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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustrierter Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 146.

Sonnabend, den 7. Dezember

1912.

Die heutige Nummer umfaßt 12Seiten.

Erstes Statt.

Ärmlicher teil

Cafsel, den 18. November 1912.

Damit die Geistlichen, die im Bezirk in der Regel die Anordnung über die Vornahme einer Beerdigung aus den Totenhösen zu erteilen haben, sich davon überzeugen können, daß der Todesfall in daS Sterberegister eingetragen und der Leichenjchein der Ortspolizeibehörde vorgelegt ist, ersuche ich in den Fällen, in denen der Leichenschein nicht bereits dem Geistlichen vorgelegen hat, über die Ablieferung bei der dortigen Behörde eine Bescheinigung etwa folgenden Inhalts auSzustellen:

deS

Der Tod am . . . . verstorbenen . . . .

. ... ist im Sterberegister unter No. . . eingetragen. Der Leichenschein ist hier eingereicht."

Der RegierungS-Präsident.

A. II. No. 8885/12. (Unterschrift).

HcrSseld, den 4. Dezember 1912.

Vorstehende Anordnung ersuche ich in Zukunst zu beachten.

I. 13904. Der Landrat.

3. 8L:

Messet, KreiSjekretär.

Bekanntmachung.

Die ZinSscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuld­verschreibungen der preußischen konsolidierten 3Vi %igen Staatsanleihe von 1892, 1893, 1895 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Oktober 1912 bis 30. September 1922 nebst den ErneuerungSscheinen für die folgende Reihe werden vom 3. September d. Js. ab auSgereicht und zwar

durch die Kontrolle der StaatSpapiere in Berlin S. W. 68 Oranienstraße 92/94,

durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrasenstraße 46 a,

durch die Preußische Central-GenoffenschastS-Kafle in Berlin C. 2, am Zeughause 2,

durch sämtliche Preußische RegierungShauptkassen, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkaffen,

durch sämtliche ReichSbankhaupt- und ReichSbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene Reichsbank­nebenstellen sowie

durch diejenigen Oberpostkassen, an deren Eitz sich keine Reichsbankanstalt befindet.

Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Ab- Hebung der neuen ZinSscheinreihe berechtigenden Erneuerungs- scheine (Anweisungen, TalonS) den AuSreichungSstellen einzu- liefern find, werden von diesen unentgeltlich abgegeben.

Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedars eS zur Erlangung der neuen ZinSscheine nur dann, wenn die Er- neuerungSscheine abhanden gekommen find. (I. 2316.)

Berlin, den 23. August 1912.

Hauptverwaltung der Staatsschulden. gez.: von BischoffShausen.

Bekanntmachung.

Bei der Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner gemäß §§ 145 ff. deS VersicherungSgesetzeS für Angestellte sind im Wahlkreise HerSseld folgende Personen gewählt worden:

a) als Vertrauensmänner:

1. Paul Schilde, Fabrikant, HerSfeld.

2. Gustav Römer, Prokurist der GewerkschaftWinterShall", Heringen.

3. Georg Bolz, Kaufmann der Firma B. Bolz, HerSseld.

4. Gustav Krause, Kaufmann, HerSfeld.

5. Carl Otterbein, Spinnmeister, HerSfeld.

6. Stephan Bongartz, Ingenieur, Herrfeld.

b) als 1 Ersatzmänner:

1. Hugo Göricke, Direktor der Firma August Gottlieb, HerSseld

2. Paul Thiel, Direktor der A. G. Hattorf, PhilippSthal.

3. Adam Webert, Buchhändler, HerSseld.

4. Paul König, Prokurist, HerSfeld.

5. Ernst Henrici, Kaufmann, HerSfeld.

6. Wilhelm Horn, Cassierer, HerSseld.

c) als 2. Ersatzmänner:

1. Alex Rchn, Fabrikant, HerSfeld.

2. Julius Baumann, Domänenpächter, Eichhos.

3. Hermann Randerath, Schuhwarenhändler, HerSseld.

4. Christian KreiS, Werkmeister, HerSseld.

5. OSkar Ortmann, GutSinspcktor, Philipp-thal.

6. Peter H iger, Kaufmann, HerSseld.

Dieses Wahlergebnis wird hierdurch gemäß § 32 der Wahlordnung vom 3. Juli 1912 bekannt gemacht.

HerSfeld, den 3. Dezember 1912.

Der Wahlleiter:

Dr. Dietz v. Bayer, RegierungS-Referendar.

HerSseld, den 3. Dezember 1912.

Unter der Schalherde deS Schäfers Hedderich in Ober- joffo, KreiS Ziegenhain, ist die Räude amtlich sestgestellt worden. I. 13965. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

ImReichStage hat aus Grund einer sozialdemokratischen Interpellation, durch deren Einbringung natürlich nur dem AgitationSbedürsniS der RevolutionSpartei Genüge geleistet werden sollte, wieder einmal eine ausgedehnte Debatte über daS Kapitel der F l e i s ch t e u e r u n g stattgesunden. Der R e i ch Sk a n z l e r ging in seiner Beantwortung der Inter­pellation aus die von neuem vorgetragene Behauptung ein, daß unsere Landwirtschaft daS Bedürfnis deS deutschen Volkes nach Fleischnahrung nicht hinreichend befriedigen könne, und widerlegte dieselbe mit schlagenden Beweisgründen. An ihre Widerlegung knüpfte er sodann eine Betrachtung und Erläute­rung der getroffenen praktischen Maßnahmen zur Abhilfe der Teuerung und empfahl den Kommunen, mit landwirtschaft­lichen Organisationen deS Inlandes Abschlüsse über eine mehr- jährige Lieferung von Fleisch oder Vieh zu tätigen und da­durch eine Stabilisierung der Fleischpreise herbeizusühren, deren wir zur Zeit leider ermangeln. Die Darlegungen deS Reichs­kanzlers landen eine wirkungsvolle Ergänzung durch den preußischen Landwirtschaftsminister Frei- herrnvonSchorlemer-Lieser, der den überzeugenden Nachweis führte, daß seitens der Regierung alles geschehen sei, waS ohne Gefährdung unserer Viehbestände und unserer heimischen Produktion zur Beseitigung und Milderung der Fleischteuerung geschehen konnte. Im übrigen darf als daS erfreuliche Ergebnis der mehrtägigen FleffchteuerungSdebatte sestgestellt werden, daß alle Parteien des Reichstages mit Ausnahme der extremen bürgerlichen Linken und der Sozial- demokratie ein einmütiges Bekenntnis zu unserer geltenden nationalen Wirtschaftspolitik ablegten.

WaS die auswärtigen Dinge anbelangt, so ist eine starke Entspannung der Lage eingetreten, und die Zuversicht, daß der Balkankonflikt lokalisiert bleiben werde, wird fast allgemein geteilt. Zu dieser Stimmung hat zweifellos die Rede unseres Reichskanzlers im Reichstage über die auswärtige Lage in hohem Grade beigetragen. DaS Echo, daS diese Rede im Auslande gesunden hat, dürste hierfür beweisend sein. So sagte der Sprecher deS deutschen NationalverbandeS, Abg. Groß, im österreichischen Abgeordnetenhauje:Die Rede deS Reichskanzlers von Bethmann Hollweg hat uns bewiesen, woran wir ja nie zweifelten, daß daS Deutsche Reich als unser BundeSgenoffe unter allen Umständen treu zu uns hält. Die Rede zeigt unS aber auch, daß hoffentlich der Friede erhalten und uns das Schlimmste erspart bleiben wird." Ferner schreibt die italienischeTribuna", die Rede deS Reichs­kanzlers sei optimistisch und pazifistisch und werde zweifellos die öffentliche Meinung Europas beruhigen. Die Rede sei pazifistisch, obgleich der Reichskanzler in einem gewissen Moment die Schwertspitze durchblickcn loste. Doch trage unter ge* wissen Umständen daS Schwert mehr zum Frieden bei al8 zum Kriege; denn in einer Lage wie der jetzigen seien wohl Mäßigung und Verzicht auf egoistische Bestrebungen vonseiten der Großmächte, aber auch ein festes Auftreten und loyaleS Einhalten der Verträge als Schutzwehr gegen übertriebene Ansprüche anderer eine nicht geringe Friedensgarantie. Außer in der Rede unseres Reichskanzlers finden die Hoffnungen auf einen friedlichen AuSgang der Balkankrisis ihre Unterlage aber auch in der tatsächlichen Entwicklung der Dinge. Die Friedensverhandlungen zwischen Bulgarien und der Türkei neigen sich einem günstigen Abschlüsse zu, und eS steht zu erwarten, daß trotz mancherlei Schwierigkeiten und Verzögerungen auS der Beendigung deS KampfeS zwischen Bulgaren und Türken demnächst auch der allgemeine Balkan­srieden resultieren wird.

Zwischen Frankreich und Spanien ist ein neues Marokkoabkommen geschloffen worden. Wie Unter- staatSsekretär Zimmermann im Reichstage mitteilte, werden deutsche Interessen hierdurch nicht verletzt.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch wurden einige kleine Sachen erledigt. Die ZentrumSinterpcllation über die Winzernot beantwortete Land- wirtschastSministcr Fehl. v. Echorlemer dahin, daß nach den behördlichen Ermittelungen von einem allgemeinen Notstand in diesem Jahre nicht die Rede sein könn-, und lehnte eine

vo i den Interpellanten geforderte Abänderung deS WeingesetzeS ab, womit fast alle Redner auS dem Hause sich einverstanden erklärten. Auf die fortschrittliche Interpellation über daS Vor­gehen deS Berliner Polizeipräsidenten gegen den Verein Berliner Feuerwehr erwiderte Minister deS Innern v. Dallwitz, daß der Dortmunder Verband, dem sich der Berliner Verein an- schließen wollte, und woraus der Polizeipräsident erst den Grund zu seinem Vorgehen genommen hat, wohl ein natio­naler Verein sei, aber eS werde daS Vertrauensverhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren untergraben, und daher sei daS Vorgehen deS Polizeipräsidenten auS Gründen der Disziplin geboten.

DaS Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag die dritte Lesung deS WaffergesetzeS vor. Die allgemeine Besprechung bewegte sich in weitem Rahmen. Alle bürgerlichen Parteien waren darin einig, daß die Vorlage einen ganz bedeutenden Fortschritt darstcllt, der durch einzelne Bedenken nicht wesent­lich beeinträchtigt wird. LandwirtschaftSminister Frhr. von Echorlemer konnte den Dank deS Hauses für die sorgfältige und gründliche Vorbereitung deS großen gesetzgeberischen Problems entgegennehmen, das so lange Jahre vergeblich seiner Lösung geharrt hatte. Er quittierte seinerseits mit der Anerkennung für die Mitarbeit der Kommission und bei Plenums, der die Regierung manche wertvolle Anregung zur Verbefferung der Vorlage verdanke. Nur der sozialdemokra­tische Redner war mit ihr unzufrieden. Der allgemeinen Besprechung folgte die Einzelberatung der 365 Paragraphen, zu denen wiederum eine große Anzahl von AbänderungSan- trägen eingegangen ist.

Kille Stfojr für du kWMnckn grititi in Aeoischlastd.

Die Erklärung, welche der Vorsitzende der ZentrumS- fraktion, Abgeordneter Epahn, im Namen seiner Fraktion am Mittwoch im Reichstage abgegeben hat, und die wörtlich be­sagt, daß die ZentrumSpartei aus Anlaß deS bekannten BundeSratSbeschluffeS über daS Jesuitengesetz zum Reichskanzler und zum BundeSrate daS Vertrauen nicht habe, daß die Be- dürfniffe der Katholiken in Deutschland von ihnen eine gerechte Behandlung erfahren, muß leider als eine große Gefahr für den konfeffionellen Frieden in Deutschland angesehen werden, da in der Erklärung deS Abgeordneten Epahn auch noch die Worte enthalten waren, daß der BundeSratSbeschluß einen Angriff gegen die katholilche Kirche und gegen die staats­bürgerlichen Rechte der Katholiken bedeute. Wohl hat der Reichskanzler in seiner Erwiderung auf die Erklärung bei Abgeordneten Epahn klar gelegt, daß der Erlaß BayernS in der Jesuitensrage den BundeSrat genötigt habe, sich neuerdings mit der Ausführung deS JesuitengesetzeS zu besassen, und daß für dieselbe im BundeSrate sonst durchaus keine Initiative dafür vorhanden gewesen wäre, auch habe sich in allen Bundesstaaten für die Handhabung deS JesuitengesetzeS die Praxis herauSgebildet, die Tendenz dieses GejetzeS nicht zu verschärfen, sondern zu mildern, und eS ist ja auch bekannt, daß aus dem Jesuitengesetz auch eine Bestimmung, welche AergerniS bei der katholischen Bevölkerung Deutschlands er­wecken konnte, schon vor längerer Zeit beseitigt worden ist.

Der BundeSrat hat auch durchaus nicht daS Bestreben, ein neues Gesetz gegen den Orden der Gesellschaft Jesu zu schaffen, sondern er hat lediglich die Praxis für daS bestehende Gesetz sestgelegt. Wenn trotzdem in sehr bedauerlicher Weise in der katholischen Bevölkerung daS Gesühl vorhanden sein sollte, daß sie vom BundeSrate nicht gerecht behandelt würde, so muß daraus, wie der Reichskanzler sehr richtig auSführte, gefolgert werden, daß die Jesuitensrage in Deutschland zum Eckstein deS politischen Programms der ZentrumSpartei gemacht worden ist. Ist aber daS der Fall, so muß in der Haltung der ZentrumSpartei eine Gefahr für den konfeffionellen Frieden in Deutschland erblickt werden. Wir wollen aber noch hoffen, da man sich weder auf der Seite der Protestanten, noch auf jener der Katholiken in die Zeiten scharfer Kirchenkämpse zurücksehnt, daß die leidige Angelegenheit der Jesuitensrage zu ferneren konfeffionellen Streitigkeiten in Deutschland nicht führen wird, denn 40 000 000 Protestanten und 24 000 000 Katholiken sind beiderseitig Söhne der Mutter Germania, welche in diesen ernsten Zeiten für ihr nationales Leben und Gedeihen alle Kräfte braucht, und das deutsche Volksempfinden nie und nimmer ein kirchenpolitisches Zerwürfnis billigen würde, da im Grunde genommen ja auch kein Protestant auch nur daran denkt, die Glaubensfreiheit der katholischen Mit­bürger zu stören.

ES muß auch daran erinnert werden, daß die Tätigkeit deS Ordens der Gesellschaft Jesu auch in rein katholischen Ländern schon Anlaß zu blonderen Maßregeln gegen die Jesuiten gegeben hat, weil der internationale Cvarakter deS Jesuitenorden- und besten Widerstand gegen die Entwickelung deS modernen EtaatSgedaiikenS Ursache für gewisse Besürch- tungen war. Jedenfalls besteht im Empfinden deS evangelischen Teiles deS deutschen Volkes ein großer Widerwille gegen die Jesuiten. Mit dieser Tatsache muß die Regierung doch auch rechnen. Man könnte allerdings nun auch sagen, daß