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yersMer Armblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 52
Sonnabend, den 3. Mai
1913.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 28. April 1918.
At “ 7 M Hust Der W* ordneten betreffend.
I. Dir Herren Bürgermeister der in meiner Verfügung vom 3. April dr. 31. — Kreisblatt Nr. 40 — näher bezeichneten Urwahlorte ersuche ich, die Ihnen in den nächsten Tagen zugehende Abteilung-liste gemäß den einschlägigen Bestimmungen bet §§ 4 bis 9 des Reglements über dieAuSsührung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten vom Ä'SteS)» E5- 6- ""d 7.Mai 6.3«. mJH.-m
Geschäftszimmer öffentlich auSzu legen.
Bor der Auslegung der Liste ist auf ortsübliche Weise in der Gemeinde bekannt machen zu lassen, daß die AbteilungSliste zur Urwählerliste — wie angeordnet — öffentlich auSliegt und daß Einwendungen gegen ihre Richtigkeit und Vollständigkeit innerhalb dreier Tage, nachdem die Auslegung begonnen hat und die Bekanntmachung darüber erlassen ist, bei Ihnen schriftlich angebracht oder zu Protokoll gegeben werden könne.
Die Listen find mir am 8. Mai dS. JS. u n t e r Anschluß der etwa erhobenen Einsprüche sowie der Anzeige, daß die Liste nach vorgängiger Bekanntmachung am 5., 6. und 7. Mai dr. JS. in Ihrem Geschäftszimmer auSgelegen Hot, und nur die überreichten — bezw. keine Einsprüche gegen die Richtigkett und Vollständigkeit der Liste erhoben worden find, bestimmt — soweit etwa erjorderlich d u r ch e i n e n Extra-Boten — wieder zuzusenden.
Die Listen, die am 8. Mai bis spätestens 6 Uhr abends hier nicht eingegangen sein sollten, werde ich durch einen Warteboten sofort aus Kosten der säumigen Bürger- Meister und GutSvorsteher abholen lassen.
II. Die Herren Bürgermeister der übrigen Orte des Kreises bezw. die Herren GutSvorsteher ersuche ich, in gleicher Weise sofort in Ihrem Gemeinde- bezw. GutS- bezirk öffentlich bekannt zu machen, daß die AbteilungSliste in drmGeschästSzimmerdeSBürgermeisterSdeS zuständigen UrwahlorteS während der bezeichneten drei Tage öffentlich auSliegt und etwaige Einsprüche gegen ihre Richtig- und Vollständigkeit bei diesem schriftlich oder zu Protokoll anzubringen find.
Spätestens bis zum 5. Mai dS. JS. ist mir — bei Meidung der Zusendung einer Warteboten — an - zu zeigen, daß die entsprechende Bekanntmachung erfolgt ist.
I. Nr. 5310. Der Landrat.
3. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
Vorfrühling.
Erzählung von M. von W i t t e n.
(Fortsetzung.)
„Jetzt hatte Lützows Adlerauge Brünnows Schwadron entdeckt, die auf der Bernburger Chausse dahin- fprengte. „Die Braven!" rief er. „Wie das ftanzö- sische Geschützfeuer auf sie niederhagelt!"
„Vorwärts stürmen sie."
«Jetzt, Freunde, jetzt ist's an uns! Mrt Gott. Vorwärts gegen die Kompagnien dort auf den nordwestlichen Höhen!" befahl Schill mit sprühender Begeisterung.
Wie der Sturmwind brachen die Schwadronen Lützow und Kettenburg, mit Schill an der Spitze, auf die Höhen bei Ofter-Weddingen los.
Steil waren die Hänge.
Ein Regen von feindlichen Kugeln sauste auf die Stürmenden nieder, unaufhörlich, mit totbringender Gewalt. Mann um Mann sank getroffen zur Erde.
„Gott rette Preußen!" jubelte Lützow und stürmte von neuem auf die Höhe vor.
Eine Salve von Flintenschüssen ward ihm zur Antwort. Von Kugeln durchbohrt, sank Adolf von Lützow zu Boden.
„Freund, Freund, leb wohl!" Schill liess. Wie ein erschütterter Schrei brach es von seinem Munde.
Rasch wie der Blitz sprengte Stössel vor. Er setzte sich an die Spitze der Lützowschen Schwadron.
„Leute, rächt euren Führer!"
Als richte der Gefallene in einem jeden seiner Husaren zu flammendem Leben sich auf, so setzte die Schwadron von neuem zum Sturm auf die Hänge em.
Doch die Franzosen wichen aus ihrer festen Stellung nicht — trotz aller großen Verluste.
Auch Stössel sank, zu Tode getroffen, zu Boden.
HerSseld, den 2. Mai 1913.
In der Zeit vom 5. bis einschließlich 13. Mai sollen die Einbau- und Walzarbeiten am Landwege PhilippSthal-Unter- breizbach zur AuSsührung gelangen.
Der Landweg wird auf diese Zeit (für den Lastfuhrwerk- verkehr und Automobile) für den öffentlichen Verkehr in der Gemarkung PhilipPSthal gesperrt.
I. 5432. Der Landrat.
3. V.:
Dr. Schumacher, RegierungS-Reserendar.
HerSseld, den 2. Mai 1913.
Die Stutenschau am 8. Mai dS. JS. vormittag- 10 Uhr findet aus dem V i e h m a r k t p l a tz hier statt.
I. 5376. Der Landrat.
I. V.
Dr. Schumacher, RegierungS-Referendar.
nichtamtlicher Ceil.
Großgörschen.
Ein ErinnerungSblatt an den 2. Mai 1813.
Wiederum ist ein bemerkenswerter ErinnerungStag an die Zeit des großen deutschen Befreiungskampfes herangenaht, der Gedenktag der Schlacht von Großgörschen, der ersten Schlacht deS Freiheitskrieges von 1813. 120 000 Mann Franzosen, mit 280 Geschützen, unter dem persönlichen Oberbefehle Napoleon-, und 96 000 Preußen und Russen — 46 000 Preußen, 50 000 Russen — mit 534 Geschützen, unter dem Oberbefehle deS russischen General- v. Wittgenstein, standen sich bei dem genannten, sechs Kilometer südlich von dem historischen Städtchen Lützen gelegenen Dörfchen am 2. Mai 1813 in blutigem Ringen gegenüber, daS schließlich allerdings ungünstig für die Verbündeten auSging, aber doch die heroische Tapferkeit namentlich der preußischen Streiter im hellsten Lichte zeigte. Die Verbündeten hatten hierbei zunächst die Rolle der AngreiserS übernommen, da ihnen Kunde von dem unerwartet raschen Heranrücken Napoleons mit seinem neu gesammelten Heere über den Thüringer Wald in der Richtung aus Naum- burg und weiter Leipzig, geworden war, so daß sie beschlossen, die Prävenire zu spielen und einen energischen Vorstoß von Pegau auS, wo sich die verbündeten Truppen zusammengezogen hatten, gegen daS sranzösische Heer zu unternehmen. Zu diesem Entschlüsse wurden die Verbündeten nicht nur durch militärische, sondern auch durch politische Erwägungen bestimmt, denn sie hofften, durch eine solche tatkräftige Offensive da- noch schwankende Oesterreich aus ihre Seite ziehen zu können.
Der weitblickende Scharnhorst hatte einen meisterhaft angelegten Angriffsplan auSgearbritet, der darauf basierte, daß
Und gleich darauf, unfern von ihm, der Leutnant Kettenburg.
Da packte Schill eine rasende Wut.
„Ganze Schwadron Kettenburg zu mir!"
Mit Blitzesschnelle hatten sich die Ueberlebenden um seinen Säbel geschart, der in der Mittagsglut leuchtete wie ein flammendes Schwert.
Kessel drängt sein dampfendes Roß an die Seite seines Majors, und wie in brausenden Sturmwind geht's wieder die Höhe hinan.
Kessel ist einer der Kühnsten. Viktorias süßes Bild ist wie erloschen in seiner Seele. Er sieht nur den Freund mit den großen strahlenden Augen an seiner Seite und vor sich den Feind — den verhaßten.
Gegen den ist's eine Wonne zu kämpfen. Wie ein Rausch überkommt's ihn mitten im Kugelregen. Wonne ist's, die Scharen des Unterdrückers wie flüchtige Spreu von der heißgeliebten deutschen Erde weg- zufegen — oder — oder — Kessel wankt — zu — sterben —! „ , ,
Mit verlöschendem Bewußtsein sinkt er vom Pferde-
Ach, alle Tapferkeit war umsonst, umsonst, daß Schill, als er auch Kessel neben sich in den Staub sinken sah, wie der dreuende Kriegsgott selber dreinfuhr und die Seinen zu neuem Vorgehen anfeuerte: einer nach dem anderen stürzte tödlich getroffen zu Boden.
Umsonst, daß drüben unter den Kugeln der Schill- fchen der Oberst Vautier sterbend zusammenbrach, umsonst daß hier und dort die Reihen der Franzosen unter dem Ansturm wankten, und so manche Offiziere der großen Armee den Schillschen als Gefangene in die Hände fielen, — die Höhe war nicht zu nehmen —.
Bei hereinbrechender Dämmerung ließ Schill blutenden Herzens zum Rückzüge blasen.
Aber auch der Feind zog sich unter dem Schutze der Nacht, Furcht und Schrecken im Herzen, bis hinter die schützenden Wälle von Magdeburg zurück.
daS verbündete Heer nach Hebet streiten der Elster am Morgen deS 2. Mai die französische Stellung in dem festungSähnlichen Viereck, daS die Döifer Großgörschen, Rahna, Caja und Kleingörschen bildeten, mit wuchtigem Stoße durchbrechen und dann die getrennten sranzösijchen KorpS einzeln schlagen sollte. Der Plan Scharnhorst- war tatsächlich als sehr gut angelegt, und hätte zweifellos zu dem gewollten Ersolg für die Verbündeten geführt, wenn sich General v. Wittgenstein nicht vollkommen unsähig gezeigt hätte, die Dispositionen deS genialen Scharnhorst zu verwirklichen. Die verkehrten Anordnungen WittgensteinS bewirkten zunächst, daß sich der Aus- marsch der preußisch-russischen Truppenkolonnen mehrere Stunden verzögerte und daß somit kostbare Zeit für den geplanten überraschenden Angriff verloren ging. Erst gegen mittag des 2. Mai erfolgte der Angriff der Allierten auf die starke seindliche Stellung; nach wütendem Kampse eroberten sie Großgörschen, woraus sie sich anschickten, die Franzosen auch auS den Dörfern Rahna, Caja und Kleingörschen hinauSzuwerfen.
Da erschien Napoleon selbst auf dem Schlachtselde, nachdem er die noch auf dem Marsche gegen Leipzig befindlichen Teile seines Heeres schleunigst in der Richtung auf Großgörschen zurückbeordert hatte. Von neuem erhob sich ein erbitterte- Ringen, in dessen Verlause eS der preußischen Gardebrigade gelang, Caja, den Schlüssel der gesamten französischen Stellung, zu erstürmen. Aber immer neue sranzösische Verstärkungen griffen in da- Gefecht ein, während eS andererseits Wittgenstein in seiner Kopflosigkeit versäumte, die seitwärts stehende russische Garde, sowie die KorpS deS Prinzen Eugen von Württemberg und deS Generals v. Miloradowitsch zur Unterstützung heranzuziehen. Gegen 6 Uhr abends mußten die Preußen Caja wieder aufgeben, womit daS Geschick deS Tage- entschieden war. Die verbündete Armee, die 10000 Mann eingebüßt hatte, trat den Rückzug auf Pegau an, die Franzosen aber, denen der blutige Tag von Großgörschen 12000 Mann an Toten und Verwundeten gekostet hatten, gelangten durch diesen Sieg wieder in den Besitz EachsenS und der Elbelinie. Trotz ihres für die Verbündeten ungünstigen Verlaufes feuerte die Schlacht von Großgörschen jedoch die preußische Zuversicht an, da die Preußen hierbei eine todesmutige Tapferkeit gegen die bedeutende französische Uebermacht gezeigt hatten, und diese Tapserkeit sollte sich denn auch in den nachsolgenden Schlachten deS Freiheitskriege- wieder glänzend zeigen.
Der Balkankrieg.
Die Entscheidung abermals verschoben.
London, 1. Mai. Die in Bezug aus die etwaige Auflösung der Botschafterkonferenz ausgesprochenen Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. Der österreichisch-ungarisch« Botschafter hat sich, nachdem die übrigen Botschafter das
XII.
Nacht war's. Weiche, sternendunkle Maiennacht. Erbarmend deckt sie mit ihrem weiten Mantel das grauenvolle Elend des Tages zu.
Totenstill war's aus den blutgetränkten Hügeln bei Dodendorf. Friedvoll lagen Freund und Femd beieinander, sie, die noch vor wenigen Stunden so wutentbrannt gegeneinander die Waffen geführt.
Nichts regte sich weit und breit.
Doch dort, dort! Was ist's?! Zwischen den Toten wankt ein Schatten dahin. Ist's ein abgeschiedener Geist? Nicht doch, ein Mensch ist's. Jetzt zittert ein banges Stöhnen aus seiner Brust herauf.
Und schauerlich, als antworte ein Echo ihm aus tiefen Grüften, so trifft ein qualvoller Seufzer sein Ohr.
Er wendet sich — sein Auge sucht die Nacht zu durchdringen. An einen Weidenstumpf gelehnt, lauscht er und lauscht.
Da wieder der todbange Laut, im Nachtwinde verwehend.
„Wer lebt hier noch unter Leichen?" ruft, sich gewaltsam aufrichtend, der nächtliche Wanderer.
Eine Gestalt versucht sich vom Boden aufzurichten — schwerfällig, mühsam.
„Ich komme, ich komme!" So schnell ihn seine Füße tragen, über die Toten hinweg, hastet der Offizier dem Kameraden zu. Jetzt ist er dicht bei ihm. Jetzt kniet er, um ihn aufzurichten, neben ihm nieder, und blickt ihm forschend ins blutüberströmte Gesicht.
„Lützow!" schreit er auf. „Du — du lebst?"
„Kessel!" stammelte Adolf von Lützow, den Freund mit einem verwirrten Blicke anstarrend. „So — so war es doch ein Traum?"
„War? Was?"
„Mir war's, ich sei droben in den seligen Gefilden — und schaute herab — auf das jubelnde Deutschland.
— Wir hatten es — befreit."
„Freund! Nicht daran denken!" flehte Kessel mrt