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herrselder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. S. Sonnabend, den 4. Jannar 1913.

Bestellungen

aus da- Bersfelder Kreisblatt werden für das

1. Quartal 1913 von allen Kaiserlichen Poffanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Bmtlicber Leil

HerSfeld, den 30. Dezember 1912.

Die Personen, welche bei der Wahl der Vertrauensmänner und Ersatzmänner gemäß § 145 ff. deS Versicherung-gesetze- für Angestellte für den Wahlkreis HerSfeld gewählt worden sind, nämlich:

a. die Vertrauensmänner.

1. Fabrikant Paul Schilde, HerSfeld,

2. Gustav Römer, Prokurist der Gewerkschaft Winter-hall» H^nngen,

3. Georg Bolz, Kaufmann der Firma B. Bolz, Her-feld,

4. Gustav Krause, Kaufmann, HerSfeld,

5. Karl Otterbein, Spinnmeister, HerSfeld,

6. Stephan BongartS, Ingenieur, HerSfeld;

b. die Ersatzmänner.

1. Hugo Göriche, Direktor der Firma August Gottlieb, HerSfeld,

2. Paul Thiel, Direktor der A.-G. Hattmf, PhilippSthal,

3. Adam Webert, Buchhändler, HerSfeld,

4. Paul König, Prokurist, HerSfeld,

5. Ernst Henrici, Kaufmann, HerSfeld,

6. Wilhelm Horn, Kassierer, HerSfeld;

c. die zweiten Ersatzmänner.

1. Alex Rehn, Fabrikant, HerSfeld,

2. JuliuS Baumann, Domänenpächter, Eichhof,

3. Hermann Randerath, Echuhwarenhändler, HerSfeld,

4. Christian Kreis, Werkmeister, HerSfeld,

5. OSkar Ortmann, GutSinspektor, Philipp-thal,

6. Peter Hager, Kaufmann, HerSfeld, haben die Wahl angenommen.

I. V. Nr. 3824. Der Landrat

von GruneliuS.

Der letzte Zug.

Von E. Stramm.

ES drängte zur Heimfahrt.

Die meisten Gäste hatten sich bereit- verabschiedet, nur der nächste GutSnachbar mit seiner Frau, ein Bruder deS Hausherrn, ein junger Offizier au- Berlin, der feit einigen Tagen zum Besuch in dem Flecken weilte, und die Gastgeber saßen roch lach nd und plaudernd im Salon.

Maria", drängte der Professor zum zweiten Male Komm .... wir werden den letzten Zug verpassen."

Sie lachte. Lachte ihr klingende- Lachen, da- sie nur unter Fremden fand. Daheim in den stillen, großen Räumen feine- alten Vaterhauses hatte er eS lange nicht mehr gehört. Und die andern lachten nnd protestierten auch:

Nur.keine Angst, Herr Professor. Die Uhren hier gehen alle vor. Und dann . . . eS ist ja nur ein so kurzer Weg bis zum Bahnhof."

Der Fabrikant war ausgestanden und klopfte seinem Gast, der schon an der Türe stand, freundschaftlich auf die Schulter.

Sie sehen ja, wie gut sich daS junge Volk noch amüsiert."

Robert nickte mit zujammengepreßten Lippen und sah zu seiner Frau hinüber, die sich bei den kecken Worten deS Leutnants sichtlich sehr wohl fühlte.

Junges Volk," dachte er bitter.Ja . . . sie gehört wohl noch dazu. Nur du nicht, du . . . mit deinem grauen Haar an den Schläfen, mit deiner knöchernen Pedanterie, deinem Wissenschaft-koll«, der alle fröhliche Gegenwart inS graue Allertum zurückdrängt . . . nein, du kannst nicht mehr so mitlachen."

Er hielt jetzt die eigene Taschenuhr in der Hand.Maria!" mahnte er zum dritten Male.

DaS Frauenlachen brach mitten durch. Mit der lieb­reizenden Gattin deS Professor- erhoben sich auch sogleich die anderen Gäste.

Ich verstehe dich nicht, Robert", sagte die junge Frau nervös.Immer, wenn'S gerade am schönsten ist, willst du nach Hause! Du hast doch gehört, die Uhren gehen alle vor.

HerSfeld, den 2. Januar 1913.

Gemäß der §§ 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlecht-, welche

1. in dem Zeitraume vom 1. Jannar 1893 bis einschließlich »1. Dezember 1893 gebotet! sind, S. dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer Ersatzbehörde zur Musterung bezw. Aushebung gestellt,

3. sich zwar gestellt, aber über ihr Militärver­hältnis noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben,

sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. zur Rekrutierungs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden sowie etwaige sonstige Bescheinigungen, welche bereits ergangene Entscheidungen über ihr MiliiSiverhältniS enthalten, mit zur Stelle zu bringen.

Die Herren OrtSvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Herren GutSvorsteher deS Kreises haben dem­gemäß im laufenden Monat folgende Bekanntmachung in orts­üblicher Weise wiederholt zu erlassen:

Jeder Militärpflichtige, welcher über feine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht erholten hat, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bi- 1. Februar d. JS. bei dem OrtSvorstände feine- Wohnortes zur Rekrutierungs-Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufent­halt-ort zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- ode^Fabritherrn die Anmeldung zu besorgen, ebensallS bei Vermeidung der im Gesetze ange- drohten Nachteile."

Die sodann genau nach der Instruktion deS Herrn Ober- Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und 110) aufzustellenden RekrutierungS-Stammrollen für 1893 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stamm­rolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten usw. und den beiden RekrutierungS-Stammrollen der Jahre 18^1 und 1892 bis spätestens zum 5. februar d. Js. unter der BezeichnungHeereSfache" einzureichen.

Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch folgende- zu beachten:

Die Einträge find, wie im § 46,2 der Wehrordnung vorgeschrieben, genau in alphabetischer Reihenfolge zu machen. Sollten Militärpflichtige inzwischen verstorben sein, so bedarf eS der Ausnahme in die RekrutierungSstammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurkunde deS zuständigen Standesbeamten beigefügt wird. Sollten Militärpflichtige mehrere Vornamen haben, so ist den Rufname zu unter­streichen. Huf die Ausfüllung der Spalte 10 der Rekrutierungs-Stammrolle zur Stammrolle ge­meldet ist besonders zu achten. 6s ist in dieser

Und ich habe nicht Lust, lange aus dem zugigen Bahnhof zu warten."

Er antwortete nicht. Er stand schon im Vorraum der Villa und ließ sich vom Diener die Garderobe bringen. Den Mantel seiner Frau hielt er im Arm und wartete. Als sie endlich kam, war auch der Leutnant neben ihr. Er nahm dem Professor eilfertig den grauen Mantel aus der Hand und legte ihn umständlich und langsam um die bloßen Frauenschultern.

Wolken vor der Sonne", scherzte er, zum Abschied die dargereichte Hand Maria- küssend.

Die anderen traten hinzu, eS gab ein allgemeines Abschied- nehmen.

Drüben, jenscitS der Fabrik, rollte der Wagen deS GutS- btsitzerS ftldeinwärtS, hüben schritten zwei Menschen stumm durch die Herbstnacht zum Bahnhof. Irgendwoher kam der Psiff einer Lokomotive.

Wir müssen schneller gehen, Maria!"

Sie hörte garnicht. Sie war noch ganz im Bann bei Licht- und der Freude. Dann, eS war kurz vor dem roten kleinen Stationsgebäude, hob der Professor «schreckt den Kops. Seitwärts durch die Bäume kam es pustend und stöhnend durch die Stille daher, rote Lichter flammten auf, und dicht vor ihnen senkte sich klirrend die Barriere vor dem Bahnübergang.

Maria sah eS auch. Sie begann zu laufen und wollte trotz der herabgelassenen Barriere durch daS Gitter hindurch. Da hielt er sie fest.

DaS geht nun nicht mehr, eS ist zu spät, Maria! Da . . . der Zug hält nur eine Minute."

Sie starrte mit großen erfchreckten Augen auf den Zug, der sich jetzt langsam wieder in Bewegung setzte.

War daS . . . bet letzte . . . Robert?"

Er nickte müde.

Ja . . . vor morgen früh fährt nun kein« mehr nach der Stadt."

Sie stand gegen die Barriere gelehnt und kämpfte mit den Tränen. Sie wartete auf seine Vorwürfe, sie wußte ja ganz genau, daß sie allein schuld daran war, daß der Zug

Spalte in allen Jahrgängen bei jedem JMilitärpflidv tigen, welcher in die Rekrutierungs-Stammrolle ausgenommen worden ist, in allen fällen durch Eintragung vonJa oderpfein ersichtlich zu machen, ob die Anmeldung zur Stammrolle erfolgt ist oder nicht.

Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung auS, daß die Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig au- gefüllt werden, insbesondere ist anzuzeigen, ob die Eltern deS Militär­pflichtigen noch leben oder nicht. Auch muß der Stand deS Letzteren. sowie derjenige feine- BaterS bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Versügung vom 29. Januar 1902 I. II. Nr. 247, im KreiSblatt Nr. 13 veröffentlichte An­weisung ist genau zu beachten.) Bei Militärpflichtigen, welche nicht im Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem dieser gehört, anzugeben. Etwaige Bestrafungen sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweifel­hafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden. Die betreffende Spalte ist vielmehr dann überhaupt nicht auS- zufüllen.

Ferner haben die Herren OrtSvorstände pp. deS Streifet die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig­freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in bot militärpflichtige Alter eintreten, bezw. eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben «sp. von der AuShebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf ausmersam zu machen, daß sie in Gemäßheit bet § 93 pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Erfatzkommiffion ihre- Ge- strllungSorteS schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Bere^rtgung-fcheineS ihre Zurückstellung von der AuShebung zu beantragen haben.

Der givilvorsitzende der Erfatzkommiffion.

3. M. 97r. 3. von GruneliuS, Landrat.

HerSfeld, den 23. Dezember 1912.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises mir bestimmt bis zum 10. Januar 1913 zu berichten, auf wie hoch sich daS Steuersoll derjenigen Steuer­pflichtigen beläuft, die-nach der Gemeindesteuerlist« pro 1912 mit dem Steuersätze von 1,20 Mk. und weniger veranlagt worden sind.

Die genaue Einhaltung der gestellten Frist mache ich zur besondern Pflicht.

Der Vorsitzende des Kreisausschufses.

I. A. No. 9589. von GruneliuS.

HerSfeld, den 2. Januar 1913.

Im Monat Dezember 1912 sind diesseits den nach­benannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

a. entgeltliche:

am 2/12. dem Dr. med., Arzt, HanS Prüß in Heringen,

verpaßt war. Er sagte aber nichts. Er drehte sich langsam zu ihr um und zog ihr den losen Mantel fester um die Schultern.

Aber du zitterst ja! Knöpfe doch zu, man steht ja dein« bloßen Schultern!"

Sie rührte sich nicht. ES kam wie Trotz über sie.Laß doch ... eS ist ja kein Mensch in der Nähe."

Er schüttelte den Kops, trat noch näher an sie heran und zog mit hastigen Fingern die Knöpfe zu.

DaS schon ... ja! Aber du könntest dich in der Nachtluft erkälten. Willst du nicht kommen?"

Sie zuckte ganz ungewohnt schreckhajt unter seiner Berührung zusammen.

Zu HeinemannS zurück?"

Er nickte:ES wird unt wohl nicht- andere- übrig bleiben. Der Bahnhof wird geschlossen, und ..." er stockte. Ihm war eingefallen, daß eine halbe Stunde weg- von hier, dicht am WaldeSrande, ein Wirt-hau- stand. Ein Heines armselige- Häuschen nur, mit einem Giebeldach und einem Gärtlein darum, in dem im Sommer Kohl und Rüben zwischen blauen Astern und feuerroten Nelken blühten.

Und?" fragte sie gähnend.

Und in dem kleinen GasthofZur goldenen Sonne" möchtest du doch nicht übernachten?"

Sie war ganz erschrocken.

Um GotteS willen! Diese Bauernschenkel Wenn'S wenigsten- ein Hotel wäre! Nein, Robert, da gehen wir schon lieber zu Heinemann- zurück."

Sie war hastig neben ihm zurückgeschritten. Sie hatte wohl erwartet, daß er ihren Arm nehmen und sie führen würde. ES wurde so dunkel plötzlich, seitdem die Lichter vom Bahnhof erloschen. Er ging aber wie ein Stock! Sie konnte sein Gesicht gar nicht sehen, so finster war plötzlich der Weg. Ein paar mal atmete sie tief aus und fühlte, wie die kalte Oktoberluft ihren erschlaffenden Nerven gut tat. Und mit einer Art Schauder gedachte sie daran, jetzt wieder in die dumpfen GksellschastSräume zurück und lachen und sprechen zu müssen. Mit jedem Schritt den sie tat, wurde ihr Kopf klarer. DaS war ordentlich traulich, bisset stumme Schreiten