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herssel-er Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 115.

Zur Eröffnung der Hersselder Kreisbahn.

):( Hersseld, 25. Sep^ über.

Ein in der Geschichte des Kreises Hersfeld bedeutungs­voller Tag wird die Eröffnung der Kreisbahn Hers­feldHeimboldshausen, welche morgen stattfindet, bilden. Ein langgehegter Wunsch weiter Kreise wird damit in Erfüllung gehen, da diese Bahnlinie einen der wichtigsten Teile unseres Kreises aufschließt und in direkte Ver­bindung mit der Kreisstadt bringt. Gerade das Landecker Amt und die Werragegend waren durch anderweitige bessere Bahnverbindungen zum größten Teil dem ge­schäftlichen Verkehr mit Hersfeld entzogen worden, was bei dem großen Aufschwung, den diese Gegend durch die sich mächtig entwickelnde Kaliindustrie fortwährend nimmt, allgemein fehr beklagt wurde. Im Laufe weniger Jahre ist die Werragegend zu dem bedeutendsten Teil unseres Kreises geworden, denn durch die Auf­findung nie geahnter Bodenschätze reiht sich dort Schacht an Schacht und Fabrik an Fabrik.

Mit großer Freude wurde deshalb der Beschluß des Kreistages am 29. November 1909 begrüßt, das schon seit langen Jahren schwebende Projekt einer Bahnver­bindung mit diesem Industriegebiet zu verwirklichen. Es wurde dem bereits ausgearbeiteten speziellen Pro­jekt der Erbauung einer Kreisbahn über Schenklengs- feld Ransbach nach Heimboldshausen, welche einen Kostenbetrag von 2 485 240 Mark vorsah, zugestimmt. Zu diesen Kosten wurde eine staatliche Beihilfe von einem Drittel erbeten, ein weiteres Drittel stellte der Bezirksausschuß aus dem Kleinbahnfonds zur Verfügung, während das letzte Drittel vom Kreise durch Anleihe aufgebracht wurde. Die Grunderwerbskosten waren mit 260 000 Mark veranschlagt und wurden auf die un­mittelbar interessierten Gemeinden verteilt. Der Erwerb der Grundstücke ging im großen und ganzen glatt von statten, nur in einzelnen Fällen mußte das Enteignungs­verfahren eingeleitet werden.

Nachdem im November 1910 die staatliche Genehmig­ung zum Bau der Kreisbahn auf eine Zeitdauer von 100 Jahren eingegangen war, wurde alsbald mit der Ausschreibung der Erdarbeiten rc. begonnen. Los 1 und 2 wurde von Herrn Unternehmer Deist-Hersfeld zum Gesamtpreise von 391312 MaH, Los 3 von Herrn Unternehmer Feindler-Gelnhausen für 260913 Mark und Los 4 (Bau der Fuldabrücke) von den Herren Bauunternehmern Julius Roll und Heinrich Bolender für 46 628 Mark ausgeführt. Am 15. März 1911 wurden dann die Bauarbeiten in Angriff genommen und durch den trockenen Sommer begünstigt, so daß im Frühjahr 1912 die Erdarbeiten bereits fast vollendet

Umbre und Liebe.

Roman von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Verschonen Sie mich mit Ihrem Mitleid und mit Ihrer Liebe," sagt« er rauh. Glauben Sie, daß ich noch einem Weibe trauen sollte, nachdem die mir so rein und wahr er­scheinenden Augen der holden Sünderin da oben getrogen? Die Kunst allein sei fortan mein Trost, meine Geliebte! Sie mag mich emportragen zu den idealen Höhen und mich daS elende Erdenbasein, die Welt der Lüge vergessen lassen. Leben Sie wohl und glauben Sie nicht, daß ich verzweifle," sagte er mit einem stolzen Lächeln, sich von Gabriele verab­schiedend.

Mazda, welche noch immer einer Statue gleich aus der Treppe saß, zuckte zusammen, als sie den festen, raschen Schritt bei BaronS jetzt vernahm. DaS Gaslicht wars einen fahlen Schein aus ihr totenbleiche» Antlitz. Die dunklen Augen blickten geisterhaft mit verzehrender Angst auf den Baron, welcher betroffen vor ihr stehen blieb. Hatte sie ihn hier erwartet? Sie wußte ei sich selbst nicht zu sagen, nur dar fühlt« sie klar, von seinem Blick allein hing in diesem Moment ihre» künftigen Leben» Wohl und Wehe ab.

Sie werden sich hier erkälten nach all' der Glut von vorhin!" tönte seine Stimme hart an ihr Ohr, nur mit einem Blick hohnvoller Geringschätzung sie streifend, ging er an ihr vorüber.

Mazda war ausgesprungen; einen Moment stand sie wie vernichtet, dann, all sie sah, wie er die Tür öffnete, wie daS Mondlicht voll hereinflutete, die Gestalt bei geliebten Manne» mit seinem Silberstrahl umfing, breitete sie sehnsüchtig die aul, zum ersten Mal rief sie seinen Namen, zitternd, bangend und doch im tiessten HerzenSton:

«Hubert, Hubert! Verlassen Sie mich nicht, nicht so!" Einen Moment schien eS, als zögere er. Seine Hand, die auf der Türklinke ruhte, zitterte merklich, wie ein Beben

Donnerstag, den 26. September

waren und mit dem Oberbau begonnen werden konnte, welcher Herrn Unternehmer Frentzel aus Horas bei Fulda für 37688 Mark übertragen worden war.

In einer Länge von 26 Kilometern führt die Bahn durch eine landschaftlich schöne Gegend über die Stationen Sorga, Malkomes, Schenklengsfeld und Ransbach nach Heimboldshausen, wo sie aus dem dorti­gen Staatsbahnhof einmündet. Der Bau der Stations­gebäude auf den genannten Stationen und des Loko­motivschuppens in Schenklengsfeld, sowie die innere Einrichtung der Gebäude wurden durchweg von Unter­nehmern und Handwerkern aus der Stadt und dem Kreise Hersfeld ausgeführt wie überhaupt bei dem ganzen Bahnbau stets das Bestreben vorgeherrscht hat, die Arbeiten möglichst von Kreiseingesessenen ausführen zu lassen. In Schenksolz und Wehrshausen sind einst­weilen Haltestellen errichtet worden.

Zum Betriebe der Bahn wurden zwei größere und zwei kleinere Lokomotiven ^on der Firma Henschel u. Sohn in Cassel für zusammen 160500 Mark beschafft, ferner 7 Personenwagen, 2 Post- und Gepäckwagen, sowie 12 Güterwagen, welche zum Preise von 116105 Mark von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg in Nürnberg in hervorragend seiner Weise geliefert wurden.

Die Ueberwachung und (echnische Aufsicht der Bau­ausführung war Herrn l.reisbaumeister G ö p f e r t aus Gelnhausen, die oberste Leitung dem Landesbaurat, Herrn Geheimen Baurat Stiehl aus Cassel über­tragen, beides hervorragende Fachmänner im Eisenbahn­bau. Durch das zielbewußte Arbeiten dieser beiden Herren und das unermüdliche _ Interesse des Herrn Landrats von G run rl ?ü » Harten die Arbeiten an dem Bahnbau derart gefördert, daß nach knapp IVa Jahren Bauzeit morgen die feierliche Eröffnung der Strecke erfolgen kann.

Mit freudigem und dankbarem Herzenl werden morgen die Bewohner der von der Bahn berührten Gegend dem ersten Zuge entgegen jubeln, hoffend, daß die neue Bahn zur Hebung des Verkehrs, des Handels und Wandels beitragen wird. Auch die Geschäftswelt unserer Kreisstadt hat alle Ursache, freudigen Herzens an der Eröffnung der Kreisbahn teilzunehmen, wird ihnen doch durch dieselbe ein neues.und lohnendes Absatzgebiet erschlossen.

L)-So wollen wirj-denn hoffen, daß die Kreisbahn alle auf sie gesetzten Hoffnungen und Wünsche erfüllt. Möge sie dem Kreise und seinen Bewohnern stets zum Segen gereichen und möge stets ein glücklicher Stern über ihr walten.

ging eS durch feine Gestalt aber der ManneSstolz war zu tief verwundet. Er wandte das Haupt nicht; die Tür fiel dröhnend hinter ihm inS Schloß. Mazda hörte feine Schritte auf der Straße verhallen, dann ging sie, betrübt bis in den Tod, hinauf auf ihr Zimmer. Mechanisch zündete sie Licht an und begann, sich auSzukleiden. Ein frembei Antlitz schien ihr aus dem Spiegel, vor welchem sie jetzt stand, die dunklen Locken zu kämmen, entgegenzublicken, starr und bleich sah sie aus, ali wäre alles Leben aus ihr gewichen, und ihre Hände bewegten sich wie die mechanischen Bewegungen eines Automaten.

Mag die Rose dann entblättert sein, ihrer DufteS, ihrer Farben beraubt, was kümmert das die Menge," wiederholte sie jetzt leise die Worte, welche ihr Vater einst gesprochen an jenem ihr unvergeßlichen Abend auf dem Schlosse in dem heimatlichen Dorfe, wo ihr zum ersten Mal der flüchtige Ge­danke gekommen, die Heimat zu verlassen.

Soll ich zurückkehren, am Herzen bei VatcrS und der Schwester mein Leid auSweinen? Und daS einfache Leben wieder beginnen, welches ich damal» wie eine schwere Bürde von mir geworfen?" so fragte sie sich.Nein, nein, ich könnte eS nimmer!" MagdoS Augen leuchteten wieder auf, er kam Leben in bai erstarrte Antlitz, und sie flüsterte: Noch habe ich meine Kunst, o, sie wird mich nicht verlassen, wie er eS getan, sie wird nicht an mir, an meinem reinen Wollen zweifeln und mich nicht kränken, o, so tief wie er, ihm hätte ich sie geopfert, ihm allein! An seiner Hand hoffte ich da» höchste Glück zu erreichen, statt dessen lehrt er mich die tiefe Seelenqual kennen, die an Verzweiflung streift. Aber eine Errungenschaft für die Kunst und für daS Leben habe ich dabei gewonnen. Die Tragik meiner Rollen lehrte er mich verstehen, ja, jetzt erst werde ich den rechten Ton finden für daS gesungene LiebeSleid, welches Dichter und Komponisten ihren Gestalten einhauchen, aber bai jubelnde Glück, wie ei sonst so voll und reich auS dem Herzen quoll, wenn ich dich sah, wie soll ich ei jetzt noch fingen, nachdem du, o Hubert I" Sie vollendete den Satz nicht, ein Tränenstrom drängte sich unaufhaltsam aui ihren Augen. Sie war nur noch ein unglücklich liebende», elendes Menschen­

1912.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 19. September 1912.

Der Bürgermeister Scheer in Ransbach ist am 12. Sept. d. I. als solcher für einen am 8. November d. I. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden. Ich habe biefe Wiederwahl bestätigt.

I. A. No. 6835. Der Landrat

von Gruneliu».

HrrSseld, den 23. September 1912.

Die Räude unter den Schasbeständen des Landwirt» Samuel Otto und Genossen in Gombeth, Kreis Homberg, ist erloschen.

I. 11008. Der Landrat.

I. A.:

- Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Frhr. o. Marschali f.

Mit dem kurz vor Vollendung seines stetigsten JahreS in Badenweiler, nicht weit von seiner heimatlichen Scholle, dahingeschiedenen Frhrn. Marschall von Bieberstein hat daS deutsche Reich einen Staatsmann verloren, der von allen deutschen Diplomaten im AuSlande daS größte Ansehen genoß. Vierzehn Jahre lang war er Vertreter des Kaisers am golde­nen Horn. Die große Stellung, die er sich in Konstantinopel erwarb uns; nach br-^turü des absolutistischen Regiment» unter Avdul Hamiv zu ocyaupten verstano, verdankte er einer Verbindung von ganz ungewöhnlichem Scharfsinn mit großer persönlicher Zuverlässigkeit und einer im geeigneten Moment imponierend auftretenden Energie.

Er besaß die Gabe, in den Dingen, die sein Geist erfaßte, seine Ueberzeugung mit unvergleichlicher dialektischer Beredsam­keit zur Geltung zu bringen. Selten ist der Abgang eine» Botschafters gleichmäßig von der Regierung, bei der er be­glaubigt, wie von der Kolonie, die seiner Obhut anvertraut war, so bedauert worden wie der der Marschall» von Kon­stantinopel.

Für die Aufgabe, die ihm in London bevorstand, hat er nichts Rechtes mehr tun können. Nachdem die mit Lord HaldaneS Besuch jn Berlin eingeleiteten Besprechungen über eine deutsch-englische Annäherung inS Stocken geraten waren, mußte von deutscher Seite zunächst eine abwartende Haltung eingenommen werden. Bald nach seiner persönlichen Ein­führung beim König und den englischen Ministern trat Frei­herr von Marschall seinen Sommerurlaub an. So hatte er keine Zeit, daS ihm sremde Londoner Terrain zu studieren. Die eigentliche diplomatische Arbeit blieb dem Herbst und Winter Vorbehalten.

kind, welches jetzt wie gebrochen auf bai weiche Lager sank; die Gedanken an ihre Kunst vermochten ihr keinen Trost mehr zu geben, denn auch diese, mußte sie sich mit bitterer Qual gestehen, war eng verbunden mit ihrer Liebe. Die Liebe allein war der Sonnenstrahl gewesen, der ihr ganze» Sein durchleuchtete. Wie EiseShauch war da» harte Wort, der geringschätzige Blick deS Geliebten in bai junge Herz ge­fallen und drohte dort alle-, waS erst im Keimen und Werden begriffen war, zu verwüsten.

15.

Gottes Barmherzigkeit hat dafür gesorgt, daß gute Menschen das Unglück und daS Elend fast noch leichter er­tragen als das reiche Erdenglück, und diese erhebende Er­fahrung wurde auch Mazda zu teil.

Mazda dünkte ihr Kummer, nachdem einige Wochen da­rüber hingegangen waren, nicht mehr so hoffnungslos. Noch lagen ja nicht Welten zwischen ihr und dem Geliebten, ein Tag konnte ja noch kommen, wo ein gütiges Geschick sie zusammensührte und wo daS erlösende Wort gesprochen wurde. Sie hoffte daraus von Tag zu Tag, doch jeder Tag trog ihre Hoffnungen. Der Baron war unsichtbar geworden seit jenem verhängnisvollen Abende. Nie mehr suchte er den Salon der Frau Eanno auf, auch bai Theater mied er. Einmal nur war ihm Mazda auf der Straße begegnet, aber er hatte ei sichtlich vermieden, sie anzusehen; steif, fast unge- schickt, hatte er feinen Hut gezogen und sein erblassende» Antlitz schnell gewandt. Trotzdem wollte bai Hoffen nicht erlöschen in dem jungen Herzen; seine Verwirrung war ihr nicht entgangen, und fast frohlockend hotte eine Stimme in ihrem Innern gerufen: Ich kann ihm doch noch nicht gleich- giltig sein!

Während so Mazda leise hoffte und harrte, sümpfte der Baron energisch gegen seine Neigung zu der jungen Sängerin. Er wollte sie vergessen, jedes Erinnern an sie verbannen. Ihr Bild stand verhangen in einer Ecke bei Atelier-, nie warf er einen Blick darauf. Aus seiner Staffelei war ein mächtige» Stück Leinwand auSgefpannt. Er beabsichtigte, ein große» historischer Bild zu male», tief in die Vergangenheit hatte er