spät von dem Unsall ersahren und sich sogleich aufgemacht. Er habe sich sehr gefreut, daß der Leutnant sich deS Ernst so annehme. ... Er habe auch erzählt, daß in der Mühle Hochzeit stattgefunden habe. „Na und nachher haben wir unS natürlich hauptsächlich überlegt zusammen, waS denn nun eigentlich mit mir werden soll." Ernst schaute zumeist auf seine Hände, die er gegeneinander rieb, MarthchenS Augen waren zumeist aus dieselbe Handbewegung gerichtet, sie stemmte den einen Fuß in den Sand und legte sich fest gegen die Lehne der Bank, um daS Zittern zu bemeistern, das ihren Körper durchlief infolge der fieberhaft gespannten Erwartungen befien, waS die nächsten Minuten wohl an lebenentscheidenden Ueberraschungen bringen würden.
„Wenn eS schon einmal an dem ist, daß wir zusammen- bleiben wollen . . . ." hob Ernst wieder an, aber er wartete vergeblich aus eine Bestätigung, „na ja, daS ist ja doch nun ausgemachte Sache, dann ist eS selbstverständlich, daß wir nicht wieder nach Hornbach zurückgehen. In meines Vater? alte Bude kann ich dich aus keinen Fall einsühren. Sonst mir kann niemand waS Unrechtes nachreden .... Aber mit meinen lahmen Beinen wird'? wohl bei der Landwirtschaft vorbei sein. Ich muß froh sein, wenn ich nun überhaupt wieder aus ebener Straße laufen kann. An ein Herumstolpern im Felde ist nicht mehr zu denken. Hüttich wollte zunächst nicht dran, ich solle durchaus wieder auf seinen
Aber da spielen ja doch auch noch andere Gründe mit." Marthchku warf einen schnellen, suchenden Blick über des Burschen Gesicht, dieses zeigte unveränderliche Ruhe.
Ernst fuhr fort: „Ich mag nun einmal nicht wieder nach Hornbach, und Hüttich hat schließlich auch eingesehen, daß ich «hm nicht viel mehr sein kann. Ich habe mir die Sache so
Kreises die in Betracht kommenden Personen aus die Feier aufmerksam zu machen.
I. 8710. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher Ceil.
Zur Katastrophe in Binz.
Binz, 29. Juli. Heute nachmittag sind hier Regierung?» Präsident Blomeyer, RegierungS- und Baurat Hentschel und Baurat Westphal aus Stralsund sowie StaatSanwaltschast?- rat v. Schramm aus GreisSwald zur Untersuchung des Unglücks eingetroffen.
Bei dem am Nachmittag abgehaltenen Lokaltermine ergab die Sachverständigen-Besichtigung, daß der Brückenbelag am Anlegeponton deS Brückenköpfe? auf 7 Meter Länge und 3 Meter Breite eingebrochen ist. Der Tragebalken war fast in der Mitte durchgebrochen und dadurch hatte der Brückenbelag den Halt verloren, und die im Umkreise des TragebalkenS Stehenden mußten in? Wasser fallen. Der gebrochene Tragebalken war erst vor sechs Wochen eingefügt worden. Zwei unbeschädigt gebliebene Balken sind schon mehrere Jahre alt. Die Untersuchung ergab, daß sich an der Bruchstelle und an anderen Stellen deS Tragbalken? viele Astlöcher befanden. DaS Resultat deS Lokaltermins ergab als Ursache deS Unglücks erstens schadhaftes Material deS TragebalkenS, zweitens erwiesenermaßen heftiges Anlegen deS Dampfers, drittens große Belastung des Brückenkopfes durch Menschen. Der geborstene Balken wurde von her Staatsanwaltschaft beschlagnahmt.
•‘ Die Badcverwaltsng tei!» hingegen mit, die GerichtS- kommission habe festgestellt, daß an der Konstruktion der Brücke nicht? auSzusetzen sei; der Unfall fei lediglich auf den großen Andrang deS Publikum? zurückzuführen. — Die Brücke wurde für den Verkehr wieder freigegeben.
* *
*
Bei dem schweren Unglücke, daS so jählings daS vielbesuchte Seebad Binz auf der Insel Rügen heimgesucht hat und dem, wie schon mitgeteilt, vierzehn Personen zum Opfer gefallen find, hat eS wenigsten? einen Lichtblick gegeben, und daS ist daS tapfere, aufopferungsvolle Verhalten der Offiziere und Matrosen unserer kaiserlichen Marine. Die Geretteten auS GreisSwald haben jetzt an daS Kommando der vor Binz liegenden Hochseeflotte folgendes Telegramm gerichtet: „Im Auftrage einer großen Anzahl Damen und Herren GreisSwaldS, die bei dem Brückeneinsturz in Binz durch daS heldenmütige Eingreifen unserer Seeleute gerettet worden sind, gestatten wir unS, den beteiligten Herren Offizieren und Mannschaften für die tatkräftige, ausopfernde Hilfeleistung unseren herzlichsten, tiefgefühltesten Dank auSzusprechen."
Wie der Geschwaderches mitteilt, werden die für die Matrosen bestimmten Gelder der Kasse zur Versorgung von Witwen
überlegt: ich suche mir hier irgend eine Fabrikarbeit, bei der ich die Beine nicht so anzustrengen brauche. Und nun kommt eS nur noch auf dich an, ob du einverstanden damit bist."
Marthchen antwortete nicht gleich. Sie hatte sich mit diesen Gedanken schon längst getragen. Jetzt, da sie nun beschlossene Sache werden sollten, erkannte sie, daß sie bei ihrer ZukunftSrechnung einige Zwischenglieder übersprungen hatte. Sie hatte die Hauptpunkte sestgelegt: Arbeit suchen in Fabrik, heiraten. Jetzt, da nun daS Ziel nahe rückte, prallte sie einen Augenblick vor der Geldfrage zurück. Gepreßt fragte sie: „Nun, und wie dann weiter?"
Da wandte er ihr sein Gesicht voll zu, neigte sich herüber und sagte mit aufleuchtenden Augen: „Na und dann wird vor allen Dingen Hochzeit gemacht."
Marthchen erglühte und saßte nach seiner Hand.
Nachdem sie" ein Weilchen sinnend vor sich niedergeblickt hatte, sagte sie langsam: „Ich glaube, wir gehen einer schweren Zeit entgegen. ES kommt immer schwerer und immer schwerer."
„Wenn du wüßtest, waS ich weiß," erwiderte er triumphierend, „würdest du nicht mehr so sprechen. Ich habe eben darum noch nicht mit dir von der Zukunft gesprochen, weil ich auch nur Nebel sah. Aber seit gestern bin ich sie loS, und nun bin ich getrost und sröhlich. Ich kam mit Hüttich auch aus den Geldpunkt. Er meinte, ich solle mit darüber keine grauen Haare wachsen lassen. Er hätte niemand, für den er sorgen müßte, er würde unS nicht im Stiche lassen."
„UnS?" fragte vorschnellcnd Marthchen mit weitgeöffneten Augen. „Hast du ihm gejagt . . ?"
„Ach nein doch, ich sage nur so. Na und wenn eS wirklich mal hapert, denke ich, ich kann mich auch mal an den Leutnant wenden. Du stehst ja auch gut bei der Baronin, wie ich gemerkt habe. Wir werden unS schon durchschlagen. Vom Militär muß ich ja auch eine Unterstützung bekommen für meinen Unfall im Dienst. Nun erst eine Arbeit und dann — Heirat."
DaS war alles ganz vernünftig ausgerechnet, und doch
und Waisen Hinterbliebener Marineangehörigen zugewandt. „Unseren Matrosen", sagte der Chef, „können wir persönlich diese Gelder gar nicht zuwenden. ES liegt ihnen gar nichts daran, sür ihre selbstverständliche Pflicht Geldgeschenke an- zunehmen."
Wie der „Berl. L.-A." meldet, find diejenigen Mannschaften ermittelt worden, die sich hervorragend an der Rettungsaktion beteiligt haben. Sie werden für die Rettungsmedaille vorgeschlagen werden. Einer der tapferen Männer hat allein 10 Personen gerettet.
Aus dem Postamte Binz liefen am Montag gegen 3000 Telegramme ein, in denen sich Angehörige nach dem Verbleib ihrer Verwandten erkundigten.
GreisSwald, 30. Juli. Obwohl keine Toten mehr in der Ostsee gesunden worden find, werden noch auS GreisS- wald vermißt: die Studenten der Medizin Thiem und Marion und die Studierende Margarethe GrabowSki.
Der Thronwechsel in Japan.
Die seit länger als einer Woche drohende Katastrophe in Japans Kaiserhause ist nunmehr eingetreten, am Montag abend ist Kaiser Mutsuhito nach tagelangem hartem TodeS- kampfe gestorben; eine Nieren- und Blasenkronkheft, an welcher er schon früher litt, bildete die Ursache seines Todes. Kaiser Mutsuhito war im Jahre 1852 zu Kioto als Sohn deS Konei Tenno geboren, und hat also ein Lebensalter von 60 Jahren erreicht. Als er im Jahre 1867 nach dem Ableben seines Vaters den japanischen Thron bestieg, 15 Jahre alt, da sah fich der jugendliche Kaiser vor äußerst schwierige Verhältnisse gestellt; denn der eigentliche Herrscher im Lande war der Shogun, wie vie etlichen Minister hießen, die in Japan schon seit vielen Jahrhunderten daS StaatSruder führten und eS verstanden hatten, daS Kaisertum in seinem Einflüsse - und Ansehen fast ganz in den Hintergrund zu drängen. Außerdem aber gab eS die Ritterkaste der Samurai, welche den rechtlosen Bürger- und Bauernstand auf alle Weise bedrückte, und schließlich waren nicht weniger als etwa 270 kleine Fürsten, die Daimios, vorhanden, die fast souverän über ihre Gebiete regierten und herzlich wenig nach der kaiserlichen Zentralgewalt frugen. Die hierdurch verursachten unerträglichen Zustände im Lande veranlaßten die kaiserliche Partei, ihren schon lange gehegten Plan zur Stärkung deS Kaisertums anläßlich der Thronbesteigung deS Kaisers Mutsuhito auSzujühren. Zunächst wurde ein kräftiger Vorstoß gegen daS Shogunat unternommen und der Shogun Tokugawa Joschinobu zum Verzicht auf feine mächtige Ministerstellung gezwungen. Hieraus ersahen jedoch die Samurai und die Daimios, daß auch ihre Existenz bedroht sei und sie erhoben sich daher mit bewaffneter Hand gegen die Regierung deS neuen Kaisers, sie wurden indes in einem mehrjährigen blutigen Bürgerkriege von der Kaiserpartei völlig geschlagen und die Folge hiervon war die Aushebung der Ritterkaste der Samurai
traten Marthchen Tränen inS Auge, nicht Tränen der Freude über die überraschend nahe gerückte Vereinigung mit dem Geliebten, sondern Tränen der Qual über ihre hülflose Lage. Noch nie war ihr so klar geworden, wie arm sie durch ihren Weggang von daheim geworden war. Aus die Unterstützung fremder Leute angewiesen!
Ernst mußte wohl mehr ahnen, als er wußte, von dem Zerwürfnis mit den Eltern, daß er diese so ganz außer Betracht gelassen hatte. Ach daS warS ja eben, sie würden wohl auch außer Betracht bleiben müssen, denn kein Zeichen deutete darauf hin, daß im Elternhaus ein Gesinnungswechsel eingetreten sei. Sie hatte vor längeren Wochen einen auS- sührlichen Bries nach Hause geschrieben, in dem sie ihre gegenwärtige Lage schilderte und erzählte, daß eS ihr recht wohl ginge in ihrer Stellung bei Frau Baronin Lukajin, auch hatte sie um einen Besuch Lieschens gebeten, damit sie nach so langer Zeit wenigstens ein Glied ihrer Familie Wiedersehen könne. Während sie diese Bitte schrieb, hatte sie heimlich gehofft, die Eltern würden die darin enthaltene Sehnsucht hcrauSsühlen und sie wohl selbst wenigsten? zu einem Besuch einladen. Nichts war erfolgt, keine Antwort, keine Einladung, kein Besuch. Offenbar hatten die Eltern durch die entrüstete Hedwig von ihrem Verkehr mit Ernst Hagedorn hier erfahren. Nun war sie auch noch getrennt von der Freundin, und niemand konnte ihr Nachricht von daheim geben, höchstens — Wenzel Hüttich.
„Hat Wenzel Hüttich etwas von den Leuten im Dorf erzählt?•
„Nein, nichts weiter."
„Auch nicht ... von meinen Eltern."
„Nein!" antwortete Ernst kurz und herb und tat, als fei er in Bewegung-übungen seines linken Beines vertieft.
Der Ton aber sagte ihr genug. Sie konnte ihm diesen freilich nicht verübeln. Sie war ja ärmer als er, und er hatte immer so getan, als ob sie hoch über ihm stände. Sollte Hüttich nun an Stelle ihrer Eltern treten? Er ahnte ja gewiß nicht, daß er versprochen hatte, dem Ernst zu ermöglichen, die heimzusühren, die er selbst liebte. Würde er sein Wort halten, wenn er alles erführe? Würde eS ihm