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herrsel-er Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 57
Sonnabend, den 17. Mai
1913
Erstes Blatt.
JMcMr teil.
Herrseld, den 6. Mai 1913.
Der § 91 Absatz 5 der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestimmt, daß mir von dem Gemeindebeschluß über die erfolgte Feststellung der Gemeinde-Rechnung sofort eine Abschrift einzureichen ist. Nach Absatz 4 der genannten Paragraphen ist der FeststellungS- beschluß herbeizusühren, ehe die Rechnung während der vorgeschriebenen Zeit von zwei Wochen zur Einsicht der Gemeinde- angehörigen auSgelegt wird. Diese Bestimmung ist schon wiederholt außer Acht gelassen worden. Indem ich die Herrn Bürgermeister auf diese gesetzliche Bestimmung besonders Hinweise, erwarte ich bestimmt, daß mir der betreffende Gemeindebeschluß bis spätestens zum 15. Juni d. JS. in Abschrift vorgelegt wird.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. Nr. 3347. von GruneliuS.
HerSfeld, den 14. Mai 1913.
Den Herren Bürgermeistern und GutSvorstehern gehen heute die Gemeindesteuerlisten zu.
Ich ersuche, sie sogleich öffentlich auSzulegen und nach § 80 deS Einkommensteuer-Gesetze- zu verfahren.
Die Listen sind dann bis zum 25. Juni d. JS. an mich zurückzureichen.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommiffion:
I. Nr. 1251. von GruneliuS.
Herrseld, den 14. Mai 1913.
An die sämtlichen Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises.
Durch Beschluß deS BundeSratS ist für den 2. I u n i 1913 die Vornahme einer Zwifchenzählung der Schweine im Deutschen Reiche angeordnet worden.
Die für die Landgemeinden und GutSbezirke in Frage kommenden Drucksachen find die ZählbezirkSliste C und die Gemeindeliste E,
Besondere Anweisungen sür die Zähler und die Gemeindebehörden find nicht erlaffen. DaS Ersorderliche enthalten die beiden Listen C und E. Zählkarten werden nicht verwendet. DaS ZählergebniS einer jeden Haushaltung mit S ch w e i n e n ist vom Zähler unmittelbar in die ZählbezirkSliste einzutragen. Haushaltungen die keine Schweine halten, find also nicht in die ZählbezirkSliste C aufzunehmen. Die Zählbezirke sind sofort zu bilden und der vorjährigen Viehzählung anzupassen;
Das Freibillett.
Humoreske von Willy Müller.
Wohl zum zwanzigsten Male kratzte Fritz Dobelhupf die Vereinigung fassonloser Fliegerleichname zusammen, die die jeweiligen Opfer seiner Langeweile bildeten. Und die kunst- geübte Mörderhand, gefolgt von den kecken, sensationslüsternen Augen der Tippmamsell, hob gerade wieder daS schwippende Lineal, um einen großen Brummer in da- bessere JenseitS zu besördern, alS Herr Prinke, der Chef der Firma Prinke u. Horn eintrat und seinen Korrespondenten außer in der Fliegenszene mit dem Geschenk eine- FreibillettS sür die heutige Abendvorstellung überraschte. Der Beschenkte stammelte etwa- wie „danke- und zwang sein feister Ich zu einem devoten Verlegenheit-bückling, den der angenehme Ches mit wohlwollendem Nicken und seinem Abgang quittierte.
Obgleich daS Billett sür Dobelhups eine unverhoffte Freude bedeutete, dachte er doch wie die meisten seiner Stande-genofsen, denen die Wahl zwischen dem geistigen Genuß eine- Schauspiels und dem eines Skatabends gelassen wird, nämlich, er lohnte die Güte deS Chefs mit schnödem Undank, indem er beschloß, den gewohnten Skat unter allen Umständen zu „dreschen".
Nach kurzem Ueberlegen schrieb er an seine Gattin ein niedliches Briefchen, in dem er sie bat, dreiviertel 8 Uhr in der und der Toilette vor dem Geschäft zu sein, woselbst er ihr eine kleine Ueberraschung auShändigen würde.
Da- waren drei Fliegen mit einem Schlag.
Erstens willfahrte er den kunstfinnerweckenden Gefühlen seine- BrotgeberS, zweiten- bereitete er seiner theaterliebenden Gattin eine billige Freude, die sie drittens die sonst unausbleiblichen Vorwürfe vergessen ließ, mit denen sie ihm regel- mäßig seine Freizeit am Tage nach den Klubabenden verschönte.
Nach diesen strategischen Winkelzügen vertiefte sich der Korrespondent wohlgemut in die Enträtselung eine- angel» sächsischen Schreiben-.
Gerade um die Zeit, alS der Gemahl den Bries unter gütige, Mitwirkung eine- „Katzenkopsr- aus den Gedantendom
eS ist dabei im Sinne der bei den Viehzählungen geltenden Bestimmungen zu verfahren. Nach Bildung der Zählbezirke sind sofort die Zähler zu bestellen und mit ihrer Tätigkeit vertraut zu machen.
Für jeden Zählbezirk sind drei ZählbezirkSlisten C auf* zustellen, von denen die U r s ch r i f t dem Zähler verbleibt, die R e i n s ch r i s t an mich einzureichen und da- dritte Exemplar sür die Gemeinde (den GutSbezirk) bestimmt ist.
Die Gemeindeliste E ist ebenfalls in d r e ifacher Ausfertigung aufzustellen; die Urschrift ist sür die Gemeinde bestimmt und die beiden Rrinschristen sind mir zu übersenden.
Auch sür unbewohnte GutSbezirke ist die Gemeindeliste E aufzustellen.
Im Uebrigen ist genau nach den Erläuterungen aus der ZählerbezirkS- und Gemeindeliste zu verfahren.
Für die ordnungsmäßige Ausfüllung und unterschriftliche Vollziehung der Listen mache ich die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher verantwortlich.
Der Einreichung der Rrinschristen der ZählerbezirkSlisten C und der beiden Reinschriften der Ort-listen E sehe ich bestimmt bis zum 5. Juni entgegen. Der Termin ist unbedingt innezuhalten.
Die nötigen Formulare gehen den Herren Bürgermeistern und GutSvorstehern in den ersten Tagen von hier au- zu.
Sollten die ZählbezirkSlisten C nicht auSreichen, ist der erforderliche Mehrbedarf umgehend bei mir anzumelden.
I. 5840. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die sozialdemokratische Hetze gegen die W e h r v o r l a g e sucht dem deutschen Volke die geplante HeereSverstärkung bekanntlich vor allem mit der leichtfertigen Behauptung zu verdächtigen und zu verleiden, daß bufe ganze Wehrvorlage letzten Endes nur dazu eingebracht sei, der Waffen- und MunitionSindustrie neue, große Aufträge, mit anderen Worten Riesenverdienste zuzuschanzen. Demgegenüber weißt der Geheime AdmiralitätSrat Koch in der Zeitschrift „DaS neue Deutschland" ziffernmäßig klipp und klar nach, daß z. B. in Preußen, dem größten BundeSstaate, ganz im Gegenteil die „Kanonensabrikanten" den allerkleinsten Nutzen von den zu bewilligenden Millionen haben werden. Vielmehr verteilt sich der Verdienst aus eine ganze Reihe von Erwerbs- klaffen, ja, der Löwenanteil, der auch von anderer sachkundiger Seite auf mindesten- 185 (von 370) Millionen Mark berechnet ist, wird unmittelbar in die Taschen der Arbeiter fließen. Auch in dieser Frage beweist er sich wieder einmal, mit welch unverantwortlicher Gewissenlosigkeit den ziffernmäßigen Tatsachen gegenüber die Sozialdemokratie daS Volk zu verhetzen und
deS sriedlich schlummernden Lehrling- auf die Post beorderte, ging Frau Dobelhupf „auf einen Sprung" zu ihrer Freundin inS Nachbarhaus. Da aber ein solcher „Sprung" im Herzen der deutschen Frauen zeitlich einen weiten Spielraum innehat, saß sie abends ein halb 8 Uhr immer noch bei der interessanten Freundin, bi- der Eintritt von deren Manne der schönen Unterhaltung ein vorzeitiges Ende bereitete.
Ein bedauerndes Verabschieden der beiden EvaStöchter, Frau Dobelhupf eilte ihrem Heime zu.
„Ein Bries?" Sie öffnete den Kasten.
„Ah! DaS ist fein!" Und ihre kleinen Hände patschten erfreut ineinander. „Sicher wieder ein Theaterbillett. Ist doch ein lieber Kerl, der Fritz."
Erst als sie im Zimmer an die Uhr blickte, tropfte ein WermutStränlein in den Becher der Freude: eS war beinahe 8 Uhr. Doch hier trat der seltene Fall ein — daß sich eine Frau alS Herr der Situation zeigte. Mit einer Geschwindigkeit, die jedem Ehemann Rufe deS Entzücken- entlockt hätte, kleidete sie sich an. Wenige Minuten später bestieg sie atemlos, aber glücklichen Angesicht- die Elektrische.
Herr Dobelhups wartete unterdeS sehnsüchtig aus seine junge Gattin. AlS eS achtmal schlug, riß ihm, wie man zu sagen pflegt, die Hutschnur. Er bestieg die Straßenbahn und fuhr, Ausschau haltend, heimwärts.
Täuschte er sich nicht? Aus dem vorderen Perron deS entgegenfahrenden Wagen- schien sie zu stehen. Richtig! Sie erkannte ihn auch sofort und winkte zu besseren Verständigung mit dem Taschentuch, während er durch Schwenken deS kupferroten FreibillettS den drahtlosen Austausch fortsetzte und gleichzeitig sie aufforderte, dieser schnell zu erhäschen. Sie verstand sofort, war auch so glücklich, daS Papier zu ergreisen, rechnete aber nicht mit der Ungeschicktheit ihres Gatten, der zum Ergötzen der Wageninsassen die eine Hälfte der Billett- in den Fingern behielt, die andere hingegen den stattgefundenen Besitzwechsel in der gestikulierenden Hand von Frau Dobelhups anzeigte.
Die Mitsahrenden bekundeten ihre Teilnahme durch ein homerische- Gelächter, da- auch daran schuld sein mochte, daß der verärgerte Gatte nicht auf den Zuruf seiner Gefährtin:
aufzuwiegeln sucht, noch dazu in einer so wichtigen, rein vaterländischen Angelegenheit, wie eS die HeereSvorlage ist, deren möglichst baldige, restlose Bewilligung jeder umsichtige Politiker Deutschland- alS ein Gebot der Notwendigkeit empfindet und anerkennt.
Die B e r n e r FriedenSkonserenz, die der Anbahnung einer deutsch-sranzösischen Verständigung dienen sollte, ist nach kurzer Tagung wieder auseinander gegangen, ohne irgendwelche wirklich brauchbaren Ergebnisse zu hinterlassen. Denn die größtenteils in den allgemeinsten Redensarten sich bewegende „Resolution" wird man beim besten Willen für keine weltbewegende Tat halten können. Im übrigen stand die Konserenz von vornherein unter keinem glückverheißenden Zeichen: Von Sozialisten einberufen, säst lediglich von Sozialiften beschickt, trug sie auch in ihren Verhandlungen, die zum Teil geradezu im Parteiinterne auSgebeutet wurden, einen rein sozialistischen Charakter, so daß man die wenigen bürgerlichen Vertreter um ihre Teilnehmerschaft nur bedauern kann, die sich nicht wie die offiziellen Kreise von diesem aussichtslosen Unternehmen ganz fern gehalten haben.
Der Besuch deS KönigS AlsonS in Pari» hat bei den veranstalteten Festlichkeiten zwischen den beiden StaatShäuptern die Beteuerungen gegenseitiger Freundschaft und engster Interessengemeinschaft gebracht, die bei derartigen Gelegenheiten üblich find. Ob darüber hinaus dem Besuch eine erhöhte politische Bedeutung beizumessen ist, wird erst die Zukunft lehren. Aber selbst wenn eS zu einem formellen spanisch- sranzösischen Bündnisse kommen sollte, so braucht Frankreich daran keine auSschweisenden Hoffnungen zu knüpfen, da bei einem Kriege mit Deutschland, aus besten Vorbereitung fran- zöfischerseitS doch wohl die ganze Aktion hinauSläust, die spanischen HilsStruppen zu ,Pät a*$ dem Kriegsschauplatz erscheinen würden. Für unS |oßu' abu jedenfalls diese» Streben FmnkreichS nach Bündnissen ein verstärkter Ansporn sein, unS so wehrkräftig und kampfbereit wie nur möglich zu erhalten.
Zum siinsundrwanrigften RegierungrWillium unseres Kaisers.
II.
Fünfundzwanzig Jahre deutscher Handelspolitik.
Nächst der Reich-gründung darf als die bedeutsamste politische Tat Kaiser Wilhelm- deS Großen und feine- unsterblichen BeraterS, des Fürsten BiSmarck, wohl die Abkehr von der Freihandelspolitik und die Hinwendung zu einer Politik deS Schutze- der nationalen Arbeit, wie solche durch den Zolltarif vom 15. Juli 1879 vollzogen wurde, ange- sprochen werden. Kurz vor dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. war diese Politik mit der Gesetzgebung deS JahreS 1887 zum Abschlüsse gelangt. Die Handelspolitik
„Nächste Haltestelle!" achtete, sondern an der erstbesten Straßenecke auSstieg und sich mit der schnelleren Ringbahn zum Theater befördern ließ, in der Meinung, dort daS widerspenstige Stück Papier mit seiner Milchschwester vereinigen zu können.
Doch umsonst. Er wartet fünf Minuten, zehn, eine Viertelstunde — sie erschien nicht.
Ungeduldig, mit der Bearbeitung einer geharnischten Gardinenpredigt beschäftigt, wartete inzwischen die Inhaberin deS FreibillettS, Hälfte Nr. 2, an der nächsten Haltestelle.
Sie wartete eine volle Viertelstunde. „Aha! Ob der Tölpel von Mann nicht am Theater sein mag."
AlS sie dort ankam, waren seit dem Entschluß deS Gatten heimwärts zu pilgern, kaum zwei Minuten verflossen. M'ß- launig verweilte sie eine Zeitlang an dem Prachtbau, dann ging auch sie nach Hause.
Herr Dobelhups wiederum kalkulierte, nachdem er daS Nichtvorhandensein feiner Ehehälfte in der Behausung sestge- stellt, daß diese sich doch noch eine Karte gelöst haben mochte und nun geborgen im Musentempel saß. Etwas von Neid stieg in ihm auf. Der schöne Vkatabend war futsch. Von all der heimlichen Freude war nur der Bierdurst übrig geblieben, und um wenigstens einen Teil seiner Träume zu verwirklichen, lenkte er seine Schritte nach dem nächsten Wirtshaus. Welche rege Tätigkeit er hier entfaltete, bedars wohl keiner näheren Erläuterung. Nach 11 Uhr machte er sich in bedeutend gehobener Stimmung auf den Weg zum Theater, um sein Weibchen nach guter Ehemännerart abzuholen. —
(Schluß folgt.)
— (ZweiPersonen ineinerDunggrubeer- st i ck t.) In Windberg (Rheinprovinz) erstickten zwei Brüder, der Kaufmann und der Ackerer Potting beim Reinigen einer Jauchegrube. Ein Nachbar, der bei der Hilfeleistung ebensall» in die Grube gestürzt war, konnte von der Feuerwehr gerettet werden.
— Lincoln (NebraSka), 15. Mai. Bei einem Wirbek- sturme, der die Stadt Hewart heimsuchte, wurden neun Personen getötet und viele verletzt.