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hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 97.

Donnerstag, den 15. August

1912.

Amtlicher teil.

HcrSseld, den 8. August 1912.

Die Herren Bürgermeister deS Kreises ersuche ich, mir bis spätestens zum 16. d. MtS. zu berichten, wer in der dortigen Gemeinde zur Zeit als Ortsschätzer und wer als OrtSschätzer- Stellverteeter fungiert.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 6732. von GruneliuS.

HerSfeld, den 14. August 1912.

Wegen Einbau deS Betonkanals in Station Nr. 14,7 vor dem Orte Widdershausen wird der Landwegezug zwischen Heringen und Widdershausen deS linken WerrauserS für Last­fuhrwerke und AutoS vom 18. bis 31. August d. JS. ein­schließlich gesperrt.

Der Verkehr nach Widdershausen muß sür diese Zeit über HeringenLeimbachWiddershausen entlang des Landweg? und deS rechtsseitigen WerrauserS erfolgen.

I. 9476. Der Landrat.

3. A.:

V. Heusinger, RegierungS-Reserenbar.

nichtamtlicher teil.

HMickil Prinz Heinrich von Prentzen.

Ein Gedenkblatt zu seinem 50. Geburtstage. 14. August.

Wenn wir in Dankbarkeit derer gedenken, die nach den zielbewußten Weisungen unseres kaiserlichen Herrn an dem großen Werk der Ausgestaltung der deutschen Kriegsflotte tatensreudig mitgearbeitet haben, so tritt unS in der vordersten Reihe der verdienten Männer Seiner Majestät erlauchter Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, entgegen. In ihm ver­körpert sich das Musterbild eines echtdeutschen Mannes, der fein ganzes Leben hindurch nichts anderes gekannt hat als die Erfüllung seiner Berufspflichten und die Arbeit zum Wohle deS Vaterlandes. Sein LebenSberus, dem er sich mit Feuer- eiser widmete, der seiner HerzenSneigung wie dem Wunsche seiner hohen Eltern entsprach, wurde der Flottendienst. Wohl spielen in letzterer die materiellen (sächlichen) Kampsmittel eine noch wesentliche Rolle als beim Landheer. DaS Schiff ist Waffe und Träger der Waffe zugleich. Mit seiner Vernichtung ist der Kamps beendet. Aber gerade darum ist daS K ö n n e n der Menschen, welche diese wertvolle Waffe zu führen berufen sind, von der entscheidendsten Bedeutung entscheidend nicht allein sür daS augenblickliche Kampsergebnis, sondern in weiterer Folge sür den AuSgang eines ganzen KriegeS. Zu überwachen, daß dieses Können in unserer Marine bi? zur höchsterreichbaren Stufe gesördert wird, ist die Verantwortung?-

Leuer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller. (Schluß.)

Mutter Wedemann betrug sich, als sei sie schon ein dutzendmal bei ihrer Tochter zu Besuch gewesen, und die an= sängliche Zurückhaltung gegenüber dem Schwiegersöhne löste sich, als sie dessen unermüdliche Geduld und Sorgsamkeit in der Pflege seiner Frau «konnte. Auch machte die zärtliche Weise, in der ihre Tochter von ihrem Manne zu sprechen pflegte, einen überraschenden Eindruck auf sie. Sie hatte sich'S so völlig anders gedacht. Der Ernst erschien ihr in ganz anderem Lichte.

AlS Marthchen sich wieder kräftigte, da ging'S an ein Erzählen. Mutter gefiel besonders, war Martha von der vor­nehmen, liebenswürdigen Frau Baronin erzählte. ES kam dabei daS Gespräch auch einmal aus da? ehemaligeRuschel- köpfchen". Da hörte denn Martha zu ihrem Staunen, daß Hedwig von ihrem Manne getrennt lebe und mit ihren Eltern nach Verkauf deS AnwesenS in einer kleinen Stadt wohne.Na, daS mußt du doch wissen, daß die sich von der halbseidenen Schwiegermama nichts hat gefallen lasten?" schloß Mutter Wedemann mit Selbstverständlichkeit ihren Bericht, der die Tochter zu langem Sinnen an- regte.---

Ja, wenn aber doch dein Mann keine Arbeit hat . . schlug Frau Wedemann ein andermal daS heikelste Thema an. Marthchen schwieg, indessen in ihrer Mutter ein Plan reiste. Um mit ihrem Manne zu sprechen, mußte sie plötzlich unter einem Borwande,mal zu Hause nach dem Rechten sehen".

«Also, Vater", diktierte sie dem Vater daheim zur Kennt­nisnahme,so wird ja das nichts. da» mußt du doch wissen. Wenn man nur dich schickt l .... Die jungen Leute ziehen einsach her!"

Vater Wedemann wiegte daS Haupt zum Zeichen, daß ihm die Sache nicht so einfach erscheine. Aber da kam er schön an. Seine Ehehälfte wollte keine Einwände hören.

volle Ausgabe des Generalinspekteurs, des Prinzen Heinrich. Seit dem Jahre 1909 bekleidet er diese Stellung, nachdem er vorher drei Jahre lang da? Kommando über die aktive Schlachtflotte, jetzt Hochseeflotte genannt, in mustergiltiger Weise gesührt hatte. Ihm liegt eS ob, den Dienstbetrieb, die Kriegstüchtigkeit und Kriegsbereitschaft der Schiffsverbände und Schiffe, sowie der Malineteile und Marinebehörden am Lande andauernd zu überwachen und zu prüfen und über seine Beob­achtungen unmittelbar an den Kaiser zu berichten.

Daß er daS Rüstzeug für diese hochwichtige Tätigkeit hat, dafür bürgt seine ganze Vergangenheit. In einer Reihe von 35 Dienstjahren hat er es verstanden, sich ebenso das Vertrauen seines kaiserlichen BruderS wie daS der gesamten Marine zu erringen. Ihm wurde Gelegenheit geboten, in allen Dienst­stellungen, von der niedrigsten an, und in allen Teilen der Welt Erfahrungen zu sammeln. Und unermüdlich hat er diese Gelegenheit ausgenutzt, um seinen Blick für alle?, was den SeemannSberus angeht, zu erweitern und zu schärfen. Ost hat er eS ausgesprochen, daß er auch von einer einfachen Teerjacke manche? Nützliche lernen könne, und gern al? junger Kadett den Erzählungen alter, erfahrener Matrosen mit Auf­merksamkeit zugehört. E? ist bekannt, daß er stet? von seinen einzelnen Untergebenen wie von der ihm unterstellten Gesamtheit sehr viel gefordert hat. Erklärlicherweise legt er hierbei wie alle tüchtigen Männer den hohen Maßstab deS eigenen Streben? zugrunde. Aber gerade da? flößt dem Untergebenen Achtung ein und sicher würden ihm alle mit vollster Zuversicht folgen, wenn er einmal berufen sein sollte, die deutschen Ge­schwader gegen den Feind zu führen. Jeder weiß, daß der Prinz nicht seiner hohen Geburt, sondern lediglich seinen Leistungen die höchste Stellung in der Marine verdankt.

Am 14. August 1862 geboren, trat er nach Erlangung des Reifezeugnisses für die Universität und dem Bestehen der EintrittSprüsung an der Marineschule am 21. April 1877 in den aktiven Flottendienst ein, in dem er gleich jedem seiner BerufSgenossen alle Stufen der SeeoffizierSlaufbahn durch- machte. Schon die ersten Anfänge seiner Dienstzeit brachten ihm eine zweijährige Reise um die Welt und eine anderthalb­jährige Fahrt nach Südamerika und Westindien. Als er im Jahre 1887 eine Torpedodivision besehligte, führte er sie zur Jubiläumsfeier der Königin Viktoria bei schwerstem Wetter über die Nordsee nach der britischen Küste, eine Leistung, die seitens der seetüchtigen Engländer hohe Anerkennung fand. Ebenso führte er im Sommer 1888 die Kaiserjacht Hohen- zollern, als aus ihr der Kaiser seinen ersten Besuch bei den nordischen Höfen machte. Und als eS galt, die Besitzergreifung deS Kiautschougebict? durch Entsendung eimS Geschwaders zu besiegeln, war eS wiederum Prinz Heinrich, den der Kaiser zur Erledigung diese? wichtigen Auftrages wählte. Seit 1895 Flaggoffizier und seit 1901 Admiral, führt der Prinz nunmehr seit drei Jahren als wohlverdienten Lohn seiner Tätigkeit und Zeichen der höchsten Seeoffizierswürde in seiner Admiralsflagge neben der Krone zwei sich kreuzende Admiralstäbe, während er

Wenn du'? besser weißt, dann kannst du ja dem Ernst einen guten Rat geben, bis jetzt weiß niemand einen. Und hungern? Wegen deiner Umständlichkeit? Zum Wirt paßt er mit seinem lahmen Bein allemal noch!" Das war wohl unüberlegt, aber die resolute Tonart versehlte ihre Wirkung nicht. Und so kam's.

Zu Ostern hantierte Ernst Hagedorn al? Hausbewohner im SchenkraumeZur Krone". Schnell wußte man'? im ganzen Dorse. Die Neuigkeit war so groß, daß selbst der Herr Pfarrer nach der Krone kam. Dieser benutzte eine Ge- legenheit, Ernst allein zu sprechen.Hagedorn, ist denn aber Ihre jetzige Beschäftigung nicht die allergesährlichste für Sie?" fragte er ernst. Einen Augenblick sah ihn der junge Mann fest an, dann aber lächelte er, führte den Pfarrer nach dem Ösen am AuSschank und holte dort auS der Nische einen großen Topf Kaffee hervor.Das Trinken, Herr Pfarrer, kann ich mir nicht wieder abgewöhnen, aber ich habe mir diese Sorte angewöhnt." Zu anderen Gästen sagte Ernst, der Arzt habe ihm Bier und Schnaps verboten. Sie glaubten eS nicht, sondern mutmaßten, der Wirt habe ihn nur unter der Bedingung inS HauS genommen, daß er Bier und Schnaps nicht selber austrinke.

An der HauStüre tras der Pfarrer die junge Frau. Sie sah etwas bleich auS, aber fast schöner als sonst.

Sie haben viel durchgemacht!" sagte der Psarrer, teil­nehmend ihr die Hand reichend.

Nun, da? Leben hat es ja noch nicht gekostet", sagte Martha ausweichend, und lächelte glücklich selig.---

Pluto.

Kriminalnovelle von Klara Rheinau.

(Nachdruck verboten.)

Rate, Margaret, welche Ueberraschuug ich für Dich habe? Ich mietete, der Jagd wegen, für sechs Wochen eine Hütte auf dem Moor von Allen 1 Wird eS nicht ein Kapitalspaß

in der HeereSrangliste als Generaloberst mit dem Rai eines Generaljeldmarschalls in der Ehrenstellung deS Cl ® deS FüsilierregimentS Prinz Heinrich von Preußen (Brandenbi *en) Nr. 35 verzeichnet steht.

Eo dürfen Marine und Heer den Prinzen Heinrirdernit Stolz zu den ihrigen zählen. Die gesamte Wehrkraft deS Deutschen Reichs bringt ihm daher zu dem bedeutsamen Ab­schnitt der Vollendung des 50. Lebensjahres auS treuem Herzen mit allen denen, die srüher die Ehre hatten, unter seiner Leitung dem Vaterlande zu dienen, die aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche dar. Aber auch im ganzen deutschen Volke, dessen weitesten Kreisen der schaffcnSdurstige Hohen- zollernprinz durch seine lebhafte Förderung des Automobilsports und der Luftschiffahrt nahe getreten ist, werden diese Wünsche den freudigsten Widerhall erwecken.

Herr Nutete in Ruf,land.

Für die politische Tätigkeit, die der französische Minister­präsident Poincaro während seine? Besuche? in Rußland ent­halten soll, gibt eS drei Programme. Da? erste ist von der chauvinistischen Pariser Presse ausgestellt worden; e? enthält nichts mehr und nichts weniger als eine Neugründung und Erweiterung des sranzösischen Bündnisses gegen Deutschland. Da? zweite Programm ist daS eigene Programm de? Herrn Poincars; eS sieht gewiß ungleich nüchterner und bescheidener au? als jene ZeitungSphantosien. Da? dritte Programm wird von dem Zaren und feinen Ratgebern aufgestellt; und diese? wird da? entscheidende sein.

Die russischen Minister Kokowzew und Sasonow konnten nicht gut verhindern, daß de. rossische Admiralstabschef Fürst Lieven in PariS mit seinem französischen Kollegen technische Besprechungen gepflogen hat. Die Franzosen hatten aus­drücklich darum gebeten, und mit Rücksicht auf den Bündnis- Vertrag und die bereits seit vielen Jahren bestehende Militär­abmachung zwischen Frankreich und Rußland durfte man in St. Petersburg zu diesem Wunsch eines Bundesgenossen, den sich die Russen für Finanzsragen warm halten wollen, nicht Nein sagen. Der Leiter der russischen Auslandspolitik ließ also den Fürsten Lieven ruhig nach PariS ziehen, jedoch, wie glaubwürdig versichert wird, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß er dort nicht bindend abschließen dürfe. DieS ist auch nicht geschehen, und deshalb können in Rußland Zeitungen und Personen, die der Regierung nahe stehen, ohne die Wahr­heit zu verletzen, erklären, eine russisch-französische Marine- konvention, von der die Pariser Presse soviel Wesen machte, fei nicht unterzeichnet worden.

Wird nun deshalb Herr Poincaro gar nichts schwarz auf weiß vom Newastrand nach Hause tragen? DaS ist schwer anzunehmen. Denn mit ganz leeren Händen darf der fran­zösische Ministerpräsident nicht nach PariS zurückkommen, weil er alS Mitglied deS französischen Senats zu einer Gruppe ge­hörte, die von jeher für den sranko-russischcn Zweibund mehr

für unS werden, vorausgesetzt, daß Du manche? Unbequem6 gern mit in den Kauf nimmst?"

Ich blickte in das vergnügte Gesicht meine? Gatten und ging mit solchem Feuer auf feine Pläne ein, daß bald alle? auf? Schönste arrangiert war. Freilich sank mir daS Herz ein wenig bei dem Gedanken, mein Heim zu verlassen und während des Aufenthalts im Moor eine Art Zigeunerleben zu führen; aber ich konnte eS nicht über mich gewinnen, Georg? Freude durch irgendwelche Bedenken meinerseits zu verderben.

Die Kinder müssen wir zu Hause bei der Wärterin lassen", sagte er, alle? überlegend und arrangierend in der ihm eignen, entschlossenen Weise, gegen welche e?, wie ich auS Erfahrung wußte, kein Auflehnen gab.Sie werden prächtig bei ihr aufgehoben fein," fuhr er fort, meinen erschreckten Blick mit einem Lächeln beantwortend,und für unS für Dich und mich, soll eS eine fröhliche Zeit geben."

Und eine fröhliche Zeit gab eS für unk, wie Georg vor- ausgesagt. Lachend und scherzend fügten wir unS in alle Entbehrungen und Unbequemlichkeiten, fest entschlossen, in dieser Ferienzeit unS nach Kräften zu vergnügen.

Wir bewohnten eine kleine Hütte am Rande des wilden Moorlandes, daS wie eine einzige, wogende Masse von blühendem Heidekraut überzogen, sich auSbreitete. Die Lust war so frisch und kräftig, daß sie mich an eine salzige See­brise erinnerte.

Vom herrlichsten Wetter begünstigt, genossen wir in vollen Zügen unseren etwas romantischen Aufenthalt. ES machte unS großen Spaß, in bet seltsamen, strohgedeckten Hütte zu wohnen, welche nur drei Räume hatte, und ich setzte meinen Stolz darein, unsere kleine Heimstätte nett und blank zu er­halten. Wir hatten kein Dienstmädchen mitgebracht; meine einzige Hülse war eine halbe Meile entfernt wohnende Frau, welche jeden Morgen kam, um die gröbere Arbeit zu tun und sich spät am Nachmittag wieder entfernte. So hatten wir denn unsere Hütte ganz für unS allein und waren fast wie Kinder, dieHauS halten" spielen.

Georg, ein leidenschaftlicher Sport-mann, machte sich