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herrfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 118.

Donnerstag, den 3. Oktober

1912.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 30. September 1912.

Im Anschluß an meine Verfügung vom 16. d. MtS. I. A. Nr. 4639 KreiSblatt Nr. 112 bringe ich zur Kenntnis, daß in den Gemeinden ASbach, Friedlos, GitterS- dorf, KathuS, KerSpenhaufen, Mecklar, SiegloS und Unter- haun Ziegenböcke für die zu den betreffenden Sprungbezirken gehörigen Gemeinden ausgestellt sind.

Die Herren Bürgermeister der in Betracht kommenden Gemeinden ersuche ich, dies auf ortsübliche Weise bekannt zu machen und in der Bekanntmachung auch gleichzeitig zum Ausdruck zu bringen, daß für die Ziegenböcke die einstweilige Erlaubnis zum Decken für die Zeit bis zur demnächstigcn Körung erteilt worden ist.

Der Vorsitzende des Kreisausfchuffes:

I. A. Nr. 7214. von GruneliuS.

nichtamtlicher Ceil.

Die wachsende Kriegsgefahr im Drient.

Die Könige von Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro haben die Mobilmachung ihrer Heere ungeordnet, und damit kann ein Stein in» rollen kommen, welcher auf dem Balkan die Existenz der Türkei vernichtet. ES wird zwar aus Wien und Petersburg amtlich gemeldet, daß eS den ver­einten Bemühungen der Großmächte noch gelingen könnte, die Kriegsgefahr im Orient zu beschwören, aber man soll sich doch darüber klar werden, daß in Bulgarien und Serbien und sicher auch in Montenegro eine leidenschaftliche KriegSlust gegen die Türkei besteht und daß dort die Völker den Rache­kamps gegen den alten Feind, der sie Jahrhunderte hindurch geknechtet hat und noch immer ein schweres Hindernis für die gesamte nationale Entwickelung der Balkanstaaten ist, bis aufs Messer wünschen, ja sogar verlangen. Man kann eS dem bulgarischen Heere im Bunde mit der serbischen Armee auch zutrauen, daß sie KriegSerfolge gegen die Türkei haben werden, denn das bulgarische Herr soll 350 000 Soldaten inS Feld stellen können, und der serbischen Armee wird eine ähnliche Kriegsstärke zugetraut, wenn alle Aufgebote einberufen werden. Aber wenn eS an der Ausrüstung in diesen beiden Heeren auch fehlen sollte, und zumal auch die bulgarifche Armee einen Mangel an Offizieren auszuweisen hat, so bleibt doch eine bedeutende Kriegsmacht den Königen von Bulgarien und Serbien unter allen Umständen zur Verfügung.

Die auswärts verbreitete Nachricht, daß der Pforte ein serbisch-bulgarisches Ultimatum betreffend die Autonomie in

Um Ehre und Liebe.

Roman von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wäre ElisenS Geist weniger schwerfällig gewesen, hätte sie jedenfalls schnell kombiniert, daß der fremde Herr ihre Schwester kennen müsse, aber daS kleine Abenteuer beschäftigte ihre Fantasie nur gänzlich in Bezug auf ihre Persönlichkeit. Die Erinnerung an Mazda war überdies durch all die neuen Eindrücke der Reise sehr in den Hintergrund getreten. Zum ersten Mal erfaßte sie daS Leben in seinem wechselvollen Reiz, und heute an diesem wundervollen Sommermorgen, da schien eS, als wollte die Romantik, die lange Jahre in dem jungen Herzen ElisenS geschlummert, erwachen. Die Gedanken an Kochen, Sinmachen, Nähen und Stricken traten vor der reiz­vollen Gegenwart in den Hintergrund, auch in ihr praktischer, nüchternes Leben schien sich ein Stückchen Poesie einweben zu wollen. Sie ordnete jetzt sorgfältig die Blumenspende zu einem Sträußchen und schaute dann mit leuchtenden Blicken auf zu dem Geber.

Die holden Blumen haben schon für Ihre Verzeihung gesprochen, denn wer Blumen liebt und sucht, ist gewiß nicht schlecht," sagte sie einsach und wandte sich zum Fortgehen.

Lange, lange starrte der Baron ihr nach; ihr Gang, die Haltung, die Stimme, alles mahnte ihn an Magda, und doch war er ihm, als läge eine himmelweite Kluft zwischen dieser und jener Mädchengestalt. Magba glich in seinen Augen einer Blume, deren Blätter rauhe Hände berührt und den zarten Farbenschmelz für immer verwischt, während daS junge Mädchen mit den Kinderaugen, die dort hinter den grünen Bäumen jetzt verschwand, noch den ganzen Zauber der Unschuld und Reinheit, in den, ach ihm einst so teueren Zügen trug.

18.

Du kommst sehr spät!" sagte der alte Baron vorwurfs­

Mazedonien überreicht worden sei, wird zwar von der Pforte für falsch erklärt, dessen ungeachtet bleibt aber die Tatsache bestehen, daß zunächst Serbien für sich allein mit einer sehr kategorischen Forderung an die Türkei herangetreten ist.

Der serbische Gesandte Nenadowitsch in Konstantinopel hat nicht eine Note überreicht, sondern bei dem türkischen Minister deS Aeußeren Noradunghian persönlich Vorgesprächen. Er erklärte, die serbische Bevölkerung befinde sich wegen deS nichtgehaltenen Versprechens der Türkei, die bei dem Transport nach Serbien ungehaltene Munition sreizugeben, in einer sehr gereizten Stimmung. Sie müssen daher eine entschiedene und klare Antwort haben, und zwar binnen achtundvierzig Stunden, ob die Durchfuhr freigegeben oder der Rücktransport nach Marseille gestattet werde. Noradunghian erwiderte, die Zeit sei zu kurz. Er würde die Angelegenheit am Mittwoch dem Ministerrat vorlegen, doch könne auch dieser schwerlich schon in so knapper Zeit eine endgültige Antwort geben. Er lege sehr viel Wert aus gute Beziehungen zu Serbien. Nenadowitsch erklärte hierauf, die Stimmung in Serbien sei so unhaltbar, daß er unbedingt auf einer Antwort binnen achtundvierzig Stunden bestehen müsse.

In London hält man an der Behauptung fest, daß Bul­garien und Serbien ein gemeinschaftliches Ultimatum wegen Mazedo»ienS an die Türkei gerichtet hätten, und daß, wenn keine befriedigende Antwort gegeben werden sollte, die Kriegs­erklärung folgen werde. Die Lage auf dem Balkan gilt jetzt in England als äußerst kiitijch. Sir Edward Grry, der britische Minister für auswärtige Angelegenheiten, ist noch nicht wieder in London angelangt. Er dürfte aber heute dort ein- treffen, um angesichts der plötzlich am politischen Himmel ausgehenden KriegSwolken noch eine weitere Beratung mit Sfafonow zu pflegen.

In deutschen amtlichen Kreisen herrscht Pessimismus über die weitere Entwickelung der Situation. Bis zuletzt hatten die Großmächte gemeinsam und jede für sich in Sofia, Belgrad und Konstantinopel vor Mobilisierung gewarnt. Bis zur Stunde also besteht auch die Einigkeit aller Mächte in dem Willen, den Kriegsausbruch zu verhindern, und das sei daS einzig erfreuliche Moment der von Gefahren starren Lage. Die Diplomatie werde ihre Bemühungen, einen kriegerischen Zusammenstoß zwischen den Türken und den übrigen Balkan­staaten zu verhindern, auch jetzt noch fortsetzen. Die Hoff­nung aber, daß dies gelingen wird, sei säst bis aus den Nullpunkt gesunken.

Die gestern im HeereSausschuß der österreichischen Delegation vom Grafen Berchtold angekündigte Tätigkeit der Großmächte wird, dem Vernehmen nach, alsbald einsetzen. Vermutlich dürsten die Großmächte in Konstantinopel wie den Balkan­staaten aus Rückgängigmachung der den Frieden bedrohenden Mobilisierungsmaßregeln hinwirken. Bulgarien und Serbien haben bisher ein Ultimatum mit politischen Forderungen an die Pforte nicht gestellt.

DerTag" meldet: Die Großmächte wollen in Kon-

voll, als Hubert, nachdem er, in großer Aufregung über die Begegnung stundenlang im Walde herumgelaufen, jetzt endlich zur Mittagszeit auf dem Schlosse anlangte.Ich sagte Dir doch, daß ich meinen Freund, den Professor Werner, mit seiner Tochter zum Diner eingeladen."

Mein Gott, vor zwei Uhr werden ja wohl die hohen Gäste nicht erscheinen, ich habe ja dann noch vollauf Zeit, ein wenig salonmäßige Toilette zu machen," entgegnete Hubert.

Ja, wenn weiter nichts zu tun wäre," erwiderte sein Vater,aber die Wirtschafterin ist ganz auS dem Häuschen über die Gäste. Ich habe schon überall selbst mit Hand an* legen müssen, da die Mädchen auf dem Felde sind. DaS alte Weib ist wirklich zu nicht» mehr zu gebrauchen. Mit Mühe und Not habe ich sie dazu gebracht, einige Tauben zu schlachten, an einen guten Braten ist gar kein Gedanke. Den Kutscher habe ich nach Fischen geschickt."

Hubert lachte hell aus. Vor dieser Prosa schwanden all' seine Träume, denen er im Walde nachgehangen.

Ja, Papa, eine junge Frau muß inS HauS, sonst kommen wir noch um bei dem Drachen," sagte Hubert lachend.

Ein Paar rundliche, weiße Hände tauchten beruhigend auf vor seinen Blicken, sie hatten feine Blumen so zierlich geordnet, sie verstanden eS gewiß, einen Hausstand zu leiten, so energisch und geschickt hatten die kleinen runden Finger auSgesehen, so ganz ander» alS die schlanken, weißen Hände MagdaS, die stets so vornehm lässig, so graziös im Schoße ruhten. Mit komischem Eifer begann Hubert jetzt, dem alten Vater bei dem Arrangement der Tafel zu helfen, aber trotz deS besten Willens der beiden Herren gelang eS ihnen doch nicht, der Tafel ein besonder» geschmackvolle» Aussehen zu geben, und die alte Haushälterin, welche jetzt einen Stoß Teller hereintrug, zuckte geringschätzig die Achseln über diese Bemühungen ihrer Gebieter.

Die Suppe ist fertig, und wenn die Herrschaften nicht bald kommen, wird sie kalt," «klärte fie mit grimmiger Stimme.

stunlinopel sowohl wie in Sofia, Belgrad und Athen nach­drücklich aus die Rückgängigmachung der den Frieden bedrohenden Mobilisierungsmaßnahmen hinwirken. Rumänien, daS eine HeereSmacht von 400 000 Mann hinter sich hat, fordert gleichfalls Erhaltung deS Frieden». Nach den jüngsten Meldungen soll der Zweck der Mobilisierung durch türkische Versprechungen bereit» erreicht und auf eine Entspannung der Lage zu hoffen fein.

Wien, 1. Oktober. Die teilweise Beruhigung, die gestern abend durch die Erklärungen deS Grasen Berchtold in Wien eingetreten war, ist noch im Lause der späteren Abendstunden geschwunden. Die bald eingelaufene Nachricht über die Mobilisierungen in Griechenland und Montenegro sowie die Bestätigung der Nachricht, daß sich an der montenegrinischen Grenze bereits Kämpse abspielen, bei denen selbst nach türkischen Meldungen eine Anzahl regulärer türkischer Soldaten gefallen ist, ließ die Hoffnungen, die Gras Berchtold auf die Zwischen­zeit zwischen Mobilisierung und Kriegsausbruch setzte, wesentlich geringer erscheinen. Am heutigen Vormittag sanden im Ministerium deS Aeußern ununterbrochen wichtige Beratungen statt, von denen der Kaiser fortwährend unterrichtet wurde. ES verlautet mit Bestimmtheit, daß Oesterreich bereits eine selbstverständlich im freundschaftlichen Tone gehaltene Anfrage an Rußland über Zweck und Ziel der Probemobilisierung ge­richtet habe. Die hiesige Börse, die gestern gegenüber den ersten MobilisierungSnachrichten ziemliche Festigkeit bewiesen hatte, verlor heute bereits bei der Vorbörse ziemlich die Fassung. Leitende Papiere erlitten enorme Kursverluste. Die Stimmung in Finanz- und Jndustri-kreisen ist überaus erregt, da Oester­reich bekanntlich viele Millionen gerade in den Balkanstaaten ausständig hat.

Die Stärke der verschiedenen Heere auf dem Balkan beziffert sich wie folgt: Die Türkei vermag besten Falles ein Heer von etwa 450 000 Mann allen ihren Gegnern entgegenzu- stellen. Bulgarien verfügt über etwK 300 000 Mann, Serbien über höchstens 120 000, Griechenland über etwa 50 000 und Montenegro über etwa 30 000 Mann.

Ein Balkankrieg von dem Umfange, wie der augenblicklich drohende, eröffnet unabsehbare Möglichkeiten. Nicht nur was den Balkan, sondern auch waS daS übrige Europa betrifft. Wie der Krieg enden mag? Auf den ersten Blick erscheint die Lage der Türken hoffnungslos. Ein Krieg gegen fünf Feinde, deren einer Italien ist! Man soll aber nicht ver­gessen, daß eS 187778 dem übermächtigen Rußland nur mit dem Aufgebot aller seiner unermeßlichen Kräfte mit genauer Not gelungen ist, daS Türkenheer zu bezwingen. Man soll sich deS militärischen Spaziergänger der Türken nach Griechen­land 1897 erinnern, und der Grazie, mit der Ehedem Pascha die Herabkömmlinge der Hellenen zu Paaren trieb. Man muß der beispiellosen LebenSzähigkeit gedenken, die daS oSmanische Reich trotz der Zerstückelung seiner Gliedmaßen und der inneren Zerrissenheit an den Tag legt. Freilich: die Türkei hat immer gesiegt und ist immer um die Früchte ihrer Siege betrogen

Aber beste Frau Böhme, kann fie denn nicht warm gestellt werden?" fragte Hubert.

Nein, die ganze Röhre steht voller Fische, gebratenen Tauben und Gott weiß, was noch," war die unwirrsche Antwort.

Zum Glück tauchten die erwarteten Gäste hinter den Bäumen deS Parkes auf.

Gott fei Dank," murmelte der Baron,mir steht wirk­lich schon der Angstschweiß aus der Stirn, die Alte ist ja wie eine Furie! Hubert, Du mußt heiraten, aus eine andne Weise werden wir diesen Drachen nicht loS. Vielleicht gefällt Dir deS Professors Töchterchen; sie hat so etwa» Anmutige», Hausfrauliches."

Huberts Augen leuchteten jetzt auf im hellen Glanz, als er in deS Professors Töchterchen seine kleine Walds« wieder erkannte.

DaS ist ja herrlich, daß Sie eS sind!" rief er freudig erregt, als sein Vater sie einander vorgestellt.

Unsere alte Haushälterin weigert sich entschieden, die Suppe warm zu stellen, darum bitte ich, sogleich Platz zu nehmen!" sagte der alte Baron jovial.Bitte, Hubert, klingele einmal."

Bald hatte sich die kleine Gesellschaft gruppiert. Ellse übernahm alS einzige Dame in dem kleinen Kreis daS Amt deS VorlegenS, und Huberts Augen ruhten wie bewundernd auf den kleinen, runden Händen. ES war, als ginge ein ganz besonderer Zauber von ihnen auS, und trotzdem die Tauben viel zu scharf gebraten und die Fische fast zerkocht waren, mundete ihm da» Diner vortrefflich. Ein Gejühl von Ruhe und Behagen, welches ihm längst unbekannt geworden, kam Über ihn, wenn seine Blicke wieder und immer wieder seine schöne Nachbarin in dem lichtblauen Kleide, daS so gut zu den aschblonden Locken stand, streiften. Elise gehörte zu den Frauenerscheinungen, die selten eine leidenschaftliche Er­regung bei den Männern hervorrufen, aber wo einst heftige Bewegungen eines Manne» Brust durchzittert, wo die Töne der Leidenschaft langsam erst verklungen und daS ganze Sein erst nach Ruhe schmachtet, wie bei Hubert, übte solch harmo­nisch anmutige Franenerscheinung einen fesselnden Zauber auS.