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Fernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 58.
Dienstag, den 20. Mai
1913
Amtlicher teil.
Her-feld, den 15. Mai 1913.
Nachstehend veröffentliche ich einen Erlaß deS Herrn Minister- deS Innern vom 9. Januar 1901, betreffend Verhütung von Unfällen auf unbewachten Eisenbahn-Uebergängen.
Die Herren Ort-vorstände deS Kreises ersuche ich, den Inhalt dieses ErlasseS in ortsüblicher Weise zur Kenntnis der Ort-einwohner zu bringen. In den unmittelbar an den Bahnstrecken gelegenen Gemeinden ist der Erlaß alljährlich mindestens zweimal bekannt zu machen.
Der Vorsitzende des kreisausschuffes:
I. A. Nr. 3585. von GruzreliuS.
* * »
Ich erachte - für allgemein geboten, durch wiederholte Bekanntmachungen den Wagenführern die größte Vorsicht beim Passieren von Bahnübergängen zur Pflicht zu machen und sie daraus hinzuweisen, daß sie bei unachtsamem Passeren der Bahn sowohl ihr eigener Leben gefährden, al- auch sich einer erheblichen Bestrafung auf Grund deS § 316 deS Strafgesetz- buch- au-setzen. Ich mache eS den Polizeibehörden zur besonderen Pflicht, gegen Fälle dieser Art nachdrücklichst einzu- schreiten und die erfolgten Bestrafungen zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
Ich erachte e- ferner für erforderlich, überall, wo dieses noch nicht geschehen ist, durch Polizeiverordnungen vor» zuschreiben,
daß der Führer eine- Fuhrwerk- während der Fahrt stets entweder auf dem Fuhrwerke, die Fahrleine in der Hand, oder auf einem Zugtiere oder in ihrer unmittelbaren Nähe bleiben und da- Gespann fortwährend unter Aufsicht halten muß, und daß Führer, welche dem zuwider- Handeln, insbesondere auch schlafende und angetrunkene Führer, strafbar find.
Wird versucht, aus diese Weise den Ursachen, welche die Unglück-fälle bei den Eisenbahnen in erster Linie bisher her» beigesührt haben und aus welche auch sonstige durch Fuhrwerk« entstandene Unglücksfälle vielfach zurückzuführen find, allgemein vorzubeugen, so ist zu hoffen, daß auch gerade die UnglückS- sälle durch die Nebeneisenbahnen und Kleinbahnen sich vermindern werden.
Gegenüber einer sich aus da- Passieren der Bahnübergänge beschränkenden Vorschrift hat die allgemeine Anordnung den Vorzug der Kontrolle, die bei jener regelmäßig nicht möglich ist.
Berlin, den 9. Januar 1901.
Der Minister deS Innern.
I. B.: gez. von BischosfShausen.
Her-feld, den 14. Mai 1913.
An die Herren Jagdvorsteher deS Kreise-. AuS Anlaß einer SpezialsalleS bestimme ich zur Behebung
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Bitten.
(Fortsetzung.)
Sie sprengen in die Ebene des MarchfeldeS hinein, achtlos wird daS Korn von den Hufen der Rosse zertreten.
„Voila messieurs!“ ruft jetzt Napoleon triumphierend, „dort gegen Nordost fehe ich ein Regiment Reiter auftauchen. Deutlich zeichnen sich die Umrisse ihrer CzopkaS gegen den Horizont ab, — Ulanen müssen eS fein!"
„Ganz recht, 6keentgegnete der Oberförster, sich gegen Napoleon wendend. Seine Nasenflügel beben. Seine kleinen Augen blitzen.
Die dunkle Masse wälzt sich heran mit überraschender Geschwindigkeit — näher und näher — wie aus Sturmwindsflügeln saust sie daher.
„Holla! Unsere Schwarzberg-Ulanen!" ruft Reffet. „Die Freiheit winkt!" Blitzschnell ergreift er deS Oberförsters Stute am Zaumzeug, und seinem Pferde die Sporen in die Weichen drückend, reißt er fie und ihren Sieltet en Carriere mit sich fort.
Im selben Moment löst sich eine Abteilung auS der Wolke der Reiter, — sie prescht vor, — Schüsse krachen. Napoleon, der eben noch im Begriff stand, Befehl zu geben, den Oberförster wieder einzufangen, wirst sein Roß herum — seine Generäle mit ihm, — davon jagen sie in wildem Galopp gegen die Lobau zurück, — alles ist das Werk weniger Augenblicke.
An Aspern geht die wilde Flucht der Franzosen vorüber, wo die Division Molitor fie schützend ausnimmt, die eben sich anschickt, längs deS die Mühlau im Norden bespülenden Waffergraben- Aufstellung zu nehmen.
Reffe! aber galoppiert nach raschem Grußwechsel mit den Freunden, nach kurzem, innigem Abschiede vom Oberförster, dem er sein junges Weib noch einmal aufs dringendste an« «mpfichtt, dahin, um sich beim Feldmarschall-Leutnant Rtenau
von Zweifeln für die Wahrnehmung der mir als Jagdaus. sichtSbehörde nach Ziffer 44 der ministeriellen AuSführungS-An» Weisungen zur Jagd-Ordnung vom 29. Juli 1907 übertragenen Aufgaben hinsichtlich der Jagdveipachtungen, daß mir in Zukunst jedesmal sowohl die Pachtbedingungen alS auch der Pachtvertrag rechtzeitig vor der öffentlichen Auslegung zur Genehmigung vorzulegen sind. Zu den Pacht-Bedingungen und zum Verträge, ferner auch zum VerpachtungSprotokoll find nur die in der Funt'ichen Druckerei hier vorrätig gehaltenen Formulare zu verwenden. Ich behalte mir auch in allen Fällen meine Entscheidung über die Art der Verpachtung und die Auswahl der Pächter vor.
I. 5875. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 14. Mai 1913.
Die in Frage kommenden Herren Bürgermeister erinnere ich an Erledigung meiner Versügung vom 29. April 1913, I. A. Nr. 3144, Kreisblatt Nr 53, betreffend: Leistung von Hand- und Spanndiensten mit Frist bis spätestens zum 22. Mai d. I?.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. Nr. 3144. von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Zum liinfundzwauzigjährigen Regierungsjubiläum unseres Kaisers.
III.
Die Arbeiterversicherung unter Kaiser Wilhelm II.
Man hat unsern Kaiser mit Fug und Recht einen „Frieden-kaiser" genannt. Mit dem gleichen Rechte aber dars man ihn auch einen „sozialen Kaiser" nennen. Von dem ersten Tage seiner Thronbesteigung an hat er eS alS die schönste und vornehmste aller Regentenpflichten betrachtet, die Ungleichheiten und Härten der irdischen Schicksal- für die ärmeren und niederen Klassen der Bevölkerung durch ein möglichst weitgehende- Maß sozialer Fürsorge nach Kräften zu mildern.
Durch die Novemberbotschast unsere- hochseligen Helden- kaiser- Wilhelm deS Großen vom Jahre 1881 war die Grundlage zu der für alle Kulturstaaten vorbildlichen Arbeiterver- ficherungSgesctzgebung geschaffen worden. In Au-sührung der Grundsätze dieser Botschaft wurde im Jahre 1883 daS Krankenversicherung-gesetz erlassen, und diesem folgten in den Jahren 1884—87 die verschiedenen Unfallversicherung-gesetze. Unserm Kaiser blieb eS vorbehalten, den grundlegenden Ar- beiterversicherungSgesetzen in dem Alters- und JnvaliditätS-
zurückzumelden und ihm über die Vorgänge dieser Nacht zu berichten.
So heiß seine Seele auch danach verlangt, Viktoria noch einmal zu sehen und ihr, wie er versprochen den Oheim selbst heil zurückzubringen, so schwer fein Herz auch um sie bangt, — er muß sie ihrem Schicksal überlassen. Seine Pflicht erheischt e» von ihm. Gebieterisch ruft sie ihn zum österreichischen Heere zurück.---
Rascher galoppierte er dahin — näher kam er den Seinen — näher, — da sah er, der Feldmarschall-Leutnant hielt vor der Front der Truppen, mit ihm Offiziere und Adjutanten. Der eine von ihnen hatte ein Papier tn der Hand, aus dem er mit lauter Stimme vorlaS. Ein Armeebefehl mochte eS fein, der in der Nacht auSgegeben worden. Jetzt — jetzt schlugen die Worte ganz deutlich an sein Ohr: „Morgen kommt eS zur Schlacht. Ihr AuSgang entscheidet Über daS Schicksal der Monarchie. Ich erwarte von jedem meiner Offiziere und Soldaten, die mir alle gleich wie Kinder teuer sind, daß sie ihr Leben für die heilige Sache des Vaterlandes, für die heilige Sache alles deffen, was den deutschen Namen trägt, in die Schanze schlagen."
Die Worte verklangen, — ein Sturm von elementarem Jubel durchbrauste die Luft. Begeisterte Bivatruse auf den Kaiser und den Generalissimus erschallten, — die Leute schwangen ihre Kopfbedeckungen auf den Spitzen der Bajonette, umarmten einander, — Schwüre zwischen Vorgesetzten und Untergebenen wurden ausgetauscht, für daS Vaterland zu siegen oder zu sterben, und mit glühenden Küssen besiegelt.
Da sprengte der Generalissimus die Reihen entlang, — wie ein Rausch kam eS über die Truppen. Die heilige Begeisterung stieg aufS höchste, — kein Auge blieb trocken. Immer und immer von neuem erfüllten die jauchzenden Bivatruse den aufsteigenden Festsonntag.
Auch Reffet war aufS liesse ergriffen. Sein Blick suchte den Himmel voll inbrünstigen Flehens, daß Gott diesem Heer in dem verzweiselten Ringen den heißersehnten Sieg ver-
leihen möge.
xvm.
Die Glocken aller Dörfer in der Runde läuteten den
veisicherungSgesetze vom Jahre 1889 ihren krönenden Schlußstein hinzuzufügen.
Aber damit stand die ArbeiterversicherungSgesetzgebung keineswegs still, vielmehr hat sie unter der Regierung Kaiser Wilhelm II. eine zweimalige wesentliche Verbesserung und Umgestaltung erfahren. Die erste dieser Resormen fällt in den Zeitraum von 1899—1903. ES sind auS dieser Zeit zu nennen daS neue Invalidenversicherung-gesetz deS Jahre- 1899, die Novellen zum Krankenkaffengesetz« vom 30. Juni 1900 und 25. Mai 1903 sowie endlich die neuen Unfallversiche- rungSgesetze vom 30. Juli 1900. Alle diese Gesetze bedeuten durch Erhöhung der Leistungen und Erweiterung deS Kreise- der VersicherungSpflichtigen sowie durch den Ausgleich der Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Versicherung-zweigen einen wesentlichen Fortschritt.
Die zweite durchgreifende Umgestaltung aber erfuhr unsere gesamte staatliche Arbeiterversicherung in der ReichSverficherung-- ordnung deS JahreS 1911. Die bedeutsamsten Errungenschaften dieser letzten, abschließenden Resorm beruhen in der Hineinziehung von weiteren sieben Millionen Menschen, nämlich den land- und forstwirtschastlichen Arbeitern und dem Gesinde, in die Krankenversicherung, in der Hinzusügung eines neuen VersicherungSzweigeS, der Witwen- und Waisenversicherung, und endlich in der Schaffung eines einheitlichen Behörden- Organismus. In der richtigen Erkenntnis, daß neben den Arbeitern im engeren Sinne auch der durch die moderne wirtschaftliche Entwicklung geschaffene unselbständige Mittelstand der Privatbeamten der sozialen Fürsorge in gleicher Weise bedürfe, hat Kaiser Wilhelm II. in dem Gesetze über die Pension-versicherung der Angestellten vom 20. Dezember 1911 auch diesem Stande die Wohltaten der staatlichen Zwang-Versicherung zuteil werden lassen. Um sich einen Begriff von dem gewaltigen Umfange und der außerordentlichen Bedeutung der staatlichen Arbeiterversicherung Deutschland- zu machen, möge hier nur die eine Notiz Platz finden, daß die auf Grund der Versicherung-gesetze im Jahre 1912 gezahlten Entschädigungen rund 800 Millionen Mark betragen haben oder mit anderen Worten, daß den UnterstützungSberechtigten in dem genannten Jahre täglich mehr als 2 Millionen Mark zugefloffen sind.
So ste,t die staatliche Zwang-Versicherung Deutschlands als ein machtvoller Bau da, unter dessen ragendem Dache Millionen Schutz und Schirm finden. Sie ist ein herrliches Beispiel praktischen Christentum- und ein leuchtende- Muster sozialer Gesetzgebung, aus daS alle übrigen Nationen der Erde neidvoll blicken, und daS sie mehr und mehr nachzuahmen beginnen, ohne e- bisher auch nur annähernd erreicht zu haben.
$i§ tot des Prinz HeinM-Mzes.
E t r a ß b u r g i. E., 17. Mai. Im festlich geschmückten großen Saale deS Hotels Stadt Paris gab heute abend die
Mittag ein. Wie mit Zauberschlag stiegen auS allen Regimentern die weihevollen Klänge der Nationalhymne zum Himmel auf. „Gott erhalte unsern Kaiser!" tönte eS aus tausend und aber tausend Kehlen.
Wie zur Parade, blankgeputzt, Reiser aus den Tschako-, mit wehenden Fahnen — so rückten die in Kompagniebreiten formierten Kolonnen in den herrlichen Maitag, in Sieg oder Tod hinein.
Napoleon hatte rasch entschlossen sich dahin entschieden, die beiden Dörfer Aspern und Eßling, die sich mit ihren solid gebauten Häusern, ihren niederen Erdwällen ring- um den Außenrand, ihren vortrefflichen Stützpunkten im Innern vor- züglich zur Verteidigung eigneten, zu verschanzen. Massena wurde mit der Division Molitor die Verteidigung von Aspern, dem Marschall LanneS mit der Divijon Baudct und der ganzen vom Marschall Bessere- befehligten Reiterei daS Fest- halten von Eßling sowie Die Besetzung deS ZwischenraumeS zwischen beiden Dörfern übertragen.
So sanken die Oesterreicher bei ihrem Herannahen kleine Festungen vor.
Ein mörderischer Kamps entbrannte. Kessel ward der Befehl, an der Seite deS Oberstleutnant Fürst Bentheim, der die Erlaubn!- erhalten, die Spitze der Kolonne zu bilden, am Sturm auf Aspern teilzunehmen und sich stets zur Versügung deS Fürsten zu halten. WaS in Kessel- Brust vorging, läßt sich schwer beschreiben. Wilder und verzweiselter alS der Kampf, der ihn umtobte, tobte der Kampf in seiner Brust. Ihm war, als brächte daS heiße Ringen ihn dem Wahnsinn nahe. Mit den Oesterreichern vorstürmend und die Waffen gegen da- Dorf kehrend, hätte er einen jeden der Schüsse auS dem Kugelregen aushalten und auf daS eigne Herz lenken mögen. Wer konnte missen, ob nicht einer von ihnen DaS HauS finden würde, daS sein Teuerstes barg, daS er auf Erden besaß?!
Und je brennender, je wilder die Qual in ihm loderte um so ungestümer, um so wilder stürmte er vor. Unaufhaltsam — immer der ersten einer. Die Kugeln der Feinde umpfiffen ihn, er merkte eS nicht. Mann um Mann sank neben ihm zur Erde — Bentheim wurde DaS Pferd unter dem Leibe