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Herrfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Stnschlutz Nr. 8
Nr. 126. Dienstag, den 22. Oktober 1912.
Amtlicher teil
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Herbstkontrollversammlungen im Kreise Her-feld finden wie folgt statt:
Zu Hersfeld i
(Platz beim Bezirks-Kommando) Montag, den 4. piovember d. Ja. Vorm. 9V2 Uhr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften aus der Stadt HerSfeld mit Hof Wehneberg.
zu Hersfeld u
(Platz beim BezirkS-Kommando) Montag, den 4. pibvember d. Js. Vorm. 11 Uhr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten der Res. und Mannschaften aus den Gemeinden KathuS, GutSbezirk Oberrode, PeterSberg mit Kühnbach, GutS- bezirk Wilhelm-hof, Sorga mit Sölzerhöfe, GutSbezirk BingarteS mit JohanneSberg, Meisebach, Kalkobe«, GutSbezirk Eichhos, Eichmühle, HeeneS, HermannShof.
Zu Friedlos
(bei Gastwirt Grebe)
Dienstag, den 5. November d. Ja. Vorm. 10V4 Ohr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften aus den Gemeinden Friedlos, ReiloS, Mecklar, Meckbach mit Kneipmühle, Gerterode, Rohrbach und Tann.
Zu Obergeis
(bei Gastwirt Ernst)
Dienstag, den 5. November d. Js. Pfachm. 3 Uhr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften aus den Gemeinden AllmerShausen mit Hos HählganS, Aua, Biedebach, Gitters- dors, ObergeiS und UntergeiS.
zu Heimboldshaufen
(0 m Bahnhof)
Montag, den 11. November d. Js. Vorm. gVt Uhr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften auS den Gemeinden Heimboldshausen, AuSbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, RöhrigShos mit Rippe und Unterneurode.
Zu Heringen
(auf dem Plätze beim Hotel „Glückauf") Montag, den 11. piovember d. Je. ptaehm. 2V2 Uhr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften auS den Gemeinden Bengendors, Heringen mit Hos Füllerode, Leimbach, LengerS, WidderShausen und Wölfershausen.
Die Mannschaften auS Kleinenfee erscheinen in Dohne-
Die neue Wohnung.
Humoreske von G. Wahl.
(Schluß.)
Dort winkte der Fahrstuhl. Schnell hinein und hinaus und aufgeschlossen, die Sachen konnten gleich da sein.
Wohlig angemutet, sank sie auf die Polsterbank. Wie schön und prächtig bequem I Ach! Und so wird fie eS nun immer haben I I Ein leises Rieseln rann durch ihren Körper alS fie fich so sonst emporgehoben fühlte. Da--waS war das? Mitten aus der Etage stockte daS Gleiten, das elektrische Lämpchen erlosch; sie saß im Finstern. Sie tastete nach dem Knopf, daS Gejährt wieder in Gang zu bringen --vergeblich---alles blieb dunkel, der Fahrstuhl rührte sich nicht.
Sie fing an, sich zu ängstigen; sie rief, sie pochte. Keine Antwort kam. Ihr wurde heiß — — bei ihrem wiederholten Pochen und Rufen drang ihr der Schweiß aus allen Poren.
Sie saß ja hier wie im Gesängnis--schlimmer noch: wie lebendig begraben! Und sie mußte doch hinaus, die Wohnung zu öffnen--dir Möbel mußten doch in die Wohnung getragen werden!
Da---tap — tap — tap--1 daS hörte sich an, als würde ein schwerer Gegenstand die Treppe herausgebracht 11
Sie rief noch einmal.
Endlich kam von unten eine Stimme: „Ist dort jemand im Fahrstuhl?"
Sie atmete befreit auf! Gottlob, Rettung nahte.
„Ja--ich--Frau Lenze. Bitte lassen Sie mich schnell hinaus!"
„Ra — so rasch geht daS nicht, ein halbe« Stündchen wird wohl darüber vergehen. Aber sorgen Sie sich nicht, wir haben schon zum Mechaniker geschickt. Der alte Kasten bleibt öfter mal stecken, die Leute wissen schon Bescheid."
Frau Jba war vernichtet. Dergleichen kam also öfter
bath am Sonnabend, den g. November igi2, Mittags 12 Uhr, in der Nähe vom Bahnhof, Dorsstraße.
Zu Friedewald
(aus dem Schloßplatz)
Dienstag, den 12. Piovember d. je. Vorm. nVa Ohr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften auS den Gemeinden Friedewald mit Hof Weißenborn, Hersa, Lautenhausen mit Hof Oberneurode und HillartShausen.
Zu Schenklengsseld
(bei Gastwirt Geheb)
Dienstag, den 12. pfovember d. Je. ptachm. 2V2 Uhr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften auS den Gemeinden Conrode, Dünkelrode, MalkomeS, Motzfeld, OberlengSfeld, RanSbach, HilmeS, LampertSfeld, Landeröhausen, Schenklengsseld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
Zu Oberhaun
(bei Gastwirt Schacht)
Sonnabend, den 16. ptovember d. Js. Vorm.roVt Ohr für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften aus den Gemeinden Eitro, Hilperhaujen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, SiegloS, Unterhaun und WipPcrShain.
Zu Kirchheim
(bei Gastwirt Ruhn)
Montag, den 18. ptovember d. je. Vorm. 8 Öhr
für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften auS den Gemeinden Allendorf, Frielingen, GerSdors, G^rShausen- GoßmannSrode mit Hof Eiebenmorgen, HedderSdorf, Kemmerode, Kirchheim mit Weich- und Eichmühle, Kleba, Reckerode, ReimboldS- haufen, Rotterterode mit Hof BeierSgraben und WillingShain mit Hof Löscher.
Zu Niederaula
(K i r ch p l a tz)
Montag, den 18. psovember d. Js. Vorm. 10 Uhr
für die Offiziere, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere, oberen Militärbeamten d. Res. und Mannschaften auS den Gemeinden ASbach, BeierShaujen, Hattenbach, KerSpenhausen, EolmS, EtärkloS, GutSbezirk Engelbach mit Hof Sternberg, KruSpiS, MengShausen, Niederaula, Nicderjofsa und Holzheim.
Zur strengen Beachtung für die beteiligten Mannschaften fügt daS BezirkS-Kommando folgende Bemerkungen hinzu:
1. Zu den Herbst-Kontrollversammlungen haben zu erscheinen:
a) Alle Mannschaften, die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1900 eingetreten und deshalb zur Landwehr oder Seewehr II. Aufgebot- übergeführt werden,
vor I Und die Unglückliche mußte auch gleich heute den Auszug benutzen. Hilflos rief sie:
„Aber--ich muß hinaus--gleich--die Wohnungsschlüssel--meine Möbel!"
„Die sind schon da!"
DaS war ein neuer Schreck für sie. Doch waS half'-? fie mußte sich gedulden.
So saß sie denn und wartete; und bei der sie umgebenden Finsternis dehnten sich ihr die Minuten und zitternden Berget erfüllte sie mehr und mehr. Na---einmal hatte sie den Fahrstuhl benutzt, aber--nie wieder I
Inzwischen wurde eS immer lebendiger im Hause. Man lachte und sprach. Und nun klang eS deutlich zu ihr heraus: „Jetzt haben wir eS gleich geschafft!"
Und endlich — — Stunden dünkten der gemarterten Frau der Aufenthalt--fühlte sie einen leisen Ruck, eS wurde Licht um sie, und leise und sanft empfand sie wieder daS vorhin so froh begrüßte AufwärtSschweben.
Wieder ein leiser Ruck, die Tür öffnete sich, und die unfreiwillig Gefangene trat inS Freie.
Gatte nnd Tochter waren bereits angekommen und hatten die Wohnung mit den Doppelschlüffeln geöffnet. DaS Abladen der Möbel war im vollen Gange.
Sie weinte fast, alS sie dem Gatten entgegenschritt.
„Nie wieder benutze ich den Fahrstuhl, Emil, nie wieder!"
Er schob liebevoll ihren Arm in seinen.
„Komm, Frauchen--ärgere dich nicht! Sieh nur hier — unser Reich, wie schön! Alle Zimmer sonnendurch- leuchtet!"
Sie blieb, Atem schöpfend, in der EingangStür stehen.
„Ja, Emil —--schön! Aber, paß auf, dieser verfehlte Eingang hat etwa? zu bedeuten--— hier passiert mir etwas Unangenehme-!" rief die prophetische Frau.
Wie gut war'- doch, daß Frau Lenze vorläufig — nein auf Tage mit Arbeit förmlich überbürdet war. So wurde dieser erste, unangenehme Eindruck gar bald verwischt. Ihr blieb keine Zeit, sich trüben Gedanken hinzugeben. Alles er-
b) sämtliche Reservisten und Di-position-urlauber,
c) die zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften,
d) sämtliche Invaliden und Rentenempfänger der Reserve mit Ausnahme der dauernd abgesundenen Ganzinvaliden und der als untauglich auSgemusterten Rentenempfänger.
2. Die Einberufung zu den Kontrollversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.
Die Nichtbefolgung der Berusung zu den Kontrollversammlungen hat Arrest zur Folge.
3. Die Mannschaften auS einzelnen, hier nicht genannten Höfen und Mühlen pp. gehören zu den Ortschaften, zu deren Gemeinden sie zählen.
4. Die Mannschaften haben bett Militärpatz und das Führungsattest mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Besreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem BezirkSseldwebel in HerSfeld anzubringen und können nur durch daS Bezirkskommando genehmigt werden.
Wer vor der Kontrollversammlung keinen Bescheid erhält, hat sich dennoch zu stellen.
6. Etwaige plötzliche Krankheit oder sonstige Verhinderungsfälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der OrtS- oder Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Kontrollplatze abzugeben find, bescheinigt werden.
In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzu- geben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erwinen zur Kontrollversammlung gehindert ist, ohne Angabe deS Grunde«, find ungültig und werben nicht angenommen.
7. ES wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrollver- sammlungSort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch auf Verabfolgung einer Militärsahrkarte seitens der betreffenden Eisenbahnstation haben.
8. Alle Mannschaften gehören während deS ganzen TageS, zu welchem sie zur Konttollversammlung einberufen find, zum aktiven Heere und find demnach dem Militär-Etrasgesetzbuch unterworfen.
9. DaS Mitbringen von Stöcken usw. sowie von Hunden ist verboten.
HerSfeld, den 14. Oktober 1912.
Königliches Bezirks^Kommando.
*
HerSseld, den 18. Oktober 1912.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS Kreise« ersuche ich, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinde- bezirken alSbald und wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu
drückte die Arbeit und wechselte dafür nur Freude — efttl Lust und Schaffensfreude — auS.
Die Beschäftigung deS gänzlich veränderten Einrichten« war völlig neu für Frau Jba, und auch ihre Grete war voll geschäftiger Hast.
Sie arbeitete und wirtschaftete in ihrem Zimmer bei weit offener Balkontür, sang und tanzte herum, kramte und drapierte. Sie war gar nicht aus ihrem kleinen Reich herauSzubekommen, hatte auch kaum Besorgungen, ja---ungern ließ fie sich abrufen oder fortschicken, während sie früher jede Gelegenheit benutzt hatte, um zu entschlüpfen.
Die Mutter strahlte I Darin hatte die Wohnung sie nicht enttäuscht--Grete vergaß hier den Lehrer, und dem Vetter Karl winkte daS Glück.
---— Sonntag ^var'S I
Der erste Sonntag im neuen Heim! Alles war sauber und schmuck. Der Dekorateur war endgültig abgelohnt worden. Mutter Lenze saß im Salon, in einen Sesiel gelehnt, ihr Emil ihr gegenüber. Aus dem Tisch prangte ein Strauß frischer Rosen, ihr Dust erfüllte die Lust. Die Sonne, die sich in diesem Spätherbst gar nicht genugtun konnte, lugte so recht lachend und schmeichelnd inS Zimmer herein.
Feierlich still wor's um die beiden Menschen, die hier zum ersten Male ein beschauliches Stündchen genossen.
„Lieber Mann!" rief Frau Jda, ihrem Eheherrn beide Hände entgegenstreckend.
DaS war ein Signal für den Gatten. Zärtlich rückte er an ihre Seite. J__ „Bist du zufrieden, Lltchen? Freust du dich?" Gerührt nickte sie und lehnte sich leise an ihn. KeinS der beiden sprach. Weshalb auch?!
Sie waren glücklich und beglückt im Beisammensein und Einrsein. Dazu bedarf'- keiner Worte.
DaS leise Tik — tat der Uhr klang hell in die Stille.
Endlich richtete sich Frau Jda auf auS ihrer Versunken« heit. Sie entbehrte die Tochter. Der Zauber war gebrochm.
„Wo nur Grete ist?"