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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 153. Dienstag, den 2 t Dezember 191Ä.
Amtlicher teil.
H»Sseld, den 19. Dezember 1912.
Bei Prüfung der Gen eindekafscn deS KreiscS hat sich ergeben, daß mehrfach die an die Kgl. KreiSkasse abgelieferten fälligen StaatSsteuerbeträge ganz oder teilweise auS den Beständen der Gemeindekasie oder vom Erheb» persönlich verauslagt worden sind, weil Steuerpflichtige mit der Entrichtung ihrer Steuern an die Hebestelle im Rückstände waren.
Dieses Verfahren ist unzulässig. Gegen säumige Steuer- zahl» ist rechtzeitig daS Beitreibung-Verfahren anzuwenden. An die Kgl. KreiSkasse dürfen nur die tatsächlich erhobenen Steuern abgeliefert werden. Ueber unvermeidliche AuSfälle und Reste ist derselben eine besondere Nachweisung vorzulegen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Erheb» hinaus und aus die Bestimmungen der Artikel 11, 15, 21, 22, 26, 27 der Anweisung für die örtliche Erhebung der direkten StaatSsteuern vom 30. 1. 95 hinzuweisen und ihre GeschästS- sührung in dieser Hinsicht sorgfältig zu überwachen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A. Nr. 9529. von GruneliuS.
HerSfeld, den 19. Dezember 1912.
Diejenigen Herrn Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 12. September d. JS. I. A. No. 5614 KreiSblatt No. 111 betreffend Einreichung der BestandSnach- weisung über die vorhandenen Ziegen und Ziegenböcke noch nicht erledigt^haben,^werden hieran nochmals erinnert.
Ich sehe der Erledigung nunmehr bestimmt bis spätestens zrim 27. d. M t s. entgegen.
Bei Nichteinhaltung dieser Frist werde ich gegen die säumigen^Bürgermeist» eine Strafe von 3 Mk. festfetzen.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes.
I. A. No. 9284. von Grunelius.
HerSseld, den 18. Dezember 1912.
Der von der Gemeinde Meckbach vorgestellte Zuchtbulle, Simmentalerj Rasse, Gelbschück, weißer Kops, 12 Monate alt, ist von der KörungSkommifsion am 14. Dezember d. JS. besichtigt und zu Zuchtzwecke für brauchbar befunden worden. Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. No. 9464. von,G.r,u neliuS.
nichtamtlicher Teil.
Weihnachten.
Zur Weihnachtszeit erschließt daS Christentum seines Segen- Fülle. Da erweisen die Verheißungen, die einst den Hirten auf den Feldern von Bethlehem verkündet wurden, immer
Der Erbe des Millionärs.
Roman von Clara Rheinau.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Jsa ließ die Hände in den Schoß sinken; eine seltsame Schwäche befiel sie. Also die Frau, die Sie heute erwarteten, war tot und auf eine solch grausige Art ums Leben ge- kommen! Und waS meinten diese Zeitungsschreiber mit den „merkwürdigen Enthüllungen in Verbindung mit einem in der Stobt wie in der Gesellschaft wohlbekannten Namen?" Wollten sie vielleicht Lionel hineinziehen — Lionel, der in Wirklichkeit jener Person ferne stand, wie sie selbst?"
In diesem Augenblick trat Sir Elliot, begleitet von Lionel, in daS Zimmer.
Letzterer bemerkte sofort die verstörte Miene deS jungen Mädchens.
„Jsa", rief er besorgt, waS ist vorgefallen.
„Ich hatte einen unangenehmen Eindruck, Lionel." Sie legte ihre Hand auf die Zeitung, als ob sie ihm dieselbe vorenthalten wolle, und suhr leise fort: „ES steht eine gräßliche Nachricht in der TimeS. Jene Frau, Miß Bolero — ist ermordet worden."
„Ermordet!" rief Sir Elliot entsetzt, während Lionel er- bleichte und rasch daS Blatt entfaltete.
„Lies eS laut," sagte Sir Elliot. „Wer beging den Mord und auS welchem Grunde!"
Mit ruhiger, klarer Stimme laS Lionel den Zeitungsbericht vor. Der momentane Schrecken war offenbar vorüber; schließlich hatte er ja auch mit jener Frau nichts zu tun. AlS er jedoch an die Stelle kam, die so deutlich auf ihn hinwieS, hielt er inne und blickt: auf Jsa.
„Jahressoll," sagte^Sir Elliot. „WaS habt.ihr beide?" „Jsa hat recht," entgegnete der junge Mann, und seine Stimme klang hart in dem Bemühen, eine natürliche Erregung zu bemeiftern, „eS steht etwas sehr Unangenehmer hier, Großvater."
wieder ihre unerschöpflichen Kräfte. Wie sonst nie im ganzen Jahre waltet Weihnachten die Liebe aus Erden. Bei denen kehrt sie zuerst ein, die ihrer zumeist bedürsen, bei den Kindern und den Armen. Aber die Allmacht der christlichen Liebe, die mit deS Heilandes Geburt auf Erden gekommen ist, beschränkt sich nicht aus die Kinder und die Armen: sie zwingt olle in ihren beglückenden Bonn, die noch mit irgend einer Faser ihrer FühlenS mit der Familie, dem Mutterboden der Liebe, zusammcnhüngen. Unter den christlichen Festen übt Weihnachten aus daS Gemüt die tiefste Wirkung. DaS Weihnacht-fest löst nicht nur Stimmungen auS, die im Glauben an die ewige Liebe GotteS wurzeln, eS setzt auch diese Stimmungen in Taten der Liebe um. Die Weihnacht-- stimmungen und die WeihnachtStaten bezeugen die GotteSkraft deS Christentums. Weit mehr als sonst wird deS Gottessohnes höchstes Gebot, unsere Nächsten zu lieben, wie uns selbst, befolgt. Die Selbstsucht schweigt, der Wille zur Liebe herrscht. Wer daS Christentum zu befreiten wagt und wähnt, sich von ihm losgesagt zu haben, muß doch wenigstens in der gnaden- bringenden Weihnachtszeit bekennen, daß er ihm Untertan bleibt, wenn auch nur insofern, als er daS christliche Hauptfest mit« feiern muß und seinen sittlichen Einflüssen sich nicht zu entziehen vermag.
Weihnachten mit seinem strahlenden Lichterglanze erhellt die Wahrheit, wie viel, daS Beste und Edelste, wir der stillen heiligen Nacht danken, in der Christus geboren wurde. ES tut gut, unserem glaubenSschwachen, glauben-armen und doch so glaubenSbedüiftigen Geschlecht den unaussprechlichen Segen bewußt werden zu lassen, den daS Christentum bisher erschlossen hat und der noch inS Unendliche sortwirken muß. ES gibt keine stärkere LcbenSmacht auf Erden als das Christentum. Sein Heil haben unzählige Milliarden bald zwei Jahrtausende hindurch erfahren. Aus allen Gebieten hat eS neue Bahnen eröffnet. Jeder Art menschlichen Arbeiten- und Schaffen- haben christliche Gedanken neuen Inhalt, neue Ziele gegeben. Lebendiges Christentum steckt weit mehr in unserem BolkS- und StaatSleben, als seine Leugner zugeben wollen.
DaS Christentum hat der Familie neuen Boden bereitet. Von ihm hat die Ehe erst Weihe und Wert empfangen; von ihm ist die Stellung der Frau und der Mutter erhöht und geadelt worden. Allen Arbeitern, den Arbeitgebern wie den Arbeitnehmern, weist eS Rechte und Pflichten zu, die, in seinem Geiste geübt und erfüllt, die volle Antwort aus daS bieten, waS die soziale Frage genannt wird. DaS unvergleichliche Riesenwerk der sozialen Gesetzgebung im Deutschen Reiche will und soll nichts anders sein alS ein Werk deS praktischen Christentums, der christlichen Menschenliebe. Die Kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881, woraus eS hcrvor- gegangen ist. beriet sich für die Ausgaben, die sie dem Gemeinwesen stellte, auf die sittlichen Grundlagen deS christlichen Volkslebens.
Nicht zuletzt verleiht daS Christentum dem höchsten Gute
„EtwaS sehr UnangcnemeS?" wiederholte Sir Elliot, ein wenig erschreckt. „WaS meinst Du damit, Lionel? LicS weiter."
Der Enkel gehorchte mit sichtlichem Widerstreben. AlS er den Artikel zu Ende gelesen, legte er daS Blatt beiseite und bemerkte ärgerlich:
„Eine nette Geschichte, nicht wahr? Ich habe die Person in meinem Leben noch nicht gischen, ober sie muß geplaudert haben — sie ober Walford. Vielleicht hat man auch Ihr Telegramm bei ihr gesunden. Wir könnten unS nun darauf gefaßt machen, einen seltenen Besuch zu »halten. Ich möchte nicht gefühllos scheinen, aber ich muß wirklich bedauern, daß die Tragödie, wenn sie nun doch einmal geplant war, nicht vergangene Woche stattfand."
Auch Sir Elliot war sehr unwillig. „Sollen wie denn stets unter den Belästigungen diese- Wolford zu leiden haben?' sagte er. „Ohne seine Einmischung hätten wir und jene Person vermutlich nie von einander gehört."
Lionel blickte auf Jsa, die eine sehr niedergkschlagriie Miene zeigte, und erriet, waS in ihrer Seele vorging. Er wußte, daß sie sich Vorwürfe machte, an allem die Schuld zu tragen.
„Törichtes Kind!" sagte er zärtlich, „eS hat keinen Zweck, sich über Vergangenes zu grämen. Du bist ganz gewiß in keiner Weise zu tadeln. Kommen Sie, Großvater," fügte er mit seinem sonnigen Lächeln bei, „Drumond gerät in Vee- zweiflung, daß der Kaffee kalt wird, während wir hin plaudern. Für die nächsten Tage werde ich die Zeitungen konfiszieren. Wenn jemand in der fraglichen Angelegenheit mich sprechen will, so soll eS unter vier Augen geschehen. Bitte, Jsa, reiche mir den Fisch. Er steht gut auS, und ich habe einen Riesenhunger."
Jsa ging gern auf feine so natürlich scheinende Heiterkeit ein. Sie sah, daß er sich bemühte, dem Großvater über den peinlichen Eindruck wegzuhelsen, seinen angesehenen Namen in eine Ekandalgcschichte verwickelt zu sehen. Einmal nur kam er aus die Sache zurück, waS verriet, daß er trotz seiner munteren Unterhaltung sich in Gedanken damit beschäftigt hatte.
nd scher Gemeinschaft, dem Vaterlande und dem Volk-tum, den rechten Gehalt und die sittliche Hoheit. Denn bai Christentum lehrt, daß der einzelne Mensch nur durch die opferbereite Unterordnung seines Eigenwillens unter den Willen, der daS Ganze lenkt, erlöst werden kann. Für die Spanne deS menschlichen Wirkens heißt daS ganze: Vaterland! In christlicher Auffassung wurzelt daS Dichterwort: «Nur wer den Blick aufs Ganze hat gerichtet, dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet!" Christliche» Denken spricht bet Dichter in den Worten auS: „Unb jetz.t ihr nicht daS Leben ein: Nie wird Euch yai Leben gewonnen sein!" Christus sagt: „Wer sein Leben lieb hat, der wird eS verlieren; wer aber sein Leben in dies» Welt hoffet, der wird eS erhalten zum ewigen Leben.
Christliche HeilSkraft wirkt fort und fort in unserem Deutschtum. Mehr alS einmal wurde in der deutschen Geschichte der christliche Glaube der Jungbrunnen der Besreiung vom sremden Joche. Er hat von jeher unsere Helden zu vaterländischem Opfermute begeistert. In christlichem Gott- vertrauen haben vor 100 Jahren unsere Väter zum Schwerte gegen Napoleon gegriffen. Im „Katechi-muS deS deutschen WehrmannS" schrieb damals Ernst Moritz Arndt: „Der Glaube an Gott tut noch täglich Wunder, unb die Zuversicht auf den Himmel überwindet die Hölle. Und den Menschen hilft keine Kraft ohne Gott." In seinem Liede: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte" mahnte Arndt: „Hebt hoch die Herzen himmelan und himmelan die Hände I“ DaS Christentum ist die Religion der Liebe und der Treue, und da diese christlichen Tugenden zunächst hienieden betätigt werden sollen, so gelten Liebe und Treue auf Erden nicht am wenigsten bt». Caieriuube.
Eine Aufhellung des politischen Horizonts.
Die dunklen Wolken, welche so lange den politischen Horizont Europas umsäumten und die Befürchtung wachhielten, eS könne sich auS dem Balkankrieg vielleicht doch noch ein großer europäischer Krieg entwickeln, beginnen sich endlich allmählich zu verziehen. Wenigstens find gerade in den letzten Tagen vor Weihnachten günstigere Nachrichten über die bisherige Krisis, wie sie namentlich im österreichisch-serbischen Konflikt und in der hiermit zusammenhängenden latenten Spannung zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zum Ausdruck gelangte, eingegangen. Ihnen zufolge nehmen vor allem die Verhandlungen der Botschafter-Konferenz in London einen so ersprießlichen Verlaus, daß man in unterrichteten diplomatischen Kreisen nunmehr bestimmt glaubt, die Botschafter-Konferenz werde eine friedliche Lösung aller schwebenden Balkan-Streitfragen bringen. Speziell ist eine offizielle Mitteilung deS Reuterfchen Bureaus zu verzeichnen, wonach die Regierungen der 6 Großmächte den Vorschlag der Auto-
„Schließlich ist ja in der Zeitung kein Name genannt Großvater", sagte er, „und wenn die übrigen Blätter ebenso diskret sind, läßt sich vielleicht die O.ffentlichkeit vermeiden. Ich werde gleich nach dem Frühstück nach London fahren, und sehen, waS sich tun läßt".
Er klingelte und befahl dem Diener, den Wagen bereit zu halten, um den ersten Zug nach London zu erreichen. Ein Sekunde später erschien der Diener zum zweitenmal.
„Ein — ein Herr wünscht Sie zu sprechen, Sir", sagte er zu Lionel. und zögerte dann verlegen. „DaS heißt, eS ist — eS ist ein Detektiv, Sir — und —"
„Ah, ich verstehe," fiel ihm der junge Mann inS Wort. „S:e haben nicht vikl Zeit verloren," fügte er zu den Seinen gewandt bei. „Führen Sie den Herrn inS BibliothekSzimmer, ich werde sofort »scheinen."
Aber der Detektiv hatte nicht obgewartet, daß er irgendwo hingeführt werde. Dem guten Ton zum Trotz war er dem Diener in daS Zimmer gefolgt. Er warf einen raschen Blick aus die Gruppe und sondnte sofort Lionel mit den Augen davon auS.
„Herr Lionel Mervyn?"
„Jawohl," entgegnete Lionel, sich erhebend. .Sie wünschen mich vermutlich wegen jener ermordeten Frau zu sprechen? Ich habe bereit- in der Zeitung von der Sache gelesen. Wollen Sie mit gefälligst in ein anderer Zimmer folgen ?"
D» Mann schien ein wenig überrascht, ab» er war im Dienste ergraut und — lächelte.
„Ich fürchte, eS wäre zwecklos, Sir," sagte er. „Ich muß Sie sogleich warnen, daß jeder Ihrer Worte gegen Sie benützt werden wird."
„Wie!" tief Lionel empört, und Jsa stieß einen leisen Schrei auS. Sir Elliot hatte sich halb von seinem Stuhle erhoben. Der Detektiv trat dicht an Lionel heran, legte seine Hand schwer auf dessen Schulter und sagte kalt:
„Ich verhaste Sie unter dem Verdachte, Ihre Frau, Clara Mervyn, ermordet zu haben."
Neunzehnter Kapitel.
Einen Augenblick stand der junge Mann regungslos