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Herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage*
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Rr. 133.
Donnerstag, den 7. November
1913.
Amtlicher teil.
Caffel, den 17. Oktober 1912.
Der Gesamtvorstand der LandeSversicherungSanstalt Heffen- Naffau hat in seiner Sitzung vom 8. d. MtS. beschlossen, den Zinsfuß für neue Darlehen im allgemeinen aus 4Vi % zu erhöhen. Von diesem Zinsfuß kann nur dann abgewichen werden, wenn eS sich um Unternehmungen handelt, deren Unterstützung den LandeSversicherungSanstalten durch die Reichs- vrrficherungSordnung als Aufgabe unmittelbar zugewieien ist, wie j. B. die Förderung des gemeinnützigen BaueS von Ar» beiterwohnungen und die Errichtung von Krankenhäusern.
Wir ersuchen, diesen Beschluß zur Kenntnis der Gemeinden zu bringen, wobei wir noch bemerken, daß über die Einnahmen der JahreS 1912 und 1913 bereits verfügt ist und für diese Zeiten Zahlungsverpflichtungen nicht mehr übernommen werden können. (I. Nr. 1631.)
Der Borstand der LandeSversicherungSanstalt Hrffen-Nafsau.
gez.: Frhr. Riedesel, Landeshauptmann.
An die Königlichen Herrn Landräte der Provinz Hessen- Nassau und die Fürstlichen Herrn AreiSamtmänner des Fürstentums Waldeck.
* *
HerSfeld, den 29. Oktober 1912.
Abschrift teile ich den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnisnahme mit.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. Nr. 8057. von GruneliuS.
HerSfeld, den 2. November 1912.
Die Herren Ortsvorstände, die mit der Erledigung der Verfügung vom 22. Oktober 1912 — A. 7444 — im Rückstände find, werden ersucht, die Abschriften deS Gemeinde- beschlufseS bezüglich Einwilligung zur Abtretung des Eigentums an den Landwegen an den Wegebaupflichtigen Kreis bis zum 13. November einzureichen.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. B.:
Dr. Dietz v. Bayer, RegierungS-Reserendar.
I. A. Nr. 7444.
HerSfeld, den 1. November 1912.
Die Herren Bürgermeister deS Kreises, welche meine Ber- sügung vom 1. Oktober 1880 L 11469 — KreiSblatt Nr. 79 — betreffend Mitteilung des SrlöseS, welcher der Gemeindekaffe durch verkauftes Obst in diesem Jahre zuge» floffen ist, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 10. d. MS. erinnert.
I. I. Nr. 12673. Der Landrat.
I. «.:
B e f f e I, KreiSjekretär.
Das Opfer.
Novelle von Fanny S t ö ck e r t.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Benn Dir die Sache Vergnügen bereitet, will ich nicht wiedersprechen." sagte Bulfen dann mit einem freundlichen Blick aus Elisabeth, „ich füge mich Deinem Szepter und stelle mich selbst für den Abend zur Disposition, nur die Morgenstunden beanspruche ich für mich allein; da ist die Zeit deS Schaffens."
„Sie ruhen jetzt wohl einmal gründlich aus von Ihrer anstrengenden Tätigkeit als Redakteur?" wandte er sich dann an Norden.
„O nein, gänzlicher Ruhe gebe ich mich nie hin. Einige RedaktionSarbeiten werden stets besorgt, auch einen Roman habe ich begonnen, wozu ich mir den Stoff hier in der ländlichen Stille suchm will."
„Welche Arbeitskraft Sie besitzen I" erwiderte Wulsen und sah dabei etwas geringschätzig aus Herbert.
Ein flammender Rot ergoß sich über dessen Antlitz; er fühlte den versteckten Borwurf, der in diesem Wort ihm gegenüberlag. Drüben im Atelier lagen verschiedene Gebilde seiner Phantasie, teils aus Papier entworfen, teils in Ton geknetet umher, alle verrieten eine geniale Hand, kühne Gedanken und oft hatte sein Vater sie mit Interesse betrachtet. Die stetige Arbeitskraft aber, die ein jedes Kunstwerk bean» spruchen darf, schien jedoch diesen Entwürfen wohl nie zu teil zu werden. Herbert hatte bis jetzt wirkliche Ausdauer nur bei einem Werke bewiesen. DaS war die schlafende Mädchengestalt dort auf dem Postament zwischen den grünen Blattpflanzen. Aber den Traum von Sehnsucht und Liebe, der biefel Kunstwerk gezeitigt, hatte man ihm geraubt. — Dürr und öde war schon der Boden, dem diese Blume rntsproffen, für ihn geworden, versengt von den heißen Etrahlm unglücklicher Liebe. Wohl trieb auch hie und
nichtamtlicher Ceil.
Der Balkankrieg.
Vermittelung?
Die auf eine Mediation (Bermittelung) im Balkankriege abzielende Aktion deS französischen Ministers Poincars wich von seinen früheren gleichartigen Bemühungen insofern ab, als sie den Dreibundmächten mit dem Bemerken mitgeteilt wurde, England und Rußland seien einverstanden. Dadurch trat eine äußerliche Spaltung unter den Großmächten hervor, die bei den früheren Schritten deS französischen Ministers mit Rücksicht aus die Gleichartigkeit deS Standpunktes einzelner Mächte der Tripleentente und deS Dreibunds, namentlich Frankreichs und Deutschlands, vermieden worden war. Die Folge davon war, daß sich die Dreibundmächte über eine gleichlautende Antwort verständigten. ' Diese ist am Montag in PariS erteilt worden. Sie war eine Ablehnung in freundlichster Form. Schon der Umstand, daß keine der kriegführenden Parteien bisher eine Vermittelung nachgesucht hatte, reichte hin, die Ablehnung zu begründen. Der tiefere Grund lag aber in der von Poincars gewünschten Erklärung, daß alle Großmächte einig in der Absicht seien, keine eigenen Interessen wahrnehmen zu wollen. Der Beitritt zu einer solchen Erklärung konnte namentlich Oesterreich-Ungarn nicht zugemutet werden, daS unzweifelhaft sehr wichtige eigene Interessen bei der Neuordnung der GebietSverhältnisse am Balkan geltend zu machen hat.
Sehr sonderbar ist eS nun, daß Die französische Regierung ein am selben Tage wie die Antwort der Dreibundmächte ringegangeneS Ersuchen der Türkei um Herbeiführung eines Waffenstillstandes umgehend unter Berufung auf die Neu- tralitätSpflichten abgelchnt haben soll. DaS Ersuchen ist an alle Großmächte gerichtet. Eine Londoner Mitteilung besagt, daS Kabinett von Et. JameS werde den Wunsch der Psorte zum Gegenstände eines Gedankenaustausches mit den anderen Mächten machen. Denselben Standpunkt wird die deutsche Regierung einnehmen. Die Pariser Ablehnung steht ganz im Widerspruch mit dem bisherigen Verhalten Poincarss. Der Grund, daß nur eine der kriegführenden Parteien daS Ersuchen ausgesprochen habe, wäre stichhaltig, wenn eS sich um eine Intervention handelte. DaS ist aber nicht der Fall, vielmehr geht der türkische Wunsch nur aus Vermittelung, und für eine solche ist völkerrechtlich nicht erforderlich, daß beide Parteien darum angehen.
Aus eine Intervention (b. h. Einmischung mit dem Anspruch, daß die erteilten Ratschläge befolgt werden) werden sich die siegreichen Balkanstaaten bestimmt nicht einlaffen. Nach den neuesten Nachrichten lasten die Bulgaren vor Adrionopel nur eine geringe Truppenmacht stehen und raffen alle ver-
da noch eine schillernde Blüte jäh in Herberts Herzen empor, aber ohne den süßen, unberührten Duft und ohne ein reiches, künstlerisches Schaffen bei ihm zu erzeugen. Giftblumen waren eS, die alles zu verheeren, zu ersticken drohten, waS da Gutes und EdleS noch in ihm war.
„Ist daS ein Werk von Dir, Herbert?" fragte Norden, der zu dem Postament herangetreten war, etwas erstaunt.
„Ja, eS ist von mir," antwortete Herbert kurz, fast rauh.
„Allen Respekt, daS hätte ich Dir kaum zugetraut, und in so kurzer Zeit, Du bist doch erst seit einigen Wochen hier," entgegnete Norden.
„Hier ist eS auch nicht entstanden," sagte Wulfen, „Herbert sandte eS uns aus Italien."
„AuS Italien! Wo und wann hast Du daS Original zu diesem Marmorbilde zuerst gesehen, Herbert?"
„AlS dieser schwieg, sagte Norden zu Elisabeth: „Fast scheint eS, daß Sie daS Original dieses Kunstwerks find, gnädige Frau!"
„Ich — o nein, ich nicht," stammelte Elisabeth verlegen, während aller Blicke auf ihr ruhten. „Ich habe niemals'bei der Herstellung dieses MarmorbildcS Modell gesessen!"
„Sie sind eS nicht, daS ist sonderbar!" rief Norden. „Bitte, Herbert, bann erkläre Du mir dieses Rätsel."
„ES war ein Bild meiner Phantasie, ein ZukunftStraum," sagte dieser leichthin, „meine Phantasie blickte voraus und unbewußt formte ich die Züge eines schönen Mädchens, die meiner Mutter ähneln."
„DaS ist eine sehr ungenügende Erklärung, mein Lieber, Du wirst mir später beichten müssen, wo Du dieses holdselige Mädchenantlitz zuerst gesehen, Deine Phantasie hat eS unmöglich entstehen lassen," sagte ganz leise und in die Fensternische gelehnt einige Minuten später Norden zu Herbert.
Und laut fuhr er dann fort:
„Jetzt muß ich mich leider empfehlen, meine Herrschaften, meine Mutter liebt keine Verspätung beim Mittagessen, und heute hat die Gouvernante gekocht, um mir zu beweisen, daß
fügbaren Kräfte mit Einschluß der zur Verstärkung herangezogenen serbischen Divisionen zusammen, um so schnell all möglich dir letzte Verteidigungslinie der Türken zu durchbrechen und in Konstantinopel einzuziehen. Bevor sie dies Ziel nicht erreicht haben, werden sie wahrscheinlich auch keiner Mediation Gehör schenken. Sollten sie eine dauernde Besetzung Kon» stantinopelS beanspruchen, so kommt der alte Interessengegensatz mehrerer Großmächte um die Meerengensrage inS Spiel, und eS fragt sich dann, ob nicht zugunsten deS gegenwärtigen Beherrschers dcr'Meerengen eine Intervention zu Stande kommt.
Der Rückzug der Türken auf Konstantinopel.
Nach dem, was man bisher von türkischer wie von bulgarischer Seite erfahren hatte, mußte man annnehmen, daß sich ein Strom völlig aufgelöster Truppen der türkischen Armee in wilder Hast aus Konstantinopel zuwälze und daß vielleicht nicht einmal mehr daran zu denken sei, daß in der Tschataldschalinie noch ein letzter Widerstand versucht werde. Eine bulgarische Meldung besagt aber jetzt, daß die Türken noch am Freitag einen Vorstoß auf den linken bulgarischen Flügel gemacht hätten und daß am Sonnabend erst die Bahnlinie zwischen Konstantinopel und Saloniki völlig in bulgarische Hände geraten ist. Trifft diese Meldung zu — sie kann natürlich auch bestimmt fein, irrezuführen — so ist erst Ende der Woche mit dem Beginn deS KampseS um die Tschataldschalinie zu rechnen, und diejenigen, die schon daS Stadttor von Konstantinopel aussuchen, durch daS die siegreichen bulgarischen Truppen einziehen sollen, müssen ihre Ungeduld noch etwas zügeln. Aus dem, waS jetzt noch über die Schlacht bei Lüle-BurgaS bekannt wird, scheint der Erfolg der Bulgaren durchaus nicht so durchschlagend gewesen zu sein wie bei Kirk-Kilifse. Daß eS allerdings jetzt vor Tschorlu noch einmal zu einem größeren Kampfe gekommen sei, wie ein Pariser Blatt meldet, daS klingt sehr unwahrscheinlich. Ein Bericht aus Konstantinopel weis über die letzten Kämpfe noch folgendes zu erzählen:
Die Kämpfe in der letzten Stellung bei Wisa und Lüle- BurgaS waren, genau wie bei «irk-Kilifte, zunächst von vollem Erfolg der Türken begleitet. Darüber kann kein Zweifel bestehen, da ein höherer ausländischer Osfizier, der seit mehr all drei Jahren in türkischen Diensten steht, die Schlacht unter Mahmud Mukhtar mitgemacht und bei seiner Rückkehr heute erklärt hat, daß der rechte türkische Flügel gesiegt und auch der linke unter Hamdi Pascha standgehalten hat. Erst in der Nacht, alS starke Regengüsse einsetzten, räumten die Türken, ohne daß die Bulgaren angriffen, wegen Nahrungsmangel die eroberten Stellungen. Es liegt also genau der gleiche Fall vor wie in Kirk-Kilifte. Die Truppen siegen unter Mahmud MukhtaiS Führung, aber die vollkommen versagende Verpflegung bewirkt den Rückzug. Zu ihrem Erstaunen fanden auch diesmal die Bulgaren am andern Morgen die türkischen Positionen leer. Sie besetzten sie, ohne anscheinend
sie auch in diesen prosaischen Künsten nicht unerfahren ist, ich bin natürlich auf zähen Braten und verbranntes Gemüse gefaßt!"
Alle lachten und Herbert geleitete den Freund hinunter. Wulfen war inzwischen wieder zu dem Marmorbild getreten und stand in tiefen Gedanken verloren davor.
„Die Arhnlichkeit ist allerdings frappierend," sagte er leise wie für sich.
„Aber wenn Ihr Euch schon früher einmal begegnet, wenn Du Herbert gekannt hättest, ehe Du mein Weib wurdest, warum solltest Du mir eS verheimlicht haben?" setzte er dann laut hinzu.
Er trat zu Elisabeth heran, und in plötzlich auSbrechrn- der Zärtlichkeit schloß er die junge Frau leidenschaftlich in seine Arme.
„Nein, Du kannst nicht unwahr sein! Du nicht! Alles, Alles könnte ich Dir verzeihen, aber eine Unwahrheit nie! Noch einmal eine derartige Täuschung zu erleben, eS wäre furchtbar!"
Sein Blick ruhte eine Weile heiß und zärtlich aus dem geliebten Antlitz, dann verließ er in heftiger Bewegung daS Zimmer.
Mit großen, starren Augen blickte Elisabeth ihm nach, dann sprang sie auf, ihm nachzueilen, ihm aller zu gestehen, sie war ja schuldlos, sie hatte ja nicht gewußt, daß er der Vater von jenem jungen Manne war, der ihr damals vor Jahren begegnet war und feinen Namen aus einem wichtigen Grunde nicht genannt hatte. Wulfen, der edelgesinnte Wulsen konnte ihr deshalb nicht zürnen.
Sie schritt durch den Korridor, nun stand sie vor der Tür seines Zimmers. Ein Bangen, eine Scheu erfaßte sie, als sie seine Schritte vernahm, wie er rastlos hin und her lief. Sie zog die zitternde Hand wieder von der Türklinke zurück. Wenn er doch zürnen sollte, eS ihr als ein Unrecht anrechnen, daß sie ihm nicht gleich, als Herbert gefommen alles gesagt, wenn ihr Geständnis vielleicht nur Mißtraum gegen sie und Herbert hervorriese! Langsam wandte sie sich wieder um und ging noch dem blauen Rococoboudoir. Dort saß sie lange Stunden in tiefem Sinnen. War el