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herrfelder Kreisblatt
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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 108. Dienstag, den 10. September 1012.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 9. September 1912.
Durch den andauernden Regen sind Beschädigungen an der Strecke der Kreisbahn von Hersfeld nach Heimboldshausen hervorgerufen worden, welche erheblichere Nacharbeiten erforderlich machen.
Die für den 12. September in Aussicht genommene Betriebseröffnung muß deshalb auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. 6679. von Grunelius.
HerSfeld, den 5. September 1912.
Den Ortspolizeibehörden deS Kreises übersende ich in den nächsten Tagen ein Exemplar der auf Kreiskosten beschafften Druckschrift „Gemeinsaßliche Belehrung über die nach dem Viehseuchengesetze vom 26. Juni 1909 der Anzeigepflicht unterliegenden Seuchen."
Die Druckschrift ist alsbald in daS Gemeindeinventar ein- zutragen. Mit dem Inhalt derselben haben fich die OrtS- polizeibchörden eingehend vertraut zu machen, und eintretenden» faB8 danach zu versahren.
I. I. No. 10098. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Sir Memmm in 1912.
Die Tage der sich allherbstlich unter den Augen deS obersten Kriegsherrn abspielenden großen Uebungen der deutschen Truppen sind wiedergekommen, der Kaisermanöver, denen man stets in weiten Volk-kreisen Deutschlands lebhasteS Interesse entgegenbringt. An den diesjährigen Kaifermanövern nehmen bekanntlich daS 3. (brandenbg.) und daS 4. (Prov. Sachsen) Armeekorps, sowie daS 12. (1. kgl. sächs.) und da? 19. (2. kgl. sächs.) Armeekorps teil; das brandenburgische und daS 12. Armeekorps bilden die eine Manöverpartei, die „rote" Armee, daS 4. Armeekorps und daS 19. Armeekorps sind zu der anderen Manöverpartei, der „blauen" Armee vereinigt. Der Schauplatz der Manöver ist im wesentlichen das westlich der Elbe zwischen Leipzig und Riesa gelegene Gebiet deS Königreichs Sachsen und der nördlich hieran anstoßende Teil der Provinz Sachsen. DaS kaiserliche Hauptquartier hat seinen Manöverfitz in der Stadt Oschatz, die Manöverleitung befindet sich in dem südwestlich von Oschatz gelegenen Städtchen Mügeln. Der Kaiser wird während der Manövertage in eigens für ihn
Um €bre und Liebe.
Roman von Fanny Stöckert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
9.
Die Wohnung bei BaronS FolgerSdorf lag außerhalb der Residenzstadt und gewährte eine freie Aussicht auf den majestätischen, blauen Strom, auf ferne Bergketten. Dieser Blick war dem Baron unentbehrlich, vielleicht weil von frühester Kindheit an seine Augen die weite MeereSfläche geschaut hatten. Jenes Heimweh, welches den meisten Strand- bewohnern eigen, hatte auch ihn nie verlassen; mit Sehnsucht hatte ei ihn immer wieder nach der Heimat zurückgezogen. Die Kunst gewährte ihm selten volle Befriedigung, denn mit Bitterkeit hatte er ei sich eingestehen müssen, daß alle?, waS er geleistet, nur Dilettantenarbeit war, und daß e? ihm versagt geblieben, ein großer Meister in der Malerei zu werden. Der künstlerische Gedanke beseelte ihn wohl, aber ihm fehlte die Gabe deS stetigen, genialen Schaffen?. Einzelne kleine Genrebilder von ihm hatten ja im Publikum und auch in Künstlerkreisen Anerkennung gesunden, jedoch ihm hatten sie keine Besriedigung gewährt.
Heute ruhen Pinsel und Palette. Der Baron hatte seit Wochen ziemlich angestrengt gearbeitet. Da? Bild, welches auf der Staffelei lehnte, war vollendet und der Künstler schien zufrieden mit seinem Werk. Aus seinem, schönen ernsten Antlitz lag ein Ausdruck von Stolz und Glück.
„Endlich!" sagte er und betrachtete prüfend da? Bild, „endlich, zum ersten Mal wird mir daS Glück voller Bc- friedigung zu teil. Und doch, schon steigen Zweifel in mir auf, ob ich je wieder ähnliche? leiste. War e? doch mein Herz allein, welche? mich diesmal den Pinsel führen lehrte, welche? das Bild mit allem Glanz und Dust der Poesie um- woben. Er ist ihr Bild und doch wieder nicht, diese asch. blonden Locken gehören ihr nicht an. Diesen sinnig sanften Ausdruck hatten ihre Augen nur in der ersten Zeit ihrer
hergestellten Baracken im Manövergelände selbst wohnen. Der König von Sachsen nimmt für die Zeit der Manöver Aufenthalt im Jagdschlösse WermSdors; die als Gäste deS Kaisers den Manövern beiwohnenden Fürstlichkeiten und srembherrlichen Offiziere erhalten Unterkunft in DreSden.
Die Kaisermanöver von 1912 werden besonders kriegS- gemäß gehalten sein, dem schon die außergewöhlich große Zahl der hierbei zur Verwendung gelangenden Truppen, insgesamt etwa 130 000 Mann, entspricht. Den Oberbefehlshabern der beiden gegen einander operierenden „feindlichen" Armeen ist für ihre Dispositionen völlig freie Hand gegeben, worin sich gleichfalls daS KriegSgemäße der Kaisermanöver auSprägt.daS dann weiter auch in dem Umstände hervortritt, daß von der Militärbehörde nähere Einzelheiten der Manöver streng geheim gehalten werden. Beiden Manöverarmeen stehen die neuesten technischen HilsSmittel in kriegmäßigem Umfange zur Verfügung namentlich Fernsprechabteilungen für die Nachrichten- und BesehlSübcrmittelungen der höheren Kommandostellen, Funken- telegraphie für die Ucbermittlung von Anordnungen seitens der Armee-OberkommandoS. Eine große Rolle bei den Kaiser- manövern wird auch daS Flugwesen spielen, eS treten eine ganze Anzahl beweglicher Fliegerabteilungen aus, ferner Flug- drachen und LenkballonS; außerdem haben sich zahlreiche Automobilfahrer für die Manöverzeit in die Dienste der Heeresverwaltung gestellt. Die Verpflegung und Unterkunst der manöverierenden Truppen regelt sich nach den neuesten Grundsätzen hierüber; für die Aufrechterhaltung der Ordnung in dem ausgedehnten Manövergebiet sorgt ein starkes Auf- gebot von Feldgendarmerie. JedensallS versprechen sich die diesjährigen Kaisermanöver nach jeder Beziehung hin ungemein lehrreich und interessant zu gestalten und darf man schon jetzt gewiß sein, daß sie abermals gutes Zeugnis von den Fortschritten des deutschen HeereSwesenS und die Leistungsfähigkeit der deutschen Truppen ablegen werden. Dem Kaiser aber, der soeben erst von der Teilnahme an den schweizerischen Manövern heimgekehrt ist, wird jetzt durch die Kaisermanöver die beste Gelegenheit zu Vergleichen zwischen den schweizerischen und den deutschen Truppen geboten sein. — Inzwischen haben die Kaisermanöver bereits ihre Einleitung erfahren, mit den am 9. September inS Werk gefetzten großen ErkundigungS- rittcn der Kavallerie der beiden Manöverarmeen, letztere selbst treten dann vom 10. September aus gegen einander in Aktion, die „rote" Armee vom Osten aus, die „blaue" Armee vom Westen aus. Wenn noch ein Wunsch betreffs der diesjährigen Kaisermanöver geäußert werden dars, so ist eS gewiß der, daß sie von einer besseren Witterung begünstigt werden möchten, als sie bislang schon seit Wochen in Deutschland geherrscht hat.
Aw$ Jn- und Ausland.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau: Seine Majestät der Kaiser ist
Hiersein?, alS sie noch so kindlich verwundert um sich schaute. Ach, seitdem fiel der heiße Hauch der Welt aus diese srische Waldblume — ach, wenn sie mir folgte, dorthin nach meiner Heimat, wo die Woge an die Brandung schlägt, wo die Buchenwälder Schatten spenden, — ach, wenn sie meine Frau würde. Wie wollte ich glücklich werden in meiner Heimat und im engen Kreise der Familie I"
Träumerisch ruhten seine Augen auf dem Bilde. ES war ein Stückchen Heimat, waS er gemalt: Ein Buchenwald im Hochsommer, prachtvolle, saftgrüne Fahren bildeten den Untergrund, über den Bäumen hinweg lag wie eine dunkle, blaue Wand daS ferne Meer. Der ganze Glanz und Duft einer EommermorgenS ruhte auf den taufrischen, grünen Blättern, eS war als bewegten sich diese zierlichen Farren leicht im Morgenwinde. Goldene Sonnenstrahlen brachen sich durch da- dichte Grün, und in dieser frischen, duftigen Beleuchtung, im grüngoldenen Lichte ruhte eine lichte Mädchengestalt. Der zierliche Kopf, von aschblonden Locken umrahmt, trug Mag- daS Züge, aber verklärt, idealisiert. In den dunklen Augen lag ein Ruhen, ein Genügen, wie ei selten in einem jungen Menschenantlitz zu finden war, und daS der jetzigen jungen Sängerin durchaus nicht mehr eigen war. ES war eben ein Künstlertraum, der hier aus der Leinwand Form und Gestalt gewonnen hatte.
Helle, melodische Stimmen ertönten plötzlich draußen im Vorzimmer. Eine dunkle Röte flog über daS Gesicht bei BaronS. Er warf schnell ein Tuch über da? Bild und öffnete dann die Tür. Gabrielen? Antlitz schaute neugierig herein.
„Ah, Sie malen nicht? Wie schade!" rief sie. „Wirwollten Sie überraschen, ganz versunken in der Ausübung Ihrer Kunst; und nun finden wir trockene Farben, alles ist aufgeräumt, nicht einmal jene malerische Unordnung, die doch notwendig in einem Atelier herrschen muß, sehe ich. Ich bildete mir ein, man müßte bei jedem Schritt stolpern über alte Rüstungen und Waffen, Rokokkomöbel, Büsten von alten Römern, pompejanische Vasen und dergleichen. Nur immer herein, Mazda, hier ist nichts worüber man erröten könnte, von einem Modell keine Spur."
mit einer Fülle anregender Eindrücke von seinem Besuche in der Schweiz zurückgekehrt. Die Ausmerksamkeit der eidgenössischen Behörden, die auch das Kleinste sorgsam bedachte, daS offene und liebenswürdige Entgegenkommen der Bevölkerung, die ausgezeichneten Leistungen deS schweizerischen Militär- haben sich vereinigt, um die Reise unsere- Kaiser- genuß- und erfolgreich zu machen. Den Schweizern wie ihrem hohen Gaste werden die so schön verlaufenen Tage lange in freundlicher Erinnerung bleiben. Beim Verlassen deS gastlichen Bodens hat unser Kaiser in einem Telegramm an den BundeSpräsidenten Forrcr nochmals seiner Besriedigung über alles Gesehene und seinen Dank für die glänzende Ausnahme in Worten Ausdruck gegeben, die vom Herzen tarnen und zum Herzen gehen werben. DaS deutsche Volk schließt sich diesem Danke freudig an. Wir freuen unS aufrichtig der guten nachbarlichen Gesinnungen, die sich in der sympathischen Begrüßung unseres Kaisers so rückhaltlos bekundet haben. Der Zweck und die Bedeutung bei Besucher ist von den beiden Staatsoberhäuptern bei dem Festmahl in Bem in klaren Worten ausgesprochen worden. Ein besonderes politische? Ziel ist bei dieser Reise von keiner Seite versolgt worden. Wir sprechen e? aber gern auS, daß eS unS auch politisch wertvoll erscheint, wenn der Wunsch unserer Regierung und unsere? Volke-, die Beziehungen zur Schweiz in ungetrübter Freundschaft zu erhalten, bei dieser Gelegenheit ebenso deutlich zur Anschauung gebracht, wie aufrichtig erwidert worden ist. Der BundeSpräsident hat in Bern die Entschlossenheit der Schweiz betont, ihre Neutralität gegen jeden Angriff zu wahren. Die Interessen deS Deutschen Reiche? stimmen auch in diesem Punkte völlig mit denen der Schweiz überein. Und wir begrüßen eS daher mit Genugtuung, daß die Wehr^iftigkeit deS Schweizer Volkes, in der Bürgschaft für die Unantastbarkeit seiner internationalen Ver» tragSrechte liegt, unserem Kaiser in so glänzender Weise vorgeführt worden ist. Vor allen aber find die Kaisertage für beide Völker ein Anlaß gewesen, der innigen geistigen und kulturellen Gemeinschaft zu gedenken, die sie von alter-her verbinden. Der Kaiser hat dieser Beziehungen in besonder? warmen Worten gedacht und damit Deutschen und Schweizern gleichmäßig auS der Seele gesprochen.
Der Kaiser ist mit Gefolge, von Kanonendonner und Glockengeläute begrüßt, am Sonnabend Punkt neun Uhr im Sonderzuge in Konstanz eingetroffen. Am Bahnhof hatte sich trotz deS strömenden RegenS eine vieltausendköpfige Menge angesammelt. Die städtischen Vereine und die Feuerwehren sowie die Schulen bildeten auf dem kurzen Wege vom Bahnhof nach dem Hafen Spalier. Am Bahnhos waren kurz vor 3/<9 Uhr Prinz Max von Baden und der Flügeladjutant deS Großherzog? Generalleutnant Dürr eingetroffen. Der Großherzog muß wegen einer schweren Erkältung daS Bett hüten und war dadurch verhindert, den Kaiser selbst zu empfangen. Hingegen war die Großherzogin-Witwe Luise mit ihrem Hofmarfchall Grafen Andlaw zum Empfang er-
Mit diesen Worten zog sie Mazda über die Schwelle, Frau Sanno und Normann folgten den beiden jungen Damen. Der Baron wollte die kleine Gesellschaft in bai Wohnzimmer nötigen, aber Gabriele protestierte eifrig dagegen. „Unser Besuch gilt allein dem Künstler," erklärte sie, „einige Gemälde oder auch nur Skizzen werden ja wohl hier zu finden sein. Die Staffelei ist leider verhangen. Darf man indiskret sein und erfahren, waS das Tuch verhüllt?"
Mutwillig haschte sie nach dem Tuche, doch der Baron legte wie erschreckt die Hand auf ihren Arm.
„Bitte, nein!" rief er, „ein Werk, waS noch nicht vollendet, den Blicken anderer preiSzugeben, ist für mich die größte Pein."
„Nun denn nicht I erwiderte Gabriele ärgerlich und schaute mißtrauisch in daS erregte Antlitz bei BaronS. ES scheint mir überhaupt, alS wäre unser Besuch durchaus nicht willkommen. Komm, Mama, und Sie, Mazda, dieses Künstlerheim ist zu heilig für unsere prosanen Blicke. Wir wollen den Herrn Baron nicht weiter belästigen. Wer weiß, in waS für erhabenen Künstlergedanken wir ihn gestört haben!"
Die Worte der schönen Zürnenden verhallten jedoch unge» hört. Frau Eanno stand mit Normann in eifriger Unterhaltung im Nebenzimmer. Auch Mazda war dort eingelreten. Wie ein liebliche? Bild stand sie in einem der hohen Fensterrahmen, ihr feine? Profil hob sich plastisch ab von ben dunkelroten, seidenen Vorhängen. Etwa? Sinnend-Träume- rischeS lag in ihrer ganzen Haltung.
Der Baron war in die Tür getreten. Ein heißeS Gefühl wallte in ihm auf, als seine Augen sich aus Mazda richteten. Er trat zu ihr heran und fasste wie in plötzlicher Bewegung ihre beiden Hände; ihre Blicke begegneten sich mit jenem Ausdruck, bet mehr wie Worte bei Herzen? warme? Fühlen verrät. ES war, als entdeckten sie hier in diesem Moment ein großes, süße? Geheimnis, daS sie bis dahin kaum geahnt, gehofft, sie lasen es deutlich, ein? in bei andern Auge."
„Sie machen mich glücklich durch Ihre Gegenwart hier," sagte der Baron leise. „ES ist, als würfe dieselbe ein verklärende? Licht auf alle Gegenstände; noch nie find mir