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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 144. Dienstag, den 3. Dezember 1912.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 29. November 1912.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche gemäß meiner Rundversägung vom 10. März 1911, I. 3212, noch nicht über da? Ergebnis der F l u r b e s i ch t i g u n g in diesem Herbste berichtet haben, werden an die Berichterstattung mit Frist bis zum 10. Dezember d. Jr. nochmals erinnert.

In Betracht kommen nur diejenigen Gemeinden, in denen daS ZusammenlegungSverfahren schon beendet und für welche gemäß der eingangserwähnten Rundversügungen die Bericht­erstattung ausdrücklich vorgeschrieben worden ist.

I. 13337. Der Landrat.

I. ».:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Der Balkankrieg.

Konferenz?

Eine Weile nach der Einigung der Großmächte aus den Gedanken der Isolierung deS BalkankriegeS war zuerst von Paris aus die Einberufung einer Konferenz angeregt worden, die die AufräumungSarbeit besorgen sollte. DaS war verfrüht, schon weil der Krieg damals noch in vollem Gange war. Dann ober ließ sich die Entwickelung deS drohenden Konflikts zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien wegen der Adriasrage und wegen der völkerrechtswidrigen Behandlung des KonjulS ProchaSka nicht übersetzen, und eS konnte unserem Verbündeten nicht zugemutet werden, sich auf eine Konferenz einzulassen, wenn nicht vorher die Anerkennung seiner Mindestforderung sichergestellt war. Inzwischen hat die Verständigung unter den Mächten einen weiteren Schritt vorwärts gemacht. Man ist einig darin, daß die militärische Okkupation noch kein Recht aus dauernden politischen Besitz gewährt und daß mithin die serbische Besetzung albanischer Küstenplätze nicht als politisches fait accompli anzusehen ist. Ferner hat sich auch Rußland für ein autonomes Albanien ausgesprochen, dessen Grenzen allerdings nach der altserbischen Seite hin noch ganz unbe­kannt sind.

Nun ist von Sir Edward Grey die Anregung auSgegangen, eine Botschasterkonserenz zusammentreten zu lassen. Dabei handelt eS sich um eine Sondierung, nicht um einen formu­lierten Vorschlag. Die ihr zugrunde liegende Absicht ist, den Gedankenaustausch unter den Kabinetten zu erleichtern. Ob eS dazu kommt, ist zweifelhaft. Auch sür eine solche Konferenz müßte erst ein Programm aufgestellt werden, waS erst wieder längere Verhandlungen unter den Kabinetten erfordern würde. Anderseits würden solche Verhandlungen während der Bot- schasterkonferenz keineswegs entbehrlich sein.

AlS einer der Greyfchen Programmpunkte wird in den Blättern die Dardanellenfrage bezeichnet, wahrscheinlich mit Unrecht. Bisher durfte angenommen werden, daß Rußland und England dahin übereingekommen seien, an die Meerengen- frage möglichst wenig zu rühren. Glaubhafter ist die Meldung, daß Sir Edward Grey einen Verzicht der Großmächte aus Erwerbungen im Aegäischen Speere zur Erörterung stellen wolle. Ein Berliner Blatt sieht darin eine Spitze gegen Italien, daS noch mehrere Aegäische Inseln besetzt hält. In­dessen hat der Frieden von Ouchy die Bedingungen festgestellt, nach deren Erfüllung Italien verpflichtet ist, die besetzten Inseln an die Türkei zurückzugeben.

Die Bedeutung eines Verzicht? der Großmächte aus Ge- bietScrwerb in dem Jnselarchipel liegt offenbar darin, daß sonst der Zugriff der einen Großmacht die Rivalität anderer Großmächte reizen würde und daß die Lebensfähigkeit nicht bloß der europäischen, sondern auch der asiatischen Türkei be­droht wäre. Dieser Greysche Gedanke kann sicher aus Unter- stützung von deutscher Seite rechnen. Ueberhaupt ist eS er­freulich für uns, zu beobachten, wie klar die englisch^ Politik gemeinsam mit der Deutschlands daraus hinarbeitet, die Spaltung der Großmächte in zwei Lager zu verhindern. Bezeichnend dafür war eS namentlich, wie scharf sich kürzlich die ministerielle Westminster Gazette dagegen erklärte, den Dreierverband gegen die Interessen Oesterreich-ÜngarnS und Italiens in der Adria» srage mobil zu machen.

Abschlub des Waffenstillstandes.

Konstantinopel, 1. Dezember. Die Meldung, daß der Ministerrat in seiner gestrigen Sitzung dem Protokoll über einen Waffenstillstand zugestimmt hat, bestätigt sich. DaS Protokoll enthält folgende Bedingungen: 1.) Der Waffen- stillstand wird für vierzehn Tage geschlossen; 2.) die türkische und die bulgarische Armee verbleiben in ihren gegenwärtigen Stellungen; 3.) keine der beiden Parteien darf in ihren

Befestigungsarbeiten sortsahrcn oder Truppen- und MunitionS- tranSporte vornehmen; 4.) die belagerten Plätze Adrianopel und Ekutari werden während der vierzehn Tage in der Weise mit Lebensmitteln versorgt, daß die Zufuhr der nötigen Lebensmittel von Tag zu Tag erfolgt. Die türkijchen Unterhändler, unter ihnen der HandelSminister und der Minister deS Innern, begeben sich heute zur Unterzeichnung deS Proto­kolls noch Tfchataldscha.

DT. PariS, 1. Dezember. Der Krieg ist zu Ende erklingt eS durch die kurzen Meldungen der Pariser Presse zum Abschluß deS Waffenstillstandes. Wann freilich der Friede erfolgen wird, ist noch ungewiß. Zwischen Waffen­stillstand und Frieden können noch Monate vergehen. Nach demPetit Parisien" soll die Pforte den Balkanverbündeten vorgeschlagen haben, in Brüssel oder in PariS über die end­gültigen FriedenSbedingungen zu verhandeln, d. h. in die Sprache der Diplomaten übersetzt, daß sich nach dem Vorbilde deS italienisch-türkischen Frieden? in Ouchy die FriedenS- Verhandlungen noch zwei bis drei Monate hinziehen können, denn Belgien und Frankreich liegen weit vom Balkan. Der Wunsch Bulgarien? ist daher selbstverständlich, der dahin geht, daß der Friede in Sofia unter den Augen der Balkanstaaten geschloffen werden soll. Man hofft, daß in dieser Frage die Mächte intervenieren werden. Wie sich der Einfluß der Dreibund-Mächte auf die Pforte in den letzten Tagen günstig bemerkbar gemacht hat, indem der österreichische Botschafter Markgraf Pallavicini, wiederholt beim Großwesir Kiamil Pascha und bei dem Minister deS Aeußern, Noradunghian, vorsprach, so dürsten auch weitere Schritte unternommen werden, derart, daß solche leichte Unstimmigkeiten durch die Vermittelung der Großmächte beseligt werden.

Die Verteilung des Balkans.

DT. Pari?, 1. Dezember. Der Konstantinopeler Be­richterstatter deSTempS" erfährt auS halboffizieller Quelle, daß die Grundzüge deS Waffenstillstandes in großen Linien folgende sind: Griechenland behält EpiruS, Serbien behält Alt-Ecrbien und den Sandschak Novibazar und Bulgarien erhält Thracien. Die Grenzlinie verläuft von Midia am Schwarzen Meer nach Dedeagatsch am Aegäischen Meer. Sie läuft knapp an Adrianopel vorbei, daS jedoch der Türkei verbleibt. Macedonien wird ein autonome? Fürstentum mit Saloniki al? Hauptstadt. Albanien erhält gleichfalls die Autonomie; nur ein kleiner Teil von Albanien wird an Montenegro abgetreten. Diese beiden autonomen Staaten werden der Souveränität der Balkanverbündetcn unterstellt. Endlich tritt die Türkei dem Balkanbunde bei.

DT. PariS, 1. Dezember. DieStierte" verzeichnet auS Wien daS in diplomatischen Kreisen dort verbreitete Gerücht, wonach die russische Regierung dem Grafen Berchtold die Mitteilung gemacht haben soll, daß sie keinesfalls mit den serbischen Projekten in Albanien identisch sei, und daß sie Oesterreich-Ungarn völlig freie Hand lasse, feine Differenzen mit Serbien zu regeln.

Die türkischen Verluste.

London, 1. Dezember. Der Konstantinopler Bericht­erstatter derDaily Mail" schätzt die türkischen Gesamtverluste auf 200 000 Mann. 50 000 Mann seien in der Schlacht gefallen oder Opfer der Cholera geworden, 57 000 Mann liegen infolge der mangelhaften Verpflegung in der türkischen Armee krank darnieder oder find ihren Leiden bereits erlegen. Die übrigen sind divisionS- und kompagnieweife in den Schlachten gefangen genommen.

Die russische Regierung gegen die Forderungen Serbiens.

Wien, 30. November. Der österreichischen auswärtigen Regierung ist heute eine Erklärung der Petersburger Regierung zugekommen, die als eine vollständige Entspannung der Situation geweitet werden darf. Rußland erklärt, daß eS die serbische Forderung aus eine Besitzergreifung auf albanischem Gebiet weder diplomatisch noch mit den Waffen unterstützen würde. Rußland leiht Serbien lediglich seine Unterstützung in der Forderung nach einem wirtschaftlichen Töbouch4 in der Adria. Die Forderung nach Besitzergreifung eines adriatischen HafenS durch Serbien bezeichnet Rußland für ungebührlich und wird ihr jede Art von Unterstützung versagen. Damit hat sich Rußland auch in der Frage deS AdriahafenS voll­ständig auf den österreichischen Standpunkt gestellt, daß Serbien wirtschaftliche Freiheiten in jedem Hafen in der Adria, also auch in einem albanischen zuftrhcn soll.

PeterSburg, 30. November. Die russische wie die auSwärtige Presse schrieben neuerdings viel von dem erfreu­lichen Umschwung der ruffischen Politik in friedliche Bahnen. Dazu muß bemerkt werden, daß die russische Regierung immer friedlich war und ihren Standpunkt hierin in keiner Weise geändert hat. Sie läßt in der letzten Zeit stets durch offiziöse Artikel, Kommunique? und Dementi- den Alarmgerüchten und Sensationen entgegentreten, die Publikum und Handel in Angst und Zweifel versetzten. Man hofft, daß Serbien e? merken und daraufhin vermeiden wird, sich in Abenteuer zu stürzen. Der hiesige österreichische Botschast?rat von Szilaffy der inS Wiener auSwärtige Amt berufen ist, wurde heute vom

Ziren in Abschiedsaudienz empfangen. Der Zar war äußerst huldvoll.

Niederrnetzelung der Türken durch Vulgären.

DieTimeS" melden aus Saloniki vom 27. November authentische Einzelheiten über die Ereignisse in Kawala:

Diese Ortschaft wurde von einer gemischten Truppe bul­garischer Regulärer und Komitatschi? besetzt. Die ersteren wurden zurückgezogen: die Komitatschi? behaupteten, daß die Muselmanen ein Maffalre unter den Christen geplant hätten und verhafteten etwa 150 Türken und machten sie nieder. Eine Anzahl angesehener Juden wurde festgenommen. SS herrscht ernste Besorgnis wegen ihrer Sicherheit. AlS die Bulgaren in SerreS einrückten, erschossen die Türken einen Offizier und zwei Soldaten, woraus die Bulgaren etwa hundert Türken niedermachten.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 1. Dezember 1912.

AuS Donaueschingen, 1. Dezember, wird gemeldet: Heute vormittag nahm Seine Majestät der Kaiser mit dem Fürsten zu Fürstenberg und dem Gefolge an dem evangelischen Gottesdienst in der Stadtschule teil und besichtigte im An­schluß daran den Neubau der evangelischen Stadtkirche. Zur FrühstückStasel im Fürstlichen Schlöffe waren Statthalter Gras v. Wedel und Gemahlin geladen. Noch der Tasrl wurde ein 8utomobiln"#Aug aus daS Stellen« Schlößchen unternommen. Der Kaiser hat außer den bereits gemeldeten noch weitere Auszeichnungen verliehen, u. a. fein Bild im Rahmen mit eig chWigcr Unterschrift dem fürstlichen Kabi» nettSrath Würth, dem Stadtpfarrer Feurstein und dem Bürger­meister Schön.

Der deutsche BotjchasterFürstLichnowSky hielt gestern auf dem Jahresbankett der Royal Society of London seine erste öffentliche Rede in England, in der er ausführte, er benutze mit Freuden Die Gelegenheit, daraus hinzuweisen, daß England und Deutschland Seite an Seite für die Aufrechterhaltung deS europäischen Frieden? arbeiteten und daß die politischen Beziehungen der beiden Mächte nie­mals vertraulicher und aufrichtiger gewesen seien alS gegen­wärtig. ES werde immer sein aufrichtigster Wunsch fein, diesen glücklichen Ansang seiner amtlichen Tätigkeit in London weiter zu entwickeln zum Heil beider Nationen.

Zu der Nachricht derTäglichen Rundschau" über ein bevorstehendes L u ftsl o tte n g es etz bemerkt dieNeue Pol. Korr.": ES ist ganz klar, daß wir weiterhin die so wichtig gewordene Waffe zu vermehren suchen und daß wir diese Vermehrung beeilen werden, aber ein Lustflottengesetz gehört in daS Reich der Phantasie.

Im französisch-spanischen Vertrage über Marokko erhält Frankreich unter andern territorialen Vor­teilen da? weite und erzreiche Gebiet zwischen dem Ued Droa und dem EuS, wodurch dem faharischen Hinterland ein neuer Zugang zum Atlantischen Ozean gegeben wird. Spanien behält die Enclave von Jfni. Frankreich bekommt im Norden einen Teil deS sehr fruchtbaren und bevölkerten TaleS von Uergha und außerdem strategisch und wirtschaftlich bedeutende Grenzberichtiguugen am Muluja und LukkoS. Der Vertrag erklärt noch einmal den Grundsatz der Einheit Zolltarife. Die administrative und finanzielle Autonomie der beiden Zonen ist erreicht, ohne der Souveränität deS Sultans oder den Rechten Dritter oder der wirtschaftlichen Gleichberechtigung zu nahe zu treten. ES bleibt nun noch über die Eonderver- waltung von Tanger im Einklänge mit der allgemeinen Ver­waltung deS Reich? zu entscheiden.

DaS Gebühren der englischen StimmrechtS- Weiber grenzt an Wahnsinn. In London haben sie während der Nacht mit Chemikalien, roten und schwarzen Tinten usw. Anschläge auf Briesfchaften auSgeführt, wodurch zahlreiche Postsachen vernichtet wurden. Allein in London-City wurden mehr alS ein Dutzend Briefkästen heimgefucht. In einem der Briefkästen wurde ein Schlauch gesunden, der noch einen Teil der ätzenden Flüssigkeit enthielt. Auch auS dem Westen werden ähnliche und schlimmere Anschläge gemeldet. Die Postbehörde hat sofort die Polizei verständigt, die jetzt einen besonderen Briefkastendienst eingerichtet hat. ' In Nottingham wurden Hunderte von Postkarten vernichtet oder bejchädigt.

Die politischen Parteien in Kirin, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der chinesischen Mandschurei, haben beschlossen, eine Subskription für einen Fond? zum Kriege gegen Rußland zu eröffnen. Die Schüler der höheren Schulen haben eine Kampfliga gegen die Nordmongolei gebildet und militärische Uebungen begonnen. ES wurden Flinten an sie verteilt. Die Vertreter von zwölf ruffischen, englischen und deutschen Exporthäusern haben den Verwal­tungsdirektor der Ostchina-Bahn telegraphisch ersucht, die Militärwache eine? Dorse? bei dem Bahnhof Duitsenchang zu verstärken, da dieser durch Tschungusen bedroht wurde.

Die Republik Portugal hat 12 kleine Krieg-, schiffe bei britischen Firmen im Austrage gegeben. Die Kosten