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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 61.
Dienstag, den 27. Mai
1918.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Vom 1. April 1913 ab sollen entsprechend den von ver- schiedenen Regierungen vorgetragenen Wünschen bei der Kontrolle der Einkommensteuer- und ErgänzungSsteuer-Zu« und -Abgänge folgende Aenderungen eintreten:
A. Die KontrollauSzüge (Artikel 83 Ziffer 6, 7, Artikel 85 I, Artikel 86 I, Artikel 87 Ziffer 1 der AuSsührungS- anweisung) sind als Zu- und Abgang-listen zu bezeichnen und zwar, soweit sie Physische Personen mit einem Einkommen von nicht mehr alS 3000 Mk. betreffen, als Listen A, die übrigen als Listen B. Sie werden von den Vorsitzenden der Veranlagung-kommission in der auf den Mustern XXVI und XXVII angegebenen Weise, je für sich, festgesetzt und zwar hinsichtlich der Abgänge mit dem Zusätze „vorläufig".
B. Die Benachrichtigungen deS Vorsitzenden der Veran- lagungSkommission an die Gemeinde- (GutS-) Vorstände über Aenderungen der Steuersätze im RechtSmittelversahren (Artikel 72 I), über sestgesetzte Zuschläge (Artikel 66 Ziffer 5) über Nachsteuern usw. haben fortan von vornherein durch Listen zu erfolgen, welche die für die Zu- und Abgangslisten bisher üblichen Spalten enthalten.
Diese Listen und Verzeichnisse dienen nach Vervollständigung durch den Gemeinde- (GutS») Vorstand alS Zu- und Abgangslisten.
C. Der Vorsitzende der Veranlagung-kommission trägt das Endergebnis jeder der zu A und B gedachten Listen und Verzeichniffe in eine von ihm Gemeinde- (GutSbezirkS-) weife zu sührende Kontrolle ein, versieht die eingetragenen Listen mit den, sür jede Gemeinde (GutSbezirk) alljährlich mit „eins" beginnenden Kontrollnummern und gibt sie an den Gemeinde- (GutS-) Vorstand zurück, der wegen Berichtigung seiner Kontrolle und wegen der Steuererhebung daS Erforderliche veranlaßt.
D. Im Interesse einer Beschleunigung der endgültigen Festsetzung, Verrechnung und Nachprüfung der Zu- und Abgänge wird fortan von der Einreichung der seitherigen Halb- jahrSlisten abgesehen, und eS ist, wie folgt, zu verfahren:
Vierteljährlich, bis zum 20. der Monate Juni, September, Dezember und März reicht der Gemeinde- (GutS-) Vorstand eine nach den Mustern 2 und 3 aufzustellende, die Ender- gebniffe der einzelnen Listen und Verzeichniffe des betreffenden Vierteljahr- nach der Reihenfolge ihrer Kontrollnummer enthaltende Aufstellung nebst den festgesetzten Zu- und AbgangS- listen und den Unterbelegen an den Vorsitzenden der Ver- anlagungSkommiffion ein. Letzterer fertigt, nachdem er sich überzeugt hat, daß sämtliche im letzten Vierteljahr festgesetzten Zu- und Abgang-listen ausgenommen sind, KreiSnackweisungen nach den sinngemäß abzuändernden Mustern XXVIII und
XXIX an, die er bis zum 1. Juli, bezw. 1. Oktober, 1.
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Mitten.
(Fortsetzung.)
Zwischen Napoleon- bunfle Brauen tritt eine düstere Falte. „Dacht ich'- bald l — Einerlei! — Bewacht ihn gut, Soldaten, bis ich ihn rusen lasse l Er soll mich — doch davon später —" wehrt er ab. — „DavoutI Wie ich hörte, haben Sie den Strom in einem Kahn überschiffen müssen?*
„Sire — mit Leben-gefahr. Die Donau ist unausgesetzt im Steigen. Dazu dieser österreichische Hauptmann — daß ihn der Teusel hole! — abermals haben seine abgelaffenen Schiffe die kaum notdürftig reparierte Brücke auseinander» geriffen."
„Parbleu . . . !" braust Maffena auf.
„Sire! Was soll nun werden?" ruft der Kommandant der Reservekavallerie. „Die eine Hälfte Ihre- HeereS nördlich, die andere südlich der Donau, beide getrennt durch den wilden Strom."
„Fragt daS mein kühner, ruhiger BeffiöreS?" gibt Napoleon mit kaltem Lächeln zurück. Eine eiserne Energie liegt auf seinem Gesicht. Und nun gräbt sich ein zynischlauernder Ausdruck um seine Lippen. Keffel erbebt. Napoleon erinnert ihn plötzlich an einen Tiger, der zum Sprung auSholt. Er winkt — und schreitet mit den Marfchällen davon — tiefer in den Busch hinein..
WaS führt der besiegte Eroberer im Schilde?--
Die Nacht senkte sich über die Erde.
Kessel saß noch immer, von den beiden Soldaten bewacht, harrend neben der Brücke, über die fort und fort, einem dunkeln Schattenzug aus der Unterwelt gleich, die französischen Truppen in die Lobau zurückzogen.
O, daß seine Kräfte sich verdoppelten, verzehnfachten damit er seine Bande zu lösen vermöchte, — daß ein Zaubermantel ihn hinüber zu den Seinen trüge, um ihnen Botschaft bringen zu können!
Januar und 25. März nebst den Zusammenstellungen der Gemeinden (GutSbezirke), den Zu- und Abgang-listen und den Belegen der Regierung überreicht. Letztere setzt nach erfolgtet Prüfung die Abgänge, soweit sie vorläufig festgesetzt sind, endgültig fest.
Im übrigen finden die seitherigen Vorschriften sinngemäße Anwendung. (I. Nr. II. 1448.)
Berlin, den 22. März 1913.
Der Finanzminister.
HerSfeld, den 22. Mai 1913.
Den Herren Bürgermeistern und GutSvorst Hern des Kreises sowie dem Magistrat der Stadt HerSfeld zur gefl. Kenntnisnahme und Beachtung.
An Stelle der bisherigen Zu- und AbgangSkontrollauSzüge bezw. Listen müssen vom 1. April 1913 ab die abgeänderten Zu- und Abgangslisten verwendet werden. Gleichzeitig kommen die neu angeordneten Muster 2 und 3 zur Anwendung.
Die Herstellung der Formulare, soweit sie von den Gemeinden zu beschaffen sind, habe ich der KreiSblattdruckerei übertragen. Nach Drucklegung werden Ihnen sür den nächsten Bedarf einige Formulare zugehen. Wegen der erstmaligen Aufstellung der Endergebnisse der Zu- und Abgangslisten für daS erste Vierteljahr 1913 ergeht noch besondere Verfügung.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer» Deranlagungs-Kommiffion:
Nr. 993. von GruneliuS.
HerSfeld, den 19. Mai 1913.
DaS Ober Ersatz Geschäft im Kreise HerSfeld findet am
Mittwoch, den 11. Juni und Donnerstag, den 12. Juni ds. 3s., jedesmal von morgens V28 Uhr ab in der neuen Turnhalle (August-Gottliebstratze) hierselbst statt.
Die Herren OrtSvorstände deS Kreises haben die ihnen demnächst zugehenden Vorladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald au-zuhändigen. Den Militärpflichtigen ist dabei zu eröffnen, daß sie zu den bestimmten Terminen pünktlich erscheinen müssen, und daß diejenigen, welche bei Aufruf ihrer Namen im MusterungSraum nicht anwesend sind, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu drei Tagen die im § 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Nachteile sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung alS unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben. Etwa nicht vorgeladene Militärpflichtige sind mir sofort namhaft zu machen.
Die Herren OrtSvorstände haben zu den Terminen persönlich zu erscheinen und solange im JMufterungslokale
Ein kurzer Hagel von Grschossen auS den Schlünden ihrer Kanonen hätte diesen Rückzug über den brausenden, grollenden Strom zu einem TodeSzuge der Armee der Korsen gemacht.
Aber kein Wunder geschah. Keffel blieb gebunden. Die Kanonen der Oesterreicher schwiegen. —
ES mochte Mitternacht sein, alS ein Adjutant an die Soldaten herantrat und ihnen befahl, ihren Gefangenen vor den Kaiser zu sühren.
Ueber Stock und Stein, durch Busch und Dorn sührte der Weg an die Südseite der Insel.
Vom Fackelschein beleuchtet, stand dort der Korse am User, von wenigen Getreuen umgeben, fast wie in da- Gebüsch hineingeduckt. Seine Lippen waren in verbissenem Grimm zufammengepreßt, seine Brauen in dumpfem Groll zusammen- gezogen.
Hoch schäumten die Wogen der Donau. Reißend schössen sie dahin. Ein elender Kahn schwankte auf den wilderregten Wassern.
Jetzt stand Keffel vor Napoleon. Sein Auge traf ihn düster drohend, stechend.
„Monsieur," murmelte er mit schneidendem SarkaSmu-, der 'eine an und für sich hohe Stimme beinahe schrill er» klingen ließ. „Sie haben Talent zum Komödiespielen gezeigt. AlS Jägerbursche machten Sie sich wahrhast charmant. Enfin! Heut nacht spielen Sie einmal Fischerknabe. Rudern Sie mich über den Strom, und Sie sind frei!"
„Ich?" Keffel prallte zurück. „Niemals! Niemals!"
„Ist Ihre Freiheit Ihnen so wenig wert?" höhnte Napoleon.
„Um den Preis, den Fernd aller Guten, den Feind meines Vaterlandes zu retten, verkaufe ich sie nicht," rief Keffel mit edlem Stolze. .
„Sie sind in meiner Hand, etn Wort von mir —"
»Sire — tun Sie mit mir, war Sie vor Ihrem Gewissen verantworten können! Gott hat daS empörte Wasser Ihnen zum Ziele gesetzt, ich werde ihm nicht in den Arm fallen. Danken und lobpreisen will ich ihn dafür!"
Und doch werden Sie mir willfahren!" rief Napoleon
anwesend zu fein, bis sämtliche JMilitärpflicbtige ihrer Gemeinde gemustert sind. In Behinderung-fällen ist stets für die Anwesenheit eine- Stellvertreter- zu sorgen. Nichtbeachtung dieser Anordnung wird in allen Fällen bestraft werben.
Beim Ober-Erfatz-Geschäft werden sämtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatzkommission zur Entscheidung vorgelegt. Alle familienmitglieder, auf deren Arbeits- oder JHichtarbeitefähigheit es bei der Beurteilung der Reklamationen ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder dee Reklamierten) haben deshalb im Cermin mitzuer- scheinen, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht ftattfinden kann.
Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat den Nachwei- hierfür durch drei glaubhafte, persönlich anwesende Zeugen zu sühren, oder ein Zeugnis einer beamteten Arzte- beizu- bringen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen Anfälle beziehen, ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Zeugnisse sich vorzugsweise über neuere fälle aussprerben. Jm übrigen find Krankheiten, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit feststellen lassen (z. B. geistige Beschränktheit, Bluthusten, Herzleiden usw.) durch Vorlage von ärztlichen Attesten nachzuweisen.
Befinden sich Reklamanten, welche ihre Angehörigen durch Geldsendungen unterstützt haben, ausserhalb, so ist der piachweis über die erfolgte Unterstützung durch die Vorlage der diesbezüglichen postecheine zu führen.
Die Herren OrtSvorstände haben da- vorstehende in ihren Gemeinden wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntnis der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lasten. Die Militärpflichtigen find noch besonders anzuweisen, dass sie mit vollständig reinem Körper und reiner däsehe zu erscheinen haben. Die Cosungsscheine find mit zur Stelle zu bringen, da anderenfalls der Betrag von 50 Pfennig für Ausstellung eine- DuplikatscheineS gezahlt werden muß.
Ebenso find diejenigen Militärpflichtigen, welche Augengläser (Brillen) tragen, anzuweisen, diese ebenfalls zum Ober- Ersatz-Geschäfte mitzubringen.
Ich mache noch besonders darauf aufmerksam, daß sämtliche zum Geschäfte erschienene Militärpflichtigen im MustecungS- lokale der AuShebung-kommission vorzustellen find. ES ist also den Herren Ort-vorständen nicht gestattet, Militärpflichtige ohne weiteres abzuweisen, wenn sie nicht verlesen wurden, oder wenn dieselben eine Vorladung nicht erhalten haben.
I. M. Nr. 1262. Der Landrat
von GruneliuS.
mit flammendem Zorne. „Die Brücke ist zerstört; unerkannt von den Meinen muß ich daS jenseitige Ufer erreichen —"
„Sire —"
„Keine Ausflüchte weiter, oder Sie sind ein Mann de- TodeS!" unterbrach in Napoleon.
„Hier ist meine Brust! Eher schießen Sie mich nieder, eh' ich solchen Verrat an meinem Vaterland übe," rief Keffel voll edelster Begeisterung. Der Schein der Fackeln zuckte über ihn hin. Seine Augen strahlten, seine Wangen brannten im Feuer heiligsten Opfermutes.
Düster blickte der Imperator auf ihn. Hier war jene» Selbstgefühl vorhanden, das politische Größen baut, jene- Selbstgefühl, durch dessen Absterben daS Deutsche Reich in Trümmer gegangen.
Wenn Preußen viele solcher ernsten, stillen Männer besaß —
Immer finsterer wird Napoleon- Antlitz; seine Hand ballt sich am Degen, er wendet sich mit drohender Gebärde —
„Soldaten — knüpft ihn an---"
„Sire, halten Sie an!" kommt eine Stimme au- dem Nachtdunkel. „Schenken Sie ihm da- Leben, und ich rette da- Ihre, indem ich Sie sicher über den Strom hinüberfahre!"
Der Kaiser wendet sich. In den Lichtkreis der Fackeln tritt ein Gefangener, wie Kessel von zwei Soldaten geführt.
„Wer sind Sie?"
„Ein Hauptmann, seit Monden in Oesterreich- Diensten, jetzt Ihr Gefangener, Sire!"
„Und — Sie wollten . . .?" Forschend senkt sich Napoleon- Blick in daS tiefgebräunte Gesicht de- Fremden.
Kessel aber ist zusammengezuckt.
Dieser Mann —? Jener Hauptmann ist'-, der mit ihm daS Marienbild gerettet. Die warme Sympathie, die er für ihn empfunden, will sich in Abneigung wandeln, und doch — und doch —I Angezogen und abgestoßen fühlt er sich zugleich.
Da klingen Napoleon- Worte an sein Ohr. „Wer bürgt mir dafür —Wie ein Zittern heimlicher Furcht vibriert er durch seine Stimme.