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herrseloer Arekblatt

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Fernsprech-^nschluh Nr. 8

Nr. 62.

Donnerstag, den 29. Mai

1913.

nichtamtlicher Ctil.

Zum fvnsundrwanrigiährigen Regierungsjubiläum unseres Kaisers.

IV.

Der Arbeiterschutz unter Kaiser Wilhelm II.

Neben der Arbeiterversicherung Deutschlands steht als zweiter gleichberechtigter und gleichwertiger Zweig staatlicher Sozialpolitik der Arbeiterschutz. Der Arbeiterschutz ist in seinem Ausbau und seiner gegenwärtigen Vollendung so recht eingentlich daS Werk Kaiser Wilhelms II. Wie die November­botschaft Kaiser Wilhelms I. die Magna charta der Arbeiter­versicherung ist, so dars man die Erlasse Kaiser Wilhelm- II. vom 4. Februar 1890 alS die Magna charta deS Arbeiter- schutze- bezeichnen. Auch diese Erlasse werden für alle Zeiten ein unvergängliches geschichtliches Dokument bleiben. Aus­gehend von dem bedeutsamen Gedanken, daß der Arbeiterschutz eine internationale Angelegenheit ist, ließ unser Kaiser Ein­ladungen zu einer internationalen Konferenz nach Berlin er­gehen. Diese Konserenz tagte unter dem Vorsitz deS preußischen Minister- v. Berlepsch vom 15.29. März 1890 in der deutschen ReichShauptstadt und hat Richtlinien für eine alle Kulturstaaten umsassende Sozialgesetzgebung ausgestellt. Da- erste praktische Ergebnis haben diese von unserem Kaiser ein« geleiteten internationalen Bestrebungen alSdann durch die Berner Arbeiterschutzkonvention vom 26. September 1906 mit dem Verbot der Nachtarbeit von Frauen in Gewerbebetrieben von mehr alS zehn Arbeitern und mit dem Verbot der Er- zeugung, Einführung und deS Verkaufs von Pho-pherzünd- hölzern gezeitigt.

Neben dem auf internationale Vereinbarungen gerichteten Streben aber war zugleich die nationale Arbeiterschutzgesetz- gebung Deutschlands ununterbrochen tätig. Wohl geht der Arbeiterschutz in Preußen-Deutschland in seinen ersten An­fängen bis aus daS preußische Regulativ vom 9. März 1839 zurück, aber welche gewaltige Ausgestaltung nach Breite und Diese hat dieses Gebiet staatlicher Tätigkeit nicht seither, ins­besondere unter Kaiser Wilhelm II. ersahren l Die Novelle zur Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 darf geradezu alS daS Arbeiterschutzgejetz par excellence bezeichnet werden und wird unter diesem Namen dauernd in der Geschichte sortleben. Aus der Grundlage dieses ArbeiterschutzgesetzeS haben alSdann die Novellen vom 30. Juni 1900, vom 28. Dezember 1908 und die letzte auS dem Dezember der Jahres 1911 rüstig und mit Erfolg weitergebaut. AuS der Fülle der Arbeiter- schutzbestimmungen, deren Wirksamkeit sich vielfach auch über die Lohnarbeiterschaft hinaus aus die selbständigen Gewerbe­treibenden und die kaufmännischen Angestellten erstreckt, kann hier nur da- Allerwichtigste flüchtig gestreift werden. Wir haben in Deutschland auf Grund deS § 120 e der Gewerbe­

Uerfrilbling.

Erzählung von M. von Mitten.

(Fortsetzung.)

Wenn sie nur schläft!" entgegnete der General gütig, dann will ich mich gern gedulden."

Exzellenz ich bitte um Verzeihung warum sollte das gnädige Fräulein Elisabeth heut nicht schlafen? Nach solch einer herrlichen Botschaft? Die ist auch ein prächtiges Ruhekissen. Meiner Treu, Exzellenz," er kam näher heran wir haben doch schon in manchen Schlachten zusammen­gestanden und manchen Sieg zusammen erfochten"

Ja, daS haben wir, du treuer Mensch"

aber solch eine Freude wie gestern ist mir denn doch noch nie geworden. Ich alter Kerl habe geheult wie ein Schloßhund vor Glückseligkeit. Mir ist grad zu Mut gewesen, alS löschte der Sieg bei Aspern da- Unglück von Jena und Auerstädt auS."

Rüche! nickte vor sich hin. Die seinen Hände lagen im Schoße gefaltet.Da hast du wohl recht, so ähnlich habe ich auch empfunden."

Ach, Herr General, nun will alles besser werden," fuhr der Diener in tröstendem Tone fort, indem er ehrerbietig, aber doch wie ein alter Vertrauter noch einen Schritt näher herantrat,nun wird unser verehrter König nicht länger zögern. Bald wird da- Sturmsignal durch Preußen schlagen, ganz Deutschland wird sich erheben, und Exzellenz! wir zwei beide, wir müssen mit!"

Ja!" bestätigte der General im Jubelton, indem er sich erhob und dem alten Diener die Hand auf die Schulter legte, Gustav, wir zwei beide, wir müssen mit!"

O, da- soll eine Sache werden, Herr General," tief Gustav mit strahlenden Augen.Ganz Pommern wird zu den Fahnen strömen, von wegen weil Ew. Exzellenz doch im stillen so viel unter den Leuten gewirkt. Dieser Napoleon, dieser Tyrann, dieser Sohn Beelzebubs, wird vertrieben werden in die Hölle, wohin er gehört. Preußen, das stolze Preußen

ordnung den sogenannten sanitären MaximalarbeitStag für erwachsene männliche Arbeiter, wir haben den 10stündigen MaximalarbeitStag für Arbeiterinnen, den MaximalarbeitStag für Jugendliche, daS Verbot der Kinderarbeit, die Sonntags­ruhe, den 9 Uhr- beziehungsweise 8 Uhr-Ladenschluß, kurz einen Arbeiterschutz, wie solcher, sofern man auch anderen not- wendigen Gesichtspunkten, wie der Selbstbestimmung des ein­zelnen und der Rücksicht auf die Konkurrenz der ÄuSlandeS, ihr Recht angedeihen lasten will, großartiger und umfassender gar nicht gedacht werden kann. DieS wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, daß alle die soeben genannten sozialen Errungen­schaften innerhalb deS Rahmens der Gewerbeordnung ihren Platz gesunden haben, daß eS daneben aber auch noch eine ganze Reihe von Sondergesetzen gibt, die dem gleichen Zwecke dienen. Wir nennen als solche Gesetze beispielsweise daS Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903, durch daS die Kinder­arbeit außerhalb der Fabriken geregelt worden ist, und daS HauSarbeitSgesetz vom 20. Dezember 1911, da- den Heim­arbeitern und Heimarbeiterinnen den erforderlichen Schutz ge­währleistet. Der gleiche, ja sogar mehrsach ein noch sort- schrittlicherer sozialpolitischer Sinn alS derjenige, der die ReichS- gesetzgebung durchweht, aber macht sich auf den der Sonder- gefetzgebung Preußens vorbehaltenen Gebieten deS ArbeiterrechtS bemerkbar. So sind beispielsweise die Arbeiterausschüsse, die sich in der Gewerbeordnung deS Reiches nur als fakultative Einrichtungen vorfinden, für alle Bergwerke Preußens mit wenigstens 100 Arbeitern obligatorisch gemacht worden.

Endlich wäre eS verfehlt, sozialpolitische Bestimmungen nur in denjenigen Gesetzen suchen zu wollen, die unter der ausdrücklichen Flagge der Arbeiterversicherung oder bcS ArbeiterschutzeS segeln. Sie sind vielmehr überall verstreut und finden sich oftmals an den entlegensten Orten, so beispielsweise in den Handelsverträgen mit Oesterreich und Italien und in dem Reichskaligesetz vom 25, Mai 1910. Hier findet sich die Bestimmung, daß die BeteiligungSziffern eine- Werkes in demselben Verhältnis ge­kürzt werden sollen, in dem sich der Lohn der Arbeiter gegen­über dem Durchschnitt-lohn von 19071909 vermindert. Darin liegt eine wenigsten- mittelbare staatliche Einwirkung auf die Höhe deS Lohn- in Privatbetrieben zu Gunsten der Arbeiterschaft, also ein gesetzgeberische- Novum von grund­sätzlicher sozialpolitischer Tragweite.

So ist die Gesetzgebung Deutschlands und Preußens während der letzten sünsundzwanzig Jahren in allen ihren Teilen mit einem starken Strome sozialpolitischen Geiste- durchtränkt worden. Der tiefste Grund hierfür aber ruht in der wurzelechten christlichen Frömmigkeit unseres Kaiser-, der sich allezeit in erster Linie al- einen Herrscher der Geusen, der Armen und Schwachen, gefühlt hat, und dem der Schutz der Bedrängten stet- oberste Regentenpflicht und dringendsten- Herzensbedürfnis war und ist.

unseres alten Fritz, wird von neuem ausgerichtet, und al- herrlichen Nebenlohn erleben wir, daß unser Herr Major von Schill doch noch gerettet und wieder in Gnaden bei unserm König ausgenommen wird."

O, daß du recht hättest!" Schmerzlich zuckte eS um die Lippen deS alten Generals.Daß eS dazu noch nicht zu spät wäre!"

Da sei Gott vor, Herr General," entgegnete Gustav. Seine Augen wurden feucht.Gewiß, zur rechten Zeit, da die Not am höchsten, hat unser Herrgott unS den Sieg von Aspern gesandt.' O Exzellenz I Dann möcht ich mit Freuden in die Grube fahren, wenn meine alten Augen daS noch sehen dürsten: unser gnädige- Fräulein und den Herrn Major von Schill alS ein Paar."

Der alte Rüchel erwiderte kein Wort. In der Kehle stieg eS ihm heiß. Gott! Wenn daS noch möglich fein sollte! Sein arme- Kind! Wie hatte sie klaglos gelitten in diesen Tagen! Er schluckte und würgte die aufsteigenden Tränen hinunter und nahm mit den schlanken, graziösen Fingern um­ständlich eine Prise auS der goldenen Sabotiere, die er auS der Westentasche unter seinem Uniformrock hervorzog.

Ein echtes Soldatenmädel!" murmelte er mit zärtlichem Stolz.

Ja, Exzellenz! Unser alter König selber hätte seine Helle Freude daran gehabt. Herrgott noch'n mal, nicht gemuckst hat sie, als all die Hiobsbotschaften kamen, immer Zähne zusammengebisfen, und daS feste. Zum Erbarmen hat sie dreingeschaut, wie ein Engel so bleich. Und die großen, tob- traurigen Augen! DaS Herz hat'- einem entzweigeschnitten in der Brust." m

Ja bar hat'- einem," nickte Rüche! in sich hinein.

Wissen der Herr General, wie daS gnädige Fräulein mir vorgekommen sind?! So wie 'ne echte, rechte Heldin, so wie die Jungfrau von OrleanS, die der Schiller geschrieben, der nun tot ist wo der Herr General mich 'mal in Berlin mit inS Theater genommen haben. Grad so, hab' ich all die Tage gedacht, ist unser gnädige- Fräulein Elisabeth auch!"

Diesmal lächelte Rüchel dem alten Diener herzlich und voll inniger Rührung zu.

Die HochzeitSgeschenke der Prinzessin Bivoria Luise.

Im Königlichen Kunstgewerbe-Museum zu Berlin sind die HochzeitSgeschenke der Prinzessin Viktoria Luise au-gestellt worden. Die wertvollsten Geschenke bestehen, wie eS selbstver­ständlich ist, in Schmucksachen. Die Prinzessin hat zur Hochzeit eine große Reihe der wertvollsten Juwelen geschenkt erhalten, die sie zum Teil bereit- bei der Galaoper am Freitagabend trug. Eine Anzahl der Schmucksachen wurde vom englischen KönigSpaare geschenkt, unter denen besonder- eine prachtvolle, diomantenbesetzte Tiara Hervorhebung verdient. Weiter schenkte daS englische KönigSpaar einen ganzen Juwelenkasten und einen mit Brillanten besetzten wundervoll gearbeiteten Schirm­griff. Der Schwiegervater der Braut, der Herzog von Cumberland, brächte ein Brillantenkollier von sehr hohem Werte, und der Kaiser von Oesterreich sandte ein mit zahl­reichen Diamanten besetztes Armband. Zu den Juwelen gehört ferner ein vom Herzogtum Braunschweig geschenkte- Diadem und eine PerlenhalSkette, die von der Stadt Hannover dargebracht wurde. Die übrigen Geschenke der Fürstlichkeiten bestehen inGebrauch-gegenständen" für die künftige Woh­nung des PrinzenpaareS d. h. NippeS, Teppichen usw. Da- englische KönigSpaar bracht« außer seinen eigenen Geschenken noch eine ganze Reihe von Gaben der anderen Mitglieder der königlichen Familie mit, darunter ein wertvolle- TeeservicefauS Porzellan, mehrere höchst wertvolle Vasen, eine Standuhr von Platina und Marmor und, alS besonderes Geschenk für den Prinzen Ernst August, ein Automobil, da- allerdingS nicht im Kunstgewerbe-Museum ausgestellt ist. Der Zar schenkte dem Prinzenpaar eine äußerst kostbare Schmuckschale auS Malachit. Diese- Geschenk entspricht der Tradition deS russischen Hose-, der bei früheren Gelegenheiten ähnliche wert­volle Schalen, Vasen, Tafelaufsätze usw. auS Halbedelsteinen an daS preußische KönigShauS geschenkt hat. DaS italienische KönigSpaar schickte einen, aus einem Baumstamm sitzenden, in Silber ziselierten Adler und silberne Nachbildungen von antiken Vasen. Der König von Sachsen ließ einen Tafel­aussatz au- Meißener Porzellan überbringen. Besondere- Entzücken bei den Sachverständigen dürfte der Teppich erregen, den der türkische Botschaster Mahmud Muktar Pascha im Aufträge dc- Sultan- übergab. Der Teppich ist von unver­gleichlicher Schönheit nnd repräsentiert einen außerordentlichen Wert.

ES ist natürlich nicht möglich, die unendlich große Zahl aller HochzeitSgeschenke hier einzeln aufzuzählen, ein paar Stich­proben mögen deshalb einigermaßen einen Begriff von der Vielseitigkeit der Ausstellung geben. Die braunschweigische Ritterschaft schenkte zwei prächtige Leuchter, die braunschweigische LandeSrechts-Partei einen nach Alt-Braunschweigischem Bor- bilde in Silber gegossenen wappentragenden Löwen aus schwarzem Marmorsockel, die Stadt Berlin bekanntlich einen

Ja, seine Elisabeth!

Gustav aber kraute sich plötzlich verlegen hinterm Ohr.

Ne, Exzellenz! Da fällt mir ein, seine ganze Richtigkeit hat da- denn doch nicht. In den Vaterlandsseind, da hätte sich unser Fräulein Elisabeth denn doch niemals nicht verliebt."

Gustav, Du hast heute wirklich in allen Stücken recht," lachte Rüchel sein.Aber nun nimm einmal die alten Beine in die Hand und lug' auS, wo unser gnädige- Fräulein bleibt I"

Da ist sie, Väterchen," sagte eine wohltönende, warme und frische Stimme. Elisabeth stand im Rahmen der Tür. Guten Morgen!"

Guten Morgen, gnädige- Fräulein!"

Guten Morgen, Mädel! Fein geschlafen?" Freudig und mit seiner Galanterie erhob sich der Vater.

Geschlafen Väterchen?! Nach solcher Botschaft gestern? I Schau mich doch an!" Sie trat zu ihm und bot ihm den Mund zum Kuß.AuSgeritten l O ich sage dir, herrlich war'S! Selbst Antigone schien da- Glück über diesen Sieg in allen Adern zu spüren."

DaS glaub ich, solch sensibles Tier! Wenn eS der Herrin in allen Nerven zuckt!" lächelte der Vater stolz. Glückselig blickte er die Tochter an. Wohl erschien sie fast überschlank in dem schwarzen schleppenden Reitkleide, daS ihre edle Gestalt eng umschloß; aber ein zarte- Rosa lag heut wie ein Hauch aus ihren sonst immer so bleichen Wangen, ihre dunklen Augen blitzten und sprühten, und die kurzen Locken und Söckchen hatte der Morgenwind keck durcheinander- geweht.

Der Vater schmunzelte. Ein süßer Trost kam über ihn. Vielleicht wurde doch noch alle- gut.

Komm! Wenn eS dir recht, setz' dich mit mir, so wie du da bist, zum Frühstück," kam eS auS dem Wunsche her­aus, sie nicht gleich wieder entbehren zu müssen, über seine schmalen Lippen.

Wenn du erlaubst, Väterchen gern!" entgegnete Elisabeth.Ich habe mich schon draußen am Brunnen ge­säubert, weil ich mich verspätet hatte. Gestatte nur, daß ich