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pcrsjclöcr Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 44.
Dienstag, den 15. April
1913.
/tätlicher teil.
HerSfeld, den 14. April 1913.
Der Herr Landrat ist vom 14. April biS 4. Mai d. 3#. beurlaubt.
Mit dessen Vertretung ist der Herr RegierungS-Referendar Dr. Schumacher beauftragt worden.
I. 4663. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
Grundsätze für die Uebernahme des Heilverfahrens:
Für die Uebernahme der Krankenfürsorge sollen folgende Grundsätze beobachtet werden:
I. Bei ZwangSversicherten ist mindestens für die letzten 5 Jahre eine dauernde und regelmäßige Versicherung zu verlangen, d. h. eS müssen im Durchschnitt der Jahre mindestens 40 Marken verwendet sein. Unter allen Umständen ist aber für die Uebernahme der Krankenfürsorge Voraussetzung, daß mindesten- 100 Beitrag-wochen einschließlich anrechnung-fähiger Krankheit-zeiten oder militärischer Dienstleistungen nachgewiesen find. Gesuche, welche erst nach oder unmittelbar vor Ablauf der Unterstützung durch die Krankenkasse gestellt werden, sind abzulehnen, desgleichen Gesuche aus nachträgliche Bewilligung der Kosten für ein bereit- durch- gesührteS Heilverfahren. Sind die Antragsteller oder deren Angehörige in der Lage, einen Zuschuß zu den Kosten der Heilverfahren- zu leisten, so ist die Uebernahme der Heil- verfahrenS hiervon abhängig zu machen. Mehr als zwei Kuren sollen in einem Zeitraum von vier Jahren nicht bewilligt werden. Die Dauer einer Kur ist abgesehen von Lungen- und Nervenleiden im Allgemeinen aus nicht mehr als vier Wochen zu erstrecken.
Bei freiwillig Versicherten, denen eine sonstige und insbesondere eine anderweit gesetzliche Fürsorge nicht zur Seite steht, kann die Äranferfürforge bereit- bei Leistung der Mindestbeiträge von 20 Marken in 2 Jahren übernommen werden, sofern Wartezeit erfüllt und die Anwart- schast erhalten ist.
III. Bei freiwillig Versicherten, denen im Falle der Invalidität eine anderweite Fürsorge und inSbe- sondere eine Pensionsberechtigung, jedoch abgesehen von ker Fürsorge der Angestellten- Versicherung, zur Seite steht, soll die Srankensürsorge nur bei Mindestleistung von durchschnittlich 30 Marken im Jahre und nur bei angemessener Beteiligung der in Betracht kommenden anderweit zuständigen Fürsorgestelle (Behörde) übernommen werden. Auch hier ist Voraussetzung die Erfüllung der Wartezeit und die Erhaltung der Anwartschaft.
IV. Bei Versicherten, die gleichzeitig bei der Reich-. versicherungS-Anstalt sür Privat-Angestellte versichert sind,
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Mitten.
(Fortsetzung.)
„Na, zum Donnerwetter, Kinder!" platzte Blücher endlich in die schwüle Stille hinein. Seine nervige Faust schlug auf den Tisch, daß die Gläser tanzten. „Man sieht'- euch ja an der Nasenspitze an, daß ihr waS ganz Besonderes bringt. Also, loSgeschofscn!"
„Zu Besehl, Exzellenz!" Lützow sprang auf, al- leibe eS ihn nicht aus dem Stuhl. Aus seinen dunklen, rostigen Zügen stand eS wie Wetterleuchten. „Reffel kehrt eben von Hochzeit-reife au- Wien zurück. Er bringt die Botschaft mit —* Lützow- Brust hob und senkte sich noch einmal in vollem, tiefem Atemzug« —, „daß Oesterreich, trotz aller gegenteiligen Versicherungen in Erfurt, in-geheim zum Kriege gegen Napoleon rüstet!"
„Blitz und Hagel!" Blücher schoß empor, «einen der anderen duldete «S auf den Sitzen.
„Exzellenz", — Kessel trat in bescheidener Haltung aus den General Blücher zu und überreichte ihm ein Schreiben, — „dieser Brief ist vom Erzherzog Karl an Euer« Exzellenz. Mein Schwiegervater, der General Neumark ist einer seiner Vertrauten. Und alS Seine Kaiserliche Hoheit durch ihn erfuhr, daß ich nach Preußen zurückkehre, nahm er die Gelegenheit wahr, unauffällig Euer Exzellenz diese Botschaft zu Sberm tteln."
„Geben Sie, geben Sie!" Blücher nahm den Brief, mit ungeduldigen Fingern riß er ihn auseinander.
Reffel trat taktvoll zu den anderen zurück.
„Ernst, rede! Ist'- wahrhaftig wahr?" bestürmte ihn «chill, so leise, alS ek seine Erregung nur juließ, um Blücher nicht zu stören.
„So wahr ich hier vor euch stehe, ganz im geheimen, aber überall in ganz Oesterreich werden die Rekruten aukge- hoben. Wie Spanien ausgestanden und dem sieggewohnten Eroberer Trotz geboten, so ist auch in den Herzen der Völker
sollen Gesuche aus Uebernahme der Krankenfürsorge in erster Linie dieser Anstalt zuständigkeitShalber überwiesen werden.
- *
HerSseld, den 7. April 1913.
Wird veröffentlicht.
Königliches Versicherungsamt
V. 536. I. A.
Trost, Regierungs-Supernumerar.
HerSseld, den 7. April 1913.
Die WaisenhauSverlagSverwaltung zu Suffel hat von der Anweisung der Königlichen Regierung daselbst vom 30. Januar 1895 betreffend dieörtlicheErhebungderdirekten Staats steuern und Renten einen Sonderabdruck herftellen lassen. Die Herren Bürgermeister mache ich hierauf aufmerksam.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. A. 2383. von GruneliuS.
Bezirks-Polizeiverordnung gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden außerhalb geschlossener Ortschaften durch Ausschreitungen der Reklame.
Auf Grund deS Gesetzes gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden vom 2. Juni 1902 (Gesetzsammlung Seite 159), der §§ 6,12 und 13 der Verordnung vom 20. September 1867 (Gesetzsammlung Seite 1529) und der §§ 137 und 139 deS Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Gesetzsammlung Seite 195) wird nach erfolgtet Zustimmung deS Bezirk-auS- schufieS folgende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1. Reklameschilder und - Tafeln, sowie Aufschriften oder Abbildungen, welche durch Form, Farbe, durch die Art der Darstellung oder die Art der Anbringung daS LandschastSbild verunzieren, hülfen in den im § 4 genannten landschaftlich hervorragenden Bezirken außerhalb der geflossenen Ortschaften nicht angebracht werden.
§ 2. Bereits bestehende Anlagen der im § 1 genannten Art sind binnen einer von dem Landrat zu bestimmenden Frist zu beseitigen. Ausnahmen kann der Landnot mit Zustimmung deS Regierungspräsidenten auS besonderen Gründen zulassen.
§ 3. Uebertretungen dieser Polizeiverordnung werden mit einer Geldstrafe biS zu 60 Mk. geahndet. An ihre Stelle tritt bei ZahlungSunsähigkeit eine entsprechende Haststrase.
8 4. Auf folgende Bezirke sind die Bestimmungen der 88 1—3 anzuwenden:
rc.
VIII. Im Kreise HerSfeld.
er) Fuldatal. Die Gemarkungen: Mecklar, Meckbach, ReiloS, Friedlos, HerSfeld, Asbach, BeierShausen, Kohlhausen, Roßbach, KerSpenhaujen, MengShaujen, Niederaula, SolmS, Niederjoffa, Eichhvf.
Oesterreich- der Haß gegen den Unterdrücker zur Hellen Flamme entfacht. Er lodert empor, eine heilige Opfer flamme die die Stützen deS Throne- verzehren wird!" entgegnete Reffel ruhig und beherrscht. Aber aus den tiefblauen Augen leuchtete ein heiße-, reine- Feuer, daS sein ganze- schmale- Gesicht durchleuchtete und verklärte.
„Kessel! Kessel! Gölte- Lohn für diese Botschaft!" rief der alte General. „Erzherzog Karl bestätigt eS mich noch einmal. Die RekrutenauShebungen find allerorts im Gange, Krieg gibt'-, Jungen-, Krieg. Er breitete seine Arme au- und schloß Kessel an seine breite Brust. „Der alte Gott lebt noch! Oesterreich wird, Oesterreich muß unS mit sortreißen'!" Und plötzlich Kessel loslassend, reckte er beide Arme gegen die Decke, so daß die anderen da- Gesühl überkam, alS wolle er sie ewporheben, und frohlockte: „Kinder! Holla! Mich juckt'S in alle Finger, den Säbel zu ergreifen. Wenn jetzt nich Seiner Majestät unseres König- und aller übrigen deutschen Fürsten und der ganzen Nation Fürnehmen ist, alle? Schelmen» jranzosenzeug mitsamt dem Bonaparte und all seinem ganzen Anhang vom Boden wegzutilgen, so scheint mich, daß kein deutscher Mann mehr deS deutschen Namens wert sei, Kinder I Vorwärts! Nieder mit Napoleon!" Der alte Haudegen stürzte vor gegen die Wand, an der sich ein paar schwarze Flecke zeigten, und in Ermangelung der Säbel-, den er abgelegt, hieb er mit der gewaltigen Faust unbarmherzig darauf ein, alS habe er den Roifen wirklich unter seinen Fingern.
Die Umstehenden ließen ihn gewähren. Sie wußten eS nur zu wohl, daß sein übervolle- Herz sich manchmal aus seltsame Art Luft machen mußte. Doch nun wandt« er sich auch schon wieder dem kleinen Kreise zu. „Ah. Kinder, daS tat wohl." AuS seinen nachtdunklen Augen schien die düstre, uferlose Schwermut gewichen. Sie blitzten und sunkelten wie leuchtender Sonnenschein. „Kinder jrtzt ist'- an der Zeit. Die ganze Nation muß zu den Waffen gerufen werden. Vor einer National-Armee muß man sorgen. Vom Zollmaß ab- gehen! Zar Schande muß er jedem gereichen, wer nicht gedient hat. Aber nicht nur in Preußen allein! DaS ganze deutsche Vaterland muß herausgebracht und die Nation wieder- hergestellt werden!"
b) Aulatal. Die Gemarkungen: Kleba, Ger-Hausen, Kicchheim, HedderSdorf, Frielingen, GerSdors.
e) H a u n e t a l. Die Gemarkungen: BingarteS, Unter» haun, Oberhaun, SiegloS, Eitra.
d) Werratal. Die Gemarkungen: PhilipPSthal, RöhrigShof, Heimboldshausen, Gethfemane, Harnrode, Lenzer-, WölserShausen, Heringen, Bengendors, Leimbach, Widder-Hausen.
§ 5. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Die Polizeiverordnung über den gleichen Gegenstand vom 14. Oktober 1911 (Amtsblatt Seite 368/71) wird aufgehoben. (A. III. 1209.)
Cassel, am 1. März 1913.
Der RegierungS-Präsident. Gras v. B e r n st o r s s.
HerSseld, den 10. Apr.l 1913.
3nfolge der in den letzten Jahren sich immer mehr häusen- den Verluste und Beschädigungen von trigonometrischen Steinen bringe ich die nachstehende Bekanntmachung der Königlichen LandeSausnahme erneut zur öffentlichen Kenntnis.
Ich ersuche die Herren OrtSvoistände, die m Betracht kommenden Grundstücksbesitzer hierauf mit dem Bemerken aufmerksam zu machen, daß die bei den von jetzt an regelmäßig vorzunehmenden Revisionen gefundenen Beackerungen der Schutzflächen oder Beschädigung von Steinen unnachsicht- lich werden verfolgt werden.
I. I. Nr. 4412. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
Die seit einigen Jahren von der Abteilung auSgesührte Prüfung von trigonometrischen Punkten hat ergeben, daß die Marksteine zum Teil ganz verschwunden, zum Teil auS dem Acker herauSgenommen und am Wall oder im Graben nieber» gelegt, zum Teil an Ort und Stelle liegend vergraben sind. Die Besitzer sind fast ausnahmslos im Unklaren über den Zweck und Wert der trigonometrischen Marksteine. Sie beackern die Marksteinschutzflächen in dem Glauben, daß ihnen zwar der Boden nicht gehöre, ihnen aber die Nutznießung überlassen sei. Diese Annahme ist natürlich irrig. Die Marksteinschutzfläche, d. i. die kreisförmige Bodenfläche von 2 qm um den Markstein, darf nicht vom Pfluge berührt werden. Bergl. § 2 der Anweisung vom 20. Juli 1878 betreffend die Errichtung und Erhaltung der trigonometrischen Marksteine. Zuwiderhandlungen werden nach § 370,1 deS ReichSstraf- gcfttzbucheS mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. bestraft.
Durch daS Umpflügen und Eggen der Marksteinschutz- flächen entstehen die vielen Berrückungen und Beschädigungen der Marksteine, mit der geringsten Verschiebung ist aber der Punkt zerstört und kann nur unter Aufwendung von erheblichen Kosten von Technikern der Landesaufnahme wieder hergestellt werden. Die Zerstörung von trigonometrischen Punkten der Preußischen LandrStriangulation fällt unter § 304 bei ReichSstrafqesetzbucheS (Gegenstand der Wissenschaft) und wird
„DaS walte Gott!" rief der General Rüchel, indem er mit dem Krückstock, den er noch zum Gehen benötigte, den Estrich stampfte. Die Tränen liefen ihm über die alten Wangen. Und mit einem Male klang Elisabeths volle, warme Altstimme durch den Meinen Saal:
„Nicht Bayern oder Sachsen mehr,
Nicht Oestreich oder Preußen —" Feierlich, als sängen sie ein Kirchenlied zum Lobe GotteS, fielen die Männer ein:
„Ein Land, ein Volk, ein Herz, ein Herr —
Wir wollen Deutsche heißen;
AlS echte deutsche Brüder
Hau'n wir die Feinde nieder,
Die unsre Ehr zerreißen."
Kein Auge blieb trocken. Ueber dem kleinen Kreis« lag die Stimmung heiligster Weihe.
III.
ES war ein selten schöner, sonnenheller Dezembertag. Noch war kein Schnee gefallen. Blau und duftig hing der Himmel über dem lieben, alten Berlin. Durch die Straßen und Gaffen aber, die in den letzten Jahren soviel unendlich TrostloseS und Schmachvolles gesehen, flutete die Menge in sreudig- feierlicher Erregung. Wohl war eS dasselbe Volk. daS 1806 in unerhörter Verblendung gewähnt, dem glücklichen Sieger zujauchzrn zu müssen, — und doch war eS ein andere-. Die zwei furchtbaren Jahre bittersten, materiellen Elend-, höchster nationaler Not hatten alles, waS groß und unsterblich war, im Preußenvolke wachgerüttelt. Erst in diesen zwei Jahren begann der Geist seines großen König-, Friedrich- deS Einzigen, in jedem einzelnen von ihnen lebendig zu werden und sie alle, alle mit unsichtbaren, unzerreißbaren Banden zu umschlingen.
„Brüder, ich sage euch," raunte in einer Gruppe unter den Linden, unsern dem Brandenburger Tore, einer der Bürger, ein langer, hagerer Mann, mit einem Gelehrtenkops, dem die Sorgenfalten um Mund und Augen standen, „wie die Spanier sollten wir'- machen. WaS haben die unS für ein Beispiel gegeben!"