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yerrfelder Kreisblatt
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Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 134.
Sonnabend, den 9» November
1312.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.
Erstes Blatt.
Amtlicher teil.
Ordnung
des Kreises Hersfeld für die Erhebung von Gebühren für die Benutzung der Ziegenböcke.
Auf Grund der § 4 der KreiS- und Provinzialabgaben- gesetzt- vom 23. Apnl 1906 (G. 6. S. 159) und der Beschlusses der Krei-tage- vom 27. April 1912 wird für den Streit HerSseld die nachstehende Gebühren-Ordnung erlassen.
§ 1.
Der KreiS HerSfeld übernimmt widerruflich die den Gemeinden de» Kreises HerSfeld nach dem Gesetz vom 12. Juni 1909 (®. S. S. 675) obliegende Verpflichtung zur Anschaffung und Unterhaltung von Ziegenböcken.
Er errichtet damit eine Veranstaltung de- Kreise-, deren Benutzung einem jeden Kreisangehörigen gestattet ist.
8 2.
Die Kosten, die dem Kreise durch die Einrichtung und insbesondere durch die Unterhaltung der Veranstaltung entstehen, sollen durch Erhebung von Gebühren für die Benutzung von Ziegenböcken aufgebracht werden.
§
Die Gebühr für die Benutzung bei Ziegenböcke» beträgt Eine Mark 25 Pfg..
Wird der Ziegenbock für ein und dasselbe Muttertier mehreremale benutzt, bevor Trächtigkeit eintritt, so ist die Gebühr nur einmal zu entrichten.
§ 4.
Zur Zahlung der Gebühren ist der Eigentümer de- zum Sprunge zugelafsenen Muttertiere» verpflichtet.
8 5.
Die Gebühren find alljährlich im Januar zu zahlen. Ihre Erhebung haben die Gemeinden unentgeltlich zu besorgen.
Rückständige Gebühren werden im Wege de- Verwaltung?» zwang-verfahren- beigetrieben.
Her-feld, den 1. November 1912.
Der Kreisausschuh.
Der Vorsitzende Die Mitglieder,
von ®runeliu», Landrat. Becker, Baetz.
HerSfeld, den 1. November 1912.
Vorstehende Ordnung de- Kreises HerSfeld für die Erhebung von Gebühren sür dir Benutzung der Ziegenböcke bringe ich zur öffentlichen Kenntnis.
Ein koreanisches Abenteuer.
Erzählung von Frank May.
„Als ich Korea zum ersten Male sah", erzählte Kapitän Brunzlow, „fuhr ich als dritter Steuermann auf dem Vollschiff „PariS". Eigentlich hatten wir in Korea nichts zu suchen. Aber Che-mul-po war gerade freigegeben und Kapitän Wilke war von einer Reederei beaustragt, über den neuen Hasen und über die dortigen HandelSauSsichten genauere Erkundigungen einzuziehen. So ersparten wir unS in diesem Hasen die üblichen Ladearbeiten und sührten während unserer Anwesenheit ein nicht zu angestrengte- Dasein. Arbeit gab e- natürlich immer, denn ein Segelschiff im Hafen muß gehegt und gepflegt werden, wie ein Pserd im Stall. Die Takelage muß geschmiert und geflickt, die Bordwand innen und außen neu geutalt, daS Deck gründlich gesäubert und die Wohn- und Laderäume gelüstet werden. Wie gesagt, Arbeit gab eS genug, doch drängte sie nicht. Der Nachmittag war den Leuten freigegeben, und auch wir benutzten die willkommene Ruhepause, um Ausflüge in daS Innere deS Lande- zu unternehmen. Der erste Steuermann, ein jüngerer Volontär und ich, wir hatten bereit- einen dreitägigen Ausflug nach Seoul unternommen und zwar zu Pferde, denn Eisenbahnen gab er damals noch nicht. Die Reise war glücklich abgelaufen, die Bewohner erwiesen sich freundlich und schienen harmlos und so entschloffen wir un- ohne Bedenken, das uralte Kai-söng, die einstige Metropole deS alten Korea (Songdo) auszusuchen. An einem irischen Novembertage machten wir uns auf den Weg. Bor un- lag da- damals noch wenig bekannte „Land der Morgenröte", die Luft war klar und um die weißen Gipfel der von Osten herüberleuchtenden, schars- umriffenen Hügelkette hingen leichtgewebte Nebelkränze im zarten Hellrosa. Der Weg bot nicht- befondereS. An beiden Seiten zogen sich endlose Reisfelder dahin, unterbrochen durch lange Strecken von unbebautem Brachland. Dann und wann passierten wir ein einsame» Gasthaus, dessen armselig gekleidete Bewohner un» neugierig anstarrten und nachblickten.
Infolge deS langen Ritter meldete sich bald der Hunger, und all wir eine größere Ansiedelung passierten, stiegen wir
Zugleich bestimme ich in Ausführung derselben daS Folgende:
1. Die Veranlagung, Erhebung und Beitreibung der Gebühren erfolgt im Namen und unter Aufsicht deS Kreise- durch die Gemeinden.
2. Zu diesem Zwecke wird den Herren Bürgermeistern all» jährlich im Januar eine auf Grund der Deckliste deS Ziegen- bockhalterS ausgestellte Hebcliste durch den KreiSauSschuß zu- gestellt. Diese Hebeliste, die enthält:
a. Name der Zahlungspflichtigen,
b. Anzahl der gedeckten Ziegen,
c. Höhe deS zu zahlenden SprunggeldeS, ist nach vorgängiger ortsüblicher Bekanntmachung während 8 Tage innerhalb deS Gemeindebezirks öffentlich auSzulegen. Die erfolgte Auslegung ist auf der Liste von dem Gemeinde- Vorstände zu bescheinigen.
3. Die Hebeliste ist spätestens zum 10. Februar von den Herren Bürgermeistern an den KreiSauSschuß zurückzureichen und zwar in sauberem Zustande, da sie der KreiSkommunal- kasse als Einnahmebelag zu dienen hat.
4. Gleichzeitig mit der Ablieferung der Hebeliste ist der eingezogene Gebührenbetrag zur KreiSkommunalkafle hier einzuzahlen.
5. Eine Stundung der Gebühren findet unter keinen Um* ständen statt, gegebenenfalls ist daS Protokoll über die fruchtlos Verlaufene Pfändung miteinzureichen.
6. Durch die etwaige Einlegung deS gegen die Veranlagung zu den Gebühren gegebenen Rechtsmittels wird die Zahlung der Gebühren nicht ausgeschoben.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: I. V.:
Dr. Dietz v. Bayer. .steo'erungS-Referendar.
I. A. Nr. 7125.
HerSseld, den 4. November 1912.
Am 2. Dezember 1912 findet im Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt. Gleichzeitig wird auch die Zahl der in der Zeit vom 1. Dezember 1911 bis 30. November 1912 vorgenommenen, amtlich nicht beschauten Schlachtungen ermittelt werden.
An Formularen kommen zur Anwendung:
1. die Zählkarte A über den Viehbestand,
2. „ „ A 1 über Schlachtungen,
3. die Anweisung für die Zähler B.
4. die Kontrollisten für die Zähler C,
5. die Anweisung für die Behörden D und
6. die OrtSliste E.
Die Zähleinheit ist, wie bei den letzten Zählungen, die Viehhaltende Haushaltung; es ist also sür jede Viehhaltende Haushaltung einet Gehöft» eine Zählkarte A und für jede Haushaltung mit den unter A 5 der Anweisung D bezeichneten Schlachtungen eine Zählkarte A 1 ersorderlich.
vor dem einzigen Gasthof deS OrteS von den Pserden und beschlossen, hier unsere mitgebrachten Speisen zu verzehren und die Pferde füttern und tränken zu lassen. Der Unterraum deS Hauses war mit koreanischen Reisenden angefüllt, die hier vor runden, niedrigen Tischen hockten und den sonderbaren Gerichten deS Landes wacker zusprachen. Wir wurden von den ernsten und schweigsamen Gästen wenig beachtet. Der Koreaner glaubt fich beständig von unsichtbaren Geistern — guten und bösen Geistern — umgeben, eS ist ihm daher gleichgültig, wenn sich auch sichtbare, sremdartige Wesen in seiner Nähe befinden. Völlig unbeachtet blieben wir jedoch nicht. In einer Ecke deS Raumes hockten zwei verwegen blickende Kerle, ich bemerkte, wie sie unS verstohlen beobachteten und sich flüsternd unterhielten. Als wir nach kurzer Rast den Gastraum wieder verließen und in den Hos hinauStraten, bemerkte ich, wie sich einer der beiden Männer hastig von unserem Pferdetreiber abwandte, mit dem er ein Gespräch geführt zu haben 'schien. Mir stiegen allerlei Bedenken auf, die ich meinen Reisegefährten mitteilte, als wir unS wieder im Sattel und unterwegs befanden.
Johannsen, der erste Steuermann, lachte mich aus.
„Wir drei werden unS doch wohl ein Dutzend dieser langröckigen Gespenster vom Halse halten können. WaS meinen Sie, Herrig?"
Der Volontär bejahte die Frage des Steuermann- nur zögernd.
„Gewiß," wandte ich etwa- verletzt ein. „Aber ich rate doch, dir Augen offen zu halten."
„Angstmeier I" brummte Johannsen. „In drei Stunden find wir in Kai-söng."
Herrig, der Volontär, blieb seltsamerweise schweigsam und zurückhaltend. Da» war sonst nicht seine Art. Manche langweilige Stunde hatte er un- aus See durch sein srische-, lustige- Wesen verjagt. In bangen, finsteren Nächten, wenn alle die Köpfe hängen ließen, hatte er mit wenigen Worten, mit einem geschickten Einfall die Stimmung geändert. Und was er begann, da» glückte. Schweigsam und stumm ritt er hinter uns her.
Die Szenerie hatte sich merklich verändert. Die flache 1
Haushaltungen in denen kein Vieh gehalten wird und in denen die unter A 5 der Anweisung D bezeichneten Schlachtungen nicht vorgekommen find, erhalten daher keine Zählkarten. Ich will jedoch nicht unterlassen, daraus hinzu- weisen, daß die Zählkarte A 1 nur bei Schlachtungen von Schafen und Ziegen, wenn da- Fleisch im eigenen Haushalt verwendet und nicht öffentlich verkauft wird, au-zufüllen ist, da diese Schlachttiere dann dem Beschauzwang nicht unterliegen.
Zur Vermeidung von Verwechselungen zwischen den Formularen B und C und D und E mache ich darauf aufmerksam, daß da- Formular B auf der Rückseite auch die Bezeichnung „C" und daS Formular D auch die Bezeichnung „E“ trägt.
Der voraussichtlich erforderliche Bedarf an Formularen wird den Herren OrtS- bezw. Gutsvorständen deS Kreise- in den nächsten Tagen von hier aus zugehen.
Sollten die Formulare bis zum 18. d. M t -. n i ch t eingetroffen sein, oder nicht für ausreichend b e s u n d e n werden, so ist mit unverzüglich zu berichten.
Nach § 3 der Anweisung D ist die Ausführung der Viehzählung Sache der OrtSbehörden.
Die Herren OrtS- bezw. Gutsvorstände haben hiernach ungesäumt gemäß den §§ 4, 5 und 6 der Anweisung D bezüglich der Einteilung der Gemeinden in Zählbezirke sowie der Bestellung der Zähler usw. da» weitere zu veranlassen.
Die Zähler erhalten je eine Anweisung B, zwei Formulare zur Ausstellung der Kontrolliste C sowie die sür den Zähl- bezirk erjorderliche Anzahl der Zählkarten A über den Viehbestand und gegebenen Falls A 1 über Schlachtungen.
DaS eine Formular der Kontrolliste C ist zur Urschrift daS andere zur R e i n f ch r r f t zu verwenden.
Die Ausgabe der Zählkarten durch die Zähler hat am 29. und 30. November d. I». zu erfolgen, die Austeilung muß aber spätestens bis zum 30. November, abend» 6 Uhr, beendet sein.
DieWiedereinsammlung und genaue Prüfung der Zählkarten hat am 2. Dezember 1912, mittag», zu erfolgen.
Hierauf find alsbald die beiden Exemplare der Kontrolliste auSzusüllen und, ausschließlich der Spalte 15, aufzurechnen.
B i S zum 5. D e z e m b e r d. I S. müssen die beiden Exemplare der Kontrolliste, mit Unterschrist deS Zähler- auf Seite 2 versehen, die nach der Nummersolge geordneten sowie die unbenutzt gebliebenen Zählkarten von dem Zähler an die OrtSbehörde zurückgegeben werden.
Die OrtSbehörde hat daS nbgelieferte Zählmaterial als- bald nach dem Stande vom 2. Dezember 1912 eingehend zu prüfen, etwa vorgefundene Mängel zu beseitigen und die OrtSliste E auf Grund der Kontrolliste C in drei Exemplaren aufzustellen.
Zuvor ist daS auS den Kontrollisten und der OrtSliste
Ebene war verschwunden, kleine, mit niedrigem Buschwerk bewachsene Hügel erhoben sich zu beiden Seiten deS Weges, weit und breit war kein menschliche» Wesen zu erblicken. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, alS Herrig mir zur Seite kam.
„Der Treiber führt unS falsch!" flüsterte er mir zu.
„WaS gibt e»?" fragte Johannsen.
„Der Treiber sührt unS salschi" rief Herrig. „Kaisöng liegt nördlich, der Wind kam von Osten, jetzt reiten wir gegen den Wind."
Aus einer voraus gelegenen Anhöhe schien sich etwa» zu bewegen. Ich mochte ober nicht wieder als Angstmeier gelten und sagte nichts.
Wir hielten. „Herrig hat Recht," sagte Johannsen, „wir reiten nach Osten."
„Hei" rief er den Pserdekeiber an. „Kai-söng!" Er streckte den Arm gegen Norden.
Der Koreaner schüttelte den Kops und nahm Johannsen» Pserd wieder beim Zügel. „Come! Come!* murmelte er. „Kai-söng here!“
Von einer Anhöhe rollte ein großer Stein auf den Weg. Ueberrascht blickten wir auf, gleichzeitig sprang der Treiber hastig zur Seite.
Dann krachte ein Schuß. Johannsen griff nach der Brust und fiel lautlos vornüber auf den Weg. Im nächsten Augenblick wimmelte es um uns von dunklen Gestalten, die auf uns losschlugen und mich vom Pferde rissen. Im Fallen empfand ich einen heftigen Schmerz an der Stirn, unzählige Funken und Lichter blitzten auf, dann verlor ich da» Bewußtsein.
Ich erwachte durch eine merkwürdige Bewegung, in der sich mein Körper besand. Ich lag lang" auSgestreckt aus einet Bahre, die bei jedem Schritt der Träger nachgab und schwankte. Wo befand ich mich? Wahrscheinlich in den Händen koreanischer Wegelagerer, die mich verschleppten, um noch Art der chinesischen Küstenpiraten ein Lösegeld zu erpressen. Und dann? Bor einigen Wochen erst war der Kapitän eines englischen Küstendampfer» mit durchschnittenem Halse ausgesunden worden, obwohl der englische Konsul den Piraten daS ge-