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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. 0er Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa

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Herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

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Nr. 10.

Donnerstag, den 33. Januar

1913.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 17. Januar 1913.

Die Verlagsbuchhandlung von Richard Schoetz in Berlin 6. W., Wilhelmstraße 10, hat das PlakatRettung Er­trinkender" (Min. Bl. 1912 6. 241) aus Blech herstellen lassen. Der Einzelpreis eines derartigen Plakates beträgt 1,40 Mk., bei Bezug von mindestens 50 Exemplaren 1,35 Mk. und bei Bezug von mindestens 100 Exemplaren 1,30 Mk. I. 804. Der Landrat.

I. A.

Weffel, Kreissekretär.

HerSseld, den 18. Januar 1913.

ES ist wiederholt vorgekommen, daß Landgemeinden mit GaS- und ElektrizitätSwerken Verträge abgeschlossen haben, durch die diesen Werken auf eine längere Reihe von Jahren daS ausschließliche Recht zur Versorgung der Ortschaften mit GaS oder elektrischer Kraft eingeräumt wird. Dies liegt nicht im Interesse der Gemeinden und ist auch sür die Wirtschaft­lichkeit derartiger Unternehmen nicht ersorderlich.

Sofern eine Gemeinde dennoch beschließen sollte, einen Vertrag der srl. Art einzugehen, ist in dem Vertrag in allen Fällen die Genehmigung deS KreiSauSjchusseS vorzubehalten und der VertragS-Entwurf zuvor zur Einsichtnahme mir vorzulegen.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:

3. A. Str. 78. von GruneliuS.

Bekanntmachung.

ES kommt häufig vor, daß Mannschaften deS Beurlaubten« standeS verziehen, ohne die WohnungSänderungen dem Bezirks- Feldwebel zu melden. Nicht allein, daß sich die Mannschaften durch Unterlassung dieser Meldung nach Abschnitt II der Paßbestimmungen strafbar machen, eS wird auch die Aus­händigung der KriegSbeorderungen und Paßnotizen sehr er­schwert.

Auf die genaue Beachtung der Paßbestimmungen wird ausmerksam gemacht.

Mannschaften deS BeurlaubtenstandeS, die ihre Wohnorts- Verzüge innerhalb der Stadt, von einer Straße zur andern, und sonstigen Veränderungen noch nicht gemeldet haben, werden an die unverzügliche Erstattung der Meldungen erinnert.

HerSseld, den 16. Januar 1913.

Königliches Bezirkskommando.

Unterweisungskurse im Obstbau und der Obstverwertung im Jahre 1913.

An der Obstbau-Anstalt der LandwirtschaftSkammer sür den Regierungsbezirk Cassel in Oberzweren finden im Jahre 1913 solgende Unterrichtskurse statt:

Derrbc des Millionärs.

Roman von Clara Rheinau.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ja, morgen können wir wieder davon sprechen," wieder­holte Jsa, sich an dieses Wort anklammernd.

ES ist mein Herzenswunsch, Jsa," murmelte der Kranke mit bebenden Lippen.O Kind, Du liebst doch Deinen alten Großvater noch?"

Diese plötzliche Weichheit nach der bisherigen gereizten Stimmung raubte Jsa den letzten Rest ihrer Fassung. Wie eine zarte, vom Sturm geknickte Blume sank sie neben ihm aus die Knie, drückte ihr Gesicht gegen seinen gelähmten Arm und brach in ein herzbrechendes Weinen aus. ,

O, mein armer, lieber Großvater! Vergib mir! ^ch würde meine rechte Hand abhauen, wenn ich Tir damit Freude bereiten könnte!"

Also willigst Du ein, Dich morgen mit Lronel trauen zu lasten? riet Sir Elliot von neuer Hoffnung belebt.

Sie weinte nur noch trostloser, ohne eine Erwiderung zu geben. Lionel kam säst von Sinnen. Hatte Nicht er allem all diese Qualen verschuldet? Langsam trat er an ihre Seite und berührte sanft ihren Arm.

Um Gotteswillen, kommen Sie weg von hrer, flüsterte er leise.Jsa- Nerven find überreizt, Großvater füg e er mit lauter Stimme bei;sie hat sich in der letzten Z«t um Sie geängstigt, und Ihre Bitte kam so überraschend. Morgen wollen wir weiter über die Sache verhandeln.

Jsa widerstrebte nicht, alS er ihr behilflich war, sich aus- zurichten. Sie war zu Tode erschöpft, es schien, alS oft Empfindung in ihr erstorben wäre. Er geleitet, i. v^r 0.. Türe und flüsterte mit gebrochener Stimme:

Fragen Sie doch heute abend den Arzt, ob es gefährlich toi«, 36«m Gwiv°!" d!< SWit I i-S-»- A"^ J erfahren. Eine wiederholte Weigerung, fernen Wunsch zu erfüllen, könnte schlimme Folgen haben."

1. Praktische Obst- und Gemüsebaukurse von Mitte April biS Mitte Oktober.

2. BaumwärtcikursuS, fechSwöchentlicher Frühjahrsabschnitt, vom 3. März bis 19. April, mit Osterpause vom 20.26. März.

3. Obstbaukurse für Lehrer, Förster und Bahnbeamte vom 31. März biS 5. April.

4. Baumwäiter-EommerkursuS vom 30. Juni bis 12. Juli.

5. ObstverwertungSkursuS jür Damen vom 14.19. Juli.

6. UnterrichtSkurse in der geschäftsmäßigen Dauerwaren- erzeugung für Herren vom 4.-9. August.

7. ObstbaunachkuisuS für Lehrer und Förster vom 18,-23. August.

8. Baumwärter-HerbstkursuS vom 13.25. Oktober.

Ueber Teilnahme an den Kursen 3 und 7, zu welchen die Anmeldungen der betreffenden Beamten durch deren Vorgesetzte Dienststelle zu erfolgen hat, bestimmt der Herr Regierungs­präsident. Für die übrigen Kurse nimmt die Obstbau-Anstalt der Landwi'tschastskammer sür den Regierungsbezirk Cassel zu Oberzwehren die Anmeldungen entgegen und sind von dieser auch die Bestimmungen und Arbeitsbedingungen zu erfahren.

Zur Erleichterung der Teilnahme an den Kursen sür Baumwärter können Beihilfen gegeben werden. DaS nähere über deren Bewilligung wird durch die AnstaltSleitung auf Wunsch mitgeteilt.

nichtamtlicher teil

Abgeordnetenhaus.

DaS Abgeordnetenhaus verabschiedete gestern daS Moor« schutzgesetz und begann dann die zweite Lesung deS Staats­haushalts. Zunächst kamen kleinere Etat- an die Reihe, die zum Teil ohne Debatte angenommen wurden. Bei der Lotterieverwaltung gab eS ein kleines Intermezzo. Dr. Hahn (kons.) sprach sein Verwundern auS, daß der nationalliberale ReichStagSabgeordnete Held trotz feiner Transaktionen, die seinerzeit die Oeffentlichkeit so stark beschäftigt hätten, im Bsitze einer Lotteriekollckte sei. Vom RegierungSt sch wurde eine Untersuchung deS Falles Held angekündigt. Dem Angegriffenen entstand im Hause ein Verteidiger, und eS kam zu einem kleinen Wortgefecht Dr. Hahn Dr. FriedbergHoffmann. Beim Etat der Münzverwaltung wurde wieder einmal über daS 25-Pfennig-Stück und die Gestalt der Hundertmarkscheine Beschwerde geführt. Gegen die Gewohnheit deS HauseS, gab eS später eine kleine Debatte über äußere Politik beim Etat deS Auswärtigen AmteS. Der Abg. vom Rath (not!.) forderte eine kräftige, nationale Politik und erhob gegen die dcuchste Hautefinance den Vorwurf der Jnternationalität, im Gegensatz zur englischen und französischen. UnterstaatSsekretär Zimmer-

Jsa nickte stumm, und Lioml kehrte zu Sir Elliot zurück, während sie mit matten Schritten ihr Zimmer aus- suchte.

Wenn nun der Doktor den AuSspruch täte, eine heftige GemütSerschütterung könnte dem Kranken verderblich werden! WaS sollte sie dann tun? Dem Großvater zuliebe den falschen Lionel heiraten? Niemals!O Gott, hilf mir! Ich bin ein unglückliches, verlassenes Mädchen I" schluchzte sie und schrak hestig zusammen, als laut und wiederholt an ihre Tür gepocht wurde. Sie richtete sich auf ihrem Sosa in die Höhe, und eS schien ihr, alS ob daS Pochen nicht an der Türe, sondern in ihrem Herzen geschehe.

Fräulein Jsa! Fräulein Jsa!"

ES war die Stimme ihrer Zofe; ihr Herz drohte still­zustehen.

WaS gibt-, Hanne?" fragte sie atemlos, ohne sich vom Platze zu rühren.Ist die Türe geschlossen?"

Jetzt ertönte draußen eine männliche Stimme LionelS Stimme. DaS Mädchen weinte, und eS schien, als ob er ihm Vorstellungen mache. Jsa erhob sich rasch und öffnete die Türe. An den Türpfosten angelehnt, blickte sie in wilder namenloser Angst auf den Draußenstehenden.

Sagen Sie mir rasch, waS Sie mir zu sagen haben," kam eS stoßweise von ihren blassen Lippen.Ich kann nicht warten."

Lionel warf einen forschenden Blick auf sie, dann sprach er leise:

Ihr Großvater ist tot."

O, mein Gott!"

Sie wankte und wäre zu Boden gestürzt, wenn Lionel sie nicht in feinen Armen aufgefangen hätte. Mit Hilfe deS weinenden Mädchens brächte er die Ohnmächtige in daS Zimmer zurück und bettete sie sorgsam auf daS Sofa.

Ich will Ihnen Hilfe schicken," sagte er zu Hanna. Lassen Sie mich wissen, wann Fräulein Jsa zu Bewußtsein kommt."

Er eilte weg, um die Haushälterin, eine tüchtige, zuver- lästige Person, zu ihrer jungen Herrin zu senden. Aber ehe die gute Frau eintrat, halte Jsa die Augen geöffnet. Ein

wann trat dem von dem Redner erhobenen Vorwurf, daß das Auswärtige Amt die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands im Auslande nicht genügend förbere, entgegen. Gegen die Gesandtschaften innerhalb der Deutschen Reiches zog Dr. Liebknecht (Sozd.) zu Felde, nicht minder überflüst" hielt er die Vertretung beim Vatikan. Und dann fühlte f <r. Lieb­knecht, angeregt durch den Herrn vom Rath, g 37 seine Rede auf die auswärtige Politik im allgemeinen au< sehnen.

Reichstag.

Im Reichstage stellte gestern der Sozialdemokrat Rühle die kurze Anfrage, weshalb die Ergebnisse der im November 1904 vorgenommenen Erhebung über die Lohnbeschäftigung von Kindern im Haushalt und in der Landwirtschaft mit Ausnahme von Bayern noch nicht veröffentlicht worden sind und ob sie bald veröffentlicht werden sollen. Der Direktor im Reichsamt deS Innern Dr. CaSper erwiderte, daß daß Material noch nicht von allen Bundesstaaten eingegangen sei, dem Reichstag nähere Mitteilungen aber erst gemacht werden könnten, wenn eS vollständig vorliege. Darauf wurde die zweite Beratung deS EtaS für daS Reichsamt des Innern joitgefttzt. Dabei bekämpste der Abg. Nacken (Ztr.) scharf die Kaffeevalorisation alS eine unerträgliche künstliche Er­höhung der Kaffeepreife und empiahl eine von der Budget­kommission beantragte Resolution, die sich in gleicher Richtung bewegt. Der Staatssekretär Dr. Delbrück sagte eine Prüsung der Angelegenheit, die einen internationalen Charakter trage, zu. Der Sozialdemokrat Molkenbuhr führte auS, Herr Nacken hätte seine Rede 1909 beim Kaffeezoll halten sollen, der auch eine Maßnahme zur künstlichen Verteuerung deS Kaffees sei. Darauf wurde die Rewluuon angenommen. Die Abgeord­neten von Böhlendorff-Kölpin und Preuß (Zentrum) traten warm für die Förderung der Seefischerei ein.

Der Balkankrieg.

Eine neue griechische Offensive bei Janina.

Während noch die Entscheidung über Krieg und Frieden in Konstantinopel auSsteht, haben die Griechen augenscheinlich daS Bedürfnis, zu zeigen, daß sie sich noch in KriegSzustand mit der Türkei befinden. Und sie wollen offenbar einen letzten Versuch machen, sich JaninaS durch einen neuen Vorstoß zu bemächtigen. Ein offiziöser Bericht deS griechischen KriegS- ministeriumS vom 20. Januar besagt über diesen Angriff folgender:

Der allgemeine Angriff wurde heute aus der ganzen Front ausgenommen. Die Artillerie begann den Kampf um 8 Uhr morgens und setzte daS Feuer bis 6 Uhr abends mit auSge« zeichneten, Ersolge fort. Die Artillerie BisaniS schoß nach 11 Uhr nur sehr schwach gegen den rechten Flügel der Griechen. DaS Artilleriefeuer im Zentrum wurde gar nicht erwidert. unsägliches Weh drückte sich in ihren feinen Zügen aus. Ihr war zu Mut, als ob sie nun allein stünde in der ganzen weiten Welt. Ihr Großvater tot, ihr guter, treubesorgter Großvater! Und Lionel, er konnte jetzt daS HauS verlosten. DaS Herz, daS er getäuscht und betrogen, hatte ja zu schlagen aufgehört!

*

*

Inzwischen beschloß Lionel, seine Rolle noch ein wenig weiter zu spielen, und in aller Morgenfrühe Herrn Rymer telegraphisch herbeizurufen. Der Anwalt konnte sich dann mit JjaS Angelegenheiten befassen, und Lionel Mervyn, der Erbe, würde wieder Erich Lindrik sein und sich noch einmal in der großen Welt verlieren.

Seine Reisetasche war bereits gepackt. Nichts all seine Kleider nahm er mit, nicht einmal die Uhr, die Sir Elliot ihm geschenkt. Er hätte nicht nötig gehabt, so skrupulös zu sein, denn er hatte treulich daS Versprechen erfüllt, daS er Sir Elliot am Tage seiner Ankunft gegeben. Seine besten Kräfte waren dem Gefchäft geweiht gewesen; feine Intelligenz, sein Unternehmungsgeist, sein rasche- Erfassen der Arbeiten, die ihm bisher ganz fremd gewesen, hatten häufig die Be- wunderung deS alten Geschäftsführer- erregt. In der Tat war die FirmaMervyn u. Sohn" seit seinem Eintritt ein noch wertvollerer Besitz geworden.

Sie werden Jsa nicht sagen können, daß ich ihre Inte­ressen geschädigt hätte," dachte er mit berechtigtem Stolze. Sie ist jetzt reicher, all sie vor einem halben Jahre ge­wesen wäre."

Er schloß die Augen und ließ die letzten Monate noch einmal vor seinem Geist vorüberziehen. Wie traumhaft er­schien ihm nun alles, waS er während dieser Zeit erlebt! In wenigen Stunden würde er wieder Erich Lind,ick sein, und jene Tage voll Glück und Leid, voll Gemütsbewegungen jeglicher Art würden verschwinden, alS ob sie nie gewesen wären.

AlS ob sie nie gewesen wären l Kaum! Denn sein e Leben lang würde JsaS liebliches Antlitz ihm vor schweben, würde ihre Stimme wie eine Mahnung zu