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Herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knfchlutz Nr. 8

Nr. 131» Sonnabend, den 2. November 1912.

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt.

A>Mu teil

Bekanntmachung.

Die Jagdordnung vom 9. September 1909, wonach bis aus weiterer die Schonzeit für Rehkälber im Regierungs­bezirk Tasse! mit Ausnahme des Bezirks der Oberförsterei Haste im Kreise Grasschaft Schaumburg aus das ganze Jahr ausgedehnt ist, wird in Erinnerung gebracht.

Caffel, den 12. Oktober 1912.

(Siegel) Der Bezirksausschuß zu Cassel. * *

HerSfeld, den 29. Oktober 1912. Wird veröffentlicht.

I. 12460. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 28. Oktober 1912.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich mir bis zum 11. November d. JS. anzuzeigen, an welchen Tagen (Sonnabend und Sonntag oder Sonntag und Montag) die Kirmes in diesem Jahre sowie in den letzten 3 Jahren «testiert worden ist.

I. 12548. Der Landrat.

Wessel, KreiSsekretär.

HrrSseld, den 29. Oktober 1912.

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreise» werden an die Erledigung meiner Bersügung vom 7. d. MtS., I. I. Nr. 11427, Kreisblatt Nr. 122, betreffend Erteilung von Wandergewerbescheinen für da» Kalrnderjahr 1913 erinnert.

I. 11427 H Der Landrat.

3. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 29. Oktober 1912.

An die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS K r e i s e S.

Der Landr»au»schuß hat beschlossen, sür 1913 nur für Rindvieh eine Biehseuchenabgabe in Höhe von 25 Pfg. für jedes Stück zu erheben. Für Pferde usw. brauchen mit Rücksicht auf die Höhe deS vorhandenen Reservefonds Beiträge auch diesmal nicht erhoben zu werden.

Die Klette.

Humoreske von Adolf Thiele.

Die Räume deS Offizierkafino» in der russischen Garnison- stadt PermSk füllten sich allmählich. In einer der Gruppen, die sich gebildet hatten, sprach man über einige hierher versetzte Kameraden; gewöhnlich wußte man von ihnen nicht? als die Namen, doch diesmal schien eine Ausnahme stattzufinden.

Haben Sie schon vom Kameraden SchinSki gehört?" fragte Oberleutnant Seliphan die Umsitzenden.

Die meisten verneinten, nur einer sagte:

Ja, er soll so viel Glück im Wetten haben," und ein anderer, der Leutnant Drobaschkin rief:

Allerdings, habe davon sabelhaste Sachen gehört."

In diesem Augenblick trat der Oberst ein und hörte den letzten Rus. Nachdem er den Grüßen gedankt hatte, nahm er bei den Herren Platz und fragte:

WaS für sabelhaste Sachen haben Sie denn gehört, Herr Kamerad?"

Ueber unsern neuen Kamerad SchinSki, Herr Oberst I" erwiderte der Leutnant. Er soll im Wetten kolossale» Glück haben."

So, wissen Sie etwa» Nähere« davon?" fragte der joviale Oberst.Dann bitte, schießen Sie einmal loS!"

Einmal wettete SchinSki," erzählte Drobaschkin,ge­legentlich einer überaus fidelen Weinkneiperei mit Kameraden, er würde imstande sein, jetzt noch zusammen mit einem Kameraden einen Eimer Bier zu leeren. Natürlich allgemeiner Widerspruch; man wettete! Der Eimer Bier wurde gebracht. SchinSki entfernt sich, um seinen Kameraden zu holen, und Mit wem kehrt er zurück? mit seinem Pferde. Dem hatte er zuvor tüchtig Salz gegeben, er schöpfte sich dann ein Gläschen vier auS dem Eimer und mit dem Rest wurde der durstige Kamerad bald fertig.*

Als die Kameraden diesen Scherz gewürdigt hatten, äußerte Oberleutnant Seliphan:

Einen anderen Fall kann ich erzählen: SchinSki hatte Sevettet, in Petersburg, wo er eine Zeitlang stand, einen

Eine besondere Ausnahme deS Viehbestandes, wie solche in den früheren Jahren auf Grund des § 11 des damals geltenden Viehjeuchen-EntschädigungS-Reglement« vom 7. Dezember 1881, 14. Januar 1882, am 2. oder 3. November jeden Jahre» vorgenommen wurde, findet nicht mehr statt, da jetzt der Unterverteilung der zu erhebenden Beiträge, soweit als in dem der Erhebung der Beiträge vorauSgehenden Jahre eine allge­meine Viehzählung stattgefunden hat, die Ergebnisse dieser Viehzählung der Unterverteilung zugrunde zu legen find. In die BiehzählunaS-Verzeichnisse sind deshalb die Ergebnisse der vom BundeSrat angeordneten, am 2. Dezember dS. I». statt- findenden allgemeinen Viehzählung unter Berücksichtigung der Bestimmungen im § 7 der Viehscuchen-EntschädigungSfatzung einzutragen.

Von der Abgabe befreit find nach § 7 Viehbestände, die dem Reiche, den Einzelstaaten oder den landesherrlichen Gestüten gehören.

Den Herren Bürgermeistern und GutSvorsteher» lasse ich in den nächsten Tagen die Formulare zu den Verzeichnissen zugehen. Ich ersuche die Viehbestände nach dem Ergebnisse der Viehzählung am 2. Dezember d». JS. in die Verzeichnisse einzutragen, bezüglich de» Rindviehes auch die ^Ibgabenfpalte auszu füllen und daS Verzeichnis überhaupt genau aufzurechnen und eS später nach zuvoriger Bekanntmachung aus ortsübliche Weise 14 Tage lang öffentlich auSzulegen.

Nach der Offenlegung, spätestens bis zum 28. Dezember 1912, find mir die Verzeichnisse mit den auSgesüllten Be­scheinigungen auf der letzten Seite, denen auch daS Gemeinde- dienstsiegel beizudrücken ist, einzusenden.

I. 12495. Der Landrat.

^ A.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Eine erfreuliche Veranlassung war eS, die daS Kais er paar gegen Ende der vorigen Woche nach Weimar führte: die Tause eines ErbgroßherzogS von Sachsen-Weimar. Bei dem feierlichen Einzüge in die Stadt wurden der Kaiser und die Kaiserin von der Bevölkerung auf daS Herzlichste begrüßt. Auch der König von Sachsen wohnte den Tauffeierlichkeiten bei. Wie eS aber im Leben der gewöhnlich Sterblichen nicht an schroffen Gegensätzen fehlt, so mangelt eS daran auch nicht bei denen, die auf den Höhen des Daseins wandeln. Zeugnis dafür ist der schmerzliche Verlust, der daS bayerische KönigS- hauS durch den Tod der jungen, erst 34 Jahre alten Prinzessin Rupprecht von Bayern, der jüngsten Tochter deS verstorbenen HerzogS Karl Theodor in Bayern, traf, die an dem gleichen Tage, an welchem in der Göthestadt die Tause

etwa drei Werst langen Weg mit der elektrischen Bahn zu fahren, ohne eine Kopeke zu bezahlen."

Nicht möglich," sagte der Oberst,doch bitte sahren Sie fort."

Also SchinSki steigt mit einem seiner Freunde, der alS Zeuge fungierte, aber den Unbekannten markieren mußte, ein und gibt einen Hundertrubelschein zum Wechseln. Der Schaffner hat natürlich nicht genug Geld, und mit Bedauern verläßt SchinSki den Wagen, ist aber natürlich während deS ParlamentierenS ein Stück gefahren. Nun wartet er auf den nächsten Wagen, wiederholt daS Manöver und gelangt so nach und nach ohne Unkosten an sein Ziel."

Die Geschichte kannte ich noch nicht," rief Drobaschkin in den Stimmenwirrwarr hinein hatten sich doch sämtliche Kameraden allmählich um die Gruppe versammelt.Aber ein andere» Stückchen kenne ich. SchinSki wettete, er wolle eine Marktfrau in Wut versetzen, ohne ein Wort zu sagen, daS sie verstände. Also SchinSki tritt, während die Kameraden in der Nähe stehen, zum Stande einer Frau, die Fische ver­kauft, er mustert ihre Fische prüfend und hätt sich dann die Nase zu, damit zart andeutend, daß sich diese in einem Zu­stande befänden, der für menschliche Nasen unerträglich sei. Die Frau beginnt natürlich zu räsonnieren, und SchinSki ruft ihr zu:Sie sind ein Pronomen l" WaS?" ruft die Frau und schimpft. Unverzagt fährt er fort:Sie find ein Relativ I Und so nennt er sie denn nach und nach Verbum, Adjektiv, Nominativ, Futurum kurz, er wirft ihr die ganze Gram­matik an den Kops. Die Frau rast, weint, wütet, wird halb ohnmächtig ohne doch ein Wort von dem zu verstehen, waS SchinSki sagt."

Man tauschte noch feine Meinung über den originellen Wettkünstler auS, als sich die Türe öffnete.

Ein junger Offizier trat ein, eine schlanke Erscheinung mit intelligentem Gesicht, in dem die lebhaften dunkeln Augen be­sonder» auffielen.

Der Eingetretene, der soeben erst im Ort eingetroffen war, stellte sich vor:Leutnant SchinSki."

Die Kameraden konnten eine gewisse Ueberraschung nicht verbergen. Bald wurde denn auch mitgeteilt, daß soeben von

deS künftigen GroßherzogS von Eachsen-Weimar stattfand, im Süden, im schönen Eorrent, für immer die Augen schloß.

Das Hauptinteresse der öffentlichen Meinung, so weit sie sich den innerpolitischen Angelegenheiten zugewandt hat, gehörte in der vergangenen Woche dem preußischen Abgeord­netenhaus e. Standen dort doch am gleichen Tage, am vorigen Freitag, die Präsidentenwahl und die (Erörterung der von den Nationalliberalen und den Freisinnigen ringebrachten Interpellationen zur Fleischteuerung auf der Tagesordnung.

Die Präsidentenwahl wurde rasch und glatt erledigt, indem der von den Konservativen für den Posten der Präsi­denten vorgeschlagene frühere Präsident deS Reichstage», Graf v. Schwerin-Löwitz, durch einfachen Zuruf gewählt wurde. In einer eindrucksvollen Ansprache, in der er feinen festen Willen, jederzeit die Rechte der Minderheit, aber auch die Würde deS Hauses zu wahren, Ausdruck gab. nahm Graf v. Schwerin-Löwitz das ebenso verantwortungS- reiche wie undankbare Amt an in dem Bewußtsein, damit eine Pflicht gegen da» Vaterland zu erfüllen. Die Verhand­lungen über die Interpellationen zur Fleisch­teuerung zogen sich zwei Tage hin. Mit erfreulicher Entschiedenheit erklärte der Reichskanzler v. Bethmonn Hollweg, der in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident die Interpellationen beantwortete, daß die von der preußischen StaatSregierung in Uebereinstimmung mit den übrigen Bundes­regierungen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Minderung der Fleifchteuerung die äußerste Grenze dessen bildeten, waS im Interesse der Konsumenten geschehen könne. Eine Verminde­rung deS EeuchenschutzeS wie deS ZollichutzeS für unsere Landwirtschaft lehnte der Kanzler nachdrücklichst ab. Im Hinblick auf diese Erklärungen gab der Wortführer der Kon- servativen, der 86g Dr ^ Heydebrand und der Läse, der mit seinen schweren Bedien g;gen die Maßnahmen der Re­gierung nicht zurückhielt, der Hoffnung Aufdruck, daß daS inS Wanken geratene Vertrauen der Landwirtschaft in ihre Zukunft wiederkehren werde. Der Freisinn verfocht, unbelehrbar wie immer, wieder Seite an Seite mit der Eozialdemokcatie seine alten Freihandelstheorien, während alle übrigen bürgerlichen Parteien sich entschieden auf den Boden deS Schutze- der nationalen Arbeit stellten. Auch in der bayerischen Abgeordnetenkammer gab eS in den letzten Tagen eine interessante Verhandlung. Ministerpräsident Frhr. v. Hertling äußerte sich auS Anlaß einer sozialdemokratischen Interpellation darüber, warum Bayern nicht die Einberusung deS BundeSratSauSschuffeS für auswärtige Angelegenheiten und deS Reichstages beantragt habe angesichts der Kriegsgefahr, die vom Balkan drohe. Frhr. v. Hertling betonte, daß für eine solche Einberufung kein Grund vorgelegen habe; denn man dürfe volle« Vertrauen zu der ReichSleitung haben, daß sie Deutschlands Interessen stets zu wahren wissen werde. Ein Grund zur Beunruhigung oder gar zum Pessimismus liege nicht vor.

Freilich haben wir auch keinen Grund zum Optimismus.

ihm die Rede gewesen sei und zwar wegen seiner glücklichen Wetten.

Gestatten mir die Herren Kameraden ein Wort," sagte SchinSki.Ich war in meiner letzten Garnison nicht der einzige bei unS, der wettete. Da hatten wir kürzlich einen originellen Spaß. Ein guter Bekannter, ein Rentier Plusch- kow, wettete, er wolle mit verbundenen Augen nachtS vom HotelAdler" bis in feine etwa zehn Minuten davon ent­fernte Wohnung gehen. Die Wette würbe angenommen, und er gewann sie auch, hatte eben gute Ortskenntnis, muß in feinem früheren Leben Jagdhund gewesen sein. Wir hatten aber die Sache nun folgendermaßen eingewickelt. Pluschko« ging um Mitternacht mit verbundenen Augen durch die Straßen, er wußte aber nicht, daß hinter ihm eine ganze Verschwörerbande von sechzig Personen Herzog. Wir Kame­raden konnten zwar nicht teilnehmen, sondern nur von ferne folgen, aber wir hatten alles ausgeboten, waS wir an Be­kannten hatten, und sogar mehrere Wagen warm mit im Zuge. Alles ging unter köstlichem Amüsement mäuschenstill hinter dem Rentier her, und als er an feinem Hause onkam und ihm die Binde abgenommen wurde, da erschrak er über sein Gefolge bis in die Seele hinein."

Aber Sie, Herr Leutnant," sagte nach einer Weile der Oberstsollen ja so viel Glück im Wetten haben I Man hört ja die unglaublichsten Dinge."

Es ist nicht so wunderbar, wie eS cheint," erwiderte SchinSki.Ich treibe nur etwas praktische Physiognomik und ziehe dann meine Schlüsse. Verzeihen Sie, Herr Oberst, >4 sehe Ihnen zum Beispiel ganz deutlich an, daß Sie dm Schmerz über die alte Wunde an Ihrem Fuße unter einer lächelnden Miene zu verbergen suchen."

Ach Unsinn," lachte der joviale Oberst,ich habe nie eine Wunde am Fuße gehabt. Sie wollen wohl wieder einmal wetten, Herr Leutnant?"

Wenn Herr Oberst nicht« dagegen haben," sagte SchinSki höflichst,doch nur, wenn ich mir die Bedingung gestatten darf, daß die Wette hier sofort entschieden wird. Ich wette um 200 Rubel."