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herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 111.
Dienstag, den 17. September
1913.
Amtlicher teil.
Bastei, den 12. April 1911.
Unter Bezugnahme aus meine Rundverfügung vom 20. Oktober v. JS. A. III. 4356, betreffend die Durchsührung dcS ZiegenbockhaltungSgesetzer, bestimme ich solgendeS:
Spätestens zum 15. November jeden Jahres — nach beendeter Herbstkörung — sind mir Nach- weisungen über den Bestand an deckfähigen Ziegen und angekörten Böcken unter Zugrundelegung des durch meine Rund- versügung vom 28. März 1903 A. III. 2646 für die Bullenhaltung vorgeschriebenen» sinngemäß abzuändernden Formulars vorzulegen, auch ist hierbei über die Durchführung des ZiegenbockhaltungSgesetzeS zu berichten. (A III. 588 b.) An die Herren Landräte deS Bezirks.
Der RcgierungS-Präfident. In Vertretung: ^Unterschrift.)
* *
HerSseld,*dcn 12. September 1912.
Abschrift teile ich den Herrn Ortsvorständen des Kreises im Anschluß an meine Verjügung vom 20. März d. JS. J. A. Nr. 2050 — KreiSblatt Nr. 44 — zur Kenntnis mit.
Ich setze hiernach den Termin sür die Einreichung der BestandSnachweisung an deckfähigen Ziegen und angekörten Ziegenböcken anderweit auf den 1. Oktober fest. Der für den 1. August notierte Termin ist zu streichen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5614. von GruneliuS.
HerSseld, den 11. September 1912.
Der Domänenpächter Johannes Friedrich zu BingarteS ist als stellvertretender Gutsvorsteher deS GutSbezirkS BingarteS widerruflich bestellt und als solcher am 9. d. MtS. eidlich verpflichtet worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 6148. von GruneliuS.
HerSfeld, den 13. September 1912.
Die unter den Schasbeständen der Herde deS MühlenbesitzerS Friedrich Pfläging in Hebel, Kreis Homberg — Schäfer Heinrich Bauer daselbst — auSgebrochene Räude ist erloschen. I. I. No. 10589. Der Landrat.
3. A.
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 16. September 1912.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher, welche mit Einreichung der Zu- und Abgangslisten sür daS 1. Halbjahr 1912 noch im Rückstand sind (vergl. Versg. v. 5. d. MtS., Nr. 2593, — KreiSblatt Nr. 107), werden mit Frist bis zum 21. d. MtS. hieran erinnert.
Ich ersuche diesen Termin pünktlich einzuhalten. Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
J.-Nr. 2593. von GruneliuS.
Um €bre und Liebe.
Roman von Fanny Stöckert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Er hatte liebevoll den Arm um Elise gelegt und sagte leise: „Du wirst Dich schwer da draußen zurecht finden."
Elise sah lächelnd zu dem Vater empor.
„Um mich sorge Dich nicht, Väterchen; für mich wird sich noch immer ein Plätzchen in der Welt finden, wo ich tätig schaffen kann. Und nun komm, wir wollen noch einige Kapitel auS dem Roman „Die egyptischen Königstöchter" lesen, daS wird uns alle aus andere Gedanken bringen."
Sie griff nach dem Buche und begann daraus vorzu- lesen. Bald hatte deS Dichters reiche Fantasie die Zuhörer weit in die Vergangenheit zurückversetzt und ihr Interesse in Anspruch genommen. — Nur der alte Bernhardt schüttelte mißmutig daS Haupt. — Er fand daS Denken und Empfinden dieser Menschen der grauen Vorzeit viel zu modern und behauptete noch von der Schule her, wo er das alte Testament halb auswendig habe lernen müssen, ganz andere Begriffe von diesen alten Egyptern und ihren Pharaonen zu haben, stieß jedoch auf hestigen Widerspruch, besonders von Seiten der Damen, welche sich nur sür den Roman begeistert hatten.
MagdaS Bild, daS durch daS Gespräch herausbeschworen, eine kurze Zeit klar und deutlich vor aller Blicken gestanden — eS zerfloß wie ein Traum, schattenhaft in weite Fernen. — Nie wurde seit diesem Abend ihr Name wieder genannt in dem kleinen KreiS, wenn ihr Vater zugegen war. — Und doch vermochte keiner die Erinnerung an sie gänzlich zu verbannen ; sie war eben eine jener ungewöhnlichen Erscheinungen, die sich nie vergessen lasten.
Der Saatenstand Anfang September 1913. Regierungsbezirk Cafsel, Kreis Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 — mittet, 4 — gering, 5 = sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten usw.
Durchschnitts-
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
noten
Staat
für den
Reg.-Bez. Cassel
03
JI
03
co
03
CO
xf
lO
4
1O
Winterweizen .
Sommerweizen .
Winterspelz (Dinkel) .
Winterroggen .
Sommerroggen.
Sommergerste .
W- : : :
Ackerbohnen
Wicken
Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u.-Rübsen Flachs (Lein)
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung
Andere Wiesen . Futterrüben
2,8
2,7
2,3
2,7
2,7
2,4
2,7
2,3
3,2
2,5
2,2
2,6
2,5
2,1
2,5
2,1
1
1
2
1
2
3
5
4
1
2
1 1
1
3
2
3
3
1
1
Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evert, Präsident.
Dkhtamtlteber teil.
Die N«WejW her smzWe» Seeftreiikröfte im Äittelmeere.
Die im Werke befindliche Zusammenziehung der gesamten sranzösischen Schlachtflotte im Mirtelmecre, und zwar in den Gewässern von Toulon, wo vom 15. Oktober ab 24 französische Linienschiffe — darunter sechs DreadnoughtS und Panzerkreuzer nebst den hierzu gehörigen Torpedobooten — stationiert sein werden, erregt allgemeine Aufmerksamkeit. Von Pariser osfiziöser Seite bemüht man sich zwar, diese auffällige mili- tärifche-maritime Maßnahme der französischen Regierung als harmlos und jedes politischen Hintergrundes entbehrend hinzustellen, aber trotzdem repräsentiert sie kaum zwcisclhajt einen Ausfluß der Entente Frankreichs mit England und weiter dcS französisch-russischen Bündnisses. Ob, wie verschiedentlich behauptet wird, ein schriftliche- Abkommen zwischen Frankreich und England wegen der französischen Flottenkonzentration im Mittelmeere abgeschlossen worden ist, dies mag dahingestellt bleiben, als sicher darf eS indessen gelten, daß mindestens mündliche Verabredungen hierüber stattgesunden haben; weiter dürfte dann die Stationierung deS wesentlichsten Teiles der
12.
Vor dem großen Portal deS Opernhauses in D. herrschte ein bewegtes Leben. Die Menschen strömten zahlreich hinein in das hellerleuchtete Gebäude. Der Tannhäuser war neu einstudiert und wurde nach langer Zeit heute zum ersten Mal wieder gegeben. Normann als Tannhäuser war dem Publikum schon bekannt, ober Fräulein Torea, der erklärte Liebling dcS Publikums, fang die Elisabeth zum ersten Mal und sollte entzückend in dieser Rolle sein. So erzählte man sich untereinander. DaS HauS war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Ouvertüre jetzt langsam seierlich begann.
Auf einer der ersten Reihen deS Parketts saß ein alter Herr, dem man eS auf den ersten Blick ansah, daß er kein Großstädter war. — Der Schnitt seines Rockes gehörte einer längst vergangenen Mode an; zwei fürchterlich steife Vatermörder strebten an feinen gefurchten Wangen empor; dabei war der alte Mann von einer Unruhe und Beweglichkeit, die durchaus hier nicht am Platze war.
Lächelnde und mißbilligende Blicke streiften ihn; er be- merkte eS hier nicht. Die Musik schien eine mächtige Wirkung auf ihn auSzuüben; er wurde bald rot, bald blaß; aus seinen Augen drängten sich heiße Tropfen, verstohlen wischte er sie hinweg und schüttelte, wie mit sich selbst unzufrieden, daS graue Haupt. Jetzt rollte der Vorhang in die Höhe.
Ein berückend schönes Weib ruhte malerisch aus weichen, schwellenden Kissen. ES war Gabriele, daS Dämonische, Leidenschaftliche ihrer Natur, kam in der Gestalt der Venus zur vollen Geltung. Ein leiser Hauch der Schwermut jedoch zitterte auch heute durch ihren Gesang und gab ihrer Gestaltung der Rolle einen eigenen Zauber.
Der alte Herr im Parkett rief wiederholt bravo und nickte befriedigt mit dem Kops, aber seine Unruhe steigerte sich von Akt zu Akt. Die holde keusche Gestalt der Elisabeth schien ihn schließlich ganz au» der Fassung zu bringen.
Ein Physiognomik« hätte wunderbare Beobachtungen
sranzösischen Geestreitkräste im Mittelmeere auch mit der französisch-russischen Marinekonvention zusammenhängen. Der ganze Vorgang stellt offenbar eine Betonung der französisch- englisch-russischen Entente dar; Frankreich entblößt feine atlantischen Küsten von seinen Kriegsschiffen und überläßt sie dem Schutze deS „befreundeten" England, daS seinerseits ja den Hauptteil seiner Flotte an der britischen Süd- und Ostküste zusammengezogen hat und die Gewährleistung seiner Mittel- meer-Jntereffen dem französischen Ententebruder überläßt. Rußland ober sagt im stillen zu der Konzentration der französischen Flotte im Mittelmeere und zu jener der englischen Flotte an den heimatlichen Gestaden Ja und Amen, in der nicht unbegründeten Erwartung, daß ihm mit Hilfe französischen und englischen GoldeS der Bau seiner neuen Ostseeflotte gelingen wird, die ja nach den Hoffnungen der Chauvinisten an der Newa, Seine und Themse berusen sein soll, in einem kommenden großen europäischen Kriege zusammen mit der französischen und der englischen Flotte zu operieren.
Der bedeutsame politische Charakter der französischen Flotten- konzentration im Mittelmeere ist demnach unbestreitbar, ebenso erscheint eS jedoch kaum zweifelhaft, wem dieser überraschende Schritt der französischen Regierung gilt, nämlich Oesterreich- Ungarn und Italien. Beide Großstaaten sind ja nicht nur die Verbündeten Deutschlands, sondern auch Mittelmeermächte, gleich England und Frankreich, ihnen soll also durch die Ansammlung und BereitschaftShaltung der französischen Schlacht- flotte in den Touloner Gewässern ein Paroli geboten werden. Die entschlossenen Auslastungen der osfiziösen Blätter in Wien und in Rom über die französische Flottenkonzentration im Mittelmeer beweisen, daß man in den dortigen RegierungS- kreisen die Tragweite einer solchen Maßnahme, die bestimmt ist, Frankreich unter ^ü^endeckung feiten- England die Oberherrschaft im Mittelmeere zu sichern, sehr wohl zu würdigen weis. In der Wiener und in der römischen RegierungSpresse wird unter den zustimmenden Aeußerungen der übrigen Blätter erklärt, Oesterreich-Ungarn und Italien würden sich durch ein derartiges Vorgehen Frankreichs in ihrer Flottenpolitik nicht beirren lasten, sondern sich bemühen, ihre Mittelmeer-Jnteressen energisch zu wahren. ES kann daher schließlich leicht dahin kommen, daß die schroffe Betonung der Stellung Frankreichs als Mittelmeermacht, wie sie in der im Zuge befindlichen Flottenkonzentration liegt, Oesterreich-Ungarn und Italien ver» anlasten wird, sich nur noch enger als bisher zufarnmen- zuschließen, eine Folge der sranzösischen Flottenaktion im Mittelmeer, die den Politikern an der Seine und an der Themse daS Konzept ernstlich verderben müßte. Deutschland aber würde sicherlich alle? in seinen Kräften liegende tun, um seine Verbündeten, Oesterreich-Ungarn und Italien, in der Wahrung ihrer Mittelmeer-Jnteresten gegenüber Frankreich und England zu unterstützen.
Der Stieg zwischen Wien und her Arkei.
Rom, 15. September. General Briccola, der Kommandant des BesatzungSkorpS in der Cyrenaica, der gegenwärtig
auf diesem alten Antlitz machen können. Bald flog eS darüber hin wie Jugendleuchten, bald übermannte ihn tiefe Rührung. Und als jetzt Elisabeth an dem Kreuze kniete und mit ihrer weichen sympathischen Stimme daS herrliche Gebet fang, da kannte seine Bewegung und Aufregung keine Grenzen.
„Herrlich, herrlich, daS hast Du brav gemacht, mein Liebling I" rief er ganz laut und sah sich triumphierend um, ob nicht alle- einstimmte in seine laute Bewunderung. Ein nicht mißzuverstehendeS Zischen von mehreren Seiten brächte ihn endlich wieder zur Besinnung. „Ja," so murmelte er beschämt, „daS schickte sich wohl nicht," und befleißigte sich eines etwas gemesseneren Betragens bis zum Schluß der Oper. Dann aber stürmte er wie ein Wahnsinniger hinaus ohne alle Rücksicht auf die sich stauende Menschenmenge. Er schob einige elegante Damen, den man den Vortritt gelassen, ungeniert beiseite, trat wohl auch manchem Herrn aus die Füße und ließ die zornigen Ruse, die ihm folgten, ungehört verhallen.
„Er ist verrückt, er muß verrückt sein!" tiefen noch einige erboste Stimmen, als er schon glücklich daS Foyer erreicht. Unaushaltsam drängte er weiter bis zur Garderobe der ersten Sängerinnen; hier jedoch wurde ihm ein energisches Hatt von einer alten Garderobiere zugerusen. Mazda hatte soeben einen weichen, warmen Mantel umgetan und nestelte noch an dem schwarzen Schleier, den sie über die dunklen Locken werfen wollte, da hörte sie die Stimme deS alten Henn vor der Tür.
„Bitte, fragen Sie die Damen, ich bin ein alter Mann, eS wird mir schon gestattet werden, näher zu treten."
Sie lauschte mit angehaltenem Atem, sie kannte die Stimme, wie HeimatSgruß klang dieselbe an ihr Ohr. Mit einem AuSrufe bei Entzückens flog sie nach der Tür.
„Bernharbi! Welche Freude I" jubelte sie und umschlang den alten Lehrer und väterlichen Freund stürmisch mit beiden Armen.