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Herrsel-er Kreisblatt
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Fernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 51.
Donnerstag, den 1. Mai
1913.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 26. April 1913. Sie Nemihlt» zm Haust Her Abze- erbten MnRtii.
Mit Bezug auf die Bekanntmachung deS Herrn Minister« der Innern vom 13. März d«. JS. (KreiSblatt Nr. 35) und auf meine Verfügung vom 3. April d«. JS. (KreiSblatt Nr. 40) bestimme ich gemäß § 10 deS Reglements über die Ausführung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten vom
20. Oktober 1906 ,n6eiU9 auf bu Landgemeinden deS hiesigen
Kreise», daß die Wahl der W a h l m ä n n e r am 16. Mai ds. Is vormittags 9 Uhr in den in meiner eingangsgenannten Verfügung vom 3. dS. MtS. (für die Gemeinde Holzheim vom 24. dS. MtS. KreiSblatt Nr. 50) näher bezeichneten Wahllokalen vorzunehmen ist.
Ich weise auch besonder- daraus hin, daß von den zur Wahl erscheinenden Personen die Vorlegung einer Legitimation gefordert werden kann. (§ 13 Absatz 3 deS Reglement-.)
Abwesende können in keiner Krise durch Stellvertreter oder sonst an der Wahl teilnehmen.
Die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS Kreises weise ich hierdurch an, folgende entsprechend zu ergänzende Bekanntmachung in ihren Verwaltungsbezirken sofort auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen zu lassen:
„Die Wohl der Wahlmänner für den . . Urwahlbezirk im hiesigen Kreise findet am 16. Mai dr. JS. vormittags 9 Uhr — indemGeschäftSzimmerdeSBürgermeisterS zu...... . — Saal deS.......statt. Sämtliche Urwähler im hiesigen Gemeinde- (Guts-) Bezirk werden hier- durch mit dem Bemerken zur Wahl zusammenberufen, daß 1.) der ... zu .... als Wahlvorsteher 2.) der .... zu . . . zum Stellvertreter de- Wahlvorsteher- ernannt worden ist.
Ich weise auch noch ausdrücklich daraus hin, daß von den zur Wahl erscheinenden Personen die Vorlegung einer Legitimation gefordert werden kann.
....... den . . ten . . . . 1913.
Der Bürgermeister (GutSvorsteher)."
Diese Bekanntmachung ist nach «folgtet Veröffentlichung mit der Bescheinigung zu versehen, daß sie aus ortsübliche Weise am . . ten.....er. zur Kenntnis der Wahlberechtigten gebracht worden ist, und dann ungesäumt — also v o r Beginn der Wahl dem Herrn Wahlvorsteher zu übersenden.
Die Herren OrtSvorstände, die meiner Anordnung nicht pünktlich entsprechen sollten, haben unnachsichtlich ihre Bestrafung zu gewärtigen.
I. 5278. Der Landrat.
3. B. Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Mitten.
(Fortsetzung.)
Indes wir ihm hätten vertrauen müssen, daß er die Schmach, die grenzenlose Schmach seine- Volke« nicht weniger empfinde att wir, daß er von seinem erhöhten Standort aber am besten zu überschauen vermöge, wann die rechte Zeit zum Kampfe gekommen. — Brüder! Jetzt, wo eS wie Schuppen von unsern Augen fällt, jetzt laßt unS der Wahrheit unumwunden inS Auge blicken. Wir sind nicht« andere- als Aufrührer — Rebellen!"
„Kessel 1 Keffel 1“ schrie eS vielstimmig ihm entgegen mit drohender, zorniger Mahnung. Einzelne Offiziere griffen zu ihren Degen, als wollten sie sich auf den jungen Leutnant stürzen, der da mit so kühner Stirn ihnen ihr Spiegelbild vor Augen hielt, andere aber nickten in tiefer, gramvoller Schwermut vor sich hin.
„Brüder! Aufruhr, Rebellion blieb eS vor dem Gesetze doch, selbst wenn unser König nachgiebig und nachsichtig unsere Tat sanktioniert und Napoleon den Krieg erklärt haben würde. Er konnte und wollte sich nicht von unS den Degen in die Hand zwingen lassen. Wie recht er damit hatte, haben die Ereignisse bewiesen. Darum laßt unS ihm nicht grollen. Laßt unS in stiller Ergebung seine Entschlüffe ehren!"
„Ja, seine Entschlüsse ehren, da« will ich," stimmte Schill in düsterer Opferbereitschost bei. „Aber nicht nur mit dem Herzen, mit der Tat! Dieser schreckliche Tag hat mich Vermessenen für immer auS allen Himmeln gestürzt. WaS ich in banger Stunde vorahnend gefühlt, das weiß ich nun: ich bin kein AuSerwählter GotteS. Er hat mich nicht begnadet, der Befreier Preußens zu werden. Daß ich mich in blind« Ueber- Hebung dafür hielt, daS ist meine unsühnbare Schuld. Aber war an mir ist, will ich tun, um gut zu machen. Ich führe mein Regiment zurück, — ich stelle mich dem Krieg-gericht. Daß euch, den von mir verführten, die Gnade unsere! KönigS wieder leuchte, dafür laßt mich sorgen."
HerSfeld, den 24. April 1913.
Unter Hinweis aus der» Erlaß deS Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landratamtliche Verfügung vom 9. März 1878 Nr. 24443), im KreiSblatt Nr. 20, wonach die Abhaltung von HauSkollekten wegen Beschädigungen durch Hagelschlag nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren OrtSvorstände deS Kreises, die Landwirte in ihren Gemeindebezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschlag hinzuweisen.
3. I. Nr. 4965. Der Landrat.
3. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
Bekanntmachung.
Betreffend: Abhaltung einer Zuchtviehauktion zu AlSfeld (Oberhessen).
Interessenten, insbesondere auch den Herren Gemeindevorstehern teilen wir mit, daß der LandwirtschaftSkammer- Ausschuß für Oberheffen am 30. Mai dS. JS. in AlSfeld eine Zuchtviehauktion für Simmentaler Bullen, Edel- schweineber und veredelte Landschweineber abhalten wird. Ausgetrieben werden nur Tiere, die in die Herdbücher der LandwirtschaftSkammer eingetragen und von der Krei-kör- kommifsion angekört bezw. begutachtet sind.
Gemeinden und Zuchtvereinen ist besonders Gelegenheit geboten, vorzügliche Zuchttiere zu erwerben. Die Auktion der Bullen beginnt vormittags 11 Uhr und diejenige der Eber nachmittags 2 Uhr. Der Auftrieb findet am 30. Mai vormittags V29 bezw. Ii' Uhr- auf dem Lindenplatz in AlSfeld statt. Versteigerung-bestimmungen und Katalog find auf Wunsch vom 22. Mai ab durch den LandwirtschastSkammer- auSschuß in Gießen zu beziehen.
Gießen, den 19. April 1913.
LandwirtschaftSkammer-AuSschuß. * *
Hersfeld, den 28. April 1913. Wird veröffentlicht.
Der Landrat.
3. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
jf)sliz<iv«rsrdnung.
Auf Grund der §§ 5, 6 und 7 der Verordnung vom 20. September 1867 (G. S. E. 1529) über die Polizei- verwaltung in den neuerworbenen LandeSteilen wird mit Zustimmung der Gemeindevertretung für den Gemeindebezirk Motzfeld folgende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1.
DaS Hemmen ohne Hemmfchraube an Fuhrwerken ist auf sämtlichen Fahrwegen kinschlnßlich der Wendewege (jedoch
„Major! Nimmermehr! DaS ist unmöglich!" schrie Adolf von Lützow auf.
„Der Major hat recht," wehrte Bärsch in seiner ruhig kühlen Art.
„Feigheit wär' da«!" rief DiezelSki flammend.
„Mitnichten! Weit größer dünkt eS mich vom Manne, offen und ehrlich einzugestehen, daß er sich geirrt, daß er gefehlt, alS eigensinnig bei einem vorgefaßten Entschlüsse zu beharren, den man für falsch erkannt," entgegnete Leutnant von Brünnow bestimmt.
„Wir glaubten dem Vaterland« einen Dienst zu leisten," pflichtete Bärsch bei. „Der AuSgang unsrer Tat stand bei Gott. Gott hat sie nicht gesegnet. Wir sehen, daß unser Beginnen unserm Vaterlande nicht von Nutzen ist, — im Gegenteil zum Schlimmsten führen könnte, war für un« auS- zudenken ist: Volk und König zu trennen. So gebietet unsere Pflicht, zurückzukehren, gleichgültig, waS der König über unS verhängt."
„Hört nicht auf ihn!" rief Adols von Lützow, mit flammenden Zorne-blicken vortretend. „Er war allezeit ein viel zu kühler Verstandesmensch. Imponderabilien kann er nicht er» messen. — Major!" Mit rascher Bewegung ging er auf Schill zu und legte ihm die Rechte auf die Schulter. „DaS Volk glaubt an dich. Du bist sein Abgott. Die Verkörperung der Freiheit bist du ihm. Willst du deinem Volke diesen Glauben zerschlagen? Dann wird eS dahinsinken zu ewigem Totenschlummer, auS dem kein Ruf der Freiheit e« erweckt. Dann bist du der Henker deine- Volkes. Major! habe den Mut, als Märtyrer für deine Ueberzeugung zu sterben und die Dornenkrone mit dem Lorbeer um deine Stirne zu flechten! Dann wirst du sterbend deine- Volke- Retter fein!" AlS bräche ein glühender Lavastrom au! BergeStiefen hervor, fo waren die Worte von Lützow- Lippen gefloflen. Schill war eS, als habe der Freund ihm flüssigen Feuerwein gereicht. Sein dunkle- Auge senkte sich in daS blaue Lützow-.
„Vergib mir," sagte er flehend. „Meine Seele ist wie zerbrochen unter diesem zermalmenden Ansturm. Sei mein guter Engel! Richte mich auf!"
ausschließlich der ganz steilen Wendewege) in der hiesigen Ge. warkung verboten.
§ 2.
DaS Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschaften ist verboten.
§ 3.
DaS Verunreinigen der Gräben und daS Befahren derselben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Ueberfahrten ist verboten.
8 4.
DaS Besahren der WirtschaftSwege in hiesiger Gemarkung mit Lastfuhrwerken, sowie zum Zwecke der Bewirtschaftung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist nur denjenigen gestattet, die zur Benutzung der WirtschaftSwege berechtigt sind.
Ausnahmen oder Abweichungen von dicfer Bestimmung können durch die OrtSpolizeibehörde gestattet werden.
§ 6.
Diejenigen Wege, die in dem Rezesie über daS Zusammen- legungSverfahren der hiesigen Gemarkung nicht ausdrücklich als Holzabfuhrwege bestimmt sind, dürfen als solche nicht benutzt werden.
§ 6.
DaS Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.
§ 7.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe von 1 biS 9 Mk. oder entsprechender Haft bestraft.
Motzfeld, den 10. April 1913.
Dre ortspollzelbehörde.
Scheer.
nichtamtlicher LeN.
Himmelfahrts-Gedanlen.
Wenn die Christenheit daS Fest der Himmelfahrt ihres Heilande- und ErlöserS begeht, dann prangt die Erde in ihrem herzberückenden jungen Frühlingtschmuck, und daS Schauspiel neuen Lebens, Sprießen- und Gedeihen- bietet sich allüberall dem entzückten Auge dar, so daß die alten Herzen wieder jung werden und die jungen Herzen in frischer Hoffnung sich dem Gefühle blühender Lebenskräfte hingeben. Und es stimmt auch ganz gut zusammen, der erhöhte Heiland und die erneute äußere Welt. In Wahrheit sind es ja himmlische Kräfte, die auch diese irdische Welt regieren. Aller Schmuck und alle Zier, mit der die grüne Flur unsere Herzen rührt und unser Gemüt erfreut, stammt auS der schöpferischen Allmacht und Votergüte unseres Gottes, zu dessen rechter Hand unser Heiland emporgestiegen ist.
„Ja! DaS will ich!" rief Lützow. „Freunde! Brüder! Hab ich nicht recht gesprochen? Kessel, Stock, DiezelSki! Sage ein jeder, wie eS ihm umS Herz ist!"
„Wir wollen unseres Königs Entschlüsse in stiller Ergebung ehren! Da- habe ich gesagt," tönte KesselS Stimme klar und schlicht durch den Raum. „Aber ich meine in tiefster Brust, daß kein Schatten sein liebe- Bild unS trübe. ES durch die Tat zu beweisen, daS haben wir durch eigene Schuld verwirkt. AlS wir auSzogen, hat keiner von unS danach gefragt, wie die Dinge sich wenden würden. UnS galt nur daS Ziel! Und die- Ziel steht noch vor unS, steht noch vor unsrem Volke, unverrückbar. — Für uns gibt eS kein Zurück!"
„Nein! Für unS gibt eS kein Zurück!" rief der junge Leutnant Stock, mit rascher Bewegung auS dem Kreise ebenfalls auf Schill zutretend. „Viel zu weit sind wir gegangen. Wohl gehen wir auf unsrem Wege einem sicheren Tod entgegen. Wir dürfen daS Land der Freiheit nicht schauen. DaS ist unser tragische- Verhängnis. Wir wollten fürwitzig eine Frucht brechen, die noch nicht reis war. Brüder! Nein! Noch ist unser Volk nicht reis zur Freiheit! Wäre eS so, jauchzend hätte eS zu tausend und aber tausend zu unseren Fahnen strömen und unsern König auf den Knien um Krieg gegen den Unterdrücker anflehen müssen. Dann, dann, von solcher Urgewalt erschüttert, wäre unserm Könige die gewisse Zuversicht deS Siege- geworden. — Freunde, wir haben lebend durch unsere Tat den Sturm heiligster Begeisterung nicht zu entfesseln vermocht, unser Tod wird einen Stachel in alle deutschen Herzen senken, der mahnt und warnt und Sühne fordert, unablässig, Tag für Tag —, biS ein große- Erwachen durch alle demschen Völker geht."
„So ist eS," rief DiezelSki, „auS jedem BlutStropsen, den wir für unser Vaterland vergießen, werden Napoleon einst Tausende von Gegnern entstehen. Brüder! Vorwärts sei unsere Losung! Unser Panier sei Gott!"
„Ja! Vorwärts sei unsere Losung!" rief nun auch Stösfil. „Können wir lebend unser Volk nicht retten, so laßt unS als Helden, sterbend, ihm ein Beispiel geben, an dem eS sich «heben kann!" .
„So sei e»! So fei e»!" rief eS durcheinander. „Maior