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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 5.

Sonnabend, den 11. Januar

1913.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil

HerSfeld, den 2. Januar 1913.

Gemäß der §§ 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche

1. in dem Zeiträume vom 1. Januar 1893 bis einschließlich 31. Dezember 1893 geboren sind, 2. dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer Ersatzbehörde zur Musterung bezw. Aushebung gestellt,

3. sich zwar gestellt, aber über ihr Militärver­hältnis noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben,

sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. zur Rekrutierungs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden sowie etwaige sonstige Bescheinigungen, welche bereits ergangene Entscheidungen über ihr MilitärverhältniS enthalten, mit zur Stelle zu bringen.

Die Herren OrtSvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Herren GutSvorsteher des Kreise- haben dem­gemäß im lausenden Monat folgende Bekanntmachung in orts­üblicher Weise wiederholt zu erlassen:

Jeder Militärpflichtige, welcher über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht erhalten hat, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1, Februar d. Js. bei dem OrtSvorstände seines WohnorteS zur Rekrutierungs-Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufent- haltSort zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikhenn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze ange­drohten Nachteile".

Die sodann genau nach der Instruktion deS Herrn Ober- Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und HO) aufzustellenden RekrutierungS-Stammrollen für 1893 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stamm­rolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten usw. und den beiden RekrutierungS-Stammrollen der Jahre 1891 und 1892 bis spätestens zum 5. februar d. Js. unter der BezeichnungHeeressache" einzureichen.

Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch folgendes zu beachten:

Die Einträge find, wie im § 46,2 der Wehrordnung vorgeschrieben, genau in alphabetischer Reihenfolge zu machen. Sollten Militärpflichtige inzwischen verstorben sein,

Käthes Erkennungszeichen.

Novellette von K. E. G e r t h.

Hei, welch lustigen Tanz die Schneeflocken in der Luft aufführten! DaS war ein Wirbeln und Tollen übereinander, untereinander, daß man wahrlich Lust verspürte, auch so ein lustige- weißer Sternchen zu sein.

So dachte wenigsten- Käthe MertenS mit ihren zwanzig Jahren.

Mit lachenden Augen ging sie durch daS dichte Schnee­treiben. Ihr zierliche- kleines NäSchen war rot überlausen von der scharfen Lust.

Anzuschauen war Käthe wie ein Mummelmännlein. Eine Wollmütze hatte sie sest über die rosigen Ohren gezogen; daS ganze, prächtige, rotblonde Haar verhüllte neidvoll die weiße Mütze, nur über der Stirn waren kecklich einige Lockenringel hervorgesprungen. Die Hände hatte sie im Riesenmuff ver­graben, ein langer, dicker Wintermantel hüllte ihre tannen» schlanke Gestalt ein, und ihre mit festen Lederstieseln bekleideten Füße steckten noch in pelzgefütterten Ueberschuhen.

So eingehüllt ließ eS sich freilich gut sein in bhfer Kälte.

Nur das junge Gesicht war völlig der Witterung preiS- gegeben; kein Schleier verhüllte eS mitleidsvoll, und daS Hoch- strebmde NäSchen hatte alle AuSsicht, blau zu werden.

Rote Nasen sind unschön!" hatte mal Vetter Fritz zu ihr gesagt und sie damit schwer gekränkt.

Ach---dieserote" Nase war überhaupt Käthe'S schwache Seite von Kindheit an.

Sobald daS Wetter sich irgendwie rauh anließ, ja jeder Temperaturwechsel, oft schon ein Gang aus dem Zimmer inS Freie genügten, jene ominöse Röte hervorzuzaubern, ebenso wie heißer Trank und heißeS Essen.

Die arme Käthe wurde dieserhalb weidlich von den Ge­schwistern zwei jüngeren Brüdern geneckt, und mußte immer ihren ganzen Stolz zur Hand nehmen, um nicht übel­launig zu werden; denn schön war'S wirklich nicht, wenn so ein naseweiser Schlingel ihr nach einem Festessen zurief:

Käthe du hast wieder ein Rotkehlchen gefangen."

so bedarf eS der Ausnahme in die RekrutierungSstammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurkunde deS zuständigen Standesbeamten beigefügt wird. Sollten Militärpflichtige mehrere Vornamen haben, so ist der Rufname zu unter­streichen. Huf die Ausfüllung der Spalte 10 der Rekrutierungs-Stammrolle zur Stammrolle ge­meldet ist besondere zu achten. 6s ist in dieser Spalte in allen Jahrgängen bei jedem hlilitärpflicb= tigen, welcher in die Rekrutierungs-Stammrolle ausgenommen worden ist, in allen fällen durch Eintragung vonJa oderfiein ersichtlich zu machen, ob die Hnmeldung zur Stammrolle erfolgt ist oder nicht.

Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß die Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig auSgesüllt werden, insbesondere ist anzuzeigen, ob die Eltern deS Militär­pflichtigen noch leben oder nicht. Auch muß der Stand deS Letzteren, sowie derjenige seine- VaterS bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar 1902 I. II. Nr. 247, im KreiSblatt Nr. 13 veröffentlichte An­weisung ist genau zu beachten.) Bei Militärpflichtigen, welche nicht im Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem dieser gehört, anzugeben. Etwaige Bestrasungkn sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweifel­hafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden. Die betreffende Spalte ist vielmehr dann überhaupt nicht auS- zufüllen.

Ferner haben die Herren OrtSvorstände pp. deS Kreise- die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig­freiwilligen Dienst berechtigten MAIrpflichligen. welche in da- militärpflichtige Alter erntreten/ bezw. eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben resp, von der AuShebung noch nicht zurückgestellt worden sind, daraus ausmersam zu machen, daß sie in Gemäßheit deS § 93 Pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatzkommission ihre- Ge- stellungSorteS schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihre- Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der AuShebung zu beantragen haben.

Der givilvorfitzende der Ersatzkommiffion.

I. A. Nr. 3. v 0 n G r u n e l i u S, Landrat.

HerSfeld, den 6. Januar 1913.

Diejenigen Herrn Bürgermeister und GutSvorsteher deS KreiftS, die meine Verfügung vom 29. Oktober 1912, J. I. 12495, KreiSblatt Ne. 131, betreffend Einreichung deS ViehfeuchenabgabenverzeichniffeS für 1913 noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bi- zum 15. d. MtS. erinnert. I. 12495. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KceiSsckretär.

Cafsel, den 13. Dezember 1912.

Nach § 16 der am 1. Januar 1913 in Kraft tretenden

Nun zu öfter Gebrauch der Waffen stumpft sie ab!

Aber einmal hatte Bruder Franz sie doch damit in- Herz getroffen. Und daS war vor nunmehr drei Jahren gewesen.

Ihr Vetter Fritz halte seinenReserendar" glänzend ge­macht und war bei Werten- aus Urlaub zur Erholung,

KätheS Eltern hatten nämlich ein kleine- Landgut und waren recht vergnügliche Leute. Damit nun die Einsamkeit ihren Weg nicht zu ihnen sand, war aus Martin- Hos immer Besuch willkommen.

So fuhr auch einmalBetter" Fritz der eigentlich nur ein Sohn der Jugendfreundes von Käthe- Vater war bei ihnen vor.

DaS war eine herrliche Zeit gewesen, die schönste in Käthe'S Leben, bis---der grausame Niederfchlag kam.

Wie daS alles war?

Je nun, Sommersonnenschein, blühende duftende Blumen, dazwischen junge, frohe Menschenkinder mit lachenden Augen und offenen Herzen.

Ach und KätheS unberührtes Herz war allzu unver- wahrt, allzu geöffnet gewesen und Vetter Fritz hatte so wunderschöne" Augen und konnte gar zu köstlich lachen und fröhlich sein.

Die Zeit flog nur so. Ordentlich erstaunt und erschrocken war die ganze Familie, alS Fritz eines schönen Tage- er­klärte:Morgen muß ich heim."

DaS wirkte ungesähr so, al- wäre ein Blitzschlag auS heiterem Himmel gekommen.

Um sich den Abschiedsschmerz leidlich zu versüßen, mußte nun dieser letzte Tag gründlich gefeiert werden, und ein opulentes Festmahl bildete den Kernpunkt deS Ganzen.

Käthe, getrieben, eine ihr bisher sremde Unruhe und Schwere zu ersticken, sprach fleißig der AnanaSbowle zu.

Da war'S als sie wein- und liebeselig im Stuhl zurückgelehnt dasaß, die Augen traumverloren inS Weite ge­richtet da traf sie deS Bruders neckender Rus:

Käthe, du hast wieder ein Rotkehlchen gefangen!"

Sie wurde rot und lachte; Fritz schaute jedoch verwundert den Bruder an.

WaS soll denn daS heißen?"

Satzung der Hessischen BrandverstcherungSanstalt ist vorgesehen daß, wenn in einzelnen Gemeinden die Brandschäden einen außergewöhnlichen Umfang annehmen und zugleich anzunehmen ist, daß diese Erscheinung auf Brandstiftung oder schlechter Löschhilse oder Vernachlässigung der Löschanstalten beruht, durch Beschluß deS Landc-au-schusseS die ordentlichen Brandsteuern für diese Gemeinden biS zu 50% erhöht werden können.

Demnach besteht ein erhebliches finanzielle- Interesse der Gemeinden daran

1) daß Brandstiftungen vermieden werden,

2) daß im Falle einer Brande- auf eine energische Be­kämpfung deS FeuerS Hingewi,ki,

3) daß die notwendigen Feuerlöschgeräte beschafft und in Ordnung gehalten, auch aus die ständige Schlagfcrtigkeit der Feuerwehren hingewirkt wird.

rc. rc. (Buch III. A. Nr. 3851 II.)

Hessische BrandversicherungS-Anstalt. Der Landeshauptmann

Im Austrage: (Unterschrist).

An die sämtlichen Königlichen Herren Landräte de- RegierungSbezirkS.

*

HerSseld, den 19. Dezember 1912. Wird veröffentlicht.

I. 14704. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Klei-sekretär.

HerSfeld, den 7. Januar 1913.

Der Zuchtbulle deS "mdmirtS Heinrich Heiderich zu Lautenhaufen. 13 Moru^ k I.» -^iu... urtale». G,lbrotfchaS weißer Kopf, vorn weiß, ist von öer Körung-kommission be­sichtigt und für Zuchtzwecke alS tauglich befunden worden.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:

3. A. Sir. 67. von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Zum Nachsolger deS verstorbenen Staatssekretär- deS Auswärtigen AmteS von Kiderlen-Wächter ist unser bisheriger Botschafter in Rom von Iag 0 w au-erschen worden. Herr von Jagow hat seine Stellung in Rom unter teilweise sehr schwierigen Verhältnissen, wie sie beispielsweise durch den italienisch-türkischen Krieg in TripoliS bedingt waren, mit großem Geschick und Ersolg auSzusüllen verstanden und fich mit vollstem Recht« den Rus eine- unserer tüchtigsten und fähigsten Diplomaten erworben. Die Ausrechterhaltung unverminderter Herzlichkeit und Wärme in den deutsch-italie­nischen Beziehungen düifte zweifelsohne zum guten Teile sein Werk sein. Welches hohe Ansehen und welches hohe Maß

Na sich doch, sie hat ja eine rote Nase!"

Ja, wirklich I" ließ sich Fritz vernehmen.Rote Nasen sind unschön, Käthe!"

Gewiß war'S neckend gesagt! Aber sie, in ihrem ge­steigerten, etwa- überreiztem Empfinden, daS allemal geneigt ist, mehr zu sehen, alS wirklich vorhanden, hörte nicht-, alt einen nüchternen, kalten Tadel.

Und die Kälte und Nüchternheit kroch ihr in- Herz und zerschlug darin einen ganzen Rosengarten. Der armen Käthe war ihr ganzer LicbeSsrühling verhagelt!

Sie zeigte sich nun so unliebenSwürdig, zerstreut und kalt, daß Fritz sie gar nicht mehr beachtete und schließlich heimsuhr, ohne ihr Lebewohl gesagt zu haben.

DaS war daS Ende von ihrem kurzen Liebe-traum ge­wesen, dem in diesen drei Jahren kein neuer gefolgt war.

Doch, hatte ihr der Tag auch viel genommen wenn­auch nur ein Rausch, ein Traum gewesen ein- hatte er ihr gegeben: Selbstbeherrschung!

Mochte man sie necken!! Sie lachte darüber.

Und alS sie reifer geworden, ließ ihr trotzige, Stolz kein Vertuschen diese- ihres Schönheitsfehler- zu. Wen ihre rote Nase störte, der--konnte ihr gewogen bleiben, sie verlor an ihm nicht-!

So paradierte denn auch heute wieder ihr rote- NäSchen, und seelenvergnügt stampste sie durch den Schnee. Sie wollte in- Dorf zu einer armen Tagelöhner-frau; die war erkrankt und hatte drei kleine Buben. Dort tat Hilfe not.

Wenn im Winter, da bei diesen Leuten der Verdienst an sich schon karg ist, noch Extraausgaben gemacht werden müssen, im Hausstand alles drunter und drüber geht, dann schaut leicht die Not in- Fenster.

DaS wollte die warmherzige, hilssbereite Käthe verhüten und wanderte fröhlichen Herzen- in- Dorf.

Nur wenige, kleine Läufer zählte daS Oertchen; aber sauber und adrett standen sie da. Kleine, wohlgepflegt« Gärten umgaben sie, und Blumentöps« drückten sich vor weißen Gardinen an die Scheiben.

Heut, bei dem Flockengewirbek, lag eS weiß auf allen