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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 138. Dienstag, den 19. November 191$.

Amtlicher teil.

Der Saatenstand Anfang November 1918. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.

VegutachtungSziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering.

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt, schüft rc. sowie deS Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I b 3646 M. d. J.)

Fruchtarten usw.

Durchschnitts-

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

noten

für den

Reg.-Bez.

Cassel

Staat

v-4

7

03

CQ

1

co

7

lO

4

iO

Wnterweizen .

Sommerweizen .

Winterspelz (Dinkel) .

Winterroggen .

Sommerroggen.

Sommergerste .

Hafer....

Erbsen

Ackerbohnen Wicken

Kartoffeln .

Zuckerrüben

WinterrapS u. «Rübsen

Flachs (Lein) .

Klee.....

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be» (Tut.) Wässerung

Andere Wiesen .

Futterrüben

3,0

2,9 3,0

2,9

2,4

3,0

2,8

2,8

2,0

i

4

2

1

3

2

1

1

2

2

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evert, Präsident. -------- nichtamtlicher teil.

Der Balkankrieg.

Die Cholera.

Bukarest, 17. Nov. Nach Meldungen, die brieflich auS Konstantinopel hier eingelaufen find, erscheint, wie einige ausländische Offiziere belichten, die am Donnerstag und Freitag die Verteidigungslinie bei Tschataldscha besuchten, dort die Lage aussichtslos. Die Schützengräben find nur teilweise auSgehoben; Berge von Schanzzeug, sowie große Mengen von Stacheldraht liegen bcsonderS aus dem am meisten gefährdeten nördlichen Flügel unbenutzt umher. Die Mannschaften find infolge der Cholera meist nicht mehr im- stände, zu arbeite». In den Schützengräben halten vereinzelte Soldaten Wache, während zahllose Kranke aus den Feldern dahinter fich stöhnend in Krämpfen winden und sterben. Aus den Wegen, die strahlenförmig von einzelnen Korps zur

Das Opfer.

Novelle von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Barum wollen Sie nicht tanzen, Sie find ja noch so jung," sagte Frau Norden gutmütig und Herbert, dem da- Bauernkostüm so hübsch stand, sah fie noch immer so bittend an. In erwachsender Jugendlust und in halbem Trotz ihrem Gatten gegenüber erfaßt eS fie plötzlich wie ein Taumel, sie springt aus und fliegt im Tanzbein dahin mit Herbert, dann standen fie nebeneinander, und Herbert erzählte Elisabeth, wie die Erscheinung KätenS sich in sein verdüstertes Gemüt eingeschmeichelt, gleich einem Sonnenstrahl in eine trübe Landschaft, und wie er nun doch wieder an ein Glück zu glauben beginne, denn er hoffe, fich um KätenS Hand zu bewerben.

Ein Lächeln zeigte sich um Elisabeth- Lippen. ES hatte ja so kommen müssen und e- war wohl auch in der Ordnung, daß fie zuerst davon erfuhr. Sie wollte eben ein paar freundliche Worte zu Herbert über fein Vertrauen sagen, alS fie plötzlich einen heftigen Druck aus ihrem Arm fühlte.

wagst zu viel, Elisabeth," tönte die Stimme ihres Manne» rauh an ihr Ohr, halb erstickt in zorniger Erregung. Elisabeth schaute erstaunt aber ruhiger, voll und groß zu ihm auf, denn fie war fich keiner Schuld bewußt. Aber in Wulfen- Antlitz lag etwa- so Düstere-, Verstörte-, daß eS sie, trotz seiner rauhen Worte, wie inniger Anteilnahme überkam.

Ich muß mit Dir sprechen, Benno, Du mußt mich anhören," sagte sie dringend, während sich Herbert zurück- zog.Bitte, gestatte eS mir nachher, wenn die Gäste fort find." .. _

.Ich mag nicht- von Dir hören 1" erwiderte er finster, und höhnisch suhr er fort: . , .

Geh, treibe Dein tolle- Spiel weiter, ich bin ja ein alter Mann und Ihr seid jung, und der Jugend gehört ja die Zukunft, daS Hoffen, da- Glück, dem Alter winkt nur

Zentrale, zum Bahnhof Hademköj führen, wanken unzählige cholerakranke Soldaten umher in der Hoffnung, mit Hilfe der Bahn auS dem verseuchten Gebiet entfliehen zu können. Auf dem Bahnhof Hademköj befindet sich in einem Salon­wagen das Oberkommando unter Nasim Pascha und im Stationsgebäude das Kommando des ersten KorpS unter Ali Risa Pascha. Dieser war an Cholera hoffnungslos er­krankt und sollte sterbend nach Konstantinopel gebracht werden. Aus dem Gelände um den Bahnhof herum lagen Tausende von erkrankten Soldaten und Hunderte von Toten. Die Bekämpfung der Seuche erscheint unmöglich. Bei Derkos, wo die Wasserleitung für Konstantinopel beginnt, steht ein Wachtkommando, von dem Donnerstag nachtS zwöls Mann starken und fünfzehn Mann schwer erkrankten. Da selbst dort Latrinen fehlen, so besteht die Gefahr, daß die Konstan- tinopeler Wasserleitung verseucht wird. Drei Aerzte, die sich in DerkoS befinden, können nichts weiter tun, als für die Bestattung der Leichen sorgen. Die Offiziere, die weit vor die türkischen Linien ritten, konnten außer einigen vorgeschobenen bulgarischen Batterien keine Bulgaren seststellen. Tagsüber wurde mehrfach von den Batterien gefeuert. Auch türkische Kriegsschiffe, die vor DerkoS liegen, griffen mit Geschützseuer ein. Nach der Anschauung der Offiziere ist eS unmöglich, bei Tschataldscha noch zu kämpsen, allerdings ebenso auch für die Bulgaren, diese Stellung zu besetzen, ohne die gesamte Armee durch Cholera zu gefährden.

K o n st a n t i n o p e l, 17. Nov. Die Cholera wird zu einer Geißel, die schrecklicher ist, alS der Krieg. Die Be­hörden haben nicht die Macht, der Situation entgegenzutreten. 3000 Kranke wurden mit der Bahn nach San Stefano ge­bracht, wo sie 24 Stunden ohne Nahrung und ohne Wasser in den Waggons gelassen wmd?n. Die vier vorhandenen Aerzte erklärten, sie feien nicht in der Lage, 3000 Kranke zu pflegen, und taten garnichtS. Der Zug hätte zurückgebracht werden sollen, aber aus den Protest der Eisenbahnbeamten und nach dem Einschreiten deS österreichisch-ungarischen Bot- schasterS sind die Kranken jetzt in den Quarantäne-Stationen untergebracht worden. Schreckliches wird über die Leiden der Kranken in den Hospitälern erzählt, namentlich über die Ge­fühllosigkeit und Unsähigkeit der türkischen Aerzte und Pfleger.

Eine neue Schlacht.

Konstantinopel, 17. November. Da seit dem frühen Morgen heftiger Kanonendonner von Tschataldscha her zu hören ist, wurde beschlossen, heute nachmittag zum Schutze der nach Pera führenden ZugangSstraßen MatrofendetachementS der Kriegsschiffe zu landen. Vom italienischen Kreuzer Coatit wurden um 3 Uhr nachmittags bereits Hängematten und Kleider für ein LandungSkorpS an Land geschafft. Die Loreley fährt nach Haidar Pascha zum Schutze der anatolischen Bahn­anlagen und der dortigen Kolonie. Die Stadt ist vollkommen ruhig.

Konstantinopel, 17. November. Seit heute früh hört man in Pera fernen Kanonendonner. Man glaubt, daß

daS Grab! Nur zu, dort kommt Dein anderer Galan, ich ziehe mich zurück, Du entschuldigst mich wohl bei den Gästen, denn noch länger dem srivolen Treiben mit zuzu- sehen, vermag ich nicht." Dann wendete er sich schroff um, und ging der Türe zu, die in eines der Nebenzimmer sührte.

HanS Norden stand da plötzlich vor der totenbleichen, jungen Frau. Er hatte erst die Absicht gehabt, sie um einen Tanz zu bitten, ober er unterließ eS, alS er sie so bleich sah, und bat um die Erlaubnis, sich zu ihr fitzen zu dürsen. Seine Blicke ruhten voll inniger Teilnahme aus ihr.

Sie verzeihen, wenn ich indiskret bin, gnädige Frau," sagte er mit gedämpfter Stimme, .aber ich ahne alle-, und er ist nur das tiefste Interesse, waS mich dazu veranlaßt, Ihnen meinen Rat, meine Stütze anzubieten."

Elisabeth hotte mühsam ihre Fassung wieder gewonnen und nahm eine abweisende Haltung an.

Ich möchte Sie bloß bitten, die Gäste zu veranlassen, sich zu verabschieden. Herr von Wulfen ist nicht wohl," sagte sie indem sie sich erhob. Norden beeilte sich, ihren Wünschen nachzukommen und bald daraus war eS still im Schlosse. Ein Licht noch dem andern verlosch, ein Jeder suchte seine Ruhestätte auf. Nur draußen im Park in der Amorgruppe flüsterten noch zwei junge Menschenkinder, Herbert und Käte, im seligen LiebeSglück, und Gott Amor lächelte in die stille Nacht hinaus und freute sich, daß seine Pseile auch in den anderen Zeiten noch wirksam waren.

*

Der nächste Tag zog recht grau und trübe herauf. Ein bleifarbener Himmel wölbte sich über die Erde, einzelne Regentropfen fielen. Die Landschaft bot ein so melancho­lische- Bild, alS hätte der Sommer für immer Abschied ge­nommen und der Herbst sein trübe- Szepter entfaltet.

Wulsen saß in seinem Atelier an der Staffele!, er hatte versucht, in der Ausübung seiner Kunst sein wüsteS und irrende- Denken etwa» zur Ruhe zu zwingen, eS war ihm aber nicht gelungen. DaS Bild Elisabeth», seiner Frau,

diesseits von Hademköj eine Schlacht im Gange sei. An­gesichts der Sachlage find die Vertreter der Großmächte beim Botschafter-Doyen, Markgrasen Pallavicini, versammelt und beraten über die für den Fall deS Einzuges der Bulgaren in Konstantinopel zu treffenden Maßnahmen.

Oesterreichs Entgegenkommen.

DT. London, 16. November. Die österreichisch-un­garische Regierung soll, wie in hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, Serbien in der Weise entgegenzukommen gedenken, daß sie nicht auf der jetzigen Grenze zwischen Serbien und Albanien besteht, sondern dem serbischen Königreich eine weit­gehende Grenzregulierung auf Kosten des neuzuschaffenden autonomen Fürstentums Albanien gewährt. Weiterhin besteht Oesterreich-Ungarn nicht mehr daraus, daß ein europäischer Prinz Regent von Albanien wird. Entweder soll einer der AlbanerschefS man spricht von JSmail Kemal Bey oder ein ägyptischer Prinz an die Spitze deS Fürstentum- treten. Da die ägyptische Khedivensamilie albanischen Ursprung- ist und der größte Teil der Albaner der mohammedanischen Religion angehört, hat besonders die letzte Lösung viel für sich. Die an der albanischen Frage direkt interessierten Balkan­staaten Serbien, Montenegro und Griechenland find jedoch nach wie vor gegen ein unabhängige- Fürstentum. Sie fürchten, daß dieses nur ein österreichischer Vasallenstaat werden wird, der den Großmächten neue Gelegenheit zur Einmischung in die Balkanverhältnisse geben würde.

DT. Sofia, 16. Nov. Nach Informationen au- diplomatischen Kreisen würde Serbien sür den Fall, daß e- einen Hasen an der adriatischen Küste bekommt, Garantiern dasür geben müssen, daß e- den Hasen nur für kommerzielle Zwecke benutzen und nicht befestigen wird. Sämtliche vier vereinigten Saitanffaaiu würden überdies Oesterreich-Ungarn verschiedene wirtschaftliche Konzessionen zugestehen, wogegen die Monarchie die Bestrebungen des Balkanbundes nach territorialen Erwerbungen unterstützen müßte. Wenn zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien ein Arrangement in der Hafenfrage zustande kommt, wird Serbien auch Garantiern dafür geben müssen, daß es in Zukunft eine freundnachbarliche Politik im Verhältnis zu Oesterreich-Ungarn befolgen wird.

Die Belagerung Adrianopels.

Angesichts der in den letzten Tagen sich häufenden Mel­dungen, Adlianopel sei gefallen, muß betont werden, daß die Festung bei der jetzigen Haltung deS Verteidigers gut und gern zwei Monate, vielleicht noch länger sich halten kann. Der Kamps ist nämlich mit der schweren Artillerie noch gar nicht bis an die eigentlichen FortS herangetragen worden. Die Beschießung vom letzten Dienstag vor acht Tagen, die unS offiziell bekanntgegeben wurde, richtete sich, wie später offenbar wurde, nur gegen Außcnwerke, die den Charakter von Feld- besestigungen haben und vielleicht erst neu entstanden find. Verteidigt wurden sie durchweg und beschossen zumeist mit Feldgeschützen. Ein eigentlicher artilleristischer Kamps gegen

stand vor ihm, und er sagte sich, daß keine zweite Macht der Erde imstande sein wird, eS je in seiner Seele zu verwischen, im Wachen und Träumen würde eS ihn nicht verlassen, trotzdem eS jetzt verdunkelt und trübe und seine- lichten Glanzes beraubt war. Sie war sein letzter schöner Traum gewesen, ging dieser verloren, dann war alle- dahin, sarbloS und schaurig öde starrte die Zukunft ihn an. War denn wirklich nur die Jugend berechtigt zum vollen Glücke? War er, Wulfen, nicht noch ein Mann in seinen besten SchaffenS- jahren! War er nicht edel und groß in seinem Geiste und Herzen angelegt! Und sollte er nun wieder einem düsteren Verhängnisse verfallen I? Er stöhnte tief aus vor dieser Zu­kunft. Aber in grausamer Klarheit stand alle- wieder vor seiner Seele, waS in den letzten Tagen sein Gemüt verdüstert und er vermochte keine Hoffnung zu fassen.

Da tönte plötzlich Herberts Stimme mit hellem Klang in fein trübes Denken hinein.

Guten Morgen, Vater," erscholl eS. Wulfen blickte düster auf.

Hast Du einige Minuten Zeit für mich," fragte dann Herbert;ich möchte Dir eine Mitteilung machen und Dir eine Bitte unterbreiten."

.WaS ist eS?"

Ich habe mich gestern abend mit Käte v. Horst verlobt und wir bitten um Deinen Segen!"

Wulfen sprang auf und blickte Herbert scharf an. Hatten sie vielleicht die Verlobung ersonnen um ihn zu täuschen.

Um Gott, Vater, Du hast einen falschen Verdacht!" platzte da Herbert heraus.

Wie ist er nur möglich Elisabeth gegenüber derartig« Gedanken zu hegen? Elisabeth ist rein und unschuldig, dafür lege ich meine Hand in« Feuer."

Sie war wohl mein Jugendtraum," sagte er dann leise, und als ich sie wiedersand, hier, als Deine Frau, däuchte eS mir im ersten Moment furchtbar, obgleich ich ihr ja gar keinen Vorwurf machen konnte, war doch unsere Bekanntschaft eine so flüchtige gewesen, daß ich kaum erhoffen durfte, einen tieferen Eindruck hinterlassen zu haben. Daß sie nicht zu