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herrMer Kreisblatt
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Fernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 67.
Dienstag, den 10. Juni
1913.
Amtlicher teil.
Mit bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 4. d. MtS., durch welche die beiden Häuser der Landtage- der Monarchie auf den 12. Juni 1913 in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden find, mache ich hierdurch bekannt, daß die Eröffnung der Tagung
am 12. Juni 1913 vormittag- 11 Uhr in gemeinschaftlicher Sitzung beider Häuser im Sitzungssaal« der Hause- der Abgeordneten stattfinden wird. I. c. 16671. Ang. Berlin, den 5, Juni 1913.
Der Minister deS Innern, v. D a l l w i tz. • *
Her-feld, den 9. Juni 1913.
Wird veröffentlicht.
I. 6863. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
Berlin, den 22. Mai 1913.
Auf Beschluß deS Königlichen Staat-ministerium- soll aus Anlaß des 25jährigen Regierung-jubiläum- Seiner Majestät des Kaiser- und KönigS am 16. Juni d. JS. bei sämtlichen staatlichen Behörden der Monarchie der Bureaudienst ebenso wie an Sonntagen geregelt werden. (1 e. 1375. F. M. S. I. Nr. 754.)
Der Minister deS Innern. Im Austrage. Unterschrift.
Der Finanzminister. Im Auftrage. Unterschrift.
An sämtliche Herren Regierungspräsidenten und den Herrn Polizeipräsidenten hier.
*
Her-feld, den 5. Juni 1913.
Wird veröffentlicht.
I. 6543. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSseld, den 5. Juni 1913.
Um Unterlagen für die Kirchensteuer-Veranlagung zu gewinnen, hat der Kirchenvorstand der hiesigen katholischen Gemeinde ersucht, die OrtSvorstände zu veranlassen, ihm solgendeS mitzuteilen:
1) Die Namen sämtlicher innerhalb der einzelnen Ortschaften der KreiseS zur Staat-einkommensteuer und zur fingierten Normalsteuer veranlagten Katholiken unter Angabe der einzelnen Steuerbeträge.
2) Die Namen deS katholischen Teil- gemischter Ehen, soweit die Ehemänner zur Staat-einkommensteuer oder fingierten Normalsteuer veranlagt find, ebenfalls unter Angabe der einzelnen Steuerbeträge.
Ich weise die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS KreiseS, soweit in ihren Ortschaften Katholiken wohnen (mit Ausnahme der Stadt HerSseld) an, die geforderten Nach- Weisungen sogleich auszustellen und bi- spätestens zum 1 5.
Vorfrühling.
Erzählung von M. von Mitten.
(Fortsetzung.)
Da — dringt nicht Geschützlärm an sein Ohr? Vom Kniepertor her schallt da- dumpse Gedröhn. Sind dort die Engländer etwa aus seindliche Truppen gestoßen? Oder sollten die Leinen etwa gar in unseliger Verblendung auf die Engländer schießen?!
Um Gottes willen! Er drückt seinem Schimmel die Sporen in die Weichen.
Jetzt durchsprengt er da- Kniepertor, Ueber die Brücke reitet er hinüber zu den Außenwerken.
Artillerie ist vor der Feste aufgefahren, — eine von ihren Kugeln schlägt dröhnend und zischend einige Schritte von ihm in den Boden. Mit unbarmherziger Grausamkeit reißt sie ihn au- seinem Wahne. Nicht Freunde, Feinde stehen vor den Toren der Stadt.
Schill hält auf seinem Schimmel wie gelähmt.
In eben dem Augenblick rückt der Feind zum Sturme vor. Die Schillschen Schützen weichen zurück bi- an den Ravelin. Da- gibt den Mann sich selbst zurück. Wie der Blitz jagt er seinen Schützen zu Hülse, stellt sich mit gezücktem Degen an ihre Spitze.
„Kinder, verlaßt mich nicht! Mit Gott für König und Vaterland!"
Heller Jubel umjauchzt ihn.
„Mit Gott für König und Vaterland!"
Wie angeschoffene Eber brechen die braven Schützen, von ihrem Major geführt, au- dem Ravelin und werfen die Feinde zurück. Wieder und wieder. Ein Ebben und Fluten ist'-, — immer wieder entflammt da- Vorbild ihre- Major- die Leute zu beispielloser Tapserkeit.
Da läßt Gratien Geschütze aus da- GlaciS auffahren. Sie speien ein ununterbrochene- Feuer aus die Werke.
Und plötzlich stürmen von neuem mit wuchtendem Anprall die feindlichen Infanterieregiment« heran. Rasch wie ein
dS. M t -. an den katholischen Kirchenvorstand, Herrn Pfarrer Malkmu-, hier einzusenden.
Ueber daS Veranlaßte ist mir bis zum 15. d-. MtS. zu berichten; auch Fehlanzeige ist erforderlich.
Der Termin ist pünktlich inne zu halten.
Ich weise auf meine Versügung vom 7. 9. 1911
I. Nr. 2636, (KreiSblatt Nr. 106) Absatz 3 hin.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommiffion.
, I. Nr. 1375. von GruneliuS.
HerSseld, den 4. Juni 1913.
DaS Proviantamt Fulda wird mit Beginn der Ernte den Ankauf von neuem Heu ausnehmen.
Heu kann eingeliesert werden:
1. unmittelbar von der Wiese, ehe e- zu schwitzen ange- sangen hat,
2. srühestenS 6 Wochen nach der Ernte, nachdem eS auSgeschwitzt hat.
DaS Heu muß gut gewonnen sein, eine srische Farbe und einen kräftigen Pflanzengeruch haben; eS darf keine schlechten oder wertlosen oder gar schädlichen Gräser oder Kräuter (Schachtelhalm, Binse, Seppe, SchnittgraS, Herbstzeitlose) enthalten und nicht staubig oder mit Schlamm überzogen sein.
I. 6620. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
HerSseld, den 3. Juni 1913,
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher weife ich erneut auf die Verfügung vom 5. Februar 1913, I. 1561, (KreiSblatt Nr. 18) hin, mit welcher ich die Bestimmungen über die Benutzung der Königlichen Beschäler auf den Gestüt- stationen Niederaula und Heringen bekannt gegeben habe und erinnere ausdrücklich an die pünktliche Einsendung der Ab- fohlungSergebnisse an die Station-wärter sowie auch an die Bezahlung der fälligen Deck- und Fallengeld« seitens der Züchter.
I. 1581. Der Landrat.
I. A.:
Trost, RegierungS-Supernumerar.
HerSseld, den 6. Juni 1913.
Die Herren Bürgermeister derjenigen 43 Gemeinden deS hiefigen Kreises, die noch mit Einzahlung der Betrieb-- st e u e r für da- Rechnungsjahr 1913 im Rückstände sind, werden hierdurch ersucht, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß die Einzahlung bei der KreiSkommunalkasse hier nunmehr bis spätestens zum 15. b. Mts erfolgt.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von GruneliuS
Landrat.
schlagende- Wetter sollen die Holländer über die Lünette her und ergreifen von ihr Besitz.
Schill- zufammengeschmolzeneS Häuflein wird zurückge- worsen, — über dir Brücke wird e- gedrängt, mit solcher Gewalt, daß eS nicht vermag, sie hinter sich aufzuziehen. Die Holländer preschen hinter ihnen her; in daS recht-gelegene Hornwerk, da- von den Dänen inzwischen genommen, dringen sie ein und richten von hier ihr mörderisches Feuer aus den Hauptwall und die Hospitalstation. Gott, barmherziger Gott I Jetzt ist die Stadt nicht länger zu halten!
Ein unheimliches Grausen schleicht Schill zum Herzen — Elisabeth, der Lorbeer war nur ein Traum! Nicht der Sieg — daS Ende mit Schrecken ist da, so schreit eS in seiner Seele. Ja, ein Ende mit Schrecken soll e- werden! Erzittert, ihr Feinde, wenn ihr die Feste betretet! Ein Beispiel will ich geben, da- weithin flammend ganz Deutschland an seine heiligen Pflichten gemahnt.
Er rast zurück den Weg, den er gekommen. Nun ist er aus dem neuen Markt. Dort steht noch immer seine Kavallerie.
„Herr Leutnant von Horst, sprengen sie zum RathauS! Der Magistrat soll augenblicklich an brennbaren Stoffen zusammentragen lassen, waS er nur aufbringen kann I"
Von der Horst jagte davon.
Schill reitet zu Brünnow heran.
„Brünnow, du hattest nur zu Recht, die Rotröcke find Dänen. Laß aufsitzen! DaS Kniepertor ist nicht zu halten. Gleich bin ich zurück." Und ohne dem Freunde einen weiteren Besehl zu erteilen, jagt er davon zum Zeughaus.
Er springt vom Pferde — durcheilt die Räume — versichert sich mit scharfem Blick noch einmal bet vorhandenen Pulvervorräte. Hunderte von Zentnern sollen eS sein. Genug — übergenug, um . . .
Mit den Gebärden eines Wahnsinnigen stürzt Schill nach dem Rathause am Alten Markt.
Alle Stadtvät« find droben versammelt.
Noch einmal setzt er die ganze, einst so bezwingende Kraft feinet Persönlichkeit ein, bietet noch einmal seine ganze flammende Beredsamkeit aus, um all diese kleinlich wägenden
jp-lizriveesednnng.
Auf Grund deS § 12 dc- GesetzeS, betreffend die Anlegung, Veränderung und Bebauung von Straßen und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften vom 2. Juli 1875, und der §§ 6 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867, betreffend die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen LandeS- teilen, wird nach Beratung mit dem Gemeindevorstande nachstehende Polizeiverordnung sür den Gemeindebezirk PhilippS- thal erlassen:
8 1.
Alle Straßen, Straßenteile und Plätze in dem Gemeindebezirk Philipp-thal, die dem öffentlichen Verkehr und dem Anbau dienen sollen, müssen so hergestellt sein, bezw. werden, daß sie den folgenden Vorschriften entsprechen.
§ 2.
Jede Straße besteht au- einer Fahrbahn und zwei aus beiden Seiten der Fahrbahn befindlichen gleichbreiten Bürger- steigen. Die Festsetzung der Breite der Fahrbahn und der Bürgersteige erfolgt durch den Gemeinderat unter Zustimmung der Polizeiverwaltung. Die Breite der Fahrbahn muß mindestens sechs Meter, die der Bürgersteige, wenn solch« durch den Gemeinderat vorgesehen find, mindesten- je iVa Meter betragen.
§ 3.
Die Breite der zur Fahrbahn gehörigen gepflasterten Rinnen soll mindesten- 40 cm betragen.
§ 4.
DaS Längengefälle der Straße soll 1:15—20 nicht überschreiten. DaS Quergesälle der Fahrbahn (von der Mitte nach den Stroßenrinnen) soll bei gepflasterten Straßen 1:50, bet Haussierten Straßen 1:20, da- Quergesälle der Bürgersteige (von der Hinterkante derselben bi- an die Außenkante der Randsteine gemessen) 1:35 nicht überschreiten.
§ 5.
Die Art der Besestigung der Straße sowohl der Fahrbahn als der Bürgersteige bestimmt der Gemeinderat. Die Bürgersteige sollen erhöht und an den Stroßenrinnen mit Randsteinen besestigt sein. Auch bei Haussiert« Fahrbahn müssen die Stroßenrinnen gepflastert sein.
§ 6.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehend« Polizeiverordnung werden mit einer Geldstrase von 1 bi- 9 Mark oder entsprechender Hast bestraft.
§ 7.
Die Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntmachung in Krast. Die den gleichen Gegenstand regelnde Polizeiverordnung vom 14. Februar dS. J-. — KreiSblatt Nr. 60 — wird aufgehoben.
Philippsthal, den 6. Juni 1913.
Die VrtrpolizeibehSrde
Dr. » o e
Männer von der Notwendigkeit der Ausführung seines grandiosen Entschlusses zu überzeugen, von der Notwendigkeit, daß diese Feste, die sich vor wenigen Jahren dem Eroberer feige in die Arme geworsen, durch ihren heiligen Opfertod sühnen müsse, waS fie an Preußen verschuldet. Umsonst I Umsonst! Sie verstehen in nicht. Welten liegen zwischen ihnen und diesem Manne. Für einen Irren halten sie ihn. WaS gilt ihnen daS Vaterland, wenn ihr Besitztum, ihr Leben bedroht ist? WaS will er eigentlich? Sollen fie ihm vielleicht Brenn- stoffe liefern, damit er mit den Pulvervorräten im Zeughause die Stadt in die Lust sprenge, um sich und fie unter ihren Krümmern zu begraben? I
Hirnverbrannter Schwärm«! Ein mitleidig-hohnvolle- Lächeln nur haben fie für den Mann, den sie gestern noch fürchteten, der heute in seiner Ohnmacht wie ein Bettler vor ihnen steht.
Wie ein Abgrund tut sich'- vor Schill aus. Ekel erfaßt ihn. Alle Ideale, für die er gekämpft — find fie in solcher Welt deS KampseS wert?!
O Gott! Barmherziger Gott! Jetzt nur noch einen raschen ehrenvollen Tod!
Er schwingt sich auf sein Roß.
Er will zum neuen Markt zurück, um sich an die Spitze seiner Schwadronen zu setzen. Ein paar seiner Husaren stürzen auf ihn zu, der Trompeter Boxlet an ihrer Spitze. Mit fliegenden Worten rufen sie ihm zu, daß daS Kniepertor erstürmt sei.
Da wälzen sich auch schon die kämpsenden Knäuel Schillsch« und holländisch-dänischer Truppen aus den Alten Markt. Holländer und Dänen brechen mit wildem SiegeSgeheul auS den umliegenden Gaffen hervor, als habe die Erde sie auS- gespien. Schill will sich an der Nicolaikirche vorbei zurück zum neuen Markt wenden — er wird abgeschnitten — ein wildeS Gemetzel wütet um ihn her — ein Morden, ein Schlachten. Er haut sich durch — immer noch den Gedanken sesthaltend: Zurück! An die Spitze meiner Schwadronen! Doch immer weiter wird er abgedrängt — die Husaren werden von ihm getrennt — überall, wohin fein heiß« Blick fliegt, ein grauenerregende» Blutbad!