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kerrselder Kreisblatt
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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 13.
Donnerstag, den 30. Januar
1913.
Amtlicher teil.
Die Termine der durch da» Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe deS HufbeschlaggewerbeS werden hierselbst an den Sonnabenden, den 15. März, 7. Juni, 6. September und 6. Dezember d. JS. in der Schmiede deS Schmiede- meister- Hellwig, Wörthstraße 4, vormittag» 9 Uhr abgehalten werden.
Meldungen zu diesen Prüfungen sind unter porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. bis spätestens 3 Wochen vor dem PrüjungStermin an den Vorsitzenden der Prüfungskommission, den Departement-tierarzt bei Königlicher Regierung zu Cafsel, zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1. der Geburtsschein,
2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbries und dergl.),
3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung ersolgloS unterzogen hat.
Er werden nur solche Schmiede zugelasten, die da- 19. Lebensjahr vollendet haben und die den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüsung im Regierungsbezirk Gaffel sich auf. gehalten haben.
Schmiede, die die Prüsung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelasten werden.
Castel, am 7. Januar 1913.
Der stellvertretende Vorsitzende der PrüsungSkommission. gez. E. Schlitzberger, Veterinäre, Moritzstraße 151.
* *
HerSfeld, den 21. Januar 1913. Wird veröffentlicht.
I. 867. Der Landrat.
I. A.:
Messet, KreiSsekretär.
Bekanntmachung.
Die ZinSscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3%igen Staatsanleihe von 1903, 1904 und Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3Va vormals 4%igen Staatsanleihe von 1883 Über die Zinsen sür die 10 Jahre vom 1. Januar 1913 biS 31. Dezember 1922 nebst den ErneuerungSscheinen sür die folgende Reihe werden vom 2. Dezember d. JS. ab ausgereicht und zwar
durch die Kontrolle der Staat-papiere in Berlin SW 68 Oranienstr. 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W 56, Markgrafenstr. 46 a,
Huf
Boden.
Eine friedliche Geschichte auS dem KriegSjahr von 1871. Bon R. Lange.
1.
ES war an einem schönen Nachmittag deS Januar 1871. Bier Personen gingen auf dem Wege spazieren, der von Montcherand auS über eine Heine Hochfläche noch dem Juragebirge hinaussteigt und sich dann zwischen den Bergen hin- windet, um endlich auf französische- Gebiet zu führen. Montcherand ist ein hübsche- Dörfchen deS Schweizer Kanton- Waadt, daS auf den Borhügeln deS Jura liegt und von fruchtbaren Aeckern, sorgfältig gebauten Nebengeländen und prächtigen Obstgärten umgeben ist.
Die Spaziergänger standen oft einige Augenblicke still, bald um mit immer neuer Bewunderung da- herrliche Panorama der Alpen zu betrachten, deren zahllose schneebedeckten Gipfel klar und deutlich hervortraten und in den Hellen Strahlen der Wintersonne in wunderbarer Schönheit schimmerten, bald um aus ein ferne- dumpfe- Donnern zu lauschen, welche- verkündigte, wie im benachbarten Frankreich noch immer die furchtbare Geißel de» Kriege- die Völker züchtigte.
„Die Preußen find in einer kritischen Lage," sagte Frau Berta. „Mehr alS 130 000 Franzosen, voller Mut und Begeisterung, haben fich bei Belfort auf die Linie der Feinde gestürzt, die dort sehr schwach find, und schon zeigen sich die Franktireur- in der Nähe von Navey. DaS kann mit einem Schlage alle» ändern."
„Und so würden sich," fügte Fräulein Emma hinzu, „die Worte der alten Dörte, der Wahrsagerin, erfüllen, die schon vor vier und fünf Monaten einen großen Sieg der Franzosen verkündigte."
„So sicher ist der Sieg doch noch nicht," antwortete Herr Raser, „und wenn auch eure Wahrsagerin e» vorauSsagt, ich glaube nicht, daß unsere Deutschen so leicht weichen werden."
durch die Preußische Central-GenoffenschaftS-Kasse in Berlin C 2, Am Zeughause 2,
durch sämtliche preußische RegierungShauptkoffen, KreiSkaffen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen,
durch sämtliche ReichSbankhaupt- und ReichSbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene ReichSbank- nebrnstellen.
Formulare zu den Verzeichniffen, mit welchem die zur Abhebung der neuen ZinSscheinreihe berechtigenden ErneuerungS- scheine (Anweisungen, TalonS) den AuSreichung»stellen einzu- liefern find, werden von diesen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf eS zur Erlangung der neuen ZinSscheine nur dann, wenn die Er« neuerungSscheine abhanden gekommen find. I. 2991.
Berlin, den 23. November 1912.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, von Bisch offShausen.
Bekanntmachung.
Die ZinSscheine Rcihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der 3%igen Deutschen Reich-anleihe von 1903 über die Zinsen für die 10 Jahre vom 1. Januar 1913 bi8 31. Dezember 1922 nebst den ErneuerungSscheinen für die folgende Reihe werden
vom 2. Dezember d. JS. ob ausgereicht und zwar
durch die Königlich Preußische Kontrolle der StaatSpapiere in Berlin SW. 68, Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, aRortgruienfhafte 3h a, , .
durch die Preußische Central-GenostenschaftS-Kasse in Berlin C 2, Am Zeughaus« 2,
durch ade ReichSbankhaupt- und ReichSbankstellen und alle mit Kaffeneinrichtung versehenen Reich-banknebenstellen, durch alle preußischen RegierungShauptkoffen, KreiSkaffen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forst- kassen, außerdem bei bestimmten außerpreußischen Kassen.
Formulare zu den Verzeichniffen, mit welchen die zur Abhebung der neuen ZinSscheinreihe berechtigenden Erneuerung-- scheine (Anweisungen, TalonS) einzuliefern find, werden von den vorbezeichneten AuSreichungSstellen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf eS zur Erlangung der neuen ZinSscheine nur dann, wenn die Er- neuerungSscheine abhanden gekommen sind. II. 974.
Berlin, den 23. November 1912.
ReichSschuldenverwaltung gez. von BischossShausen.
An der Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a. Rhein finden im Jahre 1913 folgende Unterricht-kurse statt: 1. Oeffentlicher ReblauSkursuS in der Zeit vom 13. bis 15. Februar. 2. Obstbaukursuk in der
„Ja so," fuhr Frau Berta fort, „ich vergesse immer daß Sie und Emma eigentlich Deutsche sind. Da wir immer französisch miteinander reden, kommt mir da- ost ganz auS dem Sinn."
„Vorgestern hat die alte Dörte gesagt, «- werde nächsten- ein Waffenstillstand abgeschlossen, der aber für die D«utschen vorteilhafter fein werde als für die Franzosen," nahm Emma wieder da- Wort.
„Da braucht man aber keine Wahrsagerin zu sein, um so etwa- zu verkündigen!" rief Herr Roser. „Sind nicht alle Zeitungen voll von dieser Nachricht? Es fehlt nur noch die offizielle Bestätigung. Aber wie können Sie d«n Worten dieser Frau noch Glauben schenken. Hat sie sich seit dem Beginn der KriegeS nicht schon zwanzigmal geirrt?"
„ES kommt darauf an, wie man den Sinn ihrer Worte auffaßt."
„Ja sreilich, wenn man im Notfalle ihre Worte so dreht, daß sie da- gerade Gegenteil bebrüten von dem, waS sie zu sagen scheinen, dann hat die Prophetin immer die Wahrheit gesprochen."
„Aber e» ist doch gewiß," entgegnete Emma, „daß sie einem manche- zu sagen weiß, waS sonst allen verborgen ist."
„Und hat sie nicht auch schon Kranke geheilt?" fügte Frau Berta hinzu.
„Ob sie jemanden schon geheilt hat, da- weiß ich nicht," erwiderte-Herr Roser. „Jedenfalls aber läßt sie sich ihre sogenannten Heilmittel teuer genug bezahlen, 50 ZentimeS jede- Blättchen, und wenigstens drei muß man jeden Tag nehmen. Und wenn eS dem Kranken nicht bester geht, so ist sein Unglaube schuld daran."
„Diese Blättchen kommen aber von einer sehr seltenen Alpenpflanze, die sonst niemand kennt, und müssen in gewissen Nächten auf den höchsten Berggipfeln unter den größten Gefahren gepflückt werden. ES ist mehr alS billig, wenn die arme Alte von den Reichen etwa- verlangt, den Armen gibt sie die Blättchen umsonst, wenn sie dieselben brauchen. Sie nimmt überhaupt von den ärmeren Leuten nie Geld an."
Zeit vom 17. Februar bis 1. März. 3. BaumwärterkursuS in der Zeit vom 3. bis 15. März. 4. PflanzenschutzkurfuS in der Zeit vom 15. bis 17. Mai. 5. ObstbaunachkursuS in der Zeit vom 14. bis 19. Juli. 6. BaumwärternachkursuS in der Zeit vom 21. bis 26. Juli. 7. ObstverwertungSkursuS für Frauen in der Zeit vom 28. Juli bis 2. August. 8. ObstverwertungSkursuS sür Männer in der Zeit vom 4. bis
14. August. 9. AnalysenkursuS in der Zeit vom 29. Juli biS 9. August. 10. HefekursuS in der Zeit vom 11. bis 23. August.
DaS Unterrichtshonorar beträgt: Für den KursuS 1: Nichts. Für den KursuS 2 und 5: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk. Preußische Lehrer find frei. Personen, die nur am NachkursuS (Nr. 5) teil- nehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk. Für den KursuS 3 und 6: Preußen find frei, Nichtpreußen zahlen 10 Mk. und wenn sie nur am NachkursuS (Nr. 6) teilnehmen, 5 Mk. Für den KursuS 4: Preußen und Nichtpreußen 10 Mk. Für den KursuS 7: Preußen 6 Mk. und Nichtpreußen 9 Mk. Für den KursuS 8; Preußen 10 Mk. und Nichtpreußen 15 Mk. Für den KursuS 9 und 10: Preußen je 20 Mk., Nichtpreußen je 25 Mk., wozu noch 20 Mk. für GrbrauchS- gegenstände, (Reagentien pp.) und eine Mk. für Bedienung kommen.
Anmeldungen sind zu richten: bezüglich der Kurse 2, 3, 5 biS 8 an die Direktion der Königl. Lehranstalt, bezüglich deS KursuS 4 an den Borstand der Pflanzenpathologifchen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt, bezüglich deS KursuS
9 an den Vorstand der önochemischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt und bezüglich deS KursuS 10 an Vorstand der pftaujenpby^ologijLrn Versuchsstation de» *°ß' Lehranstalt. '
Wegen Zulassung zum ReblauSkursuS (Nr. 1) wollelchäft». Personen auS der Provinz Hessen-Nassau an den Herrn Oberpräfidenten in Cassel, Nichtpreußen an ihr« Landesregierung wenden.
Weitere Auskunft ergeben die von der Anstalt kostenfrei zu beziehenden Satzungen. Die Direktion.
nichtamtlicher teil
Reichstag.
Im Reichstag teilte gestern der Wirkliche Geheime LegationSrat Dr. Lehmann aus zwei kurze Anfragen bei nationalliberalen Abg. Bassermann mit, daß wegen der Vergewaltigung deS deutschen Ansiedler» Stössel in Marokko Verhandlungen mit der französischen Regierung schweben, und daß der deutsche Gesandte in Peking den Auftrag erhalten habe, bei der chinesischen Regierung zugunsten der deutschen Sprache auf den höheren Elementarschulen China- vorstellig zu werden. Von erheblicherer Bedeutung waren die bethen folgenden kurzen Anfragen:
„Aber doch ein fette- Hühnchen, ein Dutzend Eier oder einige Pfund Butter, und daS ist am Ende mehr wert als der gewöhnliche Preis der Konsultation," fuhr Herr Roser fort.
„Wenn fich dir Leute dankbar zeigen wollen und ihr irgend ein kleine- Geschenk anbieten, kann sie e- doch nicht zurückweifen. DaS würde den armen Leuten wehtun."
„Wie dem auch sei," sprach Roser in ernstem Ton, „ich muß Ihnen aufrichtig sagen, Sie haben unrecht, der Wahrsagerin so viel Vertrauen zu schenken. Sie ist ein durchtriebene», betrügerische- Weib."
2.
D«r geneigte Leser wolle entschuldigen, daß ich ihm die Personen dieser Grschichte noch nicht genauer vorgestellt habe. Da» Versäumte soll sogleich nachgeholt werden.
Frau Berta, die ungesähr 30—35 Jahre zählen mochte, war ziemlich früh als Bonne nach Deutschland gekommen, wo sie etwa ein Jahrzehnt zugebracht hatte. Nach ihrer Rückkehr in ihre Schweizer Heimat hatte sie einen begüterten Landwirt, Jakob Blanc au» Montcherand, geheiratet, mit dem sie in recht glücklicher Ehe lebte, da er sich ganz von ihr, die mehr Bildung und Weltkenntnis besaß, leiten ließ.
Fräulein Emma, ein achtzehnjährige- Mädchen, ist eine Deutsche von Geburt. Da sie aber ihre Mutter, eine Freundin der Frau Berta, verloren und keine anderen Verwandten mehr in Deutschland hat — ihr Vater war schon früher gestorben — so ist sie nach dem Willen ihrer Mutter bei Frau Berta untergebracht worden. Der Aufenthalt in der französischen Schweiz hatte einen merkbaren Einfluß auf da» Mädchen autgeübt; ihr blaue» Auge ihr ganzer Charakter hatten etwa» Sentimentale»; durch ihre Umgebung aber war sie lebhaster und feuriger geworden, so daß sie eine recht anziehende Erscheinung war.
Herr Friedrich Roser ist, wie unsere Leser schon missen auch ein Deutscher, welcher, nachdem seine Studien in Deuschland vollendet, in die französische Schweiz gekommen ist, um sich dort praktisch im Französischen auSzubilden. Aber Land und Leute haben ihm gefallen; er wurde Lehrer am