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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Aiifchlub Nr. 8

Nr. 49.

Sonnabend, den 36. April

1913.

Amtlicher teil.

Her-feld, den 21. April 1913.

An die Herren Verband-vorsteher der Gesamtschulverbände deS Kreise-.

Die Herren Verband-vorsteher mache ich darauf ausmerksam, daß nach § 4 der Dienstanweisung für die Gemeinderechner vom 22. März 1898 die Einnahme- und AuSgabebücher der Schulkaffe für da- Rechnungsjahr 1912 am 30. dS. MtS. endgültig abzuschließen sind. Der sich ergebende Bestand oder die Ueberzahlung ist am 30. bS. MtS. in das Rech. nungSbuch deS laufenden Rechnungsjahres 1913 zu übertragen.

Auf Uebereinstimmung de- Jahre-abschlusseS deS Rech- nungSb uch - 1912 mit der zu legenden Jahre- r e ch n u n g 1912 ist die größte Sorgfalt zu verwenden.

I. 5100. Der Landrat.

3. B.:

Dr. Schumacher, RegierungS-Referevdar.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Eine höchst erfreuliche Erklärung hat jüngst daS Blatt der ReichSregierung, dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung," zur braunschweigischen beziehungsweise welsischen Frage veröffentlicht. AuS dieser Erklärung geht ausS deut, lichste hervor, daß von Ansprüchen deS welfischen Hauses auf Hannover seit der Verlobung der Tochter unsere- KaijeipaareS, der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, mit dem Prinzen Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg keine Rede mehr sein kann und ist. Damit ist allen gegenteiligen Gerüchten ein Ende bereitet und dem Fortbestehen der soge­nannten welfischen oder deutsch.hannovcrschen Partei jede Be- rechtigung entzogen. ES steht daher zu wünschen und zu hoffen, daß die zahlreichen im Grunde ihre- Herzen-. königS- treuen und patriotischen Elemente, die bisher in der genannten Partei ihre Vertretung juchten, nunmehr ihre Eigenbrödelei aufgeben und ihren Anschluß an die nationalgefinnten Parteien deS gesamtdeutschen Vaterlandes vollziehen werden.

Die Landtag-wahlbewegung in Preußen gibt zu allerlei Betrachtungen Anlaß und fördert auch so manche interessante Episode zutage. Wohl niemand glaubt, daß die bevorstehenden Wahlen eine wesentlich andere Zu­sammensetzung deS preußischen Abgeordnetenhäuser ergeben werden alS bisher. Vielmehr dürste daS Uebergewicht der rechtsstehenden Parteien auch fürderhin erhalten bleiben. Wenn aber der politische Radikali-mu- dieses Uebergewicht alS Folge deS bestehenden Landtag-wahlrecht- hinzustellen unter­nimmt, so kennt er entweder die parlamentarische Geschichte Preußen- nicht oder will fie nicht kennen. So zählte die

herzensirrtum.

Novelle von C. Gerhard.

(Fortsetzung.)

Neben ihm durch den in seiner Herbstpracht herrlichen Garten schreitend, hing fie andächtig an seinen Lippen und trank seiner Worte Ueberschwang durstig in sich hinein. Er sprach ihr sogar von den Urbildern feiner Personen in feinen Prosawerken und bemerkte dabei mit einem feurigen Blick aus sie, noch nie hätte er mit jemand so offen von seinem Schaffen gesprochen, wie mit ihr; er ahne die verwandte Seele in ihr.

Aber die Ihren lassen Sie doch teilnehmen an Ihren Arbeiten," erwiderte fie,und Sie werden Ihnen jeden Stein auS dem Wege räumen."

Ja meine gute Mutter und Schwester bemühen sich um mich, aber nicht immer genügt mir die Stille unserer HäuS- lichkeit. Der Dichter muß im Leben stehen, um eS malen zu können, doch meine Gesundheit verbietet e- wir."

Bitter und scharf klang seine Stimme, sie aber hörte nur den gerechten Schmerz.

Wem die Götter so Große» geben, den beschweren sie wohl immer mit einem Gewicht, da- ihn zur Erde zieht. Sonst stünde er zu hoch über unS. Aber Sie müßten reisen, in warmen Ländern Genesung, Schönheit suchen."

Er lachte mißtönend aus.Meine gnädigste- Fräulein, die Poeten von Gotte- Gnaden haben, abgesehen von einigen Su-nahmen, nie viel Gold geerntet. Kostspielige Reisen sind mir versagt."

O, wie gerne hätte fie ihn mit der Fülle ihre- Reichtum- überschüttet, damit er genese und unbekümmert um die Sorgen deS Alltag- nur seiner heiligen Mission lebe!

Sie brach von einem Lorbeerbäume einen Zweig und reichte ihn ihm.

Die RuhmeSkränze, die man Ihnen windet, müssen Sie für manche- Versagte entschädigen." sagte fie weich.

Diese Stunde schon tut ei 1 Ihnen, der holden Trösterin, gebührt auch eine Zier, hier, diese Rose, Ihr Ebenbild l"

Dabei berührten sich Ihre Hände, und sie «schrak über

Rechte im Jahre 1873 nur 65 Abgeordnete, während die Linke über nicht weniger al- 245 Mitglieder verfügte, und diese- Stärkeverhältnis blieb mit geringer Aenderung auch nach den Wahlergebnissen von 1877 bestehen. DaS heutige Ueber- gewicht der Rechten ist somit durchaus kein künstliche-, sondern beruht aus einem tiefgehenden und weitreichenden Umschwünge der Volksstimmung.

WaS die Balkanangelegenheiten betrifft, so ist S k u t a r i nun doch noch von den Montenegrinern, die allen Vorstellungen der Großmächte und der Blockade der montene­grinischen Häsen zum Trotze in der Belagerung fortsuhlen, nach heldenmütiger Gegenwehr der Türken eingenommen worden. In der politischen Lage dürste sich hierdurch insofern nicht- ändern, als mit Sicherheit zu erwarten ist, daß die Groß­mächte in vollster Einmütigkeit auch fernerhin auf der Ein­verleibung SkutariS in Albanien bestehen werden. Zweifelhaft bleibt nur, ob König Nikita sich gutwillig dem einhelligen Willen Europa- fügen oder e- darauf ankommen lassen wird, daß man ihn mit Gewalt zur Anerkennung dieser Willens nötigt. Zeit wäre e- wirklich, daß bei dem Fürsten der Schwarzen Berge und seinem Volke jetzt endlich die Vernunft obsiegt. Im übrigen ist eS interessant zu beobachten, wie die Sieger nun bereit- unter sich über die Verteilung der Beute in Streit geraten. Bulgaren einerseits, Serben und Griechen anderseits stehen sich in drohender, herausfordernder Haltung gegenüber. So ist Gefahr vorhanden, daß auch nach erfolgten, Friedensschlüsse zwischen der Türkei und den bisher verbündeten Balkanstaaten die KriegSfurie dennoch weiterrast.

Die beklagenswerten Vorgänge in Nan cy haben nun­mehr glücklicherweise ihre amtliche Erledigung gesunden. Die französische Regierung hat fich o n& Versetzung deS Präfekten und Absetzung der beiden beteiligten Polizeibeamten zu einer entsprechenden Sühneleistung verstanden. Umso bedauerlicher aber ist eS, daß unmittelbar nach dieser gütlichen Beilegung der ZwischenfallS der französische Ministerpräsident B a r t h o u sich daS geleistet hat, war man in der Studentensprache einen Nachtusch zu nennen pflegt, indem er in einer zu PariS ge­haltenen Rede Töne anschlug, die zweisello- geeignet waren, der chauvinistischen Strömung in Frankreich erneute Nahrung zuzusühren und bei unS in Deutschland böse- Blut zu machen. Wir erblicken darin einen weiteren Beweis für die Wahrheit der Ausführungen unseres Reichskanzler- über da- Anwachsen deS Chauvini-mu- in Frankreich und für die Notwendigkeit einer Verstärkung unserer Wehrkraft.

Reichstag.

Berlin, 24. April 1913.

Heute war wieder einmal ein Tag, an dem da- wichtigste sich hinter den parlamentarischen Kulissen abspielte und im Plenum man nur über meist lokale Wünsche verhandelte, die für die größere O^ffentlichkeit weniger Interesse haben dürften. Die Budgetkommission deS Reichstag- war ganz im Stillen

die feuchte Kälte seiner Finger. Gleich darauf schalt sie sich wegen diese- Empfinden- und lauschte begeistert seiner Schilderung einer Idee zu einem neuen EpoS.

Lebhafte Stimmen riefen Irene zu der jungen Welt, die sich auf dem Rasen frohen Spielen widmete. ES dünkte ihr fast eine Entweihung, sich daran zu beteiligen, nachdem sie über so HoheS gesprochen, aber sie konnte sich nicht aus» schließen. Leicht und graziös glitt sie auf dem Rasen umher, doch ihre Verehrer vermißten ihre heiteren Worte, ihr zündendes Lachen.

Gerhard wollte sie sich zur Tafel holen, aber schon schritt sie an Hatten- Arm in den Speisesaal. Mit fast schmerzlichem Empfinden sah er sie dort mit weltentrücktem Ausdruck aus dessen Reden lauschen.

Auch nach Tisch blieb der Dichter neben ihr, umspann sie mit seiner santastischen Gedankenwelt, baute ein bunte- Märchenreich vor ihr auf, rezitierte Strophen auS seinen noch unveröffentlichten Gedichten. Und wie seine Worte, so um» hüllten auch seine Blicke sie mit Flammen. Sie überhörte eS, daß im Saale die zündenden Klänge der RegimentSmufik erschollen, und fuhr wie auS einem Traume empor, als Gerhard plötzlich vor ihr stand.

Irene, ich bitte um diesen Walzer!"

Dagobert Hatten runzelte die Stirne, aber er hatte nicht daS Recht, fie zurückzuhalten.

Sie vergessen heute ganz Ihren besten Freund, Irene," sagte Gerhard in halb scherzendem, halb wehmütigen Ton.

Ach, verzeihen Sie," bat fie reuig, ich bin wie in einem Rausch, wie in einem Traum, der mich auf einen hohen Berg geführt hat."

Eine Mahnung schwebte ihm auf den Lippen, eine Bitte, auS dem Traum zu erwachen, aber warum ihr die Stunde trüben? Morgen würde sie wieder frei sein von dem Zauber, den Dagobert Hatten heute aus sie auSübte. Doch Gerhard irrte sich, Irene vergaß alle ihre bisherigen Freuden über der einen: die Freundin, die Muse bei Dichter- zu sein. Er sorgte dasür, daß sie seiner gedachte. Er sandte ihr Blumen mit huldigenden Bersm, er widmete ihr den Gedichtband, d« gnade im Drucke lag, er kam nach Groß-Etauffen, er war

zusammen berufen worden, kein Mitglied deS Reichstag- wurde, wie sonst üblich, von der Tagung benachrichtigt, und nur die Mitglieder dieser bedeutsamen Commission dursten den Er­örterungen beiwohnen, zu denen auch der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg erschienen war, um noch eingehender, wie die- im Plenum geschehen war, die Gründe für die HeereS- Vorlage darzulegen. Im Plenum beriet man weiter über den Militäretat. Auch hier machte sich bei der Mehrheit bei Hause- da- Bedürfnis geltend, möglichst viel zu sparen und Streichungen an dem Etat im Hinblick auf die großen Militär- forderungen vorzunehmen. Eine lange Debatte entspinnt sich über den Kommission-antrag, die Stadtkommandanturen Karls­ruhe, Darmstadt, DreSden und Stuttgart zu streichen. Bevor man in die Debatte eintrat, hob der Kriegsminister hervor, daß diese Kommandanturen durch staatliche Verträge frstgelegt seien. Nach langer und reiflicher Aussprache wurde jedoch die Stadtkommandantur Karlsruhe ganz gestrichen und die Stadt­kommandantur in DreSden, Stuttgart und Darmstadt den Kommandanturen der Truppenübungsplätze ungegliedert. Auf sozialdemokratischen Antrag fiel auch die Kommandantur von Königstein. Damit hatte man also nach säst 7lägigcr Debatte die zweite Lesung deS Militäretats erledigt, um den Etat für den allgemeinen Pension-fond zu besprechen. Ein KommisstonS- antrag zu diisem Punkt ersucht den Reichskanzler, noch im laufenden Rechnungsjahr einen Entwurf zu einem Gesetze vor- zulegen, durch daS eine Aufbesserung der Altpensionäre er­möglicht wird, sowie einen Gesetzentwurf zur Abänderung der ReichSversicherungSordnung behufs Herabsetzung der AlterSgrenze für die Gewährung der Altersrente von 70 auf 65 Jahre. Weitergehende Wünsche vertrat der Sozialdemokrat Hügel. Erzberger vom Zentrum trat für rückwirkende Kraft bei Lust- sahrerjürjorgegesctzeS ein und vcrjrqiedene Regierung-vertreter sagten eine genaue Prüfung der Wünsche zu. Dann wurde die Resolution der Budgetkommission fast einstimmig an­genommen, ebenso ein Antrag der Sozialdemokratie, nach dem den Allpensionären nach vollendetem 60. Lebensjahr ihre Bezüge nicht mehr gekürzt werden dürsen. Hieraus kam man endlich zur Beratung deS Etats deS ReichSschatzamteS und auch hier gab eS wieder lange und reifliche Debatten, ehe man sich vertagen konnte.

Abgeordnetenhaus.

Berlin, den 24. April 1913.

Heute konnte daS Abgeordnetenhaus die Vorlage für die innere Kolonisation unter Dach bringen. Herr Leinert (Soz.) zeigte sich zusrieden mit dem Plane der Regierung, die Moore urbar zu machen und wünscht, um Privatspekulationen vor- zubeugen, den Ankaus aller Oedländereien durch den Staat. Aber für die Unterstützung bestehender AnsiedlungSgesellschaften ist e* nicht zu haben, weil diese so meint wenigstens Herr Leinert doch "nur von den GroßgktttidöksitzMi & hängig wären. Der konservative Redner v. Bockelberg

überall dort, wo er sie wußte. Und dann verstand er eS, sie zu isolieren und ihre junge feurige Seele zu entflammen. Sein schmerzliches Bedauern, nicht am Spiel und Tanz teil- nehmen zu können, ließ auch sie darauf verzichten. Mit tiefem Schmerz sah Gerhard, daß sie ihm entglitt. Fast ohne Be­dauern schied sie von Gioß-Stauffen und kehrte in ihr Eltern­haus zurück. In der Residenz wohnte ja auch Dagobert Hatten; sie würden sich dort noch häufiger sehen.

Gerhard- Hoffen, daß der nüchterne, soldatische Geist in Irenens Elternhause sie von ihrer Schwärmerei für den Dichter heilen würde, «füllte sich nicht. Nach wenigen Wochen traf auf Groß-Stauffen eine goldgerandete Karte ein, die Irene von WesterholdS Verlobung mit Dagobert Hatten verkündete.

Gerhard wurde totenbleich; ohne ein Wort zu sagen, ver­ließ er das HauS, ließ feinen Odin satteln und sprengte auf ihm in den stürmischen Herbstabend hinein. Auch in seiner Seele war Sturm. Er liebte Irene mit ganzer Seele, und sie war ihm verloren durch diesen Mann der ihm unsympathisch war, den er für keinen guten, hochgesinnten Menschen hielt, über den er mancher Ungünstige gehört. Dazu war er krank! Wie konnten ihre Elteru nur ihre Einwilligung geben!

Aber Irene mochte gebeten, getrotzt, gedroht haben, bis sie ja sagten. Er kannte sie ja zu gut, daS liebe, süße, eigen­willige Mädchen, daS sich unter dem Einfluffe wahrer Liebe zum echten Weibe entfaltet hätte. Nie würde er eine andere lieben, zu seiner Gattin machen!

Noch immer bleich, die Stirn gefurcht, kam Gerhard nach Stunden zurück. Sein Odin war schweißbedeckt und zitterte. Zum ersten Male hatte er nicht an daS atme Tier gedacht.

ES kostete ihn eine ungeheuere Ueberwindung, in die Stadt zu fahren, um Irene zu gratulieren, aber eS war seine Pflicht.

Irene erschien ihm schmaler, blasser geworden, aber ihre Augen glänzten wie Sonnen, und mit strahlendem Lächeln sagte sie:Ich werde seine Muse, seine Kameradin und Pflegerin sein!" , ,

Und doch schien eS Gerhard, alS überflöge sie ein Zittern, als ihr Verlobter sie an sich zog und feine zuckenden Lippen ihren Mund berührten.