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hersfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 135, Dienstag, den 12 November 1912.
Amtlicher teil.
Cafsel, den 5. Dezember 1911.
Nach ben Bestimmungen der ReichSversicherungSordnung ist die Erneuerung erloschener BerstcherungSverhältnifle durch freiwillige Weiterversicherung nur noch in beschränktem Umfange und zum Teil auch unter Erschwerung der Bedingungen für die Wiedererlangung der Wartezeit möglich. Beispielsweise kann ein über 40 Jahre alter Handwerker, der seine früher bestandene, aber inzwischen erloschene Invalidenversicherung, wieder in Kraft setzen möchte, dieS nur unter der Voraussetzung, daß er früher schon mindestens 500 Wochenbeiträge geleistet hat, und zur Wiedererlangung der Anwartschaft muß er außerdem nochmals 500 Marken verwenden. Nach dem jetzigen Rechte kann die Erneuerung einer erloschenen Vers ficherung ohne Rücklicht auf das Lebensalter — das Vorhandensein von Erwerbsfähigkeit vorausgesetzt — erfolgen, und die Anwartschaft aus der früheren Versicherung lebt ausnahmslos schon nach Leistung von 200 ülocbenbeiträgen wieder auf.
Der Gesetzgeber hat nun, den gegenwärtigen Zuständen Rechnung tragend, im Artikel 74 der EinführungSgesetzeS zur ReichSversicherungSordnung die UebergangSbestimmung getroffen, daß noch bis zum si. Dezember 1912 die bisherigen milden Vorschriften über die Verlicherungs- erneuerung und das Wiederaufleben der Anwartschaft Anwendung zu finden haben. ES bietet sich also bis zum angegebenen Zeitpunkte noch Gelegenheit, erloschene Versicherungen unter den günstigen Bestimmungen des Jnvaliden- BersicherungSgesetzeS wieder inS Leben zu rufen. Hierauf seien tAtbefondere alle selbständigen Handwerker unb Landwirte und deren Ehefrauen, die früher in versicherungSpflicktigem Arbeit-verhältnis gestanden und mindestens 100 Wochenbeiträge entrichtet haben, aufmerksam gemacht. Durch freiwillige Verwendung von wenigstens 200 Marken der niedrigsten Lohn- klaffe wird nicht nur wie bisher die Anwartschaft aus invalidem oder Krankenrente, sondern auch auf die neue Binterbliebenenfürsorge (Witwen- und Waisenrente) erworben. Sind beide Eheleute versichert, so wird ferner An- wartschaft aus Witwengeld und WaisenauSsteuer erworben. Außerdem übernimmt die LandeS-VersicherungSanstalt die Kosten der Beilbehandlung ihrer regelmäßig Versicherten, wenn dadurch Wiederherstellung der Gesundheit zu erwarten steht. Wenn die Anwartschaft durch Leistung von 200 Wochenbei- trägen (mithin in knapp 4 Jahren) wieder ausgelebt ist, ge- nügt eS zur Aufrechterhaltung der Versicherung sogar. daß alljährlich mindestens 10 Marken zur Verwendung kommen. Ratsam ist eS allerdings auch dann, regelmäßig für jede Woche eine Marke zu verwenden.
Wer eine erloschene Versicherung erneuern will, muß seine letzte Rarte ober letzte AusrechnungSbescheinigung bei der QuittungSkarten-AuSgabestelle (Polizei, Bürgermeisteramt) mit
Das Opfer.
Novelle von Fanny S t ö ck r r t.
lNachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ich habe Dir nämlich furchtbar wichtige Dinge zu er- zählen," sagte Käte geheimnisvoll.
„Nun, was hat sich denn Großes ereignet, Kind? Hat sich Deine Busenfreundin die Jda, verlobt?" fragte Elisabeth, dem Wunsch ihrer Schwester willfahrend.
„Nein, nein, etwas ganz auderS; denke doch nur, der alte, reiche, kinderlose Onkel von Mama in Ostpreußen ist gestorben und hat, da er sich kurz vor seinem Tode mit all feinen näheren Verwandten dort erzürnt hat, uns sein ganzes Vermögen vermacht. Er ist schrecklich viel, ich glaube 600 000 Mark. Mama ist natürlich gleich hingefahren und ich bin direkt zu Dir geeilt, um Dir diese Kunde zu bringen. Mit unserem Aufenthalt bei Tuch wird eS wohl nun nichts werden; Mama hat nun doch ganz andere ZukunftSpläne. Ah, Elisabeth, warum konnte nur der alte Onkel nicht ein halber Jahr früher sterben, dann —“
„Still, nicht weiter," flüsterte Elisabeth und legte ihre Fingerspitzen leicht aus die weichen Lippen KätenS. „Du willst Unsinn schwatzen, Käte."
Aber Elisabeth war doch sehr blaß geworden und stützte sich schwer auf die zarte Gestalt der Schwester. Ihre Blicke irrten zu Herbert herüber, nur ihn umfaßte in diesem Moment M »anzeS Denken.
Ihm wäre der bitterste Schmerz seines Lebens, der den »benSfrohen Jüngling so verwandelt, erspart geblieben, wäre >iise Wendung der Dinge früher eingetreten. Niemand, auch nicht 'hre Mutter würde ihr dann zugeredet haben, die Gattin WulsenS zu werden. Sie hätte den Jugendtraum weiter träumen dürfen — und wenn sie sich dann vielleicht einst mieoer gesunden, Herbert und sie — Großer Gott, wohin gerieten ihre Gedanken, daS machte wohl die schwüle, träumerische Sommernacht, daS Mondlicht, die Blumendüste.
„Komm, Säte," sagte sie, sich gewaltsam zusammen
dem Anträge vorlegen, eine neue gelbe QuittungSkarte (Formular A) auSgefertigt zu erhalten. Die neue Karte bekommt die auf die bisherige Kartenzahl folgende Nummer.
Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau I. 2831. Unterschrift. Landeshauptmann.
Wird veröffentlicht.
HerSfeld, den 15. März 1912.
Die Ortkpolizeibehörben deS Kreises ersuche ich, obiges in der Gemeinde auf ortsübliche Weise wiederholt bekannt machen zu lassen.
I. 16119/11. II. Der Landrat
von GruneliuS.
Der Balkankrieg.
DaS kriegerische Drama aus der Balkanhalbinsel nähert sich immer mehr seinem abschließenden Akte. Die Bulgaren haben bereits einen Teil der Tschataldscha-Linie, der letzten Verteidigungslinie der Türken vor Konstantinopel, genommen, die Griechen und Gerben ihrerseits besetzten daS wichtige Saloniki. In Konstantinopel soll man sich nun allerdings gerade jetzt zu einem verzweifelten Widerstände entschlossen haben, aber angesichts der ganzen geradezu kläglichen Art und Weise, wie türkischerseitS bislang der Feldzug geführt worden ist, erscheint es mehr als fraglich, ob der Türkei diese letzte Kraftanstrengung noch etwas nützen wird. Mit ihrer definitiven Nieverlage wird jedoch die Balkankrisis noch durchaus nicht gelöst sein, im Gegenteil, ihre schwierigen Seiten treten immer schärfer hervor. Die Wachsens Begehrlichkeit der verbündeten Balkanstaaten und deren durch die seitherigen Waffenerfolge deS Balkanbundes hervorgerufener Größenwahn sind eS vornehmlich, welche einer ersprießlichen Lösung deS BalkanproblemS entgegenstehen. DieS kann namentlich von den Ansprüchen SerbienS gelten, die plötzlich inS Ungemesiene wachsen, eS will sich nicht mit dem von den serbischen Truppen besetzten altferbischen Gebiet und einem Zugang am Aegäischen Meere begnügen, sondern fordert auch Häfen am Adriatischen Meer. Hiermit würde eS indessen gegen die direkten Interessen Oesterreich-UngarnS und Italiens verstoßen, mit denen eine Etablierung SerbienS auch an der Adria unvereinbar wäre. Bereits sollen denn auch beide Großmächte im Verein mit ihrem gemeinsamen Verbündeten Deutschland in Belgrad durch ihre dortigen Gesandten eine gegen die etwaige Festsetzung SerbienS an der Küste der Adria gerichtete Erklärung haben abgeben lassen. Sollte die serbische Regierung, wie eS nicht unwahrscheinlich ist, trotzdem an dem genannten Anspruch sest- halten, vielleicht in der stillen Hoffnung, dann an Rußland einen Rückhalt zu haben, so würde sich hieraus ohne weiteres eine Verschärfung der Balkankrisis ergeben. Eine solche lassen ferner auch die weitgehenden GebietSansprüche der drei anderen verbündeten Balkanstaaten befürchten, die Großmächte werden
nehmend, „wir müssen wieder zu der Gesellschaft hinauf, wir haben unS ihr schon zu lange entzogen, ich glaube, man rüstet schon zum Ausbruch."
Wulsen trat den beiden jetzt entgegen,
„Nun, habt Ihr Euch ausgesprochen? Dars man stören?" fragte er.
„Ausgesprochen noch lange nicht," erwiderte Käte, „aber wir haben ja morgen noch Zeit dazu, ich habe große, wundervolle Neuigkeiten mitgebracht, die Dich auch interessieren werden."
Auf dem Heimwege teilte Elisabeth dann ihrem Gatten KätenS seltsame Neuigkeiten mit, an welchen er aber nur im Interesse feiner Schwiegermutter und Schwägerin etwas Anteil nahm. Für seine Person erschienen sie ihm bedeutungslos; eine echte Künstlernatur, hatte er wenig Sinn für Gelderwerte, und außerdem war ja Wulfen so gestellt, daß er auf keine reiche Erbschaft angewiesen war.
Herbert bemühte sich auf diesem Heimweg, die nähere Bekanntschaft seiner jugendlichen Tante zu machen, und daS harmlose Geplauder deS jungen Mädchens, während sie durch die Mondscheinnacht dahinschritten, däuchte ihm wie eine bekannte, anmutige Melodie auS früheren Tagen, die ihm in letzter Zeit verloren gegangen war.
Finster und grollend schritt Editha, unbeachtet von den beiden Paaren, einsam ihren Pfad. Ihr mißtrauischer Sinn geleitete ihre, am heutigen Abend durch die Don-CarloS- Vorlesung ohnedies sehr erregte Phantasie aus wunderbare Psade. Daß daS Verhältnis zwischen Elisabeth und Herbert nicht war, wie eS sein sollte, davon glaubte sie sich heute wieder einmal von neuem überzeugt zu haben. Jedenfalls hatte man daS kleine, geschwätzige Ding, Die Schwester, nur herberusen, damit sie als Deckmantel dienen und Wulfen, der so wie so mit Blindheit geschlagen schien, täuschen sollte. Aber noch war sie da, — Editha von Wulfen — um dieses intrigante Spiel auszudecken und Wulfen auS seiner albernen Vertrauensseligkeit auszurütteln. Am morgenden Tage wollte sie ihm eine Warnung zugehen lassen. O, er sollte eS noch inne werden, war für eine selten schöne Blume voll Aufopferungsfähigkeit ihm aus seinem LebenSpsade geblüht und
schwerlich solche Aspirationen gutheißen können. ES spielen bekanntlich aber noch andere Faktoren ihre Rolle in den fortdauernden Balkanschwierigkeiten. So ist die Möglichkeit keineswegs von der Hand zu weisen, daß die Balkanstaaten bei der Teilung der Beute sich selber in die Haare geraten, wie dieS speziell bei Griechenland und Serbien wegen deS Besitzes von Saloniki leicht der Fall sein kann. Auch die Haltung Rumäniens darf nicht überschen werden, welches immer entschiedener seine Mitberücksichtigung bei einet Gebietserweiterung der vier Balkanstaaten verlangt. Weiter regen sich die Albanesen, sie wollen weder serbisch noch montenegrinisch werden, sondern wollen ganz unabhängig werden, wie der in Wien weilende Albanesensührer Ismail Kemal erklärt hat. AuS anebem ergibt sich aber eine ungemein verwickelte Lage, und ob ein Ausweg aus ihr zugunsten deS europäischen Friedens noch gesunden werden kann, dies dürfte einzig davon abhängen, ob eS gelingen, wird, die mühsam gewahrte Einigkeit der Großmächte in Der Balkandingen noch fernerhin durch- zusetzen. Sollte eS tatsächlich noch zum Einmärsche bei siegreichen BulgarenheereS in Konstantinopel kommen, so würde hiermit die eigentliche i.ntjcheidungSstunde in der BalkankrisiS zweifellos eingetretert fein, erst die Entscheidung über den Besitz von Konstantinopel würde daS nun fast schon hundert Jahre alte europäische Orientproblem lösen.
Der Kampf um Adrianopel.
Wien, 10. November. Der Kriegsberichterstatter bet ReichSpost meldet auS dem bulgarischen Hauptquartier vom 9. November: Die gemeldete Einnahme zweier türkischer Positionen auf der Südostfront deS Adrianopeler FortSgürtelS durch die Bulgaren erfolgte in der Nacht vom 7. zum 8. November. Nach furL^arem Artilleriefeuer wurde eine Brigade, der weitere Reserven folgten, zum Sturm auf die beiden FortS Kartaltepe und Popaztepe angesetzt. Trotz der türkischen Echeinwerser und deS GefchoßhagelS, der den Angreifern ent- gegenschlug, gelang eS der bulgarischen Infanterie schließlich, die beiden FortS zu stürmen. Die Bulgaren zogen sosort Verstärkungen, namentlich Artillerie, nach, wiesen alle Gegenangriffe der Türken zurück und begannen die genommenen Positionen aus der Kehlfront gegenüber Adrianopel zu befestigen. Von den beiden eroberten FortS ist besonders Rar- taltepe sehr stark besestigt. ES liegt aus einem 143 Meter hohen Hügel und beherrscht sowohl die Stadt wie die an- schließenden Gürtelwerke. Die Einnahme dieser beiden FortS, sowie die gleichzeitig erfolgte Erstürmung deS FortS Karka- stepe machen die weitere Verteidigung aussichtslos. Die Kapitulation der Festung wird stündlich erwartet.
Ueber den Kampf um die Linie von Tschataldscha darf ich nur mitteilen, daß die bulgarische AngriffSaftion erfolgreich fortschreitet. Die bulgarischen Truppen haben weitere Vor- pofitioncn genommen. Der entscheidende Stoß soll mit solcher Gewalt gesührt werden, daß die bulgarischen Truppen gleichzeitig mit den fliehenden Türken vor den FortS von Ron- stantinopel eintreffen. Durch die unverzügliche Besetzung der
von ihm unbeachtet gelassen war. Statt daß er diese holde Blume gepflückt, nährte er wieder, wie schon einmal, eine Schlange an seinem Busen! So dachte Editha, und bai wollte sie Wulfen beibringen. Ob diese Einflüsterungen bet Wahrheft oder nur Gifttropsen der bösen Verleumdung waren, kümmerte Editha wenig.
„Ich halte eS für meine Pflicht, Dich zu warnen, Benno I" Mit diesen Worten trat Editha am nächsten Tage in daS Zimmer WulsenS.
Dieser blickte ziemlich erstaunt aus die kleine erregte Person.
„Warum? Wozu?" fragte er ruhig.
„Weil Ihr verliebten Männer stets mit Blindheit geschlagen seid und Gott danken könnt, wenn eine kluge, erfahrene Dame in Eurer Nähe ist, die Euch die Augen noch bei Zeiten ausdeckt."
Wulfen war dunkelrot geworden.
„Willst Du etwa meine Frau in meinen Augen verdächtigen," brauste er auf, „dann hüte Dich vor meinem Zorn!"
Editha lachte höhnisch.
„Du bist arglos wie ein Kind, Benno. Elisabeth versteht eS allerdings meisterhast, die Schuldlose und Reine zu spielen und scheint auch Herbert ihre VerstellungSkünste gelehrt zu haben. Er, der sonst so offene, arglose Mensch, ist ja wie verwandelt jetzt, man kennt ihn kaum wieder, so ernst, so bedrückt ist er."
„Und daran soll Elisabeth die Schuld tragen ?*
„Ja natürlich, sie und keine Andere! Ich bin fest davon überzeugt, daß sie sich schon früher gekannt haben. HanS Norden, mit dem ich neulich darüber sprach, meint eS auch. Die Marmorfigur, die Herbert Euch zum HochzeitSgeschenk gemacht, ist ihm ein schlagender Beweis; sie gliche Deiner Frau Zug um Zug. Aber Du natürlich siehst und hörst nichts, nur gestern abend schienen Dir die Augen etwas auf- zugehen. ES war auch ein Skandal, wie sich Norden Slifa-