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herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 123. Dienstag, den 15. Oktober 1912.

Amtlicher Cell.

Fahrpian

für die am 16. und 20. Oktober 1912 verkehrenden Sonderzüge anläßlich des Lullusfestes in Hersfeld.

Sonderzug 1.

SchenklengSseld . . ab ll00 WehrShausen . . ab ll08 RanSbach ... ab ll14

HeimboldShausen . an ll31 Sonderzug 11.

HeimboldShausen . ab 1200 RanSbach ... ab 12" WehrShausen . . ab 1220 SchenklengSseld . . an 1227 Echenklengsseld . . ab 1230 Schenksolz ... ab 1239 Malkomes ... ab 12" Eorga . ... ab 1255 HerSseld . ... an l06

Sonderzug 111.

HerSfeld .... ab 515 Sorga .... ab 526

MalkomeS ... ab 537 Schenksolz ... ab 542 SchenktengSseld . . an 550 SchenklengSseld . . ab 605 WehrShausen . . ab 613 RanSbach ... ab 619

HeimboldShausen . an 634

Sonderzug IV.

HeimboldShausen . ab 645

RanSbach ... ab 7vo

WehrShausen . . ab 7£6 SchenklengSseld. . an 714

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

HerSseld, den 11. Oktober 1912.

Nach § 4 der ReichSgesetzeS über die Sicherung der Bau­forderungen vom 1. Juni 1909, dessen 1. Abschnitt seit dem 21. Juni 1909 in Kraft ist, ist bei Neubauten der Bauleiter verpflichtet, an leicht sichtbarer Stelle einen Anschlag anzubringen, welcher den Stand, den Familiennamen und wenigstens einen ausgeschriebenen Vornamen sowie den Wohnort des Eigen­tümers und, falls dieser die Herstellung deS Gebäudes oder einer einzelnen Teile- deS Gebäudes einem Unternehmer über­tragen hat, deS Unternehmers in deutlich lesbarer und unver­

wischbarer Schrift enthalten muß. Wird der Bau von einer Firma alS Eigentümer oder Unternehmer auSgejührt, so ist diese und deren NiederlassungSort anzugeben.

Ich mache die Ortspolizeibehörden auf die vorstehenden Bestimmungen erneut besonders ausmerksam. Ihre Durchführung ist genau zu beachten. Insbesondere ist bei den regelmäßig vorzunehmenden Revisionen bei Ausführungen von Neubauten festzustellen, daß die erforderlichen 8u|f fristen ordnungsmäßig angebracht find.

I. B. No. 4920. Der Landrat.

I. A: W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSseld, den 12. Oktober 1912.

In Neukirchen, KreiS Hünseld, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.

I. 11839. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSseld, den 5. Oktober 1912. Invalidenversicherung.

Anträge auf Leistungen auS der Invaliden- und Hinter- bliebenenverficherung sind gemäß § 1613 der ReichSversicherungS- ordnung prinzipiell an daS Königl. VerficherungSamt zu richten. Soweit Rentenanträge jedoch bei Gemeinde- und Ortspolizeibehörden angebracht werden, find diese aus Grund deS MinisteriolerlasseS vom 29. August 1912 J.-Nr.III. 5820 in Verbindung mit § 1627 der ReichSversicherungSordnung auch ohne besonderes Eisuchen deS VerficherungSamteS ver­pflichtet, die Anträge auszunehmen mit Ausnahme der Behörden der Stadt Hersfeld. Die von den Versicherten aus der Stadt HerSseld zu stellenden Anträge sind ausschließlich bei dem VerficherungSamt einzureichen.

Aus sämtliche Gemeinde- und OrtSpolzeibehörben erstreckt fich gemäß § 115 der ReichSversicherungSordnung die Ver­pflichtung, bei Bearbeitung der Rentenanträge, insbesondere b-i Aufklärung der tatsächlichen Verhältnisse, aus Ersuchen deS VerficherungSamt» mitzuwirken.

Das VerficherungSamt:

I. A.:

I. V. Nr. 3125. Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 7. Oktober 1912.

Die OrtSpolizeibehörden des KreiseS werden beauftragt, von den in ihren Gemeinden befindlichen Personen, welche im Kalenderjahr 1913 ein Gewerbe im Umherziehen zu betreiben beabsichtigen, die Anträge auf Erteilung von Wandergewerbescheinen nach der vorgeschriebenen Formular- Nachweisung über die für daS Kalenderjahr 19 . . nachge­suchten Wandergewerbcscheine auszunehmen und mit den ent* sprechenden, durch die AuSführungS-Anweisung zur Gewerbe- Ordnung vom 1. Mai 1904 (Sonderbeilage zum Amtsblatt No. 24/1904) zu Titel III. vorgeschriebenen Anlagen-Be-

scheinigungen nach den Formularen A. B. C. und D. versehen, hierher alSbald einzusenden. Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß für diejenigen Gewerbetreibenden, für die im Vorjahr bereits eine Bescheinigung nach dem Formular A. ausgestellt wurde, in diesem bczw. in den nächstfolgenden Jahren eine solche nach Formular C. auSzusertigen ist, und, daß für Begleiter, für welche im Vorjahre die Bescheinigung nach Formular B. auSzustellen war, in diesem bezw. in späteren Jahren die Bescheinigung nach Formular D. auSzusertigen ist.

Für alle, neu inS Wandergewerbe eintretende Personen sind die erforderlichen Bescheinigungen nach den Formularen A. und B. auSzusertigen.

Bei der Ausfüllung der Bescheinigungen A. und B. ist bisher bezüglich der HinderungSgründe der Frage 3 (Krankheit, Gebrechen) oft mitanscheinend nicht," die Frage 5 (Strafen) mitsoweit hier bekannt, noch nicht bestraft" und die Frage 9 (Unterhalt und Unterricht der Kinder) mitin genügender Weise" und mit ähnlichen wertlosen Ausdrücken beantwortet worden. ES ist genau anzugeben, auf welche Art und Weise für die zurückgelassenen Kinder gesorgt wird, und besonders auch, welche erwachsene Persönlichkeit mit ihrer Obhut betraut ist. Ein Strich, statt der Antwort, genügt nicht, auch ist eS unzulässig, die Frage einfach zu durchstreichen. Ueber die Be­strafungen ist in Zweiselfällen die Staatsanwaltschaft (Straf- registerbehörde) um Auskunft zu ersuchen. Nach § 17 der Verordnung deS BundeSratS vom 16. Juni 1882 ist diese amtliche Auskunft über den Inhalt der Strasregister den Bürgermeistern kostenfrei zu erteilen.

Zweckmäßig wenden fich die OrtSpolizeibehörden an die Staatsanwaltschaft deS Landgerichts, zu dessen Bezirk der Geburtsort deS Sefk^ten gehört. Wenn fich Zweifel ergeben, ob der Gewerbetreibende mit einer ansteckenden Krank­heit behaftet ist, so hat der Antragsteller durch eine Bescheinigung des Königlichen Kreisarztes nachzuweisen, baß ein solcher HinderungSgrund nicht vorliegt.

In der Nachweisung selbst müssen die HandelSgegenstände, die Hilfsmittel (Tragkorb, zweispännigeS Pferdefuhrwerk u. f. w.) der BetriebSumfang, der Wert deS Jahresumsatzes und der nach mutmaßlicher Schätzung verdiente jährliche Betrag auS dem Hausierhandel möglichst eingehend bezeichnet werden. Der JahreSbetrag ist auS den letzten Etcuerlisten zu entnehmen.

Die Gründe für einen geringen Steuersatz (körperliche Gebrechen, hohes Alter, Mittellosigkeit u. f. w.) find besonders hervorzuheben. Ferner muß die Nachweisung über die Staats­angehörigkeit, den festen Wohnsitz, die Nummer de» Gewerbeschein? für 1912 und den (auf Reklamation etwa herabgesetzten oder nachträglich erhöhten) Steuersatz Auskunft geben.

Bei Stellung deS Antrags auf Ausstellung eines Wände» gewerbefcheinS hat der Antragsteller weiter die für den Wander- gewerbcschein nach Ziffern 2 und 3 der Bekanntmachung deS Reichskanzlers vom 4. März 1912 (ReichS-Gesetzblatt Seite

Umbre und Liebe.

Roman von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Mazda nickte mit müden Augen und sagte:Er ist eine lange, traurige Geschichte, aber ich bin rein und schuldlos, Vater, ich tat nichts Unrechtes."

Ich glaube eS Dir, mein Kind," erwiderte der Vater be­wegt und drückte ihr den GutenachtSkuß auf die Stirn. Bald empfing ein ruhiger, traumloser Schlaf die unglückliche Mazda.

Als ihr Vater später noch einmal an ihr Lager trat, waren ihre Wangen vom Schlafe sanft gerötet, ihr Atem war ruhig wie der eine» Kindes. Lange betrachtete er das im Schlaf so liebliche Antlitz.Sie ist ohne Schuld," sagte er dann tief bewegt und faltete dann wie zum Gebet die Hände. Ich danke Dir, Gott, daß Du sie mit wieder gegeben," und Tränen der Rührung und Freude rollten über die gefurchten Wangen deS alten Herrn.

25.

Die goldene Morgensonno hatte schon längst neugierig durch die bunt geblümten Vorhänge deS kleinen EtübchenS gelugt, wo Mazda ruhte. Sie war eine jener glücklichen, ge­sunden Naturen, die auch nach den größten Anstrengungen und seelischen Erregungen im tiefen Schlaf Stärkung und Erquickung finden. AlS Mazda jetzt endlich erwachte, da wurden zwar die Szenen deS vergangenen TageS in vernichten- bet Klarheit wieder lebendig vor ihren Augen, aber sie fühlte körperlich erfrischt durch den langen, traümloscn Schlummer, Lou$ fn ihr» Seele etwas von der alten Elastizität er» ®°hI*«. Sie stand auf und kleidete sich an. Dann trat sie vor den kleinen Spiegel, die Locken zu ordnen.

»Welch ftöhlichrs Antlitz lachte mir sonst auS diesem Mas entgegen," sagte sie traurig,damals, als die unbekannte Welt noch so lockend in weiten Fernen lag, ach, der gestrige Tag hat wohl alle Blüten aus meinem Leben gestreift. Ich

wäre wahnsinnig geworden, hätte nicht noch, ehe alles Nacht in mir wurde, des Vaters teure Stimme mein Ohr erreicht. Nun ist alles klar, ach, so entsetzlich klar."

Sie setzte sich, als ihre Toilette beendet, aus einen Stuhl am Fenster. Da lag wahrhaftig noch die angefangene Stickerei, an welcher sie vor fünf Jahren gearbeitet hatte und daneben daS blaue Band, welche» sie in den Locken getragen und dort LenauS Gedichte. Sie entsann sich noch der Verse, die sie an jenem Nachmittage gelesen, ehe sie den verhängnisvollen Wald- spaziergang gemacht. DeS VaterS Hand mochte wohl daS Zeichen an die Stelle hingelegt haben, und die Tränenfpuren aus dem Blatte entstammten seinen treuen Augen. Mazda laS: GotteS Milde möcht' eS fügen, Liegt ein Mensch in letzten Zügen, Stehn am Eterbepfühl die Seinen, Daß sie müssen meinen, meinen. Daß sie nicht vor Tränen schauen DaS unnennbar lange Grauen, Wie der Geist verläßt die Hülle, Letztes Zucken, tiefe Stille. Weh dem Tränenlosen, wehe, Der sich wagt in Sterbens Nähe. Denn ihm kann durchs ganze Leben Jenes Grauen heimlich beben.

Doch ein Anblick tief'rcr Trauer, Banger als der Sterbens Schauer, War eS, könnt ein Aug' eS fassen, Wie zwei Herzen sich verlassen.

Wie zwei Herzen sich verlassen," sagte sie noch einmal tief bewegt, und ein Tränenstrom drängte sich unaufhaltsam auS ihren Augen.

Magba, bist Du wach mein Kind!" tönte plötzlich eine Stimme unten aus dem Garten an ihr Ohr. Sie öffnete daS Fenster; im hellen Strahl der Morgensonne lag das heimatliche Dorf, der Wald, die Berge vor ihren Augen und unter ihrem Fenster der Garten. Resedadüfte erfüllten die Lust, all die bunten Blumenkinder des Herbstes schauten grüßend zu ihr empor. In der von wildem Wein umsponn- nenen Laube saß ihr Vater, mit dem Frühstück ihrer harrend.

Uebcrall Bilder deS FriedenS, wohin ihr tränenschweres Auge blickte, dort hieb der alte Schäfer feine Herde hinaus, rötbäckige, sonnenverbrannte Kinder eilten zur Schule.

Alles unverändert", sagte sie,nur ich bin nicht mehr die Alte. Fast verzweifle ich, daß ich je wieder festwurzeln werde in dem heimatlichen Boden, und doch," ihre Blicke ruhten auf ihrem Vater, der jetzt aus der Laube herausgetreten war und ihr freundlich zunickte. Jetzt erst, am hellen Tages­licht, sah sie, wie alt er geworden, wie weiß sein Haar, und fast beseligend zog der Gedanke ein in ihr Herz, daß sie noch eines Menschen Glück und Trost sein könne, ein Herz noch voll warmer, heißer Liebe ihr entgegenschlug. Sie eilte hinunter in den Garten, sanft umfingen sie die Arme deS Vater- und durch den stillen Garten ging es wie ein leise- Wehen und Flüstern. Die Blumen nickten sich verständnisvoll zu. War sie doch zurückgekehrt, die holdeste Blume, die hier erblüht, und wenn auch der heiße Atem der Welt sie gestreift und sie etwas von ihrer Frische eingebüßt, hier in der herrlichen Waldluft der Heimat würde sie wohl bald genesen von allem Leid, waS man ihr da draußen angetan.

26.

Am Nachmittag wanderten Vater und Tochter in den Wald. Dort in der tiefsten Einsamkeit erzählte Mazda dem Vater alles, waS sie erlebt und gelitten, bis zu den letzten qualvollen Stunden des vergangenen Tage», wo Hubert- härte Worte an ihr Ohr gedrungen.Mag er mich denn verachten," schloß sie,eS ist villeicht besser für seine Ruhe, wenn er eS nie erfährt, daß ich wieder bei Dir bin, und daß ich nicht zu jenen gehöre, von denen er in solchem verächtlichen Ton sprach."

Ihr Vater stimmte ihr bei, ihm bangte für SlifenS Ruhe und Glück, wenn Hubert- Gedanken vielleicht versöhnend zu Mazda zurückkehrten. Für Mazda war ja doch kein Glück mehr zu hoffen, nur Frieden und Ruh nach all' den Stürmen sand sie vielleicht wieder in der Heimat.

Sie beschlossen, daß da- junge Paar zunächst nichts von MagdaS Rückkehr erfahren sollte.

.Mir ist viel wohler und leichter, nun ich Dir mein Herz