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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustrierter Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage* Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 9. Dienstag, den 21. Januar 1913.

Amtlicher teil.

Heesfeld, den 15. Januar 1913.

Von mehreren Bürgermeistern deS Kreises sind neuerdings die Verhandlungen über Neuwahl von SckiedSmännern unter Benutzung besonderer hierzu vorgedruckter Formulare eingesandt worden.

AuS der Fassung deS Formular- ist nicht ersichtlich, ob die Wahlen in gesetzmäßiger Weise zustande gekommen sind; eS fehlen darin die Angaben, auS wieviel Mitgliedern die Gemeindevertretung oder Gemeindeversammlung besteht und an welchem Tage die Zusammenberufung erfolgt ist. (§ 20 und 68 L. G. 0.)

Ich mache die Herren Bürgermeister deS Kreises hieraus aufmeitfam und ersuche die Wahlverhandlungen nicht unter Benutzung der bezeichneten Formulare, sondern unter Bei­fügung eines AuSzugeS aus dem Beschlußbuche der Gemeinde­vertretung oder Gemeindeversammlung, wie solche in der L. Funk'schen Buchdruckerei hier erhältlich sind, an den Herrn LandgerichtS-Präsidenten in Caffel einzusenden.

Der Vorsitzende des Kreisausschusies:

I. A. Nr. 271. von Grün eliuS.

HerSseld, den 17. Januar 1913.

Der auf Donnerstag d. 30. d S. M t S. in Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 8 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist daS Handeln mit Vieh und daS Mustern von Vieh zwecks Handelns im Stadtbezirke außerhalb deS Viehmarktplatzes vor und während der Dauer deS MarkteS verboten.

Auf Grund deS § 47 der viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 1. Mai 1912 ist bestimmt, daß nach 10 Uhr vormittags Tiere nicht mehr zum Markte gebracht werden dürfen.

I. 878. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSfekretär.

Baumwärterkurse.

Der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat zur Erleichterung der Ausbildung tüchtiger Baum­wärter an der Obstbauanstalt zu Oberzwehren einen StaatS- zufchuß als Beihilfe zu den AuSbildungSkosten geeigneter Personen, die später im öffentlichen Obstbau tätig sein sollen, bewilligt.

Die Höhe deS mit den verfügbaren Mitteln zu ermög­lichenden ZuschufleS für eine Person ist wechselnd je nach den Kosten, die den Teilnehmern für Aufenthalt und Reise er­wachsen.

Die näheren Bedingungen, unter welchem die Bewilligung

Der Erbe des Millionärs.

Roman von Clara Rheinau.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Sie faßte Lionel bei der Hand und zog ihn zu der Freundin hinüber.

Ein Schauer ging durch seinen Körper.

O wenn eS wirklich nicht mehr wäre, als ein kleiner Zwist, was ihn von Jsa trennte, und dieses gutherzige Mäd­chen könnte sie wieder zusammenbringen! Aber er hatte sich zu schwer gegen sie versehlt, sür ihn gab eS keine Vergebung mehr. Niemand würde die- besser einschen, alS Mary, die General-tochter, wenn sie die Wahrheit erfuhr. Warum sprach nur Jsa nicht? Wollte sie Schonung gegen ihn üben? Allmählich mußte ja seine Schande überall bekannt werden, aber bi- dahin hoffte er weit entfernt zu sein von den verächtlichen Blicken und Reden der Menschen, die sich einige Monate lang seine Freunde genannt.

Ez war ein entsetzlicher Augenblick, alS sie einander so gegenüberstanden. Vielleicht war eS die unbewußte Bitte in seinen Augen, die sie rührte, vielleicht ond^r eigene- Wider- streben, über die Sache zu sprechen, waS ihr den Mund ver­schloß. Mit einer raschen Gebärde machte sie sich von Mary! umschlingenden Arme loS und floh auS dem Zimmer.

O mein Gott!" stöhnte Lionel, stützte den Arm aus den KaminsimS unb bedeckte die Augen mit der Hand.

Mary war ernstlich erschrocken. Lionel hatte recht, dl<fe Entfremdung mußte eine tiefere Ursache haben, alS sie ahnte. Offenbar hatte nicht er, sondern Jsa die Verbindung abge­brochen. Sie wußte, wie innig die Freundin ihn liebte, und konnte nicht annchmen, daß eS ein geringfügiger Grund sei, der den Bruch herbeigesührt hatte. Aber Lionel schien selbst so entsetzlich unglücklich, sie konnte nicht umhin, ihn zu be- mitleiden. EtwaS zögernd trat sie an ferne Seite und be- rührte leicht seinen Arm.

Lionel," murmelte sie,kann ich Ihnen helsen. ^äßt

einer Beihilfe erfolgen kann, werden von der Obstbauanstalt der LandwirtschaftSkammer in Oberzwehren aus Wunsch mit­geteilt. Etwaige Gesuche sind unter Beifügung eines polizei­lichen Führung?- und eines Gesundheitsattestes bis spätestens den 1. Februar laufenden Jahres ebenfalls dorthin zu richten.

In Betracht kommen im allgemeinen nur solche Teilnehmer, die von einer Gemeinde oder einem Verein zur Ausbildung entsendet werden, um später der Allgemeinheit dienstbar zu sein. Grundbedingung für die Gewährung einer Beihilfe ist, daß die Stelle, welche den betreffenden Mann zur Ausbildung bringt, in gleich starkem Maße an der Deckung der AuS­bildungSkosten sich beteiligt.

Cassel, den 2. Januar 1913.

Der Vorsitzende der LandwirtschaftSkammer für den Regierungsbezirk Lasse! MaertenS.

Bekanntmachung.

Die UniversitätS-Augenklinik zu Marburg nimmt Kranke unter folgenden Bedingungen auf:

1. Klaffe: (Einzelzimmer) täglich 8 Mk.

2. Klaffe: (12 Kranke in einem Zimmer) täglich 5 Mk. Heizung und Beleuchtung werden besonders berechnet (pro Tag 1 Mk.)

3. Klaffe: täglich 2 Mk., Kinder unter 14 Jahren 1,50 Mk.

Die Tage der Ein- und AuStrittS werden als 2 Tage berechnet.

Zählende Kranke finden ohne weiteres Aufnahme. Unent­geltliche Aufnahme finden Kranke auS den Kreisen: Marburg, Kirchhain, Frankenberg, Ziegenhain, (mit Ausnahme bei AmtSgerichtSbezirkS Oberaula), welche mit einem vorschrifts­mäßigen Aufnahmefchein versehen sind. Die nachträgliche Abgabe eines Armenscheine-, nachdem vorher die schriftliche Zahlungsverpflichtung erfolgt ist, ist unter keinen Umständen zulässig.

Arme Augenkranke auS anderen alS »den vorgenannten Kreisen können nach vorheriger Anfrage/soweit Freibetten vakant sind, und ihr Augenleiden AnstaltSbehandlung als dringend erforderlich erscheinen läßt, rvtl. umsonst, andernfalls gegen Bewilligung eines teilweise» FreibetteS ausgenommen werden, wenn sie ihre Bedürftigkeit durch einen vorgefchriebenen Ausnahmeschein ihrer OrtSbehörde nachweisen können.

Die Behandlung in der poliklinischen Sprechstunde von Vall biS 12 Uhr Vormittag- ist sür Arme unentgeltlich. Außerhalb der Sprechstunden, sowie Sonn- und Feiertags, werden nur dringende Fälle, wie Verletzungen und dergleichen angenommen.

Die Privatsprechstunde der Herrn DirektorS ist wochentags von V2IO bis 11 Uhr Vormittag-, nach vorheriger An­meldung auch von 1 bis IV2 Uhr Nachmittags.

Die Besuchsstunden in der Augenklinik sind täglich:

An Wochentagen von 11 bis 11V< Uhr Vormittags, und von 2 biS 3 Uhr Nachmittags.

sich gar nichts hier tun?"Nichts," entgegnete er dumpf.

WaS wird Sir Elliot sagen! Weiß er eS bereits?"

Nein, noch nicht. Wenn er etwas kräftiger ist, wird sie eS ihm lagen; ich gehe weg von hier."

Und sie wird zugeben, daß Sie ihretwegen Ihr Heim verlassen? Ich hätte nicht gedacht, daß Jsa so hart sein könne."

Sie ist nicht hart,- rief Lionel, Mary? Teilnahme ver­übelnd, weil ein Tadel für Jsa darin lag.Sie urteilen falsch, Fräulein Davenport. Ich bin ein Schurke, nicht wert, ihre Hand zu berühren. Ich bin nicht Lionel Mervyn, sondern ein armer Teufel ,der deffen Namen stahl."

Wa- sagen Sie?" keuchte Mary erbleichend.

Ich spreche die Wahrheit. Wundern Sie sich nun, daß Jsa mich kaum noch eines Blickes würdigt? Ich gestand ihr alles an dem Abend, da Sir Elliot erkrankte."

Unb am andern Tage sollte Ihre Hochz-it sein!"

Fräulein Davenport sank aus einen Stuhl nieder. In ihrem ganzen Leben hatte nicht- sie in dem Grade erschreckt wie diese Mitteilung. Eine unheimliche Pause trat ein. Endlich begann Lionel:

Ich weiß nicht, warum ich Ihnen dies sagte, Fräulein Davenport. Aber Sie waren so gütig, so teilnehmend, ich konnte Sie nicht bei dem Gedanken lassen, daß Jsa mich hart und ungerecht behandle. Ich wäre augenblicklich weg­gegangen, aber da kam Sir Elliot- Erkrankung, und sie bat mich, zu bleiben, bis er stark genug sei, die Wahrheit zu er- tragen. Er war edel und selbstlos von ihr, denn ich weiß, wie unerträglich ihr meine Anwesenheit sein muß."

Ja,- sagte Mary mechanisch.Also also Sie sind nicht Sir Elliot- Enkel! Wer find Sie denn?"

Mein Name ist Erich Lindrik. Ich war Lionel- Freund. Er starb gerade, al- ich Sir ElliotS Ausruf in der Zeitung laS, und so kam ich. Ich war arm und leichtfertig, ich machte mir nichts daraus, mich als Enkel Sir Elliot- hier einzuführen."

Mary war sehr bleich und ernst geworden. Sie fixierte ihn scharf.

Warum gestanden Sie eS Jsa?" frug Mary.

An Sonntagen nur von 2 bis 4 Uhr Nachmittags. Marburg, den 9. Januar 1913.

Der Direktor der UniversitätS-Augenklinik. gez. Prof. Dr. Bie! fch 0 wSky.

Zugelaufen.

Ein schwarzer Hund. Meldung des Eigentümer- bei dem Ortsvorstand in Widder-haufen.

nichtamtlicher teil.

Die KolleNivuote der Möchte ist am Freitag in Konstantinopel übergeben worden. Sie sucht den Türken den verlangten Verzicht aus Adrianopel dadurch zu erleichtern, daß sie den Schutz der heiligen Stätten in der alten Kalifenstadt in Aussicht stellt. Ebenso verspricht sie für den erwünschten Fall, daß die Psorte die Regelung der Insel- frage den Mächten überläßt, Forsorge für den gesicherten Besitz der kleinasiatischen Küste zu treffen. Wenn die Pforte ablehnt, auf die Ratschläge einzugehen, soll sie auf die Hilfe Europas, die sie nach der Verlegung deS Schwerpunkte- der künftigen Türkei nach Asien bei der Befestigung ihrer Herrschaft nötig haben wird, nicht rechnen dürfen. Das ist ein Grund zur Nachgiebigkeit, aber kein Zwangsmittel.

Bei ihrer Entschließung wird sich die türkische Regierung, gewöhnt an die Ausnutzung gegensätzlicher Interessen unter den Großmächten, schwerlich durch Erwägungen bestimmen lassen, die in die Zukunft weisen und daS Fortbestehen der Einigkeit Europa- vorauSseken. DaS Entscheidende bleibt die augenblickliche Lage, in der die Türkei auf den Verlust Adrianopels und wenigsten- eine- Teils ihre- JnselbesitzeS im ägäifchen Meere gefaßt sein muß. Eine klare Antwort, sei - zustimmend, sei e- glatt ablehnend, ist von dem Ministerium K,amil nicht zu erwarten. Zu einem großen Entschluß nach der einen oder der anderen Richtung. Kündigung deS Waffen­stillstandes oder Annahme der Ratschläge der Mächte, ist el innerlich zu schwach und unfrei. Deshalb wird die Unsicher­heit über den Friedensschluß noch länger sortbestehen. Immer­hin wird mit diesem Hinzögern die Wiederausnahme deS Krieg- immer unwahrscheinlicher. Schließlich wird sich die Türkei eben doch in die natürlichen Folgen ihre- selbstverschuldeten militärischen und moralischen ZusammenbruchS in Europa lügen und damit zujrieden geben müssen, daß ihr mit Hilfe der Großmächte der Eingang in die Dardanellen und die kleinasiatische Küste gesichert bleibt.

Haben sich die Großmächte in der Jnselfrage auch noch aus kein bestimmtes Programm geeinigt, so ist eS doch wahr­scheinlich, daß Griechenland keine Gebietshoheit über die Inseln bei den Dardanellen erlangt, und aus den anderen Griechen- inseln, wo die Türkei auf ihre Souveränität verzichtet, sich Beschränkungen zugunsten deS türkischen Festlandes gefallen

Ich liebe sie,' entgegnete er einsach;ich hoffe die» werden Sie mir glauben. ES war nicht alle- Lug und Trug, waS ich tat und empfand. Ich wollte der geliebten Jsa nicht alS Lügner als Gatte angehören."

Ja, ich glaube Ihnen."

Wieder trat Schweigen ein. Der junge Mann glich einer Statue. Den schönen Kops hoch aufgerichtet, ließ er sein Auge zerstreut durch daS Fenster schweifen zu dem wolkenbedeckten Himmel hinaus. Mary erhob sich.

Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß Ihre Eröffnung mich sehr erschüttert hat. Jsa ist meine liebste Freundin und auch Sie nun ja, ich hatte Sie gern, mit Grund, wie ich glaubte. Doch man kann nie wissen!"

Er blickte sie nachdenklich an.

Natürlich darf ich auf Ihre Verschwiegenheit rechnen, Fräulein Davenport? Sie werden die- al- eine vertrau­liche Mitteilung betrachten, so lange Sir Elliot nicht- davon weiß?"

Natürlich."

Er öffnete die Türe für sie. Da sühlte er plötzlich ihre Hand auf der seinigen und sah einen seuchlen Schimmer in ihren Augen.

Sie haben sehr, sehr unrecht gehandelt," sagte sie leise, aber ich kann nicht anders, ich muß Sie bemitleiden. Lasten Sie mich missen, wohin Sie sich gewendet haben, wenn Sie von hier weggehen."

Ehrerbietig berührte Lionel ihre Hand mit feinen Lippen.

Sie sind edel und hochherzig, Fräulein Davenport. Gott segne Sie für dieses gute Wort!"

In tiefer Bewegung kehrte Mary Davenport nach Haus« zurück.

Neunundzwanzigstes Kapitel.

Bist Du hier, Jsa?"

Sir Elliot, der von Kiffen gestützt, in seinem bequemen Armsessel ruhte, drehte langsam den Kopf, um nach seiner Enkelin zu sehen. Seine Augen glänzten wie ein Fieber,