Komteßcben!
Roman von Anny v. Panhuys.
(Fortsetzung.) 11
icht einmal, nein, hundertmal, tau- sendmal würde ich das, weil sie ' mir und jedem rechten Mann durch
1 diese „kleine Vergangenheit", wie Sie das gute Herz der Komtesse ^y zu nennen belieben, begehrenswerter erscheint als vordem."
Er erhob sich und seine Augen blitzten zornig: „Aber Sie begreifen das natürlich nicht, weil sie weiter nichts können als herumgehen und schnüffeln und horchen, ob die Komtesse für Herrn Luzy gut genug ist. Bei meiner Schwester sind Sie gewesen und zu mir kommen Sie, und bei einer gewissen Frau Zengler scheinen Sie gleichfalls Visite gemacht zu haben, denn keine andere als diese schleichende Katze hat, wenn es überhaupt wahr ist, herausspioniert, daß die Komtesse von meiner Schwester Geld für ihr Singen erhielt".
Natürlich, jetzt verstand er auch die Szene neulich im Cafs. Diese Person hatte darum gewußt, deshalb wagte sie es, Ilse so unverschämt zu behandeln.
„Frau Zengler kenne ich nicht persönlich", widersprach der Aeltere. „Was ich Ihnen erzählte, weiß ich aus dem Munde der Komtesse selbst".
„Und solche Ehrlichkeit und Offenheiten belohnen Sie dadurch, daß Sie hier aus- ; plaudern, was doch nicht für mich bestimmt , ist", Alfred machte ein paar hastige Schritte, : „nun, sehr kavaliermäßig finde ich das gerade picht".
„Aber, aber, lieber Herr Baumeister", der Aeltere verlor seine Ruhe nicht einen Augenblick, „wenn Sie sich so für die Komtesse ins Zeug legen, dann heiraten Sie sie doch".
„Höhnen Sie nicht", brauste der Jüngere auf.
Das gleichmütige Lächeln um die Lip- ; pen festhaltend, sprach der Andere: „Nichts liegt mir ferner als Hohn, dazu habe ich Ilse viel zu lieb" —
Ein schneidendes Lachen unterbrach ihn. !
„Dazu habe ich Ilse viel zu lieb", wiederholte der Aeltere, „ich kenne sie noch nicht I
lange, aber sie steht meinem Herzen trotzdem schon sehr nahe. Und weil Ilse Sie liebt und ich nach dieser unserer Unterhaltung überzeugt bin, daß Sie diese Liebe erwidern, so sehe ich keinen Grund, weshalb Ilse und Sie sich nicht heiraten sollten."
Alfred Bardorf griff sich an die Stirn. Wachte oder träumte er? War dieser Mensch ein Narr, ein Verrückter? Zweifelnd, und ein bißchen ängstlich, blickte er auf den lächelnd Dastehenden und zögernd stieß er hervor: „Ja, wer sind Sie denn eigentlich?"
Eine fahrende Hygiene-Ausstellung im Eisenbahnwagen.
In diesem Moment öffnete sich die Tür. Frau Stangen in schreiend violettem Schnei- derkleid und Federhut rauschte über die Schwelle. Sie Pflegte immer unangemeldet bei ihrem Bruder einzutreten.
Sie hatte Alfreds Frage noch gehört und ihr erster Blick fiel auf den Fremden. „Das ist ja der französische Herr, der bei mir war, der die Komtesse heiraten will —", sagte sie und dann weiteten sich ihre Augen plötzlich und ein leiser Schrei entrang sich ihr.
„Um Gotteswillen, was ist dir,
Mariechen?" Alfred stützte die Schwester, die im nächsten Augenblick umzufallen drohte.
Mariechen streckte die Hand abwehrend gegen den Fremden aus und halblaut stieß sie hervor: „Jetzt weiß ich, wer er ist. Ich habe bei der Jräfin Bernow ein Jugend- bild von ihm jesehen und es sind immer noch dieselben Augen und die scharfe Nase muß man auch wiedererkennen. Dreißig Jahre ist er verschollen jewesen und seine Familie hat ihn für tot jehalten. Es ist
! der jüngste Bruder vom Vater der Komtesse, ! Jraf Ejon Bernow".
„Gnädige Frau, es verblüfft mich fast, von Ihnen nach jenem Jugendbild erkannt worden zu sein und", de^ Graf verneigte sich, „es schmeichelt mir, denn ich bin ein । hübscher Kerl gewesen".
Alfred führte die Schwester zu einem I Stuhl, dann wandte er sich dem älteren Manne zu und, ihm die Rechte entgegenstreckend, sagte er: „Dann bitte ich um Ver- ! zeihung, Herr Graf, wenn ich vorhin ein 1 wenig unhöflich war".