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herrftl-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 43. Mstes Statt] Sommbend, den 12. April

1913.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 8. April 1913.

Ich wache daraus aufmerksam, daß Rechtsmittel gegen die StaatS-, Gewerbe- und BetriebSsteuer-Veranlagungen auf dem Büro der Kgl. Einkommensteuer-BeranlogungS-Kommiffion hier kostenlos entgegengenommen werden, und daß an dieser

Stelle Auskunft in allen einschlägigen steuerlichen Angelegen­heiten kostenlos erteilt wird.

DaS Büro Stist Nr. 9 ist werktäglich von 9 bis 12 Uhr vormittags für daS Publikum geöffnet.

Der Vorsitzende der (Einkommensteuer« Veranlagungs-Kommission:

I. Nr. 1028. von GruneliuS.

©««leib, bm 6. ap.il 1913.

Nachstehend veröffentliche ich daS KörungSergebniS einiger von der KörungSkommiffion in den Monaten Februar und März d. Js. besichtigter Zuchtbullen.

Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:

I. A. Nr. 2316. von GruneltuS.

National der von der KörunaSkommisiion in den Monaten Februar und März 1913 nachgekörten Zuchtbullen.

ss

K

Gemeinde.

Anzahl der

Bullen.

Namen der Bullenhalter.

Datum der Körung 1913.

Resultate der Körung.

Abstammung

Bemerkungen.

Alter und Rasse der Bullen.

Farbe und Abzeichen.

Befund.

1

SchenklengSfeld

1

Gemeinde Schenklenassesd

13. 2. 1

14 Monate Simmentaler

Gelbrotsch. w. Kops

brauchbar

. G. Schlichtern

2

Wehrshausen

1

Mohr

20. 3.

19

st

Gelbsch. w. Kopf

noch brauchbar

. G. Hünfeld

3

Tann

1

Aug. Niemeyer

17. 3.

17

Gelbsch. w. Kopf

noch brauchbar

. G. Hünfeld

4

Cengerl

1

Gemeinde Sengen

19. 3.

14

Gelbrotsch. w. Kopf

brauchbar

. G. SchlUchtern

5

Unterweisenborn

1

Gemeinde Unterweisenborn

19. 3.

14

If

brauchbar

. G. Schlüchtern

. G. Frttzlar

&

Tann

1

Aug. Niemeyer

17. 2.

19

H /f "

unbrauchbar

nichtamtlicher teil.

' Politischer Wochenbericht.

ES war ein großer Tag im parlamentarischen und politischen Leben Deutschland-, als unser Reichskanzler von Bethmann Hollweg im ReichStage in feiner ruhigen und sachlichen, aber desto eindrucksvolleren und über­zeugenderen Weise die Notwendigkeit einer Verstärkung unserer Wehrkrast begründete. Er gab dabei ein scharsumrisieneS Bild der gegenwärtigen internationalen Lage, wobei er sich natur- gemäß in der Hervorhebung der bedrohlichen Punkte große Reserve auferlegen mußte, da eine allzu starke und offene Kennzeichnung der feindlichen Kräfte und drohenden Gefahr n leicht eine Störung unserer auswärtigen Beziehungen und eine Beeinträchtigung deS friedlichen Zusammenwirkens der Großmächte zur Folge haben könne. Aber auch trotz btfer Mäßigung wußte unS der Reichskanzler den Ernst der Situation mit aller nur wünschenswerten Klarheit vor die Augen zu führen. Die bedrohliche Wendung der internationalen Lage, die eine Verstärkung unserer HeereSmacht unbedingt nötig macht, xrgibt sich vor allem daraus, daß die Türkei als europäischer . aktor künftig auSgeschaltet sein wird und daß an ihre Stelle die slawischen Balkanstaaten getreten sind. Diese stellen eine stete Bedrohung Oesterreich-UngarnS dar, legen im Falle eines Krieges einen beträchtlichen Teil der österreichischen Wehr­macht fest, und vermindern dadurch für unS den Wert deS deutsch-österreichischen Bündnisses. Weitere Gesahren aber liegen in dem starken Anwachsen der panslawistischen Strömung in Rußland und der chauvinistischen Stimmungen in Frankreich. Wer angesichts dieser drohenden Zeichen der Zeit nicht gewillt ist, dem Vaterlande daS zu seinem Schutze Erforderliche zu gewähren, der stellt sich in die Reihe der VaterlandSseinde.

Die Lage aus dem Balkan zeigt noch immer nicht die gewünschte Entspannung. Die verbündeten Balkanstaaten wollen sich den von der Londoner Botschast-konserenz vorge­schlagenen Frieden-bedingungen nicht fügen, und Montenegro und Serbien stellen sich mit ihrer Fortsetzung der Belagerung Skutari- in offenen Gegensatz zu dem ausgesprochenen Willen der Großmächte. Die größte Besorgnis aber flößt allen FriedenSsreunden die Haltung Rußlands ein, dessen Regierung trotz zwrifelloS guten Willen- doch die nötige Widerstands­kraft gegenüber den Krieg-treibereien der Panflawisten mehr und mehr zu verlieren scheint. Sollte sich daher an den Balkanwirren, waS Gott verhüten möge und was wir nicht glauben können, doch noch ein größerer KriegSbrand entzünden, so würde sich an diesem Beispiel wieder einmal der geschicht­liche Erfahrung-satz bestätigen, daß im gegenwärtigen Zeitalter Störungen deS FriedenS nicht von der Eroberungssucht der Herrschenden, sondern von den Volk-leidenschaften verführter und irregeleiteter Masten auSgehen.

In Rußland veranstalten die Panslawisten zurzeit zahlreiche Straßenumzüge und Festgelage, bei denen aufreizende Reden gehalten werden. Der sogenannte Pan- slawi-mu- will alle slawischen BolkSstämme unter seinem Banner vereinigen und die so geeinte Macht der SlaventumS al-dann zum Kampfe gegen das Deutschtum oder Germanen­tum ausbieten, daS er mit glühendem Haste verfolgt. Die ganze Richtung ist eigentlich nur Gefühl und Stimmung und verfügt über kein feste- und klares politische- Programm. Ein Sieg der panslawischen Ideen würde weder den Balkan­staaten noch Rußland Nutzen bringen. Die Balkanstaaten würden damit nur ihre Unabhängigkeit an Rußland preiSgeben, und für Rußland könnte eine allzu rege Verbindung mit den Balkanslawen nur eine Verstärkung der demokratisch-revo­lutionären Elemente im eigenen Lande bedeuten, die dem absolutistischen oder halbkonstitutionellen Zarenreiche gewiß nicht angenehm wäre.

In den Vereinigten Staaten ist der Kongreß zu einer außerordentlichen Tagung zusammengetteten, die vom

Präsidenten W i l s o n mit einer Botschaft eröffnet wurde. Nach dem Inhalte dieser Botschaft dient die Tagung haupt­sächlich dem Zwecke, mit der bisherigen Ueberspannung deS Schutzzollsystem- in Nordamerika zu brechen und dem Frei­handel teilweise» Eingang zu verschaffen. Vom deutschen Standpunkte auS könnten wir mit einer solchen Aenderung der nordamerikanischen Handelspolitik nur zufrieden sein.

Reichstag.

Berlin, 10. April 1918.

Generalmajor Wenninger gab, ehe man in die Tages­ordnung eintrat, die feierliche Erklärung ab, daß er mit seiner gestrigen Bemerkung lediglich der Meinung Ausdruck geben wollte, daß er daS Maß und die Schärfe der von dem Ab- geordneten Häusler an seiner Rede geübten Kritik bedauere, daß eS ihm aber durchaus fern gelegen habe, ganz allgemein daS Recht deS Abgeordneten zur Kritik irgendwie anzutasten. ES fei ihm nicht eingefallen, der Stillung deS Abgeordneten außerhalb deS Hauses irgendwie nahe zu treten. Dr. Spähn vom Zentrum wollte noch gern vom Präsidenten einen an­geblich bestehenden Angriff deS BundeSratSbevollmächtigten auf den Abgeordneten Häusler nachträglich richtig gestellt wissen und Vizepräsident Dcve veranlaßte Herrn Generalmajor V. Wenninger, nochmals zu erklären, daß er feine gestrigen Aeußerungen nur in loyaler Weise verstanden wissen will. Damit hatte diese- parlamentarische Intermezzo seine rein äußerliche Erledigung gefunden, und es konnte nunmehr in der Beratung über die Deckung-vorlage fortgefahren werden. Zuerst kam Abg. Sydekum von den Sozialdemokratin zum Wort, der die Erklärung abgab, daß, wenn nun schon die Wehrvorlage Annahme finden sollte, seine Partei an der Aus­gestaltung der DeckungSfrage positiv Mitarbeiten werde, indem sie nichts unversucht lassen wolle, die Lasten der Wehrvorlage möglichst aus die Schultern der Besitzenden abzuladen. Eine Bemerkung deS Redner-, die von einerhinterlistigen Beeinträchtigung der Rechte der Minderbemittelung in Preußen" sprach, brächte ihm am Schluß seiner Rede einen OldnungS- tuf deS Präsidenten Dr. KSmps ein. Der Abg, Speck vom Zentrum, der ihm hierauf in der Rednerliste folgte, gab kund und zu wissen, daß seine Partei nicht geneigt fei, die Rüstung-vorlage zu bewilligen, um die Erledigung der Deckungvorlage einer anderen Mehrheit zu überlassen. Im Urbrigen erklärte er, daß daS Einkommen stärker ersaßt und die Grenze mehr nach unten erweitert werden müsse. Dagegen wäre die Heraufsetzung der VermögenSgrenze von 10Ö00 Mark aus 50 000 Mark wünschenswert. Weiter würde die Staffelung bei den ganz großen Vermögen bis auf 1% die Deckungssrage erleichtern. 3hm folgte Dr. Paasche von der nationalen Partei, der die Beitrag-pflicht der Fürsten gesetz­lich festgelegt wissen will. Vor der Vertagung kam noch Graf Westarp von den Konservativen mit einer langwähren­den Rede an die Reihe, in der er rückhaltSloS dem DeckungS- vorschlag der Regierung zustimmte, wenn er auch zugeben mußte, daß in der bisher geübten Kritik an der Vorlage manche- Beachtenswerte zu Tage getreten fei, deren eingehendere Beratung den Kommissionen Vorbehalten fei.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause verbreitete sich gestern Kultur­minister v. Trott zu Solz über die Volksschule. Zwei Themen behandelte er vornehmlich, die Besoldung und die Ausbildung und Fortbildung der Lehrer. Eine unzulängliche Besoldung bestritt er mit dem Hinweis, daß allein in der Zeit von 1906 bis 1911 die Bezüge der Lehrer um 33Vs Prozent gestiegen find, wofür insgesamt 100 Millionen mehr aufgebracht werden mußten. Der Minist« gab indessen gewisse Mängel der neuen Besoldung-ordnung zu, beschwor aber daS Hau-, nicht schon jetzt wieder in eine neue Agitation für eine Besoldung-reform

einzutreten. Nach den ministeriellen Mitteilungen wird auch eifrig an der Statistik über die Ueberlastung der größeren Kommunen durch die Schullasten gearbeitet. Dann ging Herr v. Trott zu Solz auf die geplanten Reformen in der Ausbildung der Lehrer ein; er wie- auf die bereit- be­stehenden, hochschulmäßigen Kurse für Lehrer hin, deren Absolventen späterhin als Seminarlehrer, Schulinspektoren usw. in Betracht kommen. Bor der Hand werden aber, um die Leistungen der Seminare zu heben, Akademiker benötigt, für die die Prorektorstellen eingerichtet werden sollen. Auch die Lehrpläne der Semino.e sollen nach der praktischen Seite hin einer Aenderung unterzogen werden. Der Minister legte dar, wie alle diese Maßnahmen, auch die neue zweite Lehrer­prüfung, die aus den Seminaren in die Volksschule verlegt wird, darauf hinzielen, einen tüchtigen VolkSschullehrer heran- zubildcn, der sich in der Praxis bewährt. Vorher hatte für die Freikonservativen der Abg. Frhr. v. Zedlitz gesprochen, der sich auch mit der BesoldungSfrage befaßte. Auch er ist mit dem System der Ortszulagen wenig zufrieden und fängt an, sich mit dem Gedanken eines Einheit-gehalte- anzufreunden, einer Anregung, die später von dem Abg. Ernst (Vp.) auf» wärmste befürwortet wurde.

Aevisionen der Meßgeräte.

Die am 1. April v. 3- in Kraft getretene Maß- und GewichtSordnung vom 30. Mai 1908 enthält als wichtigste Neuerung die Vorschrift, daß die dem eichpflichtigen Verkehr dienenden Meßgeräte, (abgesehen von Gasmessern und Förder- wagen) sowie Bierfässer alle zwei Jahre, die großen Wagen, Wein- und Obstweinsäsier alle drei Jahre zur Nacheichung zu bringen sind. Deshalb sind die polizeilich-technischen Revisionen, welche bisher alle 2 bis 4 Jahre in Gegenwart eines Eichbeamten abgehalten wurden, fortgefallen. Dafür gewinnen die rein polizeilichen R:Visionen, welche die AuS- sührung der Eichung und Nacheichung überwachen sollen, künftig eine um so größere Bedeutung. Auf Grund bei NusührungSgrsetzeS zur Maaß- und GewichtSordnung vom 3. 3uni 1912 sind neue Bestimmungen über die polizeilichen Revisionen der Meßgeräte erlassen worden, auS denen folgende von allgemeinerem Interesse fein dürften:

Die OrtSpolizeibehörden haben alle Gewerbebetriebe, in denen für den öffentlichen Verkehr zur Bestimmung bei Um­fanges von Leistungen Maße, Gewichte, Wagen oder sonstige Meßgeräte angewendet oder bereit gehalten werden, von Zeit zu Zeit einer Revision zu unterziehen. 3n ländlichen Be­zirken können die Revisionen den Gendarmen übertragen werden.

Der Revision unterliegen außer den in offenen Verkaufs­stellen auSgeübten Gewerbebetrieben: Genosienschaften und Konsumvereine, auch insoweit ihr Geschäftsbetrieb sich aus die Mitglieder beschränkt; die zum Handelsverkehr (z. B. der Groß- oder Versandgeschäfte) dienenden Räume, in denen zur Bestimmung bei Umfange- von Leistungen für Dritte ge- mesien oder gewogen wird; fabrikmäßige Betriebe, in welchen zur Ermittelung deS Arbeitslöhne- Maße, Gewichte oder Wagen angewendet werden; Personen, welche auS der Land­wirtschaft oder einem Zweige derselben, wie Geflügel- oder Bienenzucht, Fischerei, Obst- und Gemüsebau, einen fortge­setzten Erwerb ziehen, und bei denen daS Maß der Erzeugnisie so weit über den eigenen Bedarf hinauSgeht, daß ein regel­mäßiger Absatz der Erzeugnisie unter Verwendung von Meß­geräten stattfindet.

Feder Betrieb, in dem ein eichpflichtiger Verkehr stattfindet, ist alljährlich mindesten- einmal, in Stadtkreisen mindesten, zweimal zu revidieren. Der Regierungspräsident kann für Gemeinden mit lebhaftem Verkehr eine höhere Mindestziffer festsetzen. Gewerbetreibende, die auf Messen und Märkten verkehren oder von einem Wanderlager auS oder im Umher­ziehen Waren feilbieten, find öfter, bei Gelegenheit zu revidieren.