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Herzfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 117. Dienstag, den 1. Oktober ~ ISIS.
Amtlicher teil.
Herkfeld, den 24. September 1912.
Bekanntmachung.
Der Kreis HrrSseld hat sich in AuSsührung deS Beschlusses bei Kreistages vom 27. April 1912 über die Regelung der Ziegenbockhaltung im Kreise HrrSseld zu der Anschaffung von Saanenziegenböcken entschlossen.
Einige Saanen-Ziegcnböcke gelangen in den nächsten Tagen in einzelnen Sprungbezirken zur Aufstellung.
Interessenten seien deshalb daraus aufmerksam gemacht, daß eS sich empfiehlt, bei Neuanschaffungen von Ziegen nur reinrassige Saanen-Ziegen zu beschaffen, welche in Herdbücher eingetragen sind, damit die fallenden Bocklämmer wieder zur Zucht verwendet werden können.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 7126. von Grunelius.
HrrSseld, den 25. September 1912.
In den nächsten Tagen lasse ich den Ortspolizeibehörden deS Kreises die Anweisung 1912 über die Brieftauben-Ange- legenheiten für die Polizeibehörden zugehen. Ich ersuche sich mit dem Inhalte der Vorschriften vertraut zu machen und danach zu verfahren.
I. 10956. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
Die Fremdenlegion.
Wiedereinmal ist in deutschen Blättern von der französischen Fremdenlegion die Rede gewesen, und zwar nur wieder einmal zum Beweis, daß noch immer alle» eindringliche Warnen vor dieser Söldnertruppe wenig oder nicht» fruchtet. So fand sich unter 131 Elsaß-Lothringern, die sich jüngst in Straßburg wegen Verletzung der Wehrpflicht zu verantworten hatten, ein beträchtlicher Teil, der sich für die Fremdenlegion hatte an- werben lassen, und säst unvermindert groß scheint die Zahl derjenigen Deutschen auS anderen Gauen deS Reiches zu bleiben, die der genannten Truppe der französischen Kolonial- armer nach wie vor zulaufen. An aufklärender Arbeit über die wahre Beschaffenheit der Fremdenlegion, über daS furchtbare, vielfach als geradezu höllisch gekennzeichnete Schicksal, daS fast regelmäßig denen bevorsteht, die Leichtsinn und Abenteuerlust dorthin verschlagen, kann also immer noch nicht genug geschehen.
Daß sich junge Elsaß-Lothringer verführen lassen, in die Fremdenlegion einzutreten, mag insofern noch einigermaßen begreiflich erscheinen, alS eS im ReichSlande deutschfeindliche
Um €bre und Liebe.
Roman von Fanny Stück ert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Wie ihm zum Höhne intonierte die Badekapelle jetzt eine Phantasie aus dem Tannhäufer. Diese herrlichen Melodien, die so dahinfluteten durch die frische balsamische Lust, schienen mit tausend Stimmen die verbannten Erinnerungen an Mazda wach zu rufen. ES bedurfte der ganzen Energie deS jungen BaronS, der sehnsüchtigen, sentimentalen Stimmung, die ihn zu übermannen drohte, Herr zu werden. Und der stolze Wille eines ManneS vermag viel.
Trotzig drückte er jetzt den Klemmer wieder fest und ließ seine Blicke über daS bewegte Bild schweifen. Auch den jungen Damen, welche sich augenscheinlich bemühten, seine Aufmerksamkeit zu erregen, widmete er jetzt ein lebhafteres Interesse.
„Die kleine, lachende Schöne ist doch so übel nicht, Papa," begann er die unterbrochene Unterhaltung wieder. „Die Grübchen sind bezaubernd in den rosigen Wangen, und die Schelmerei in dem Antlitz ist vielleicht fesselnder, als wenn nur Geist und Wissen aus ihrer Stirn thronte."
Der alte Herr lächelte.
»3$ sehe, du hast mit trotz deiner Künstlerlaufbahn ganz vernünftige Lebenianschauungen bewahrt. Ja, ein solch lachende», rosige» Geschöpfchen ist mir auch tausendmal lieber als eine geistreiche Frau, man wird nicht warm bei solcher! Doch holt, was ist da« ? Geht dort nicht mein alter Jugend- fteunb, der Professor Werner mit einer Dame am Arm? Graues Haar und Bart wie ich, aber die Haltung Gang unverändert wie ich vor dreißig Jahren. Entschuldige mich, wenn ich dich allein lasse, Hubert, aber ,ch muß mich überzeugen, ob ich mich nicht getäuscht habe.
Er eilte mit jugendlicher Lebendigkeit zum Garten hinaus
Blätter gibt, die in ihrer Franzosensreundschast der Legion fortgesetzt Loblieder singen. In deutschen Zeitungen ist alle-, was dort zum Preise der Legion gesagt wird, von sachkundiger Seite genugsam widerlegt worden, dergestalt, daß sich eigentlich kein Deutscher mehr finden sollte, der den unverantwortlichen Schritt tut, in dieser Truppe zu dienen. Kürzlich feierte auS seiner deutschfeindlichen Gesinnung heraus ein Colmarer Blatt die Legion als „eine ehrenvolle Zuflucht für Unglückliche, die nach einer Jugendverirrung sich wieder eine ehrenvolle Existenz erringen wollen und die, um erhobenen Hauptes in ihr soziales Milieu zurückzukehren, den dornenvollen Weg militärischen Ruhmes wählen." „Unb wie viele andere haben da", hieß eS in dem französischen Blatte weiter, „unter der Sonne Indiens oder Afrika, die Achtung vor sich selbst und den Frieden deS Gewissen» in der freiwillig übernommenen Unterordnung und dem Heldentum unbekannten Opfermutes wiedergesunden?"
DaS Gegenteil davon ist Wahrheit, ist Wirklichkeit: noch nie hat sich einem Deutschen die französische Fremdenlegion alS eine „ehrenvolle" Zuflucht, als die Grundlage, worauf sich eine „ehrenvolle" Existenz wieder erringen läßt, alS der Weg zu glänzender militärischer Laufbahn oder gar zur Wiedergewinnung deS Friedens deS Gewissens erwiesen. Alle Deutschen, die aus eigener Anschauung die Legion kennen gelernt haben, schildern daS Leben in ihr als ein an Not, Elend und Schande jeder Art unvergleichlich fluchwürdiges Dasein, woraus nur zu oft allein noch der Tod Erlösung zu bieten vermag. Ehre und Fremdenlegion haben nicht? miteinander zu tun. ES klingt fast wie bitterster Hohn, daS edle Wort „ehrenvoll" im Hinblick auf die Fremdenlegion auSzusprechen; ihr Wesen, ihr Wirken, ihr ganzer Bestand ist alle? andere, nur nicht „ehrenvoll". Entehrend ist die menschenuzrwürdige Behandlung in der Fremdenlegion, und nicht minder ist die unmenschliche Bestrafung, die dort gehandhabt wird, so, alS ob von vornherein damit gerechnet wird, daß sie Ehrlose trifft, denen also durch bestialische Strafen die Ehre nicht mehr genommen werden kann. Mit deutscher Ehre, insbesondere mit deutscher Soldaten- ehre, ist eS völlig unvereinbar, in einer fremden Köiperfchaft Blut und Leben zu opfern, die an eine mittelalterliche Truppe vaterlandSloser Landsknechte erinnert, die dem Meistbietenden ihre Dienste und ihre Ehre verkauften. Und dennoch besteht beinahe die Hälfte der Fremdenlegionäre auS Söhnen Deutschlands. Bedenkt man, daß jährlich etwa 3500 bis 4000 Deutsche in die Fremdenlegion eintreten und daß seit deren Bestände (1831) mindesten? 125 000Deutsche in den französischen Kolonien umgekommen find, so wird man verstehen, wenn im vorigen Jahre ein ehemaliger Offizier der Fremdenlegion in einem Liegnitzer Blatte von dieser sagte: sie sei heute noch genau so wie seit Jahrzehnten für Deutschlands Söhne ein Massengrab, im wahren Sinne deS Worte? eine Löwengrube, in die zwar viele Fußtapfen hinein, aber nur wenige hcrau?- führen.
Wahrlich noch immer tut in Deutschland Aufklärung über
nach der belebten Promenade, welche zum Strand hinunter sührtc.
„Werner, Professor! Alter Freund!" tief der Baron jetzt mit lautet Stimme hinter dem langsam gehenden Paar her.
Beide wandten sich jetzt um. E» war der Prosessor Werner mit seiner Tochter Elise, welche jetzt dem Baron entgegengingen. Einige Augenblicke starrten sich die beiden alten Herren an. Dann erscholl eS fast gleichzeitig aus ihrem Munde: FolgerSdors I Werner I Du bist eS! Mit großer Herzlichkeit begrüßten sich die beiden alten Herren. Lange Jahre waren dahingegangen, seit sie sich zum letzten Mal gesehen, jedoch die Erinnerung an die Jugendzeit und an diejenigen, die unS in jener Zeit nahe gestanden, bleibt ewig frisch in unserm Herzen und eS gibt fast keine reinere Freude im Alter, als mit alten Jugendfreunden längst vergangener schöner Stunden zu gedenken. So geschah eS auch bei dem Wiedersehen zwischen dem alten Baron FolgerSdorf und Professor Werner. Arm in Arm wandelten sie am Strand entlang und ließen die gemeinsam verlebten Jugendtage lebendig an ihrem Geist vorüberziehen. Elise schritt, um nicht zu stören in diesen Ergüssen, langsam hinterher.
„Also in den Thüringer Wäldern hast du dich vergraben," fragte der Baron, alS sie endlich auf die Gegenwart zurück» gekommen waren.
„Ja, Du weißt eS, meine Lebensziele waren stets zu hoch gespannt," erwiderte der Professor Werner. „Ich wurde auch in meinen volkswirtschaftlichen Ansichten scharf angegriffen und mit wurde dadurch der Lehrstuhl an der Universität verleidet. AlS ich dann noch meine geliebte Frau verlor, suchte ich die Einsamkeit auf und ging zu einem meiner ehemaligen Schüler, der mir den Direktorposten an der von ihm gegründeten Ackerbauschule anbot. Zugleich hatte ich den idealen Traum, meine Töchter vor jeder Berührung mit der Welt zu bewahren. Blumengleich sollten sie sich entfalten, nicht ein trüber Hauch von außen sollte aus die reinen Blüten ihrer Seelen fallen. ES war Torheit, und eS tut nimmer gut, ein junges, phantasirreicheS Leben
die Fremdenlegion not, noch weit mehr als bisher, damit endlich der Jammer aufhöre, daß eine an sich fchand- und grauenvolle fremde Einrichtung zum guten Teile mit deutschem Blute ihr ehrloses Dasein weiter friste.
Am Jn- und AMiawd.
Berlin, den 29. September 1912.
Während deS jetzigen JagdaufenthaltS deS Kaisers in Rominten wurde diesem bei seinem ersten Besuche deS Dorfes eine hübsche Ueberraschung zuteil. Am Dorscingange hatte die auS der Rominten« männlichen Jugend gebildete Abteilung deS WehrvcrcinS in ihren neuen Uniformen Ausstellung genommen und wurde vom Kaiser und seiner Gemahlin eingehend besichtigt. Der Kaiser richtete an verschiedene Knaben Fragen und gab feine Freude darüber zu erkennen, daß auch in seinem Rominten die Jugend mit Leib und Seele der militärischen Erziehung zugetan ist. Ein Vorbeimarsch beschloß die kleine BegrüßungSszene, für die der Kaiser noch durch Bereitung eines vergnügten Nachmittags zu danken versprach.
Die preußische StaatSregierung hat beschlossen, der Einsuhr von frischem Rindfleisch auS dem europäischen Rußland und von frischem Rind- und Schweinefleisch auS Serbien, Rumänien und Bulgarien für eine Anzahl großer Städte, wenn da? Fleisch zu einem möglichst niedrigen, unter Mitwirkung der Behörden festgesetzten Preise an die Verbraucher verkauft wird, ebenso die Einfuhr frischen Schweinefleisches aus Rußland für einzelne östlichen Städte, sowie die Einfuhr von Schlachtrindern aus den Niederlanden in geeignete öffentliche Schlachthöfe. Das Verbot der Einfuhr von frischem Rindfleisch au» Belgien wird ausgehobm. DaS Kontingent russischer Schlachtschweine für Oberschlesien wird vorübergehend erhöht. Ferner find verschiedene Tarifermäßigungen geplant. Endlich soll der BundeSrat durch Gesetz ermächtigt werden, den Gemeinden, die einen Fleischverkauf einrichten, den Ein- gangSzoll teilweise zu erstatten (statt 35 oder 27 Mk. 18 Mk.) In der Begründung der „Nordd. Allgem. Ztg." zu den Maßregeln der Regierung gegen die Fleischtcuerung heißt eS zum Schluß: Im übrigen ist sich die preußische Regierung darüber klar, daß die dauernde Sicherstellung unserer Fleisch- Versorgung nur durch die Erhaltung und Verstärkung unserer noch einer weiten Ausdehnung fähigen heimischen Viehzucht erreicht werden kann. Diese mit allem Nachdruck zu fördern durch vermehrte Aufstellung von männlichen Zuchttieren, verstärkter Futtermittclbau, Anlegung von Viehweiden, namentlich aber durch die kraftvolle Förderung der Landesmeliorationen, der inneren Kolonisation und der Urbarmachung der ausgedehnten Moor- und Oedlandflächen wird die vornehmste Ausgabe der nächsten Jahre sein.
Nach den jetzt endgültig festgestellten Zahlen betrug die Zahl der Streiks in Deutschland im Jahre 1911
in die Einsamkeit zu vergraben. Ich habe daS schwer büße" müssen, sagte er mit einem tiefen Seufzer. „Mein Liebling ist mir davon geflogen, ohne Abschied, in» Weite, doch schweigen wir davon, frage mich nicht weiter danach; eS gibt eben Wunden, die nie vernarben. Mir blieb noch ein Kind, Elise. Sie ist meine treue Gesährtin, ihr zu Liebe habe ich die Einsamkeit noch einmal verlassen, damit auch sie etwas von der Welt sehe und kennen lerne, ehe ich, ihr Vater, ganz daraus scheide."
„Oho, alter Junge, sprich mir noch nicht vom Scheiden auS der schönen Welt," tief der Baron jovial. „Du siehst so frisch und munter auS wie selten ein Mann in Deinen Jahren. Schnappe nur noch tüchtig Seeluft, denn die ist daS wahre Leben-elixir."
„Die Reife hat wir allerdings wunderbar gut getan, eS weht mich an wie frischer Lebens- und Jugendmut, aber unsere Jahre find gezählt," entgegnete Werner.
„Darum eben gerade jede Stunde noch wahrgenommen bester Freund," lachte der Baron. „Zu morgen bitte ich Dich nebst Fräulein Tochter, meine Gäste zu fein. Ich erwarte Euch zur Dinerstunde aus dem Schloß meiner Väter. Meine alte Haushälterin ist zwar gerade keine Kochkünfllerin ersten Range», aber ein gutes Glas alten Wein liefert mein Keller noch. Jetzt muß ich meinen Sohn aussuchen, der wahrscheinlich dort im GesellschaftSgarten ganz in Bettachtung schöner Damen versunken ist."
Baron Hubert hatte soeben der jungen Damenschar den Rücken gewendet, um nach seinem Vater aukzuschauen. Noch im Fortgehen hörte er, wie er von den lachlustigen Schönen für den steinernen Gast erklärt wurde, welches große Wort allgemeine Heiterkeit erregte. Da» frische Lachen der jungen Mädchen hatte etwa? so Ansteckende-, daß er sich fast sehnte, mit einstimmen zu können in diesen hellen Ton der Freude, der nur der Jugend eigen ist. Die lachenden Stimmen der schönen Spötterinnen versolgten ihn noch, al» er mit seinem Vater aus dem dunklen Waldweg heimging, eS schien, als blitzten auS Baum und Strauch ihm lustige Schelmen- augen entgegen, und riefen Helle Stimmen ihm zu, wie