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herssel-er Kreisblatt

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 103. Donnerstag, den 29. August 1912.

nichtamtlicher Ceil.

Sem Panama-Kanal.

Die Bauherren deS Panama-Kanals, die Vereinigten Staaten, sind nicht gewillt die wirtschaftliche und politische Herrschaft mit irgend jemandem zu teilen. Wenn der Kanal eröffnet wird, wollen sie sich von keiner Seite im vollen Ge­nuß der Frucht ihrer Riesenarbeit beschränkt sehen. Deshalb haben sie schon vor Jahren das Kanal-Territorium unter ihre Souveränität gebracht. Deshalb geben sie auch jetzt dem Hay-Panncesote-Vertrag durch Gesetz eine Auslegung, die zwar die Gleichheit aller anderen Mächte in der Frage der Kanal­gebühren nicht anrührt, aber für die Amerikaner eine Vorzugs­stellung proklamiert. Die Engländer, die mit diesem Vertrag die völlige Tarifgleichheit ohne jeden Unterschied der Nation für alle Zeiten sestgelegt zu haben glaubten, fühlen sich durch die neue Auslegung nicht nur in ihren wirtschaftlichen In­teressen verletzt, sondern sehen darin auch einen schweren Bruch von politischem Treu und Glauben. Wo hier daS bessere Recht liegt, ist nicht unsere Sache zu entscheiden. Wir können den weiteren Auseinandersetzungen über den Streitpunkt in Ruhe zusehen und erwarten im übrigen, daß unsere leistungs­fähige Schiffahrt aus jeden Fall aus der neuen gewaltigen Welthandelsstraße Vorteil ziehen wird.

Die Amerikaner wachen auch eifersüchtig darüber, daß nir­gends in gesährlicher Nähe des Kanals Etablissements entstehen, die in Händen einer fremden Macht ihre militärische Herrschaft über den Panama-Kanal bedrohen könnten. Der Senat in Washington hat eine Resolution angenommen, die für die Politik der Vereinigten Staaten eine neue Richtschnur in die­sem Sinne legt und als Ergänzung der Monroe-Doktrin be­trachtet wird. In einigen deutschfeindlichen Blättern ist versucht worden, eS so darzustellen, als ob die Resolution gegen Deutschland gerichtet wäre. Diese Ausstreuung findet weder in den Verhandlungen deS Senats noch in den Besprechungen der amerikanischen Presse eine Stütze. Die Vorgeschichte der Resolution zeigt zudem mit völliger Klarheit, daß Senator Lodge, der Vater dieser Aktion, einen ganz bestimmten Anlaß zum Ausgangspunkt genommen hat, bei dem Deutschland ganz aus dem Spiele ist. Es handelt sich um die vielbesprochene Magdalenen-Bay in Mexiko, wo amerikanische Kapitalisten einen großen, für Hasenanlagen geeigneten Landkomplex erwor­ben haben, den sie japanischen Interessenten angeboten haben. Daß hinter den japanischen Interessenten die japanische Regierung stand, wird in Amerika allgemein geglaubt. Der nächste Zweck der Lodgeschen Resolution ist also anerkanntermaßen der ge­wesen, daS Magdalenenbay-Projekt, daS heißt eine Festsetzung Japans auf dem amerikanischen Kontinent, zu verhindern. Selbstverständlich unterliegt eS keinem Zweiscl, daß die Union auch jedem anderen Versuch, für eine europäische Macht in der Nähe deS Panama-KanalS Stützpunkte zu erwerben, ent­

Umbre und Liebe.

Roman von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sie hatte die Hände gefaltet, den Kops etwas gesenkt; voll fiel daS Licht aus die schlanke Mädchengestalt. Und wie sie so dastand, mit dem träumerischen Zug um die feinen Lippen, mit den gesenkten Augenlidern, da ruhten aller Augen mit Teilnahme aus ihr. ES war ihnen, als müßten sie schützend die Hände über Mazda breiten, als drohten unsichtbare Mächte sie in ein tragisches Geschick zu verweben.

3.

Die Schloßherrin arrangierte keine musikalischen Abende wieder.

ES entweiht dieses mein Heiligtum, wenn laute zürnende Stimmen hier erschallen, wo nur die herrliche Kunst gepflegt werden soll", sagte sie zu ihrem Gatten, welcher seine Ver­wunderung darüber auSsprach, daß eS mit den musikalischen Soireen im Schlosse vorbei sein sollte.

Nun gut," hatte dann Klara zu ihrem Gemahl gesagt, so wollen wir unS im Stillen an der Musik erfreuen", und Mazda und Bernhardt kamen dann von Zeit zu Zeit heim­lich mit ihren Noten ins Schloß und Mazdas Stimme er­füllte wieder den Saal, während Gustav mit seiner Gattin im Halbdunkel auf dem altertümlichen Sofa saß, sich ganz dem Zauber deS sympathischen Gesanges hingebend.

Schade ist es, ewig schade," sagte Bernhardi, alS Mazda eines Abends eine Arie in einer seiner LieblingSopern beendet hatte.Eine Welt könnten sie entzücken und so müssen die Töne in den einsamen Bergen verhallen."

Mazda nickte traurig und trat an daS geöffnete Fenster. Da lagen sie, die einsamen, bewaldeten Berge, träumend ruhte die Sommernacht darauf. Wie eine Mauer umgaben sie daS Dorf, damit nie ein Hauch der Welt hinüberdringe.

»Und ich komme doch einmal heraus", flüsterte sie leise

gegentreten würde. Die Lodgesche Resolution spricht in dieser Beziehung deutlich genug. Da aber Deutschland Absichten, die eS mit der Resolution in Konflikt bringen könnten, nicht hat, so haben wir auch keinen Grund, uns durch die Auf­stellung des jetzigen Grundsatzes berührt zu fühlen. Die Versuche, unS in die Angelegenheit hineinzubringen und eine kleine Hetzerei zwischen Deutschland und Nordamerika in Gang zu setzen, sind daher zwecklos.

Hat Je- and JInlaiKL

Berlin, den 27. August.

AuS Wilhelmshöhe, 27. August, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser konnte dem Vernehmen nach heute einige Zeit außerhalb deS Bettes verbringen und an der gemeinschaftlichen Frühstückstafel teilnehmen. Der Kaiser erhob sich gegen 3/.ll Uhr heute vormittag und begab sich alsbald in sein Arbeitszimmer, wo er eine Anzahl dringender Regierungsgeschäste erledigte und einige Zeit mit dem Ches deS Zivilkabinetts arbeitete. DaS Befinden deS Kaisers hat weiterhin ersreuliche Fortschritte gemacht und gibt zu der Hoffnung Anlaß, daß der Kaiser in kurzer Zeit schon völlig wiederhergestellt sein wird. Die schmerzhaften rheu­matischen Schwellungen deS Nackens und der rechten Hals- Muskulatur sind fast ganz beseitigt, ebenso die Anschwellung der Drüsen und der GaumenwuSkulatur, die dem Kaiser beim Sprechen Unbequemlichkeiten und Schmerzen bereiteten. Die gelinden Fiebererscheinungen, die sich gestern noch gezeigt hatten, sind gleichsalls vollständig behoben. Bis auf weiteres ist die Abreise deS Kaisers aus Donnerstag abend festgesetzt worden. Eine Entscheidung, ob 0er Kaiser zur Teilnahme der Manöver in die Schweiz reist, ist noch nicht getroffen worden; diese Reise sollte am 8. September von Berlin auS erfolgen, doch hängt ihre Ausführung davon ab, ob sich daS Allgemeinbefinden deS Kaisers bis dahin so gebessert hat, daß die Leibärzte deS Kaisers die Reise anraten können. Nach einer Meldung auS Bern gibt daS politische Departement folgendes bekannt:Die dem BundeSrate über die Erkrankung Seiner Majestät deS deutschen Kaisers durch die hiesige deutsche Gesandtschaft zugegangenen Nachrichten lassen die Aussührung deS beabsichtigten Besuches zweifelhaft erscheinen. Immerhin ist dem BundeSrate die Mitteilung gemacht worden, daß Seine Majestät bestimmt hoffen, den Besuch in der Schweiz auS- führen zu können."

Am Montag abend 7 Uhr sand im StändehauS zu Merse- burg die Paradetafel sür die Provinz Sachsen statt, wobei der Kronprinz als Vertreter seines erkrankten Vaters, die Kronprinzessin und die anderen Prinzen des könig­lichen HauseS zugegen waren. Im Laufe der Tafel verlas der Kronprinz eine kaiserliche Botschaft, in welcher der Kaiser seinem schmerzlichen Bedauern darüber Ausdruck gibt, daß er aus ärztlichen Rat den BesuchMerseburgS und der Provinz Sachsen

hinüber über die Berge.O, ich sühle eine Lebenskraft in mir, die alle Hindernisse überwinden wird. Noch weiß ich nicht: wann, wo und wie, aber die Schwingen regen sich schon, die mich hinaus tragen sollen, weit, weit."

Klara war zu ihr herangetreten und hatte die letzten Worte vernommen.

Ich würde mich sehr einsam fühlen, wenn Du gingest," sagte sie traurig.

Du hast Deinen Mann, Dein Kind, daS ist Deine Welt," entgegnete Mazda.Meine Welt ist die Kunst, die Musik, und nur da draußen, da weht die rechte Lebenslust für mich. Ach, mein Vater weiß eS wohl, wie eS um mein Herz steht, oft sieht er mich prüfend und fragend an. Es ist grausam von ihm, daß er mich hier festhält. Doch ich will mir den Abend nicht verkümmern, diese Stunden sind ja meine Weihestunden in dem einförmigen Leben. Horch, wie wunderschön Herr Bernhardt spielt, ach, wie könnte er so spielen, wenn er seine Jugend in solcher Ein­samkeit hätte verbringen müssen, wie ich. Seine Phantasien erzählen mir stets wunderbar romantische Geschichtchen. WaS muß er alles erlebt haben, und wie herrlich muß eS fein, daS ganze volle Leben einmal kennen zu lernen I"

Nach solchen Abenden fand Mazda daS Leben unerträg­licher denn je. Mit tiefer Bekümmernis schaute ihr Vater in ihr müdeS, gelangweiltes Gesicht.

Stundenlang konnte sie unter den Linden vor der Tür des Hauses sitzen, und die seinen schmalen Finger lässig in dem Schoß ruhen lassen, indes Elise munter und rührig im Hause wirtschaftete.

Die Linden blühten, die geschäftigen Bienen summten so einschläfernd und Mazda, die dort träumend saß, hob kaum die weißen Augenlider, wenn die Leute, die vorübcrgingen, ihr freundlich guten Tag boten.

Sie sahen so unschön auS, die armen Leute, mit den ver­brannten, erhitzten Gesichtern. Und dort, die Kinder, welche nur dürftig bekleidet auf der Dorfstraße spielten und entsetz­liche Staubwolken auswühlten, waren oft recht schmutzig.

Diese Bilder spielten sich jahraus, jahrein vor ihren Augen ab, sie war derselben, so müde. Von den Ackerbauschülern

sich habe versagen müssen. Der Kaiser weist in seiner Botschaft auf die tausendjährige Verknüpfung MerseburgS mit deutscher Vergangenheit hin und zitiert einzelne Bilder auS der Ge­schichte MerseburgS und der Provinz Sachsen, hierbei nament­lich der früheren nationalen Zerissenheit Deutschlands gedenkend. Im Schlußteile seiner nationalen Kundgebung hebt er die nationale Wiedergeburt Deutschland? aus den Schlachtfeldern Frankreichs hervor, die Mitwirkung der Söhne der Provinz Sachsen an dem siegreichen französischen Feldzuge betonend. Zuletzt rühmt der Kaiser den Fleiß und die Tüchtigkeit der Bevölkerung der Provinz Sachsen, zollt ihrer Treue zu König und Vaterland warme Anerkennung und entbietet dann der Provinz seinen landesväterlichen Gruß. Nach Verlesung der Botschaft brächte der Kronprinz ein dreifaches Hurra aus die Provinz Sachsen aus. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, v. Hegel, antwortete aus die kaiserliche Botschaft in einer längeren Rede, welche mit einem Hurra auf den Kaiser schloß. Nach der Tafel hielten die prinzlichen Herrschaften Cercle ab.

DaS erste deutsche Z-Marineluftschiss, daß in einigen Wochen die Zeppelinwerst in FriedrichShafen ver­lassen wird, ist der größte und leistungsfähigste Zeppelin- kreuzer, der bisher erbaut wurde. Er soll eine um 3000 Kilogramm höhere Belastung tragen als die bisherigen Z.-Luftschiffe. WaS aber gerade für ein Marineluftschiff von noch größerer Wichtigkeit ist, ist der Umstand, daß eS zweimal 24 Stunden in der Luft bleiben kann, in welcher Zeit die weitesten ErkundigungSflüge zurückgelegt werden können.

Die offiziöseNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht, mutmaß­lich unter dem Eindrücke der steigenden Erregung der Be­völkerung in vielen Gegenden deS Reiches über daS anhaltende Emporjchnellen der Fleischpreise eine längere Auslassung über die herrschende Fleischteuerung. Hierin sucht daS Berliner Regierungsblatt an der Hand einer Statistik nachzuweisen, daß die Behauptung der Berliner Fleischerinnung, die deutsche Landwirtschaft sei nicht imstande, den Fleischbedarf der Bevölkerung DcutfchandS genügend zu decken, eine Besserung in dieser Beziehung könne nur von einer vermehrten Vichein- fuhr auS dem AuSlande erwartet werden, den Tatsachen nicht entspreche. DaS Berliner Regierungsblatt versichert nämlich aus Grund der betreffenden Statistik, daß speziell aus dem Ber­liner Zentral-Viehmarkte die Zufuhr an Schweinen und Schafen bis in jüngste Zeit hinein so reichlich gewesen sei, daß die Einbuße an Rinderauftrieb hierdurch völlig ausgewogen werden müßte. Ferner hebt dieNordd. Allg. Ztg." die ge­währten Erleichterungen in der Schlachtvieh- und Fleischeinsuhr aus anderen Ländern nach Deutschland hervor und meint zuletzt, wenn trotzdem diese ausländische Zusuhr den deutschen Markt nicht merkbar zu beeinflussen vermocht habe, so beweise dies nur, daß die bestehende Schlachtvieh- und Fleischteuerung eine internationale Erscheinung sei, und alsdann könne auch keine wesentliche Minderung der Fleischpreise in Deutschland erwartet werden.

In recht unbehaglicher Stimmung sehen die Franzosen

sahen die Damen auch selten einen, denn Herr von Brunneck hatte auS guten Gründen die Ackerbauschule nach dem eine Viertelstunde vom Schlosse entfernten neuen GutShose anlegen lassen.

Nun, Mazda, woran denkst Du, mein Kind?" fragte der Vater eines Abends, als er mit der langen Pfeife in der Hand sich zu ihr setzte.

Während Elise, geschäftig wie die Bienen hier über uns, fortwährend in Tätigkeit ist, hängst Du den Kops und sinnst und träumst."

Ja und dabei sind alle Hände voll zu tun," sagte Elise, welche mit einer großen Schüssel Bohnen in den Händen in die Haustür trat.

Die Bohnen sollen noch eingemacht werden; dazu ist morgen große Wäsche, man weiß gar nicht, wo einem der Kopf steht."

Mazda wurde dunkelrot.

Einmachcn, Wäsche! Das waren alles Dinge, die ihrem Gedankengang unendlich fern lagen.

Sind die törichten Träume immer noch nicht auS dem Kopfe verbannt?" fragte der Professor dann wieder.

Nein, Vater," erwiderte Mazda aufrichtig.Ich ver­mag meine Gedanken nicht zu bannen, sie fliegen mit mir davon weit über die engen Grenzen unseres Dorfes. Nie­mand kann mir darüber Vorwürfe machen. Nur für die Wirtschaft zu leben, zu denken wie Elise, daS vermag ich nicht."

Elise ließ erstaunt die geschäftigen Hände einen Moment ruhen und sagte dann:

Glaube mir, Vater, der Flügel oben auf dem Schlöffe, der ist an allem schuld. Seit Klara den Musiksaal einge­richtet, ist Mazda wie verwandelt. Der alte Jakob sagte auch, eS wären viel nötigere Ausgaben gewesen. Zwei­tausend Mark für den Flügel zu verschleudern, ist auch un­erhört."

Ja, Du und der alte Jakob, Ihr harmoniert herrlich miteinander" rief Mazda spöttisch.Wenn lauter solche prosaischen Menschen wie Ihr auf der Welt wären, dann sreilich brauchte man keine Flügel und keine Musiksäle.