Lrsck ch dreimal und gelangt Montag,
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- veträgt für ksersseld vierteljährlich ^urch die Post bezogen 1.60 Mark. wo
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- i gespaltenen Zeile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vs«vl»«
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte « ! v^ ' e Be lage" Zernsprech-5tnschlutz Nr. 8 ——^—— .................—-»- ———————— ———, >» > —— . > ^ >—>»»> . —. ——————^—————- > — —
Nr. 154. Sonnabend, den 28. Dezembsr 1SL2.
Erstes Blatt.
Zu dem am 1. Januar 1913 neu beginnenden Vierteljahr ladet das
dmfelüer Kreisblatt
zu recht zahlreichen Bestellungen ein.
Von dem reichhaltigen Inhalte des Hersfelder Kreisblattes sei folgendes hervorgehoben'
Der amtliche Teil
enthält die Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie zahlreicher anderer Zivil- und Militärbehörden. Für alle Handels- und Gewerbetreibende sind die amtlichen Bekanntmachungen von besonderer Wichtigkeit.
Der politische Teil
enthält allgemein verständlich geschriebene Leitartikel sowie das interessanteste auf dem Gebiete der Politik des In- und Auslandes.
Die Nachrichten aus Provinz
und Nachbargebiet enthalten alle wichtigen Ereignisse aus der Stadt und dem Kreis Hers- feld, sowie diejenigen aus den benachbarten Bezirken.
Der nermifchte Teil
bringt Nachrichten aus allen Gegenden der Welt.
Die Letzten Nachrichten
bringen die neusten Ereignisse politischen und nichtpolitischen Inhalts.
Die Romane,
Novellen, Humoresken etc. erscheinen in jeder Nummer fortsetzungsweise.
Die Gratisbeilagen
bestehen in einem Stägigen Illuttr. Sonntags- blatt und einer 14tägigen llluftr. Landwirtschaftlichen Beilage, außerdem am 1. Mai und 1. Oktober in einem Auszug aus dem Bisen: bahnfahrplan der in Betracht kommenden Strecken, sowie am 1. Januar in einem Öland- halender und einem Märkteverzeichnis.
Der Hbonnementopreis beträgt vierteljährlich 1,40 Mark.
In des Jahres letzter Stunde.
Novelle von K. E. Gerth.
Silvester! 1
Der letzte Tag im Jahre neigte sich seinem Ende zu!
Man konnte e? kaum erwarten, bi$ bitfeS selbe Jahr, — dem man bei seinem Antritt zugrjubelt hatte, wie all den andern Jahren zuvor, — da? man mit so frohen Hoffnungen, so hoch gespannten Erwartungen begrüßt hatte, wie immer eins--bis eben dieses Jahr verronnen war.
Und eS hatte doch so viele Freudenlose verteilt, so viel Glück auSgestreut!--freilich auch trübe Stunden, Kummer und Herzeleid gebracht.
Aber birgt nicht die? alle? jedes Jahr in seinem Echoß? Jst'S denn je anders gewesen?? Wann hatten wohl auf Erden nur Freude uud Glück einzig und allein geherrscht?!
Und---mußte die? nicht auch sein? Mußte eS nicht Schatten geben, damit daS Licht um so heller, herz- erfreuender erstrahlen konnte?
Doch--dies alle? erwägt wohl kaum ein Menschen- herz, besonder? wenn c? im Leid ist.
Und da? Alte, Ueberlebte, — wa? e? auch immer sei, — c? wird achtlo? zur Seite geschoben und dem Neuen zu- gejubelt, — ein Sieg, bet ewig unangefochten, unbestritten bleiben wird, so lange r? Kommen und Gehen geben wird.---
Alljährlich rüstet man zur Feier bet Jahreswende.
Im traulichen Heim wird geschmückt und vorbereitet. Der Christbaum ist mit irischen Kerzen besteckt, der Karpfen harrt de? Zerteilen?, da? Wasser dampft zum Punsch, und allerlei Scherzgegenstände zum Zeitvertreib liegen bereit.
Wem da? eigene Heim zu klein erscheint, wer unter vielen froh sein will, der sucht die Weinstuben und Bierhäuser aus, die Taschen mit Konfetti und Papierschlangen gefüllt; die
Amtlicher teil.
HerSseld, den 20. Dezember 1912.
An die OrtSpolizeibchörden deS Kreises.
In Verfolg meiner Verjügung vom 5. Februar 1912, I. Nr. 1471, KreiSblatt Nr. 2Ö, erinnere ich daran, daß d e m Königlichen Kreisarzt hier am Schlüsse deS JahreS daS Verzeichnis über die in der Gemeinde wohnenden außerhalb der Irrenanstalten in Privatpflege lebenden Geisteskranken unter Benutzung deS vorgeschriebenen Formulars zu übersenden ist.
Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
I. I. Nr. 14 652. Der Landrat.
I. «.:
Wessel, KreiSsekretär.
Cassel, den 13. Dezember 1912.
Wie in den Vorjahren, wird auch im Jahre 1913 ein KursuS zur Unterweisung von VolkSschullehrern im Obstbau in der Obstbau-Anstalt in Oberzwehren und in Geln- Hausen abgehalten werden.
Wir ersuchen, unS bi? s p ä te st e n S z u m 10. I a n u a r f. I s. diejenigen an den öffentlichen Volksschulen des Kreises angestellten Lehrer zu bezeichnen, die zur Teilnahme an einem der Kurse geeignet und bereit find, auch eventuell anzugeben, an welchen von beiden Kursen sie teilzunehmen wünschen.
Bei Auswahl der Lehrer ist zu berücksichtigen, daß sie nicht allein Neigung und Verständnis für den Obstbau zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, daS Erlernte praktisch zu verwerten. Ferner ist eS erwünscht, daß die Gemeinden ihr Interesse an der Ausbildung deS Lehrer? dadurch bekunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an unsere Hauptkasse zu zahlenden Kostenbeitroge, dessen Höhe zu berichten ist, verpflichten.
Einstweilig angestellte Lehrer werden zu den Kursen nicht zugelassen werden.
Die in Vorschlag kommenden Lehrer find darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich im Falle ihrer Einberufung mit einem ArbeitSanzuge zu versehen haben.
Auch aus. jüdische Lehrer ist bei den Vorschlägen Rücksicht zu nehmen. (B. I. 5049.)
Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, gcz. Dr. Blanckenhorn.
An die Herren Landräte deS Bezirks.
* *
HerSseld, den 21. Dezember 1912.
Die Schulvorstände deS KreiseS wollen mir alsbald die Lehrer namhaft machen, die geeignet und bereit sind, an einem der beiden Kurse teilzunehmen. Der BewilligungSbeschluß über den Kostenbeitrag ist beizufügen.
Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
I. 14763. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld den 20. Dezember 1912.
Nach § 3 der viehseuchenzolizeilichen Anordnung vom
Jungen und Jüngsten freilich lärmen aus den Straßen, lochen und schwatzen, in den Händen Schachteln mit buntflammigen Zündhölzern, Knallerbsen und sonstigen Spuk--so wartet alle? mit auf da? große Stichwort, um in ausgelassenste Lustigkeit zu verfallen.
So schaut Silvester au?--Jahr um Jahr! Und je mehr da? Verflossene die Gemüter herabgedrückt hat, um so toller wird dem Kommenden zugrjubelt!---
Auch heute, es war wohl schon um die zehnte Stunde, machte sich allerorts srohe Erwartung bemerkbar--drinnen und draußen.
Aus den Straßen schoben sich die Menschen. Im Mittel- Punkt der Stadt war jetzt kaum vorwärts zu kommen.
Ernst Vermehren, der ein in Seidenpapier gehüllter Etwas vorsichtig in der Hand trug, mußte sich stellenweise mit dem Ellbogen Bahn brechen, um weiter zu können. Er halte c? eilig und konnte sich in der Unruhe seiner Herzens nicht in den gemächlichen Schritt der Menge einstigen.
Nicht recht?, nicht links blickend stürmte er über die Straße und atmete erleichtert auf, als fein Weg ihn in eine stillere Nebenstraße sührte.
Nun hatte er in wenigen Minuten sein Ziel erreicht.
Dort zu jenen hellerleuchteten Fenstern im zweiten Stockwerk zog eS ihn.
An einem dieser unverhüllten Fenster stand eine schlanke Mädchengestalt; sie blickte dem Kommenden entgegen und lächeluv wurde Gruß um Gruß getauscht. Die Gestalt verschwand vom Fensterj Vermehren trat inS HauS, hastete die Treppe hinauf und fand die Flurtür bereit? geöffnet. „Alice!"
„Endlich kommen Sie! So spät! I"
„Nicht schelten bitte! Wie gern wäre ich srüher hierher geeilt, aber-----doch davon später."
1 .. ^ gedruckt im KreiSblatt Nr. 140, find dir .' >e> und Viehhändler st alle ver - p ' . b zweier Wochen nach Bekanntmachung de !" e Anzeige über daS Vorhandensein der SBu er OrtSpolizeibehörde zu erstatten. Die Frist für ; tottung der Anzeige ist bereits obgelaufen. @8 liegen aL:t bisher nur wenige Anzeigen vor.
Die OrtSpolizeibehörden ersuche ich die Anzeigepflichtigen auf diese Vorschrift besonder? hinzuweifen. Die Versäumnis der Anzeige hat Geldstrafen bis zu 150 Mark im Gefolge.
Ich sehe der Vorlage bet ringegangenen Anzeigen alsbald entgegen.
I. 13521a. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSfekretär.
Gefiel, den 13. Dezember 1912.
Nach § 16 der am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden Satzung der Heff-schen BrandversicherungSanstalt ist vorgesehen, daß, wenn in einzelnen Gemeinden die Brandschäden einen außergewöhnlichen Umfang annehmen und zugleich anzunehmen ist, daß diese Erscheinung auf Brandstiftung oder schlechter Löschhilfe oder Vernachlässigung der Löschanstalten beruht, durch Beschluß deS LondeSauSschusse? die ordentlichen Brandsteuern für dirse Gemeinden bis zu 50% erhöht werden können.
Demnach besteht ein erhebliche? finanzielle? . Gemeinden daran
1) daß Brandstiftungen vern-'^der werden,
2) daß im Falle eines Brande? auf eine energis^c “ kämpfung de? Feuer? hingewirkt,
3) daß die notwendigen Feuerlöschgeräte beschafft und in Ordnung gehalten, auch aus die ständige Schlagfertigkeit der Feuerwehren hingewirkt wird.
2C. rc. (Buch III. A. Nr. 3851 II.)
Hessische BrandversicherungS-Anstalt. Der Landeshauptmann.
Im Austrage: (Unterschrift).
An die sämtlichen Königlichen Herren Landräte bei Regierungsbezirk?.
HerSseld, den 19. Dezember 1912. Wird veröffentlicht.
I, 14704. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSfekretär.
nicbiamtlkber teil.
Mische MesmWu.
Gerade zum Jahreswechsel beginnen die Wolken, welche im Zusammenhänge mit der BalkankiifiS während der zweiten Jahreshälfte von 1912 den politischen Horizont Europas um« Düfterten, endlich zu weichen, und so dars vielleicht trotz mancher noch zu lösender Schwierigkeiten doch gehofft werden, daß der europäische Friede auch im neuen Jahre gewahrt bleiben wird.
Er drückte ihr die sorglich gehüteten Blumen in die Hand und trat mit ihr inS Zimmer.
„Alice!"
Hingerissen nahm er nochmals die schlanken Mädchenhände in dir feinen, führte sie an seine Lippen, schaute ihr tief in die Augen und---trat plötzlich in hestiger Erregung, mit merklicher Ueberwindung weit von ihr zurück.
Mit Gewalt zwang er seinen inneren Ausruhr nieder; dann sagte er tonlos:
„Ich habe Ihnen etwa? zu sagen, Alice,---eS wird mir schwer--surchtbar schwer. — Ich weiß, daß Sie immer, selbst damals schon, in kindlicher Verehrung zu mir ausgeschaut haben, — und---e? ist mir bitter, Ihnen ein gute?, klares, Bild von mir zerstören zu müssen, aber---ich kann nicht anders! Sie sollen mich kennen lernen, Alic-, — ganz! I Sie sollen eS wissen, wem Sie Ihr Vertrauen geschenkt haben, all die Jahre! Und--wenn Sie mir dann — trotzdem — noch weiter vertrauen können, dann-----" Sie lächelte.
„Sprechen sie ruhig, Ernst! Ich glaube nicht, daß Ihre — Beichte irgend etwas in mir zerstören kann---- um meinetwillen brauchte ich sie nicht zu hören, aber-- um Ihretwillen, zu Ihrer eigenen Erleichterung--- sprechen Sie."
Sie ließ sich in einen Sessel sollen und wies ihm einen Platz ihr gegenüber.
„Alice.'"
Trunken ruhten seine Augen aus dem ruhevollen Mädchengesicht, — sein Herz stürmte, doch schnell faßte er sich.
Den Stuhl zu ihr herangezogen, beide Arme auf den Knien, den Oberkörper vorgeneigt, so saß er da.
Den Blick zur Seite gewandt, berichtete er mit schwacher monotoner Stimme.